Vom Harz nach Leipzig

Und schon ist die erste Reisewoche vorbei, eine Woche Ferienhausurlaub mit Freunden und Familie und zum Glück auch ordentlich Zeichenzeit. Ich bin beim Inktober geblieben, habe mit schwarz und weiß auf grau gezeichnet und ab und zu ein bisschen Farbe zugefügt.
Zuerst ein Nachtrag von der Burg Falkenstein. Zufällig waren wir in ein Burgfest geraten; als Höhepunkt gab es ein Ritterturnier. Ich habe mich dabei in schnellen Bewegungsskizzen geübt und zum Schluss für den Herrn von Falkenstein doch ein Foto zur Hilfe genommen. 

Dienstag teilte sich die Reisegesellschaft; ich fuhr nach Leipzig, um mir die große Ausstellung ostdeutscher Kunst im Museum der bildenden Künste anzusehen. Der „Mann mit Koffer“ von Trak Wendisch rief in mir ein 80er-Jahre-Gefühl wach, vieles andere blieb mir feDienstag teilte sich die Reisegesellschaft; ich fuhr nach Leipzig, um mir die große Ausstellung ostdeutscher Kunst im Museum der bildenden Künste anzusehen. Der „Mann mit Koffer“ von Trak Wendisch rief in mir ein 80er-Jahre-Gefühl wach, vieles andere blieb mir fern.

Regelrecht befremdet war ich vom Museum selbst, ich fühlte mich als Besucherin dort unwillkommen zwischen allerlei L´art-pour-l´art-Spielereien, angefangen bei viel zu kleinen Garderoben in einer riesigen Halle, düsteren Treppenhäusern bis zu türkisfarbenen Wänden mit Wandtatoos hinter mittelalterlichen Gemälden. Klingers Beethoven und den verbundenen Jugendstil hatte man glücklicherweise einfach bei sich gelassen. 

Zum Zeichnen entschied ich mich für eine „Flora“ aus zart bemaltem Marmor. 

Und zum guten Schluss war da noch der sehr entspannte junge Mann im Einkaufszentrum …


Frauenkirche

Hier nun das dritte und letzte Bild meiner Dresden-Reise, entstanden samstagmorgens an der Elbe. Ich war früh auf, und bevor noch mein Frühstückscafé öffnete, setzte ich mich in einen kleinen, um diese Zeit natürlich verlassenen Biergarten am Elbufer. Vor mir lag das berühmte Panorama im Morgenlicht, anfangs noch sanft und verhangen, später in greller stechender Sonne.

Deren Licht einzufangen war nicht einfach und (für mich) letztlich nur um den Preis von viel Blau am Himmel und viel Grau in den Schatten zu haben. Auf stützende Tintenlinien zu verzichten fiel mir nicht leicht, immer wieder zuckte die Zeichenhand zum Füller; am Ende kam er dann mit einem kleinen Stück Schrift zum Einsatz.

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Die Dresdener Frauenkirche im Morgenlicht. Aquarell auf Stillman&Birn Beta.


Schildkröten

Noch vor dem großen Fliegenmodell habe in einem der Tropenhäuser des Botanischen Gartens der Dresdener Universität einige Schildkröten gezeichnet. Schildkröten sind dankbare Objekte, denn sie bewegen sich bekanntlich nur wenig – wobei diese Art, die Amerikanische Gelbwangen-Schmuckschildkröte, unter Haltern als „lebhaft“ gilt. Den Namen habe ich erst durch Recherche herausgefunden – sie waren, anders als alle Pflanzen, nicht bezeichnet. Dabei habe ich erstaunt erfahren, dass die Tiere fast schon als invasive Art gelten. Immer mal wieder werden welche in der Elbe oder anderswo ausgesetzt und landen dann in mittlerweile schon ziemlich überfüllten Auffangstationen. Vielleicht ist das Tropengewächshaus ja auch so ein Schildkrötenasyl.

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Gelbwangen-Schmuckschildkröten im Botanischen Garten Dresden. Gezeichnet mit blaugrauer Tinte von deAtramentis auf vorgrundiertem Stillman&Birn Beta.