Herzreim mit Fußball
Veröffentlicht: 21. Februar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Ink&Wash, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Funchal, Madeira Hinterlasse einen KommentarIm Restaurant „Rima Coração“ in Funchal.

Im Restaurant „Rima Coração“ in Funchal. Super5 Tinte in Grau, mit einem Lamy Joy Kalligraphie-Füller.
Am fünften Tag kam der lange angekündigte Regen nach Funchal, was mir einen ruhigen Tag bescherte. Abends bin ich dann zum Einkaufen und Essen in die Stadt gelaufen (200 Höhenmeter runter, das will wohl überlegt sein). Zwischen Markthalle und Busbahnhof gibt es einige Restaurants und Cafés, die vorwiegend von Portugiesen besucht werden, und ins „Rima Coração“ lockte mich eine handgeschriebene Tafel mit Tagesgerichten wie Ziegeneintopf und geschmortem Tintenfisch – also nichts wie rein! Ich wurde nicht enttäuscht, das Essen war so köstlich wie preiswert.
Da im Fernseher – natürlich gibt es in dort einen – Fußball lief, konnte ich wunderbar Gäste beobachten und zeichnen. Der Kellner allerdings hing mit der Nase praktisch in seinem Handy, während er seine Suppe schlang.
„Rima Coração“muss auf deutsch so etwas wie „Herzreim“ bedeuten, auch wenn ich mir darauf keinen Reim machen kann. Ein orangefarbenes Herz findet sich jedenfalls im Logo. (Seltsamer Weise gibt es eins, wie auch eine Art corporate design in Orange und eine schöne bunte Touristenspeisekarte.)
Mensch, Kaktus und Ritterstern
Veröffentlicht: 19. Februar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Artist Journal, Pflanzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Amaryllis, Madeira Hinterlasse einen KommentarAm vierten Tag meiner Reise ging der Weg in den Botanischen Garten von Madeira. Das ist wörtlich zu nehmen, denn mein Hotel befindet sich in relativer Nähe dazu – es liegen nur zweihundert Höhenmeter dazwischen. Das ist in Funchal nicht viel. Also auf die Füße und los. Ich hatte den Ort in sehr schöner Erinnerung, leider wurde der Eindruck dieses Mal von Menschenscharen getrübt, die ein Bus nach dem anderen ausspieh. (Merke: Touristen sind immer die anderen.) Außerdem – der Park liegt schon 400 m über dem Meer – ging ein ordentlich kühler Wind.
Die weißen Lilien haben mich dann in ihren Bann gezogen. Ich erinnerte mich noch daran, im August weiße Amaryllen im Wald oberhalb von Funchal gesehen zu haben – sie hatten mich so fasziniert, dass sie mir später sogar im Traum erschienen sind!
Später habe ich mich dann zwischen den Mauern der Sukkulentenabteilung vor dem Wind verkrochen. Und da ich einen Größenvergleich für den Kaktus brauchte, kam mir der nächste mützentragende Rentner gerade recht. So hat sich dann alles noch gut gefügt (und fand seine krönende Fortsetzung in einem Orchideengewächshaus, doch das ist die nächste Geschichte.)
- Powells Hakenlilie, eine nahe Verwandte der Amaryllis.
- In der Sukkulentenabteilung.
Madeira
Veröffentlicht: 18. Februar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Funchal, Madeira, St.Michael Hinterlasse einen KommentarDieses Jahr habe ich zum ersten Mal ausprobiert, wie es sich anfühlt, im dem deutschen Winter in den Süden zu entfliehen. Auf Madeira war ich vor anderthalb Jahren schon mal im Sommer gewesen, und in seiner Mischung aus Urbanität und grandioser Natur, aus Ursprünglichkeit und europäisch geprägter Weltläufigkeit sucht es vermutlich seinesgleichen.
Ich hatte die Vorstellung gehabt, einfach nur im Café zu sitzen und zu zeichnen, das habe ich auch getan, und dann hat das frische und freundliche Wetter natürlich auch zum Wandern animiert. (Da hier alles recht klein ist und die Berge steil, kommt man mit einer dreiviertelstündigen Bus- oder Taxifahrt schon von null auf tausend Meter Höhe.)
Hier ein paar Eindrücke von den ersten Tagen.
- Tag 1. Beim Frühstück in einem Café bei der Kathedrale beobachte ich eine erstaunliche Szene. Eine Bettlerin geht von Tisch zu Tisch, ein junger Portugiese gibt ihr offenbar ein Frühstück aus. Sie nimmt ganz selbstverständlich an einem der weiß gedeckten Tische Platz, und genau so selbstverständlich wird sie dort vom Kelnner bedient.
- Tag 2. Die ehemalige Jesuitenkirche, jetzt Universitätskirche ist über und über barock dekoriert. Ich finde wieder einen seelenwägenden Michael, und dieses Mal lese ich nach: so selten ist das ikonographische Motiv gar nicht ja, der Ausdruck „gewogen und zu leicht befunden“ erinnert noch daran.
- Tag 3. Bergwanderung mit steilem Aufstieg aus einem unzugänglichen Tal. Oben wartet ein Aussichtspunkt (zu dem natürlich auch ein Bus fährt) mit grandiosem Panorama.
