Spargel am Abend

Der grüne Spargel sah so hinreißend aus, dass ich ihn unbedingt kaufen musste: Die Köpfe mit festen, leicht glänzenden Schuppen in unterschiedlichen Lilatönen, die Stiele in kräftigem Grün, zur Basis hin in ein Braunviolett übergehend. Essen würde man ihn natürlich auch können, aber vor allem erwarb ich ihn zum Zeichnen.

Ich wickelte die Stangen in ein feuchtes Tuch und versenkte sie im Gemüsefach des Kühlschranks. Es folgte ein gut gefülltes Wochenende voller Zeichnerei und Besuch; ich stellte endlich die Balkonbepflanzung fertig, grummelte ein bisschen am Schreibtisch herum und verschwendete nicht einen Gedanken an den Spargel. Der tauchte erst am Montagabend wieder auf, frischer als ich. 

Grünspargel, mit einem Fude Pen Kalligraphie-Füller gezeichnet und mit Wasserfarbe koloriert.

Also habe ich ihn gezeichnet (und danach natürlich noch geputzt und gekocht), bis es schon wieder viel zu spät geworden war. Mein neuer Füller mit der variablen Strichbreite half mir dabei, er glitt ganz von allein über das Papier. Auch Lila und Grün waren schnell zur Hand. Am nächsten Abend gab es Spargelsalat, der so hübsch aussah, dass ich ihn am liebsten gezeichnet hätte.

Das ist dann schon wieder eine andere Geschichte.


Spinat

Als Kind konnte ich, die sonst fast alles und viel zu gern aß, mir einfach nicht vorstellen, dass Menschen ohne Not Spinat auf ihre Teller legen. Diese kuhfladengrüne Masse, die am Schulspeisungsschalter – klatsch! – auf den Teller gepappt wurde, gefolgt von einem – plopp! – ungeschälten blaugekochten Ei – nein, das konnte kein Mensch freiwillig essen!

Nun, die Jahre gingen ins Land und ich lernte, dass Spinat auch anders geht. Mein Lieblingsgemüse ist er immer noch nicht, aber so am zeitigsten Frühlingsbeginn ist die Sehnsucht nach Grün so groß, dass nur noch Spinat sie wirklich stillen kann.

Der erste Blattspinat des Jahres, mit schwarzer Tinte gezeichnet im mein „botanisches Buch“ – Stillman&Birn Zeta – und mit etwas Wasserfarbe in zwei Tönen koloriert. (Green Gold von Mijello und Green Apatit Genuine von Daniel Smith.

Zubereitet habe ich ihn als Risotto: zwei Zwiebeln in 50g Butter anbraten, 150g Risottoreis dazu und glasig dünsten, dann den Spinat und etwa 100ml Wasser dazu, mit 1 Teelöffel Gemüsebrühe würzen. Den Reis ausquellen lassen und nach bedarf noch etwas Wasser nachgießen, kurz vor Ende der Kochzeit 50g gemahlenen Hartkäse untermischen.


Rot

Immer mal wieder kaufe ich Gemüse, das ich zum Essen eigentlich nicht brauche, um es zu zeichnen. Regelmäßig treibt es mich zur Eile, auf dass es, gezeichnet oder ungezeichnet, gegessen werde, bevor es verdirbt.

Heute habe ich mich der speziellen Variante „Halbgezeichnet“ gewidmet, all dem, was seit ein zwei drei Wochen in verschiedenen unvollendeten Stadien herumliegt und neue Anfänge blockiert. Ein Kürbis in Gouache fand wenig Gnade in meinen Augen, wurde aber wenigstens soweit fertig, dass er in die Suppe und das Skizzenbuch in den Schrank darf. Die Paprikaschoten kamen zu einem erfreulicheren Ende und zeigen nun eindrücklich, was so an Rot in meinem kleinen Aquarellkasten steckt. (Und wieder einmal konnte ich feststellen, dass viele Rottöne erst zu leuchten beginnen, wenn man sie dick und am besten in mehreren Schichten aufträgt.)

Zwei Paprikaschoten. Aquarell auf Stillman&Birn Zeta A4.


Radicchio

Letzte Woche habe ich vom Freitagsmarkt einen Radicchio mitgebracht. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass diese tiefdunkelroten, kleinen Rotkohlköpfen ähnlichen Gemüse grüne Hüllblätter haben – und was für eine stattliche Größe sie erreichen können. Ich mag das bittere Gemüse als Salat, doch mit einem kopfgroßen Exemplar reiche ich vermutlich Wochen. Nein, ich habe ihn nur in zweiter Linie zum Essen gekauft, in erster natürlich zum Zeichnen: diese hinreißenden Übergänge zwischen Grün und Rotviolett wollte ich nicht nur auf dem Teller, sondern vor allem auf dem Papier haben!

Radicchio vom Markt, Wasserfarbe auf Arches Aquarellpapier.

Für alle, die sich für die verwendeten Pigmente interessieren: Die drei tragenden Farben sind Grün (PR8, Nitrosogrün) von White Nights, Perylen Maroon (PR 179) von Mijello und Schmincke Violett (PV23), dazu kleinere Mengen verschiedener Rot- und Gelbtöne sowie Perylengrün für die Schatten.


