Bärlauchintermezzo

Just an dem Tag, an dem ich aus dem Urlaub kam, steckte etwas besonders Schönes in meinem Briefkasten: ein Hahnemühle Grey Book, das von einer Hamburger Zeichnerin aus per Post seine Runde macht. Das Grey Book, ist wie der Name schon sagt, ein Buch mit grauen Seiten, ein neues Produkt aus dem Hause Hahnemühle, und vordergründiges Ziel der Reise ist das Ausprobieren verschiedener Materialien.

Da das Buch schon eine Weile unterwegs ist, wusste ich, dass sein relativ dünnes und saugfähiges Papier mit Wasser nicht besonders gut zurecht kommt. Materialien zum weitgehend trockenen Arbeiten auf getöntem Untergrund hatte ich mir kürzlich besorgt und machte mich damit ans Werk: wasserlösliche Wachskreiden und die bekannten Albrecht-Dürer-Stifte von Faber Castell, dazu noch etwas weißer PITT-Pen.

Und Urlaubserinnerungen konnte ich am Ende auch noch pflegen, hatte ich mir doch als Zeichenobjekt etwas Bärlauch aus meinem Garten gewählt – ein schwacher Abglanz der endlosen Bärlauchwälder, durch die ich vor zwei Wochen rund um Tübingen gewandert war. (Dieser Bärlauch, in Mecklenburg eher nicht heimisch, ist das Geschenk eines Freundes aus Süddeutschland; im Odenwald ausgegraben und kundig verpackt kamen die Knöllchen eines schönen Frühlingstages vor einigen Jahren per Post bei mir an und haben sich unter den Rosen prächtig vermehrt.)


Alpenveilchen

„Wie heißt die Blume dort?“ – – – Meine greise Mutter kann sich Begriffe nicht mehr gut merken, und so fragt sie bei jedem Besuch aufs Neue, sichtlich erfreut von den kräftig purpurn leuchtenden Blüten. Am Silvestertag war für mich endlich die Gelegenheit für eine Skizze gekommen.

Ich habe das Bild ganz ohne Vorzeichnung mit dem Pinsel angelegt und die sparsamen Tintenstriche in rot und grün zu Hause ergänzt, dabei auch die Farbtöne noch einmal etwas vertieft. Mein dezeitiges Skizzenbuch ist ein Stillman&Birn Zeta mit glattem, kräftigem, wunderbar plan liegendem Papier, das sich mit Übergängen und Verläufen schwerer tut als mit feinen Linien.



Durch die Weinberge

Gestern bin ich bei schönem sanftem Herbstwetter durch das Obst- und Weinbaugebiet bei Meißen gewandert. Zwischen Johannisbeer- und Apfelplantagen entdeckte ich ein großes Feld mit Aronia, die ich bisher nur als schmackhaften und gesunden Saft kannte. Ich steckte mir ein Zweiglein ein, um es bei der nächsten Rast zu zeichnen. Der Feuerdorn, den ich im Gegegensatz zur Aronia nicht ohne Hilfe erkannte, kam ein Stück weiter an einem Weingarten dazu. (Beide gehören zur Familie der Rosengewächse, und ich war wieder einmal fasziniert, wie viele Sorten an Früchten sie zu bieten haben.)

Als Ort zum Zeichnen bot sich die „Boselspitze“ an, eine Ausflugsgaststätte auf dem Berg gleichen Namens, Teil eines Höhenzugs, der den stolzen Namen Spaargebirge trägt. Die tiefstehende Sonne setzte meine Zweige ins beste Licht, während sich meine Wandergefährtin wieder einmal gedulden musste, bis ich wenigstens mit dem ersten Farbauftrag fertig war.

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Aronia und Feuerdorn – gezeichnet und ein bisschen koloriert vor Ort auf der Boselspitze, fertiggestellt zu Hause.


Borretsch

Freitag Abend im Garten – sommerliche Wärme und magische Stille mitten in der Stadt; ich rücke mir, nachdem der Tee ausgetrunken ist, den Terrassenstuhl neben das Beet und beginne, ganz ohne Vorzeichnung, mit dem feinen schwarzen Füller den späten Borretsch zu zeichnen. Nicht einfach mit den vielen Runzeln und Stachelhaaren.

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Borretschpflanze auf der Terrasse, vor Ort gezeichnet.

Als es dunkel wird, arbeite ich drinnen nach Foto weiter. Der Versuch, Schatten und Struktur reinzubringen, erweist sich als schwierig, so dass ich mich dann doch auf die Suche nach der passenden Farbe mache.

Das Borretschblütenblau finde ich im Ultramarin; mit dem eleganten Graugrün der Blätter tue ich mich schwerer – inzwischen ist es schon recht spät am Abend. Und ich stelle fest, dass der relativen Strenge der Zeichnung ein lockerer Farbauftrag gut bekommt.

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Mit Aquarellfarben von Schmincke lavierte Federzeichnung.

