Von den Bergen ans Meer

In den letzten Tagen war ich ein bisschen auf Madeira unterwegs, bin etwas gewandert, habe viel gezeichnet und wenig geschrieben. Heute nun war Ruhetag und ich bin dazu gekommen, einiges fertigzustellen und zu fotografieren.

Es war recht kalt oben in den Bergen, knapp über null Grad, so dass ich draußen nur eine Zeichnung angefangen habe – und die später auch im warmen Panorama-Café fertiggestellt.

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Die Landschaft unterhalb des Encumeada-Passes: Von den rauen Bergen reicht der Blick bis ans Meer.

Sehr schön, fast parkartig (und nicht so windig) war ein gut gepflegter Weg entlang einer hochgelegenen Levada. Dort kam ich auch dazu, mir die reichhaltige Pflanzenwelt des Laurisilva, des Lorbeerwaldes, genauer anzusehen. Gezeichnet habe ich sie, in Decken gewickelt und das letzte bisschen Tageslicht ausnutzend, auf meinem Hotelbalkon – denn bei Hotelzimmerlicht hat man kein Gefühl für die richtige Farbe.

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Drei Pflanzen aus dem Lorbeerwald. Die ohne Beschriftung sucht noch ihren Namen.

Am nächsten Tag ging es hinunter an die Nordküste. Dort ist es – von der Brandung abgesehen – still, Saison ist nur im Sommer. So aß ich meinen Fisch ganz allein auf der Terrasse, und danach zeichnete ich den Abendhimmel.

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Blick von São Vicente nach Porto Moniz, Madeira Nordküste.

Glücklich lauschte ich der Brandung unter meinem Hotelfenster, und am nächsten Vormittag machte ich mich an den Versuch, etwas Brandung mit Aquarell einzufangen.

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Brandung – ein Versuch.

Lange saß ich im winzigen Ortszentrum von São Vicente. Bei Kaffee und Bolo de Arroz, eine Art traditionellem Muffin aus Reismehl, probierte ich erst mit Miniskizzen herum und blieb auch bei dem etwas lockeren Strich. Beide Bilder sind vom gleichen Platz in unterschiedliche Richtungen gezeichnet. Es war gar nicht so einfach, die Stimmung zeichnerisch festzuhalten: das graugrüne, sehr gleichmäßige Licht, und die kalkweißen Fassaden mit ihren dunklen Lavastein-Umrahmungen.


Dezemberbilder 2

Hier kommen die nächsten beiden Bilder aus dem kleinen Hahnemühle-Buch.

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Gestern war ein Freund mit seinem kleinen Sohn zu Besuch. Während wir uns unterhielten, lag der Knabe ganz versunken auf dem Fußboden und spielte mit der Brio-Bahn (die ich von meinen Kindern aufbewahrt habe.)

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Ein Bild aus der Serie „Auf dem Tisch unter der Lampe“. Dieses Mal eine letzte Gartenrose in einer seltsam messingfarben glasierten Vase aus den 60ern.


Weggefährten

Um Mittsommer zu gehen heißt auch, immer blühende Pflanzen zu Weggefährten zu haben. Sie vor Ort zu zeichnen, tue ich mich meist schwer. Oft genug braucht es eine sehr tiefe Verbeugung, um einer Wiesenpflanze auf Augenhöhe zu begegnen; und selbst dann hält sie nicht so still, wie man es von einer Pflanze erwarten würde – ein Windhauch, und alles ist anders. (Ich bewundere Zeichner wie Guido Hättenschwiler, die in ihre Reiseskizzen öfter mal botanische Studien einfließen lassen.)

Kurz vor Rothenburg, die Stadt schon von einem Hang aus im Blick, habe ich den freundlichen stillen Begleitern dann doch noch ein Blatt gewidmet. An dem karstigen Westhang war eine besonders illustre Gesellschaft versammelt. Gezeichnet habe ich sie vor Ort nur ziemlich locker und am Abend im Hotel nach Foto ergänzt; später dann zu Hause die Farben noch vertieft.

Von links nach rechts: Flockenblume, gelbes Labkraut, Schafgarbe; dann untereinander Kartäusernelke, Johanniskraut und Ackerwinde, schließlich die wilde Karde und der Mauerpfeffer.

Wiesensalbei (dem ich vor drei Jahren, bei der ersten Etappe, schon einmal eine Wegrandskizze gewidmet hatte) und Mohn passten nicht mehr drauf, und die Rosengewächse Odermennig und Walderdbeere fehlten an dieser Stelle.

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Wegrandpflanzen: Flockenblume, gelbes Labkraut, Schafgarbe, Kartäusernelke, Johanniskraut, Ackerwinde, Wilde Karde, Mauerpfeffer.


Blandy’s Garden

Die madeirische Inselhauptstadt Funchal hat drei große (und unzählige kleinere) Parks. Während der offizielle Botanische Garten und der Tropische Garten von Monte auf fast allen Besichtigungsplänen stehen, geht es in Blandy’s Garden (portugiesisch Jardim Palheiro) deutlich ruhiger zu. In 500m Höhe auf einem für madeirische Verhältnisse nur wenig geneigten Plateau gelegen, bietet er auf den ersten Blick das Bild eines englischen Landschaftsgartens mit Rasenflächen, Baumgruppen und abgegrenzten formalen Beeten.

Erst beim zweiten Hinsehen stellte sich bei mir, gerade wegen der vordergründig europäischen Form, ein ähnlich surrealer Effekt ein wie im Garten von Monte. Seit über 200 Jahren haben die Besitzer des Gartens – zuerst die portugiesische Adelsfamilie Carvalhal und dann die reichen britischen Blandys – gesammelt, was ihnen an Pflanzen unter die Finger kam. Die zum Teil riesigen alten Bäume stammen aus allen Teilen der Erde, und das Klima auf der Höhe erlaubt es, praktisch fast alles an- und durcheinanderzupflanzen, was irgendwo auf dieser Welt wächst. (Von kalkliebenden und Wüstenpflanzen vielleicht mal abgesehen.)

So stehen dort Palmen neben Lorbeer, Eichen und südamerikanischen Araukarien, und wo bei uns Veilchen oder Krokusse wüchsen, breiten sich als Unterwuchs Montbretien und Calla aus. Das alles ließ sich zeichnerisch natürlich nicht erfassen, jedenfalls nicht an einem Nachmittag. Ebenso konnte ich die hunderte an blühenden Kamelien nur betrachten und bestaunen, nicht aber abbilden.

Gezeichnet habe ich am Ende einen Blick auf das immer noch von den Blandys bewohnte Herrenhaus mit seinen englischen Kaminen vor einer grauen Wand aus kahlem Laubwald (es war auch ein ganz europäisch grauer und kühler Nachmittag), halb versteckt hinter blühenden Beeten, Palmen, Zypressen und Aloen.

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Villa Blandy im gleichnamigen Park oberhalb von Funchal/Madeira. Lexington Grey Ink in S&B Zeta.