Frauenkirche

Hier nun das dritte und letzte Bild meiner Dresden-Reise, entstanden samstagmorgens an der Elbe. Ich war früh auf, und bevor noch mein Frühstückscafé öffnete, setzte ich mich in einen kleinen, um diese Zeit natürlich verlassenen Biergarten am Elbufer. Vor mir lag das berühmte Panorama im Morgenlicht, anfangs noch sanft und verhangen, später in greller stechender Sonne.

Deren Licht einzufangen war nicht einfach und (für mich) letztlich nur um den Preis von viel Blau am Himmel und viel Grau in den Schatten zu haben. Auf stützende Tintenlinien zu verzichten fiel mir nicht leicht, immer wieder zuckte die Zeichenhand zum Füller; am Ende kam er dann mit einem kleinen Stück Schrift zum Einsatz.

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Die Dresdener Frauenkirche im Morgenlicht. Aquarell auf Stillman&Birn Beta.


Schildkröten

Noch vor dem großen Fliegenmodell habe in einem der Tropenhäuser des Botanischen Gartens der Dresdener Universität einige Schildkröten gezeichnet. Schildkröten sind dankbare Objekte, denn sie bewegen sich bekanntlich nur wenig – wobei diese Art, die Amerikanische Gelbwangen-Schmuckschildkröte, unter Haltern als „lebhaft“ gilt. Den Namen habe ich erst durch Recherche herausgefunden – sie waren, anders als alle Pflanzen, nicht bezeichnet. Dabei habe ich erstaunt erfahren, dass die Tiere fast schon als invasive Art gelten. Immer mal wieder werden welche in der Elbe oder anderswo ausgesetzt und landen dann in mittlerweile schon ziemlich überfüllten Auffangstationen. Vielleicht ist das Tropengewächshaus ja auch so ein Schildkrötenasyl.

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Gelbwangen-Schmuckschildkröten im Botanischen Garten Dresden. Gezeichnet mit blaugrauer Tinte von deAtramentis auf vorgrundiertem Stillman&Birn Beta.

 

 


Ziemlich große Fliege

Am Wochenende war ich in Dresden, zwei angefüllte Tage zwischen verschiedenen Museen, dem Botanischen Garten und langen Gesprächen. Fast überraschend war auch noch Raum zum Zeichnen, und ein besonders geeigneter Ort dafür ist das Hygienemuseum . Neben der Sonderausstellung über Haustiere – „Tierisch beste Freunde“, daher die Anregung für den Titel – bietet die ständige Schau eine unübersehbare Menge an Modellen, Präparaten und Mitmachobjekten – weshalb auch ein Mensch mit kleinem Farbkasten überhaupt nicht auffällt und ich alles schön vor Ort fertig kolorieren konnte.

Dieses Modell der Lieblingsfliege aller Genetiker ist etwa zwei Meter groß; erst wollte ich noch einen Besucher daneben stellen, so als ganz korrekten Urban Sketch, aber die Fliege war gezeichnet so raumgreifend, dass ich es bei der Beschriftung belassen habe.

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Etwa zwei Meter hohes Modell einer Fruchtfliege im Hygienemuseum Dresden. Das Papier hatte ich etwas vorgrundiert, daher hat die Fliege nun rote Punkte an ungewöhnlicher Stelle. Gezeichnet mit brauner Tinte von deAtramentis, etwas grauem und weißem Marker und Wasserfarbe von Schmincke.

 


Dresden

Letzte Woche war ich für ein paar Tage in Dresden. Gelegenheit für ausgedehnte Studien boten weder Wetter noch Umstände: wie gut, dass ich das kleine „Report-&-Art“-Buch von Hahnemühle in der Tasche hatte. Das Büchlein war Teil des Gabenbeutels beim Eutiner Treffen; ich wusste erst so recht nichts damit anzufangen – extremes Landschaftsformat ist eher nicht mein Ding, und A6 finde ich eigentlich zu klein – , doch nach der Reise habe ich es richtig lieb gewonnen mit seinen stoßfesten runden Ecken, seiner Stiftschlaufe und der schönen planliegenden Heftung. (Und das Wetter ermöglicht dazu die passende Kleidung mit großen Jackentaschen.)

Meine Wege führten mich auf das Gelände der Technischen Universität, wo ich eine freie Stunde in der Bibliothek verbrachte. Diese Bibliothek ist ein ungewöhnlicher Bau, der sich vorwiegend unterirdisch erstreckt, „ein Ort für Leser, nicht für User“, wie der Architekt es beschreibt, mit einem altmodischen Lesesaal in der Tiefe, umgeben von Galerien; ein Ort voll zeitloser Stille, von fast magischer Intensität.

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In der Dresdener Universitätsbibliothek, gezeichnet mit brauner Tinte von deAtramentis in Hahnemühle „Report & Art“

Vor der Abfahrt hatte ich gerade noch genug Zeit für die Jacob-Böhme-Ausstellung im Residenzschloss. In der rekonstruierten Schlosskapelle ist der Versuch unternommen worden, das Gedankengebäude dieses fast vergessenen Mystikers zu visualisieren. Leider erforderten die zahlreichen ausgestellten Originalmanuskripte eine sehr gedämpfte Beleuchtung, die die Betrachtung mancher Exponate mühsam machte. Am Ende widmete ich mich beim Zeichnen der Architektur: das Deckengewölbe ist, wie fast alles am Dresdner Residenzschloss, eine Rekonstruktion, und zwar eine höchst kunstvolle: das Gegenteil von Kulissenbarock.

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In der rekonstruierten Dresdner Schlosskapelle.