Sommerbilder

Vom dem Belliner Kurs war ein kleines Hahnemühle-Aquarellbuch übrig geblieben, das kam mir gerade recht, um auf überschaubarem Format mal wieder das tägliche Zeichnen zu versuchen. Ab&zu fällt dann doch mal ein Tag aus, aber mit der Zeit stellt sich eine gewisse Routine ein.

Das erste Bild ist vom letzten Freitag, als ich mich im Schweriner Dom an das wunderbare Wochenende in Bellin erinnerte, wo ich zur Gottesdienstvorbereitung ein ähnliches Kreuz gezeichnet hatte. Was man auf den Zeichnungen nicht sieht: dieses hier, aus dem Schweriner Dom, ist ungleich größer, ein riesiges Triumphkreuz. Ich habe es absichtlich so abgebildet, dass sein floraler Charakter in den Vordergrund tritt.

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Das Triumphkreuz im Schweriner Dom – ein Nachklang des Wochenendes in Bellin.

Am Samstagabend dann bei Freunden gesessen und das neue Katerchen in einem seiner seltenen Ruhemomente gezeichnet.

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Der kleine Kater meiner Freunde hält selten still.

Der 15.August ist ein katholischer Feiertag – Mariä Himmelfahrt. Zum Brauchtum dieses Tages gehört die Kräuterweihe, ein uraltes Ritual. Ich habe mir wenigstens ein meinem Garten einen Kräuterstrauß gepflückt.

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Zu Mariä Himmelfahrt pflücke ich abends einen Kräuterstrauß in meinem Garten.

Paprikaschoten! Jedes Jahr kaufe ich welche aus regionalem Anbau, weil sie so schön krumm und bunt sind. Witzigerweise sind sie nachgereift: was gestern Abend noch in vielen Farben schimmerte, ist heute durchgehend langweilig rot.

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Alle Jahre wieder: Paprikaschoten vom Markt. (Aquarell ohne Tintenlinien will immer wieder neu geübt werden. Die Lichter habe ich allerdings ganz unorthodox mit Marker gesetzt.)


Radix

Letzte Woche habe ich den Garten von Freunden gehütet. Zwischen verholzten und z.T schon blühenden Radieschen fand ich eines, dem die Verkleinerungsform so gar nicht zu Gesicht stand; ich musste ordentlich daran ziehen wie einst die ganze Familie im Märchen, und was ich dann in der Hand hatte, konnte ich erst gar nicht benennen. Erst nachdem ich es gezeichnet hatte, schnitt ich es an – es war ein Rettich, der sich zwischen die Radieschen verirrt hatte wie das Schwanenküken zwischen die Enten, und zu meiner freudigen Überraschung konnte man ihn in Teilen sogar noch essen.

Da ich ungeübt im Schraffieren bin und meine Zeichenzeit begrenzt, legte ich die Schatten mit verdünnter schwarzer Tinte an, der gleichen wasserfesten von deAtramentis, mit der ich auch gezeichnet hatte. Darüber konnte ich dann großzügig mit Aquarellfarbe lasieren.

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Ein Rettich aus dem Garten meiner Freunde, gezeichnet mit wasserfester schwarzer Tinte und Aquarellfarben auf Stillman&Birn Zeta.


Radieschen

Erster Urlaubstag – mittags gibt es kalte Suppe mit Radieschen, Gurke und Rote-Bete-Saft; und ich nehme mir die Zeit, die Radieschen zu malen. Aquarell im Alltagsbuch, zügig soll es gehen, doch am Ende ist das Motiv doch wieder komplexer als gedacht. So lasse ich die Farbe erst einmal trocknen, mache ein Foto, esse die Suppe und widme mich dem Bild am Abend noch einmal.

Dieses Mal habe ich zum Schluss dann doch noch etwas Tinte eingesetzt – das komplizierte Geflecht der Mäuseschwänzchen wollte sich anders einfach nicht in Szene setzen lassen. Ich bin ganz glücklich mit der Auswahl an Rot, die mein kleiner Kasten nun zu bieten hat: vom hellen Kadmiumrot (hier nicht mit dabei) über Scharlach, Magenta, Opernrosa bis zu dunklem Krapp.

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Radieschen. Aquarell mit etwas Tinte und Marker im Kunst&Papier Skizzenbuch.

 


Rote Bete

Rote Bete. Zeichnung mit Super5-Tinte, grau, in S&B Zeta-Buch, koloriert mit etwas Wasserfarbe.

Rote Bete. Zeichnung mit Super5-Tinte, grau, in S&B Zeta-Buch, koloriert mit etwas Wasserfarbe.

Ein Bund Rote Bete vom Biohof Medewege. Die roten Knollen haben vermutlich auch bei denen, die sie gern essen (die Meinungen sind da bekanntlich geteilt) eine herbstlich-winterliche Anmutung. Diese hier kamen, mit frischen Blättern, als Sommergemüse daher. Ich habe die Blätter in der Pfanne gedünstet (die Verwandtschaft zu Spinat und Mangold legt das nahe) und den Knollen mit Knoblauch und Joghurt ein griechisches Gewand gegeben. Ich koche sie nicht, sondern backe sie im Ofen (das dauert!) und ziehe dann wie bei Pellkartoffeln die Haut ab. Sie verströmen beim Backen einen gesättigt-aromatischen, warmen Duft, der vielleicht den einen oder anderen Rote-Bete-Skeptiker bekehren mag.