Paulskirche

Die Schweriner Paulskirche ist die dritte und jüngste der Schweriner Innenstadtkirchen, ein typisch neugotischer Bau, der vor allem durch seine Lage auf einem Hügel beeindruckt. Seine spitzen Märchentürme überragen die Wohn- und Geschäftsbauten der im 19.Jahrhundert entstandenen westlichen Stadterweiterung, die bahnhofsnahen Speicher und sogar die Bausünden der 1970er bis 90er Jahre.

Mit dieser Umgebung ist das Areal natürlich ein ideales Zeichengebiet. Im Kreis der Schweriner Urban Sketchers haben wir gestern dort gesessen, zum Glück kaum beeinträchtigt vom Regen. Ich habe mich für einen klassischen Blick und die „Langvariante“ entschieden: hügelauf gesehen von den Pfaffenteichtreppen, mit einer ausgiebigen und genauen linearen Zeichnung. Den großen Auftritt hat hier natürlich wieder einmal die Dachlinie. Koloriert habe ich heute vormittag zu Hause, in sonntäglicher Ruhe.

Die Schweriner Paulskirche von Osten. Tinte, Marker und Buntstifte in Stillman&Birn Nova Trio.

Nördliches Arkadien

Aufgewachsen bin ich in Potsdam, so wundert es nicht, dass Sanssouci in Sachen Park für mich das Maß aller Dinge geblieben ist. Mit einer Ausnahme: Den Schweriner Gartenanlagen in Schlossnähe, und ganz besonders der Schlossrückseite unter den Türmchen und Kuppeln, mit Rosenterassen, Pavillons und und dem Kolonnadenhof der Orangerie. Hier kann der Blick über den See schweifen, als sei er ein südliches Meer.

Gestern war mal wieder Gelegenheit, dort zu zeichnen, gemeinsam im kleinen – und zeitgemäß ordentlich auseinander gezogenen – Kreis der Schweriner Urban Sketchers. Bei mir waren zuerst mal wieder die goldenen Kuppeln dran, der rückseitige Blick auf den neugotischen Schlosskirchenanbau.

Historismus und Stilbrüche – die Schweriner Schlosskirche von der Seeseite.

Die zweite Runde verbrachte ich in der unteren Etage, im Orangeriehof mit seinen gußeisernen Säulchen und Gittern. Den vielen unterschiedlichen Strukturen versuchte ich mit einer Extraportion Lockerheit beizukommen. Die Farbe kam hier, wie bei dem obigen Bild auch, zu Hause.

Im Innenhof der Orangerie des Schweriner Schlosses. Der Hof öffnet sich mit einem Kollonadenbogen zum See hin.

Sonnenaufgang II

Wenn der Ostwind zu scharf über den See weht, kann man natürlich auch in die andere Richtung zeichnen. Zumal, wenn da etwas so hinreißendes steht wie das Schweriner Schloss. Zwar gab es auch hier nur einen Stehplatz, aber immerhin einen mit einer Steinbalustrade in richtiger Zeichenhöhe.

Die Sonne glitzert und gleißt auf den Türmen und Türmchen mit ihren üppigen Vergoldungen – dazu See und Wasservögel und immer blauer werdender Himmel … Kalt ist es trotzdem, vor Ort zeichne ich nur die Dachlinie, den Rest zu Hause im Warmen.

Das Schweriner Schloss im Morgenlicht. Stillman&Birn Nova Trio mit verschiedenen Stiften.

Stilistisch habe ich mich wieder einmal an den Workshop von Pat Southern-Pearce erinnert: Dachlinie, Himmel, Negativraum und ein paar extra Kästchen für Bemerkungen und zeichnerische Notizen.


Sonnenaufgang

Ich liebe den frühen Morgen. Wenn es still ist und frisch, drehe ich gern eine Runde um Pfaffenteich oder Ziegelsee; an Wochenende auch bis zum Schloss und darüber hinaus am Schweriner See entlang. Wenn ich den Aufbruch nicht zu sehr hinauszögere, schaffe ich es bis zum Sonnenaufgang. Werktags bleibt meist nur Zeit für ein Foto, am Wochenende kann ich ein Bild einplanen.

Das liest sich zwar ziemlich romantisch (und sieht, wenn gelungen, auch so aus), hat allerdings einige Tücken. Bei der kontinentalen Wetterlage, wie wir sie dieser Tage haben, weht der Wind gern mit knapp über null Grad aus Sonnenaufgangsrichtung über den jeweiligen See. Aquarellfarbe trocknet selbst dann nicht, wenn man das heiße Wasser aus der Thermoskanne nimmt. Sollte man vorhaben, sich warmzulaufen, (was sich empfiehlt) kann man keinen Hocker mitnehmen, muss also an Sitzplätzen nehmen, was so da ist. Und die stehen selten am schönsten Blick. Oder sind trotz Isomatte kalt. Oder oder.

