Apfelblüte

In unserem Hofgarten haben die Apfelbäume zu blühen begonnen. Es sind alte Hochstammbäume, die in diesem Winter nach Jahren wieder einmal beschnitten wurden – was die Pracht natürlich etwas mindert. Auf der Suche nach einem Zweig zum Zeichnen wurde ich auf dem Nachbargrundstück fündig, wo ganz hinten, zwischen Remisen und einer alten Mauer, allerlei verwunschenes, von Efeu überwachsenes wächst – so auch ein Apfelbaum, der mir bisher nie aufgefallen war.

Über die alten Zweige, die schon viele Jahre keine Baumschere mehr gesehen haben, hat sich eine Haut von Flechten gezogen. Die beiden schwärzlichen verschrumpelten Gebilde sind Fruchtmumien, am Baum verschimmelte und später verdorrte Äpfel. In einem ordentlichen Erwerbsgarten gehört so etwas natürlich schon im Herbst auf den Müll – hier kommen sie mir gerade recht: sie machen aus der schlichten Zeichnung eine Meditation über Zeit und Vergänglichkeit ….

Gezeichnet habe ich dieses Mal mit Füller und mit wasserfesten Buntstiften, und ich war ganz froh, dass sich die Friemelei in Grenzen hielt.


Keine Kartoffel II

Vor einiger Zeit hatte ich der Kartoffelsorte „Mayan Gold“ eine Seite gewidmet. Eine Kartoffel, die im engen botanischen Sinn keine Kartoffel ist, weil sie einer anderen Art angehört – Solanum phureja statt Solanum tuberosum. Nun ist es mir gelungen, eine Handvoll als Saatkartoffeln zu besorgen. Bei dem kalten Wetter der der letzten Tage hatte ich keine Eile, sie in die vorbereiteten Pflanzkübel auf der Terrasse zu legen. Während sie noch darauf warteten, gezeichnet zu werden, entwickelten sie hübsche Büschel von violetten Keimen.

Ich habe sie wiederum mit wasservermalbaren Stiften im Stillman&Birn Alpha Buch gezeichnet, was mir viel Freude bereitet hat. Es ist eher eine meditative als eine schwungvolle Angelegenheit geworden – mal sehn, ob sich trotz der Hingabe ans Detail bei den nächsten Versuchen noch etwas Lockerheit einstellt …


Buntstifte

Nach ein paar turbulenten Tagen hatte ich Lust, ein bisschen meditativ vor mich hin zu stricheln. Der Morgen begann so winterlich, dass Tee mit Zitrone ein angemessenes Frühstücksgetränk schien – und die anderthalb übrigen Zitronen nur noch dazu gelegt werden mussten. Ich hatte ein älteres Stillman&Birn Alpha Skizzenbuch reaktiviert, dessen nicht ganz glattes 150er Papier mit wässrigem Aquarell nur mäßig zurechtkommt – für wasservermalbare Stifte aber den idealen Untergrund darstellt.

So nahm ich die Albrecht-Dürer-Stifte von Faber Castell zur Hand, die ich gerade erst weggelegt hatte. Den Grundstock zu diesem Satz Stifte habe ich wohl schon vor zwanzig oder noch mehr Jahren gelegt, die Lieblingsfarben (Warmgrau IV) gelegentlich nachgekauft und den Bestand nach und nach erweitert. Als ich vor sieben, acht Jahren mit dem kontinuierlichen Zeichnen und Aquarellieren anfing, waren sie erst einmal abgemeldet – zu umständlich, zu unflexibel, zu kreidig. Im Gegensatz zu meiner Anfängervorstellung handelt es sich nämlich nicht um Aquarellfarbe in Stiftform (so etwas gibt es mittlerweile auch), sondern um in Holz gefasste Wachskreiden. Und dann diese unberechenbaren Farbsprünge von trocken zu feucht!

Den Zitronen war das egal. Sie lagen friedlich unter der Lampe, wurden nicht welk, behielten ihre Form und liefen auch nicht weg. Ich bewegte mich den ganzen geschäftigen Tag um sie herum, verrückte sie um keinen Zentimeter und nahm am Abend die Strichelei wieder auf. Vermutlich wird es eine gute Idee sein, für den Rest des Alpha-Buchs immer ein paar von den Stiften dabei zu haben, den gemeinsam sind sie ein gutes Team.


