Storchenwiese

In Greifswald war ich auf Familienbesuch, also bekamen Dom und Marienkirche nur ein paar kurze Blicke. Stattdessen zeichnete ich im Tierpark – erst mit schnellen Strichen Alpakas und Erdmännchen und schließlich mit wachsendem Vergnügen die Störche auf der Storchenwiese. Dort brüten flugunfähige Vögel in bodennahen Nestern – eine einmalige Gelegenheit zur Beobachtung der Tiere.

Storchenfamilie auf der Greifswalder Storchenwiese.


Nördliches Arkadien

Aufgewachsen bin ich in Potsdam, so wundert es nicht, dass Sanssouci in Sachen Park für mich das Maß aller Dinge geblieben ist. Mit einer Ausnahme: Den Schweriner Gartenanlagen in Schlossnähe, und ganz besonders der Schlossrückseite unter den Türmchen und Kuppeln, mit Rosenterassen, Pavillons und und dem Kolonnadenhof der Orangerie. Hier kann der Blick über den See schweifen, als sei er ein südliches Meer.

Gestern war mal wieder Gelegenheit, dort zu zeichnen, gemeinsam im kleinen – und zeitgemäß ordentlich auseinander gezogenen – Kreis der Schweriner Urban Sketchers. Bei mir waren zuerst mal wieder die goldenen Kuppeln dran, der rückseitige Blick auf den neugotischen Schlosskirchenanbau.

Historismus und Stilbrüche – die Schweriner Schlosskirche von der Seeseite.

Die zweite Runde verbrachte ich in der unteren Etage, im Orangeriehof mit seinen gußeisernen Säulchen und Gittern. Den vielen unterschiedlichen Strukturen versuchte ich mit einer Extraportion Lockerheit beizukommen. Die Farbe kam hier, wie bei dem obigen Bild auch, zu Hause.

Im Innenhof der Orangerie des Schweriner Schlosses. Der Hof öffnet sich mit einem Kollonadenbogen zum See hin.

Sonnenaufgang II

Wenn der Ostwind zu scharf über den See weht, kann man natürlich auch in die andere Richtung zeichnen. Zumal, wenn da etwas so hinreißendes steht wie das Schweriner Schloss. Zwar gab es auch hier nur einen Stehplatz, aber immerhin einen mit einer Steinbalustrade in richtiger Zeichenhöhe.

Die Sonne glitzert und gleißt auf den Türmen und Türmchen mit ihren üppigen Vergoldungen – dazu See und Wasservögel und immer blauer werdender Himmel … Kalt ist es trotzdem, vor Ort zeichne ich nur die Dachlinie, den Rest zu Hause im Warmen.

Das Schweriner Schloss im Morgenlicht. Stillman&Birn Nova Trio mit verschiedenen Stiften.

Stilistisch habe ich mich wieder einmal an den Workshop von Pat Southern-Pearce erinnert: Dachlinie, Himmel, Negativraum und ein paar extra Kästchen für Bemerkungen und zeichnerische Notizen.


Sonnenaufgang

Ich liebe den frühen Morgen. Wenn es still ist und frisch, drehe ich gern eine Runde um Pfaffenteich oder Ziegelsee; an Wochenende auch bis zum Schloss und darüber hinaus am Schweriner See entlang. Wenn ich den Aufbruch nicht zu sehr hinauszögere, schaffe ich es bis zum Sonnenaufgang. Werktags bleibt meist nur Zeit für ein Foto, am Wochenende kann ich ein Bild einplanen.

Das liest sich zwar ziemlich romantisch (und sieht, wenn gelungen, auch so aus), hat allerdings einige Tücken. Bei der kontinentalen Wetterlage, wie wir sie dieser Tage haben, weht der Wind gern mit knapp über null Grad aus Sonnenaufgangsrichtung über den jeweiligen See. Aquarellfarbe trocknet selbst dann nicht, wenn man das heiße Wasser aus der Thermoskanne nimmt. Sollte man vorhaben, sich warmzulaufen, (was sich empfiehlt) kann man keinen Hocker mitnehmen, muss also an Sitzplätzen nehmen, was so da ist. Und die stehen selten am schönsten Blick. Oder sind trotz Isomatte kalt. Oder oder.

Dennoch ist in den letzten Wochen ein bisschen was zusammengekommen.

Ostermorgen am Schweriner See. Wasserfarbe auf getöntem Aquarellpapier (The Langton)
Sonnenaufgang über dem Pfaffenteich. Stifte und Kreiden auf grauem PaintOn-Papier von Clairefontaine.

Das Kleid der Marschallin

Im Oktober sah ich am Schweriner Theater den „Rosenkavalier“. Ich kannte vorher weder Handlung noch Melodie und war angerührt von der heiter-melancholischen Geschichte zwischen Romanze und Klamauk, an deren Ende die Hauptperson, die Marschallin, eine „reife Frau“, ihren jungen Geliebten an eine andere verliert und dennoch alle Fäden in der Hand behält.

Ich hatte in der Vorstellung ein paar Striche aufs Papier gebracht und später nach Fotos zu einem Blatt ergänzt.

Gestern nun gab es für uns Schweriner Zeichnerinnen die Möglichkeit, in der Schneiderwerkstatt des Theaters zu zeichnen. Mit großer Freude sah ich dort das Kleid der Marschallin wieder und machte mich daran, es zu zeichnen.

Das Kleid gibt der Trägerin Schutz, betont Würde und gesellschaftliche Position, ohne ihre weibliche Reife auszusparen. Und es hat einen komplizierten Schnitt, der der Zeichnerin einiges abverlangt.


Männer

Gestern war der Tag der seltsamen Männer. Also zum Zeichnen. Die Schweriner Urban Sketchers hatten sich im Kaufhaus Kressmann versammelt, um im Warmen und unter Dach sitzen zu können. Vom „Café Honig“ aus hat man einen schönen Blick nach draußen, auf den Dom und die (immer noch leerstehende) alte Post, drinnen kann man die Gäste im Café zeichnen oder es sich im Kaufhaus in einer der Sitzecken gemütlich machen.

Magisch angezogen wurden wir von zwei ganz besonderen Schaufensterpuppen. Die beiden Herren, deutlich lebensnäher als in ihrer Branche sonst üblich, tragen ihre Unterwäsche mit Würde.

Der dritte seltsame Mann bewacht das Haus gegenüber. Eine Blattmaske, auch als Grüner Mann bekannt – dieser hier ist allerdings aus rotem Stein.


Porzellan

Vor einiger Zeit sah ich ein wunderbares Aquarell einer Meissner Porzellantasse, und da ich schon wusste, dass ich nach Dresden fahren würde, nahm ich mir vor, einen Abstecher in die Meissner Manufaktur zu machen. Als Achtjährige war ich dort schon einmal gewesen, auch damals konnte man den Porzellanmalerinnen schon auf die Finger sehen und ich erinnere mich daran, wie erstaunt ich darüber war, dass das ungebrannte Kobaltblau fast schwarz ist.

Mittlerweile ist alles neu und schick, es gibt vorher einen Film und einen recht zügigen Rundgang mit Audioguide. Beim Zeichnen musste ich wirklich fix sein und mehr als ein paar Umrisslinien waren nicht drin. Die Farbe habe ich zu Hause ergänzt, wobei ich mit diversen Markern anfing, um dann mit Pinsel und Farbe weiterzumachen.