Lübeck 2016
Veröffentlicht: 13. Februar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Gotik, Lübeck Ein KommentarNach meinem Ausstellungsbesuch in Lübeck hatte ich einige Zeit später noch einmal in der Stadt zu tun. Ich freute mich schon darauf, wieder ins St.Annen-Museum zu gehen und mir die Exponate, die dort zum stationären Bestand gehören, noch einmal anzusehen. Doch leider – montags hat Lübeck geschlossen. Kirchen, Museen, Cafés – alle brauchen anscheinend eine Pause vom anstrengenden Wochenende.
Schließlich fand ich aber doch noch zwei schönen Plätze zum Zeichnen. Das Arkadencafé des Hauses Niederegger besticht nicht nur durch wunderbare (und gehaltvolle) Marzipantorten, sondern auch durch ein besonders schönes Ambiente in den verglasten gotischen Rathausarkaden. Und auf dem Weg zum Bahnhof fand ich dann noch das Bistro in der Stadtinformation, wo man aus den großen Fenstern direkt auf das Holstentor blickt. (Wenn ab Dienstag wieder Vollbetrieb in der Stadt ist, sind beide Orte vermutlich überfüllt, an diesem Montagnachmittag war es sehr angenehm.)
- Café Niederegger in den Arkaden am Lübecker Rathaus.
- Holstentor von der Stadtinformation aus.
Lübeck 1500
Veröffentlicht: 11. Februar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Farbstifte, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Hansestadt, Lübeck, St.Michael Hinterlasse einen Kommentar- Der Teufel beißt in den Wanderstab des heiligen Antonius. Von einem Altar der Antoniusbrüderschaft. Marker und Wasserfarbe in S&B Beta.
- Der heilige Michael als Seelenwäger. Bemaltes Flachrelief. Bleistift und Aquarellstifte in S&B Alpha.
Anfang Januar war ich in Lübeck in der Ausstellung „Lübeck 1500“, einer spektakulären Sammlung sakraler Kunst aus dem Ostseeraum. Zeichnend konnte ich nur einen Bruchteil erfassen, habe mir auch leider keine genauen Notizen zu Herkunft und Entstehung der Bildwerke gemacht, und mittlerweile hat sie leider geschlossen.
Ich habe mich auch an zwei Madonnen versucht, aber am schönsten sind dann am Ende die etwas dynamischeren Motive geworden. Der grünbraune warzige Teufel zu Füßen des heiligen Antonius hatte es mir besonders angetan. Im Original ist er vielleicht 60 cm hoch, also nicht ganz klein. (Das war überhaupt das Schönste an der Ausstellung, dass man diese sakralen Kunstwerke, die sonst in Kirchen irgendwo hoch oben oder weit weg stehen, von Angesicht und auf Blickhöhe sehen konnte.)
Der seelenwägende Michael ist überlebensgroß und dürfte für einen mittelalterlichen Menschen recht beeindruckend gewesen sein. In der linken Waagschale bemüht sich ebenfalls ein Teufel. Mit einem Mühlstein versucht er, dem Gewicht der guten Werke der armen Seele etwas entgegen zu setzen – vergeblich.
Zeitsprung
Veröffentlicht: 24. Januar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Jens Hübner, Mecklenburg, Schwerin Hinterlasse einen Kommentar
Abendstimmung am Schweriner Marienplatz. Mischtechnik in Stillman&Birn Alpha.
Der Marienplatz ist im provinziellen (doch, doch) Schwerin in etwa die großstädtischste Gegend. Hier kreuzt einiges an öffentlichem Nahverkehr und Einkaufsmeilen, die auch sonnabends lange auf haben. Gestern war bei Schneematsch und Nieselregen der Betrieb eher gedämpft, und als ich Richtung Innenstadt abbog, hielt ich für einen Moment die Luft an, so verblüffend war der Anblick. Eine Baulücke gab den Blick frei auf eine schneedämmrige Hoflandschaft mit Bäumen und unsanierten Nebengebäuden. Der Abriss eines vermutlich Jahrzehnte alten Behelfsbaus hatte dazu ein paar alte Werbeschriften wieder zum Vorschein gebracht – für eine kurze Minute war mir, als hätte jemand den Film der Gegenwart angehalten, um mich in die, sagen wir mal, 60er Jahre blicken zu lassen.
Ich habe das Bild mit relativ weichem Bleistift angelegt und zu Hause mit Aquarellfarbe ergänzt – die gelben Briefkästen mit Aquarellstiften von Faber Castell – ein kleiner Gruß an Jens Hübner.
Strauchpäonie
Veröffentlicht: 14. Mai 2015 Abgelegt unter: Botanische Malerei, Urban Sketching | Tags: Päonie, Schwerin Ein KommentarZu meiner großen Freude blühen die Strauchpäonien im Schweriner Burggarten wieder. Strauch- oder Baum-Päonien sind eng verwandt mit unseren Gartenpfingstrosen, ziehen aber im Gegensatz zu diesen nicht ein, sondern bilden Sträucher mit kräftigen, verholzenden Stielen. manche werden über zwei Meter hoch. Die Blüten sind oft riesig, was zu einem interessanten Gegensatz zur feinen, seidigen Struktur der Blütenblätter steht.