 


Am Weg 2

Gestern, nach Morgenrast mit Weitblick, führte mein Weg den ganzen Vormittag durch den Wald, nur kurz von ein paar Häusern – hier Weiler genannt – unterbrochen. Ich kam schnell voran, so dass ich einige Kilometer vor dem Ziel an einer blühenden Wiese nach einer Pflanze zum Zeichnen Ausschau hielt. Am liebsten würde ich sie ja alle abbilden, die wunderbaren Wegrandbegleiter, gerade jetzt im Juni …

Neben dieser Wiese war wiederum ein Rastplatz mit Tisch eingerichtet, mitten im Nirgendwo, und dort setzte ich mich mit einer Flockenblume hin und begann konzentriert zu zeichnen. Bis ein Auto neben mir hielt, ein junger Mann ausstieg und dreimal fragte: „Hamsch a Hund gsähe?“ Was, wie? Ach einen Hund, nein hab ich nicht gesehen, leider. Ich habe mir später immer wieder vorgestellt, wie ich wohl aus der Sicht der jungen Burschen ausgesehen haben mag, so mit Wanderhut, Zeichenmaterial und Tablet an einem Tisch am Waldrand … 

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Unterwegs

Seit vier Tagen bin ich wieder unterwegs, ein Tag Anreise und drei Gehtage, von Rothenburg o.d.T. südwestwärts über die Hohenloher Ebene, dem Jakobsweg folgend, der hier in der Gegend wiederum dem Schwäbischen Hauptweg Nr.8 folgt, eine für südwestdeutsche Verhältnisse dünn besiedelte Gegend mit ausgedehnten Waldgebieten.

Im Zug habe ich mir erst einmal damit die Zeit vertrieben, den Inhalt meiner Zeichentasche abzubilden.

 

Die Überraschung des ersten Wandertages war die Pflanzenwelt. Am frühen Nachmittag saß ich selig in einer Wiese voller z.T. hüfthoher Orchideen, besonders prächtiger Exemplare des Knabenkrauts.

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Bevor ich am nächsten Tag, gestern, aufbrach, trödelte ich noch ein bisschdn herum und versuchte dem Ort Schrozberg etwas liebenswertes abzugewinnen. Schließlich zeichnete ich, was ich sah – getreu dem Motto der Urban-Sketching-Bewegung – und das war in diesem Fall ein 70/80-Jahre Wohnblock mit tchibobrauner Ladenzeile gegenüber der geschlossenen Kirche.

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Gegenüber dem Pilgerrastplatz in Schrozberg, sozusagen das Ortszentrum.

Heute staunte ich nicht schlecht, als ich, kaum war ich von meiner Übernachtung im Tal wieder auf die Hochebene gestiegen, hinter den Bäumen ein paar Rotorblätter sich bewegen sah. Und wirklich: der fürstlich-hohenlohische Wald steht voller Windräder! Sie drehten sich heute nur langsam und sahen ein bisschen aus wie Wesen aus einer anderen Welt.

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Windräder im Wald, eine Überraschung.


Von den Bergen ans Meer

In den letzten Tagen war ich ein bisschen auf Madeira unterwegs, bin etwas gewandert, habe viel gezeichnet und wenig geschrieben. Heute nun war Ruhetag und ich bin dazu gekommen, einiges fertigzustellen und zu fotografieren.

Es war recht kalt oben in den Bergen, knapp über null Grad, so dass ich draußen nur eine Zeichnung angefangen habe – und die später auch im warmen Panorama-Café fertiggestellt.

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Die Landschaft unterhalb des Encumeada-Passes: Von den rauen Bergen reicht der Blick bis ans Meer.

Sehr schön, fast parkartig (und nicht so windig) war ein gut gepflegter Weg entlang einer hochgelegenen Levada. Dort kam ich auch dazu, mir die reichhaltige Pflanzenwelt des Laurisilva, des Lorbeerwaldes, genauer anzusehen. Gezeichnet habe ich sie, in Decken gewickelt und das letzte bisschen Tageslicht ausnutzend, auf meinem Hotelbalkon – denn bei Hotelzimmerlicht hat man kein Gefühl für die richtige Farbe.

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Drei Pflanzen aus dem Lorbeerwald. Die ohne Beschriftung sucht noch ihren Namen.

Am nächsten Tag ging es hinunter an die Nordküste. Dort ist es – von der Brandung abgesehen – still, Saison ist nur im Sommer. So aß ich meinen Fisch ganz allein auf der Terrasse, und danach zeichnete ich den Abendhimmel.

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Blick von São Vicente nach Porto Moniz, Madeira Nordküste.

Glücklich lauschte ich der Brandung unter meinem Hotelfenster, und am nächsten Vormittag machte ich mich an den Versuch, etwas Brandung mit Aquarell einzufangen.

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Brandung – ein Versuch.

Lange saß ich im winzigen Ortszentrum von São Vicente. Bei Kaffee und Bolo de Arroz, eine Art traditionellem Muffin aus Reismehl, probierte ich erst mit Miniskizzen herum und blieb auch bei dem etwas lockeren Strich. Beide Bilder sind vom gleichen Platz in unterschiedliche Richtungen gezeichnet. Es war gar nicht so einfach, die Stimmung zeichnerisch festzuhalten: das graugrüne, sehr gleichmäßige Licht, und die kalkweißen Fassaden mit ihren dunklen Lavastein-Umrahmungen.