Dennoch ist in den letzten Wochen ein bisschen was zusammengekommen.

Ostermorgen am Schweriner See. Wasserfarbe auf getöntem Aquarellpapier (The Langton)
Sonnenaufgang über dem Pfaffenteich. Stifte und Kreiden auf grauem PaintOn-Papier von Clairefontaine.

Kleine große Maräne

Statt Freitag ist bei mir oft am Mittwoch Fischtag. Da habe ich manchmal etwas eher Feierabend, kann auf den Wochenmarkt gehen oder gleich beim Fischer in Muess vorbeifahren. In erster Linie habe ich es auf regionalen Fisch abgesehen und zu meiner Freude konnte ich diese Woche eine ganz besondere Beute machen: eine große Maräne. Zwei Exemplare lagen dort zum Verkauf – ich entschied mich für das kleinere, ca. 40 cm lange.

Mit den Maränen – ich habe schon öfter welche gezeichnet und darüber geschrieben – ist das so eine Sache: Sie wissen manchmal selbst nicht genau, wie sie heißen: Maränen, Felchen, Renken, Schnäpel …. Die kleinen, ja, die kriegen das wenigstens mit dem wissenschaftlichen Namen noch hin: Coregonus albula. Die großen heißen Coregonus lavaretus – vielleicht, denn die seien eigentlich endemisch in einigen Westschweizer Seen. Die Schaalseemaräne, Coregonus holsatus, die es sogar in das Wappen der Stadt Zarrentin geschafft hat, konnte sich in genetisch reiner Form nur in einen kleinen See der mecklenburgischen Seenplatte retten, von wo aus sie nun wieder vermehrt wird.

Alles maränige dazwischen hat sich vermutlich mittlerweile fröhlich vermischt, ist durch Besatzmaßnahmen von der reinen Lehre abgekommen, so dass mittlerweile nur noch Gentiker die richtigen Namen kennen.

Meiner Maräne war das vermutlich in ihrem Schweriner Seenleben ziemlich egal gewesen; und nun lag sie ohnehin ausgenommen, doch zu meiner Freude ansonsten noch einschließlich Schuppen vollständig erst auf Eis und später auf meinem Küchentisch. Ich machte erst eine Skizze, dann ein Foto und anschließend einen schönen Bratfisch. Vervollständigt habe ich die Zeichnung heute, wobei ich mich reichlich der Sorte glitzernder Gelstifte bediente, mit denen normaler Weise kleine Mädchen ihre Prinzessinen malen.


Das Kleid der Marschallin

Im Oktober sah ich am Schweriner Theater den „Rosenkavalier“. Ich kannte vorher weder Handlung noch Melodie und war angerührt von der heiter-melancholischen Geschichte zwischen Romanze und Klamauk, an deren Ende die Hauptperson, die Marschallin, eine „reife Frau“, ihren jungen Geliebten an eine andere verliert und dennoch alle Fäden in der Hand behält.

Ich hatte in der Vorstellung ein paar Striche aufs Papier gebracht und später nach Fotos zu einem Blatt ergänzt.

Gestern nun gab es für uns Schweriner Zeichnerinnen die Möglichkeit, in der Schneiderwerkstatt des Theaters zu zeichnen. Mit großer Freude sah ich dort das Kleid der Marschallin wieder und machte mich daran, es zu zeichnen.

Das Kleid gibt der Trägerin Schutz, betont Würde und gesellschaftliche Position, ohne ihre weibliche Reife auszusparen. Und es hat einen komplizierten Schnitt, der der Zeichnerin einiges abverlangt.


Männer

Gestern war der Tag der seltsamen Männer. Also zum Zeichnen. Die Schweriner Urban Sketchers hatten sich im Kaufhaus Kressmann versammelt, um im Warmen und unter Dach sitzen zu können. Vom „Café Honig“ aus hat man einen schönen Blick nach draußen, auf den Dom und die (immer noch leerstehende) alte Post, drinnen kann man die Gäste im Café zeichnen oder es sich im Kaufhaus in einer der Sitzecken gemütlich machen.

Magisch angezogen wurden wir von zwei ganz besonderen Schaufensterpuppen. Die beiden Herren, deutlich lebensnäher als in ihrer Branche sonst üblich, tragen ihre Unterwäsche mit Würde.

Der dritte seltsame Mann bewacht das Haus gegenüber. Eine Blattmaske, auch als Grüner Mann bekannt – dieser hier ist allerdings aus rotem Stein.


Herbstlicht

Noch ist er nicht zu Ende, der Rückblick auf die Oktoberreise, da schieben sich nachdrücklich die nächsten neuen Zeichnungen in den Vordergrund – und sind heute schon wieder nicht mehr ganz so neu.