Diese hier sieht einer „normalen“ Pfingstrose in Form und Struktur sehr ähnlich, misst auch „nur“ 16 cm im Durchmesser.
Ich hatte mich für meinen Besuch bei den Schönheiten mit Zeichenutensilien reichlich ausgestattet, musste allerdings feststellen, dass Pflanzen keine Stadtansichten sind. Mein großes schönes botanisches Skizzenbuch war zu unhandlich für freihändiges Arbeit, der Wasserpinsel zu klein, der Bleistift zu hart … Im Resultat habe ich das meiste zu Hause ergänzt und mich für schöne dicke Konturen entschieden, um die eine oder andere Ungenauigkeit zu vertuschen.

Strauchpäonie (Peonia suffriticosa) im Schweriner Burggarten. Aquarell (White Nights) und Marker in S&B Zeta.
Weihnachtsland
Veröffentlicht: 28. März 2015 Abgelegt unter: Artist Journal, Bewohntes Gelände, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Glas, Thüringen, Weihnachten 2 KommentareDer Thüringer Wald ist Glasbläserland, und der uns allen vertraute Baumschmuck aus Glas wurde Mitte des 19.Jahrhunderts hier erfunden. Als ich Anfang März in Neuhaus war, lag dort noch Schnee, und ein Besuch im „Weihnachtsland“ der Glasmanufaktur Greiner erschien mir saisonal durchaus passend. Da sich im Zusammenhang mit Weihnachten die Kitschfrage nicht stellt (bzw. die Trennlinie anders verläuft als im restlichen Leben), konnte ich die von Kugeln, Zapfen, Glocken und Figuren überquellenden Regale von Herzen genießen. Schwierig wurde dann die Entscheidung, was am besten zu zeichnen wäre, am Ende habe ich mich für eine Schale mit Zapfen im klassischen Weihnachtsrot entschieden.
Ich habe mich beim Zeichnen allerdings auf die Form beschränkt – die Farbe ist erst zu Haus dazu gekommen, und dafür habe ich erwartungsgemäß mehrere Weilchen gebraucht – neben Aquarellfarbe, dieses Mal von White Nights, habe ich noch verschiedene Marker verwendet.
Mit dem Besuch in der Glasmanufaktur endete die dritte Etappe meiner Deutschlandwanderung, im Oktober will ich dann vom Rennsteig nach Bamberg gehen.
Im Walde …
Veröffentlicht: 22. März 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Cursdorf, Pilgerweg, Rennsteig, Thüringen Hinterlasse einen Kommentar… zwischen Cursdorf und Neuhaus am Rennweg war es vor allem eins: still. Dort, auf 800 Thüringer Höhenmetern, lag Anfang März noch eine geschlossene Schneedecke – wenn auch vielleicht nicht so viel wie in anderen Jahren – , die Wege waren gut begehbar, doch nutzte das außer mir nur noch ein junger Wandergeselle, den ich kurz vor Neuhaus traf. Bei meiner Rast an der Schutzhütte „Drei Lärchen“ stand einer dieser typischen Wegweiser in meinem Blickfeld, vielleicht an der Stelle, wo einmal die Lärchen gewesen waren, denn die suchte ich vergeblich. Dafür gab es ein Pilgerschild.
Paulinzella
Veröffentlicht: 13. März 2015 Abgelegt unter: Aquarell, Bewohntes Gelände, Urban Sketching | Tags: Fachwerk, Kloster, Paulinzella, Thüringen 2 KommentareVon Niedervillingen kommend, bin ich mit der Regionalbahn nach Paulinzella gefahren. Der Zug folgt einer alten Streckenführung und fährt mehrmals über altertümliche gemauerte Viadukte. Als ich in Paulinzella ankam, war es kurz vor Mittag, und es war sonnig und still, klosterstill, als würden die frommen Benediktinerinnen immer noch das Tal bewohnen.
Dabei ist das Kloster Paulinzella längst Ruine, wurde nach der Reformation geplündert und diente als Steinbruch. Bereits 1475, also noch zu Klosterzeiten, errichtete man den schönen Fachwerkbau nebenan, ein Verwaltungsgebäude bis heute, Sitz des Forstamts (wenn auch momentan gerade in Generalüberholung.)
Ich saß dort eine Stunde in Sonne und Stille, lauschte dem plätschernden Rottenbach und freute mich, dass die anfangs geschlossene Gaststätte schließlich doch noch öffnete. Bevor ich den idyllischen Wanderweg das Tal hinauf nach Königsee antrat, zeichnete ich noch den Dialog zwischen dem wuchtig hochromanischen Kirchturm und dem kleinteiligen, spätgotisch-eleganten Amtsgebäude – die Farben habe ich später ergänzt.

Ruine des Kirchturms von Kloster Paulinzella mit spätgotischem Amtsgebäude, Wasserfarbe und PITT-Marker in S&B Beta.











