Menschen!

Dieses Wochenende habe ich Menschen gezeichnet, und zwar viele. Unter Anleitung der Illustratorin Nicola Maier-Reimer ging es zwei Tage lang vor allem um eines: das Erfassen der menschlichen Gestalt in Bewegung. Stundenlang saßen wir in Hamburger Einkaufszentren und Selbstbedienungsrestaurants und versuchten, nicht nur schnell zu sein, sondern uns auch in die gezeichneten Gegenüber einzufühlen.


Immer noch Amsterdam

Ja, immer noch, und immer noch die Nachwirkungen des Workshops bei Pat Southern-Pearce: getöntes Papier, Kreide, ein leuchtender Himmel, Schrift und Kästchen mit Details. Hier nun das letzte Bild aus dieser Serie, entstanden am Freitagabend, als die Stadt noch heißer, noch lauter, noch voller zu sein schien als an den vorangegangenen Tagen. Ein bisschen von dieser Stimmung hat sich in meinem Bild niedergeschlagen, ein bisschen Unruhe in den unterschiedlichen Schriften, Hintergründen, Kästchen …

Es wird das vorerst letzte aus dieser Serie bleiben; als nächstes werde ich beobachten, ob sich etwas von dem Gelernten mit dem Bisherigen verbinden mag. Wobei nicht einmal alles neu ist – verschiedene Schriften habe ich schon immer gern verwendet und auch mit Stiften und Kreiden arbeite ich nicht zum ersten Mal.


A Sense of Place and a Story Told …

…, das war der Titel des zweiten Workshops, den ich in Amsterdam besucht habe. Gehalten wurde er von Pat Southern-Pearce, der großen alten Dame des Urban Sketching. Wie erfasse ich den Geist eines Ortes? Pat hat uns ihren Weg dazu gewiesen, oder besser: einen ihrer Wege, denn auch wenn sie einen charakteristischen Stil hat, so ist sie doch eine sehr vielfältige Künstlerin.

Technisch unterscheidet sich das Gelernte wesentlich vom Gewohnten, was für mich einen Teil des Reizes ausmachte: getönte Papiere, Farbstifte, Kalligraphie, das Arbeiten von dunkel nach hell … doch wie die Überschrift ahnen lässt, waren die Methoden Mittel zum Zweck, um zur Ausstrahlung eines Ortes vorzudringen. Und was da strahlt, ist zumindest draußen erst einmal der Himmel, daher bekommt er, gebändigt von der Dachlinie, den ersten großen Auftritt. Dazu kommen kleine „Bilder im Bild“ und sorgfältig placierte Schrift.

Das erste Übungsbild aus dem Workshop demonstriert dieses Vorgehen. In zweien der „Kästchen“ haben wir mit unseren Farbmaterialien experimentiert, den Rest frei gewählt.

Am Nachmittag des selben Tages habe ich das Gelernte auf ein anderes Motiv angewendet – den Begijnhof. Das zweite Bild von diesem Ort entstand an einem ruhigen Sonntagmorgen – ich habe es bereits gezeigt. Das erste allerdings – dieses hier – anzufertigen, glich ein wenig einem Hindernislauf. Vor den vielen Menschen zog ich mich in die Kirche der English Reformed Church zurück, die leider bald darauf schloss – ich schaffte es noch, die Umrisslinien der komplexen Balkenkonstruktuion zu zeichnen. Als ich gerade das Gleiche beim Eingang der katholischen Kapelle und den Zeichnern davor geschafft hatte, schloss auch der Hof – sicher sehr zur Freude der Anwohner, deren Geduld durch die vielen Menschen auf eine harte Probe gestellt wird.

Heute bin ich endlich dazu gekommen, das Bild fertigzustellen. Jenseits der technischen Details habe ich viel dabei gelernt. Das Vorgehen ist von meinem sonstigen ziemlich weit entfernt – fülle ich doch gern schwungvoll ganze Blätter mit einem Motiv. Diese andere Arbeitsweise könnte – adaptiert an meine üblichen Materialien – eine schöne Methode sein, mit der relativen Materialknappheit auf dem Pilgerweg umzugehen.


Begijnhof

Im Herzen des Amsterdamer Touristenrummels, zwischen Büchermarkt und Stadtmuseum, gibt es einen Ort der der Stille. Oder sagen wir mal: es gibt ihn vermutlich zwischen 17:00 und 09:00, wenn die Tore für Touristen verschlossen sind und der Platz denen gehört, die darin wohnen. Am Tage strömen die Menschen, zu denen auch ich zähle – immer sind wir selbst ein Teil des Problems – durch den für die Öffentlichkeit freigegebenen Teil und erdrücken durch ihre schiere Menge das, wonach sie suchen.