Letztes Wochenende traf sich die noch frische Schweriner Sketcherinnen-Gruppe am Schloss. Die Herbstsonne schien aus voller Kraft, kein Windhauch – wir konnten den ganzen Tag draußen zeichnen.

In einem versteckten Winkel des Burggartens steht dieser kriegerische David mit dem abgeschlagenen Kopf des Riesen Goliath und regte mich dazu an, zu meinen Inktober-Utensilien zu greifen: Stillman&Birn Nova Grey, Marker und Tinte in schwarz, weiß und grau. Das Fenster im Hintergrund suggeriert einen Innenraum – es war aber eine Spiegelung.

Danach entschied ich mich für ein friedlicheres, der Schönheit des Moments angemesseneres Motiv: eine meiner Mitzeichnerinnen im schrägen Herbstlicht.

Am Nachmittag, als die Sonne schon am Sinken war, kam noch ein drittes Bild dazu: der Blick auf den Dom vom Café Rothe in der Puschkinstraße aus. Dort hatten wir beim kleinen Nordtreffen am 01.Juni schon mal gesessen, ebenfalls bei schönsten Wetter – und wie anders wirkte das Motiv nun bei veränderter Tageszeit im Gegenlicht! Also holte ich noch einmal das S&B Nova heraus und skizzierte vor Ort lediglich die Dachlinie und einige wenige Binnenstrukturen. Die Farbe (und nicht zu wenig davon!) kam dann heute aufs Blatt.


Zwei mal zwei

In den letzten beiden Wochen hatte ich viel zu tun, zum Zeichnen kam ich immer nur sporadisch: zwischendurch im Einkaufszentrum ein paar Passanten (Üben! Üben!), die hier nicht gezeigt werden sollen. Das Objekt der Begierde vom letzten Wochenende konnte ich nur in Etappen fertigstellen, die letzte heute Abend am Zeichentisch. Dafür habe ich es gleich zweimal gezeichnet, einmal „normal“ – Linie zuerst – und einmal „color first“.

Ich hatte die alte Ludwigsluster Autowerkstatt schon lange ins Auge gefasst, immer fürchtend, jemand könnte sie abreißen oder auch nur zu Tode renovieren, bevor ich sie zeichne. Repariert wird da übrigens schon lange nichts mehr – sie dient als Carport.

Heute war Sonntag, in Schwerin gab es gleich zwei nette Märkte und ich hatte Zeichenzeit eingeplant. Die Marktbesucher (Üben! Üben!) gibt es hier nicht zu sehen, dafür gleich zwei Domblicke auf getöntem Papier. Für einen Vortrag will ich verschiedene Varianten von Negativräumen zeigen; dabei kam mir die Idee, dass auch der Himmel, zeichentechnisch gesehen, ein Negativraum ist, und was für einer! Variante zwei ist eine Übung in Gouache.


Autos in der Stadt

Mit den Autos ist das so eine Sache: Wie viele Errungenschaften des modernen Lebens werden sie lieber genutzt als gezeichnet. Ich nehme mich da selbst nicht aus, auch wenn ich sie seit seit dem hinreißenden Workshop von Dave Robb in Eutin mit anderen Augen sehe. Daves wichtigste Botschaft an diesem denkwürdigen Vormittag: Dieses blaue Auto ist nicht blau. (Sondern silbern, spiegelnd, leuchtend, grün, rot und und und …)

Als ich gestern Vormittag am Schweriner Schelfmarkt um die Ecke bog, um zum ersten Treffen der neuen Schweriner Urban-Sketcher-Gruppe (!) zu gehen, sprangen mir die im Schatten der Linden geparkten Autos ins Auge. Das wäre mein Motiv für nachher! Und, ja, es ist es dann auch geworden, auch wenn mir der dunkle Vordergrund vor dem hell orange leuchtenden Haus ordentlich was zu knabbern gab. Dafür hatte ich aber wirklich ein blaues Auto erwischt, noch dazu eins, an dem relativ viel Blau zu sehen war.

Für mein zweites Bild nahm ich mir eine Jugendstilfassade vor, die ich schon immer mal hatte zeichnen wollen. Obwohl ich beste Bedingungen vorfand dort im luftigen Schatten auf dem schönen alten Platz, biss ich mir an dem Motiv fast die Zähne aus – zu viel auf einmal, zu dünner Stift, zu glattes Papier … Und dann stand da auch noch dieses knallrote Auto … Sollte ich das überhaupt kolorieren? Ich sollte – und unversehens hatte ich mich mit dem Bild versöhnt. Auch wenn von der Jugendstilfassade nicht viel zu sehen ist.