Nicht nur Häuser

Urban Sketching, von seiner ursprünglichen Idee her, ist gezeichnete Reportage, ist viel mehr als das Abbilden von Häusern und Straßen, ist nicht vollständig ohne die Menschen, die sich in ihnen bewegen. Und dass die sich bewegen, macht die Sache so schwierig – jedenfalls für Laien ohne künstlerische Ausbildung.

Ich selbst bin mit den Jahren mutiger geworden, versuche mich im Bekanntenkreis und im öffentlichen Raum an der Abbildung von Menschen, gehe schon etwas sicherer auf dem schmalen Grat zwischen Neugier und Indiskretion. Und so hatte ich in Amsterdam für den ersten Tag einen Workshop mit dem schönen Titel „Face To Face! – Urban Portraits That Tell Stories“ gebucht.

Bevor der losging, galt es noch den, na ja, nicht ganz so heißen Morgen zu nutzen. Ich lief ein paar Kilometer durch die Stadt, um nicht ganz zufällig in einem hippen Frühstückscafé namens „Toki“ zu landen – was irgendwas mit „Tokio“ zu tun hat. Es gab minimalistisches Design, Buchweizenpfannkuchen und Soja-Cappuccino – und still vor ihren Macbooks und Handys sitzende junge Menschen verschiedenster Nationalitäten.

Dann kam der Schreck – wie im schlechten Traum fiel mir ein, dass mein Workshop bald losgehen sollte – ich hatte mich um eine Stunde vertan! Anders als im Traum fand ich dank Tante Google den schnellsten Weg per Straßenbahn – und war noch pünktlich bei Marina Grechanik . Sie ermutigte uns, mit den verschiedensten Zeichenmaterialien zu experimentieren, schnell und und mutig das zu zeichnen (und zu zeigen), was Herz und Bauch gesehen hatten.

Anna und Imre

Und am Abend? Am Abend saß ich, in einer fast magischen Stimmung mit einigen anderen Zeichner*innen, die dem lauten Drink&Draw aus dem Weg gegangen waren, am Amstelufer und zeichnete – Häuser.

Die Häuser an der Amstel sind auch bei realistischerer Betrachtung ziemlich schief.

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Nach ein paar Tagen Pause war heute wieder Gelegenheit zum Zeichnen. Zuerst meine Tochter im Zug nach Hamburg. Ich begann die Zeichnung mit dem auffälligen Schmuckstück, einer keltischen Triskele, und eigentlich sollte es nur eine flüchtige Skizze werden, aber ich konnte dann zu Hause der Versuchung nicht widerstehen, das nur mäßig ähnlich Porträt noch ein bisschen auszuarbeiten.

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Uta mit Triskele.

Unser Ziel war die Ausstellung „Tiere“ des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe. Der Bogen reichte von steinzeitlicher Schnitzarbeit bis zur Videoinstallation; passend zum ostasiatischen Schwerpunkt des Museums waren auch einige wunderbare japanische Exponate zu sehen. Zum Zeichnen bot sich ein Kabuto, ein Samurai-Helm, mit einer Hirschgeweihverzierung an. Ich habe zu Hause noch ein bisschen nachgelesen und erstaunt festgestellt, dass diese Helme wirklich beim Kampf getragen wurden.

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Ein sogenannter Kabuto, ein Samurai-Helm mit Gesichtsmaske und reicher Verzierung. Besonders geschmunzelt haben wir über den bürstenförmigen Schnurrbart. 

 


Japonismus, morgens

Es gibt einen schönen kleinen Film über den Zeichner Danny Gregory, der ihn dabei zeigt, wie er sein Frühstück zeichnet: natürlich werden Tee und Toast kalt, doch das Ergebnis ist hinreißend. Nun ist Gregory ein Profi, den neben vielem anderen auch eins von uns Laien unterscheidet: er ist schnell. Bei mir kommt in der gleichen Zeit allenfalls eine Bleistiftskizze heraus. Daher sind Morgenbilder, obschon ich diese Zeit liebe, bei mir knapp und im Zug nachkoloriert. Was zwar die Striche manchmal etwas wacklig macht, aber doch mehr Spaß als immer nur Rucksäcke und halb angeschnittene Mitreisende abzubilden.

Die Butter, in konventionellem Stil, entstand irgendwann im Winter, wenn das Bedürfnis nach kräftigen Farben bei mir am stärksten ist, der  japanisch inspirierte Milchtopf (passender Weise mit Sojamilch) in den letzten Tagen nach meinem Besuch in der großen Japan-Ausstellung des MKG Hamburg.

 


Hokusai und Manga

„Die große Welle“ des japanischen Holzschnittkünstlers Hokusai gehört zu den Kunstwerken, die im medialen Zeitalter Teil der Populärkultur geworden sind. Doch wer weiß schon, dass das Bild auch zur Zeit seiner Entstehung bereits „Pop“ war? Farbholzschnitte waren – da aufwändig in der Herstellung – eher gehobene Massenartikel; sie wurden begleitet von unzähligen Schwarzweißarbeiten, Einzelblättern, Büchern mit Fortsetzungsgeschichten – Mangas.

Die Ausstellung Hokusai x Manga im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe bietet einen opulenten Blick auf das Genre von seinen Anfängen im 17.Jahrhundert bis in die Gegenwart, seinen zahlreichen Längs- und Querbezügen. Neben zahlreichen Blättern von Hokusai, Hiroshige und vielen anderen gibt es auch Originalzeichnungen moderner Manga-KünstlerInnen zu sehen – neben vielem anderen, Cosplay-Kostümen, Videos, Spielzeug …

Das MKG konnte auf eine umfangreiche Dauerausstellung ostasiatischer Kunst zurückgreifen – die Räume sind gleich nebenan, und wer noch Seh- und Stehvermögen hat, kann hier noch weiter in Japonismus schwelgen.

Ich habe meine beiden modernen Favoriten gezeichnet und, klar, noch eine Katze aus der Dauerausstellung.