Ich nahm drei Anläufe, im Begijnhof zu zeichnen. Beim den ersten beiden wurde die Zeit knapp, weil anderes anlag oder die Tore schlossen; erst beim dritten, am Sonntagmorgen vor der Abfahrt, fand ich Zeit und Ruhe, etwas vom Zauber des Ortes einzufangen, in dem seit hunderten von Jahren fromme Frauen – Beginen – gelebt und gearbeitet hatten.

Das Bild ist nach Anregungen der britischen Künstlerin Pat Southern-Pearce, deren Workshop ich in Amsterdam besucht hatte, entstanden. Es ist das letzte Bild aus einer Serie, doch da ich auf der Heimfahrt im Zug daran arbeiten konnte, kam es – im Gegensatz zu den anderen – schon fast fertig in Schwerin an. Nur die Schrift und die Detailzeichnung der Madonna habe ich noch ergänzt. Dieses Madonna am Giebel sagt uns, dass wir uns am Ort eines lange Zeit sehr diskret, weil in eigentlich strikt calvinistischem Umfeld, praktizierten Katholizismus befinden.


Es geht los

Am Mittwoch, heute vor einer Woche, geht es richtig los. Jedenfalls mit der Hitze, über 35 Grad sind angesagt. Das Symposium beginnt erst am Nachmittag, genug Zeit für einen ausgedehnten Morgenspaziergang.

Als ich nach einer kleinen Mittaggsruhe im Hof der Zuiderkerk, einer zum Vernastaltungszentrum umgebauten Kirche, ankomme, summt und brummt der Hof schon von den Zeichnern aus aller Welt, die sich dort versammelt haben.

Frisch eingecheckt stürme ich erst einmal zum da-Vinci-Stand, einer von Künstlerbedarfshändlern, die ihren Platz auf der Empore haben. Und wirklich, bei den Pinseln ist die längste Schlange, und als ich die absolviert habe, bin ich um drei neue Reisepinsel reicher.


Belliner Bilderbogen

Vergangenes Wochenende hatte ich, wie schon im vergangenen Jahr, das Vergnügen, im „Haus der Stille“ im mecklenburgischen Bellin einen kleinen Zeichenkurs zu geben. Passend zur Ausrichtung des Hauses ging es dabei weniger um technisches Können als darum, die Wahrnehmung zu schulen und im Hier und Jetzt genau hinzusehen.

So fingen wir auch nach dem Abendessen genau damit an: mit dem Hier und Jetzt und dem, was auf dem Tisch vor uns stand. In meinem Fall war das ein Glas voller Honig von den Bienen der evangelischen Schule in Parchim.

Am nächsten Morgen ging es weiter mit einem „Bilderbogen“ – kleinen schnellen Skizzen zur Motivfindung. Auf meinem habe ich gezeichnet, was ich sehe, wenn ich aus der Tür des Hauses trete – nachdem ich die Kästchen vorbereitet hatte, habe ich dafür kaum mehr als zwanzig Minuten benötigt.

Im weiteren Verlauf des Wochenendes habe ich es einigen Teilnehmer*innen gleich getan und mich mit neuen Materialen vertraut gemacht – in meinem Fall waren das getönte Papiere und deckende Farben.

Hier ein schnelles Porträt mit Gouachefarbe auf dem schönen Paint-On-Papier von Clairefontaine, entstanden beim abendlichen Gespräch im Garten.

Da ich eine Frühaufsteherin bin, konnte ich vor dem Frühstück noch eine Nachtkerze zeichnen – dieses Mal auf die graue Variante dieses Papiers. Die knalligen weißen Linien habe ich zu Hause mit einem Gelroller ergänzt. Ich weiß noch nicht so richtig, ob ich das Ergebnis mag.


Urban Sketching

Zeichnen ist seiner Natur gemäß eine etwas einsame Angelegenheit: die Hände sind mit Stift und Papier beschäftigt und der Geist wendet sich möglichst ungeteilt dem Motiv zu. Um so lustiger wird es, wenn sich eine Handvoll Leute treffen, um genau das gemeinsam zu tun: Urban Sketching.

Heute gab es einen Zeichentag in Schwerin, und vom Schweriner Stadtrand bis nach Hamburg, Lübeck, Eutin und Kiel waren Gäste gekommen.

Der Schweriner Dom vom Café Rothe in der Puschkinstraße aus.
Zeichenpause.
Nach der wuseligen Innenstadt tat es gut, unter den Linden an der Schelfkirche zu sitzen.