Am Waldrand

Vor ein paar Tagen sind wir wieder einmal den Hügelgräberweg im Sternberger Seenland gewandert. Der Rundweg führt an Biberburgen vorbei, an von Weißdorn und Schlehen umgebenen hügeligen Wiesen, an blühenden Wildobstbäumen, er führt durch Alleen uralter Buchen und Hainbuchen – und natürlich an einigen namensgebenden Hügelgräbern vorbei.

Nichts von alledem habe ich gezeichnet, jedenfalls dieses Mal nicht. Denn über der lieblichen Landschaft wehte im grellen Aprillicht ein scharfer Nordwind, der uns im Windschatten einiger frisch gerodeter Stubben rasten ließ. Der Blick fiel auf eine Wiese, die sich mit einer zügig den Hügel hinab weidenden Schafherde überzog – die sich, kaum hatte ich Papier und Stift herausgeholt, wie von Geisterhand hinter eine Bodenwelle zurückzog.

So blieb mir nichts anderes übrig, als mich umzudrehen und mich dem geschlagenen Holz zuzuwenden. Wenn ich das Bild jetzt sehe, vermeine ich wieder den Duft der noch frischen Sägespäne zu riechen, die nur kurz von einigen Windböen unterbrochene Stille zu hören …


Im Garten

Die Schweriner Schelfstadt bewahrt hinter den Mauern ihrer Gründerzeit- und Barockhäuser viele schöne Gärten. In einem davon haben wir heute gezeichnet. Ab Mittag kam die Sonne über die Dächer; vorher begnügten wir uns mit einer Feuerschale, die uns leidlich gewärmt und gründlich geräuchert hat.

Zuerst zeichnete ich, ausführlich und in Ruhe, einen der schönen Hochstamm-Apfelbäume mit Bleistift. Leider sah die Zeichnung am Ende ziemlich winterlich aus, so dass ich dann doch noch mit etwas Farbe für den nötigen Frühlingseindruck gesorgt habe.

Bei den leuchtenden Tulpen war die Farbe natürlich eingeplant. Ich grundierte die Blütenköpfe mit einem weißen PITT-Pen. Die Partien nehmen danach allerdings Wasserfarben nur sehr bedingt an und es brauchte einige Schichten mit Wachsstiften und -kreiden, bis ich eine Lasur aufbringen konnte. Ansonsten habe ich mit allen möglichen Stiften und Markern durcheinander gezeichnet.


Blau-Weiß

Zwei unterschiedliche Blautöne auf weißem Grund: DAS Erkennungsbild der Bollhagen-Keramik. (In meiner Kindheit war das noch anders, da herrschte Schwarz-Grün vor, aber das ist eine andere Geschichte.) Geometrische, mehr oder weniger kleinteilige Dekore laden dazu ein, verschiedene Muster zu mischen, ferne Erinnerungen an bäuerliche Gebrauchskeramik mischen sich mit Bauhauselementen.

Für meine diesjährige Osterdekoration habe ich aus den Tiefen des Küchenschranks einige Kerzenhalter und andere Kleinteile in diesem Stil hervorgeholt, die sonst selten den Weg auf den Tisch finden. Als ich sie in den Wochen vor Ostern aufstellen wollte, musste ich feststellen, dass passende Kerzen nicht zu bekommen waren. Sie sind aus der Mode gekommen, wenn man von dem Saisonartikel „Pyramidenkerze“ absieht, der pünktlich zum 23.12. aus allen Regalen verschwindet.

Wie man sieht, haben sich noch welche eingefunden – ein rechtzeitig erhaltenes Geschenk (voller Geschichte und Geschichten der Schenkerin, die zu erzählen hier nicht der Ort ist …)

Zeichnend hatte ich Lust auf Aquarellstifte – sie erlauben Kleinteiligkeit, ohne dass die Arbeit sich über Tage hinzöge wie bei den wasserfesten Buntstiften. Der Preis ist eine gewisse Farbungenauigkeit: beim Kontakt mit Wasser verändern sich die Töne manchmal sehr, so kam auch der Violettstich zu Stande, wo im Original Kobalt- oder Delftblau zu sehen ist.


Nach Ostern

Dieses Jahr hatte ich Lust, ganz für mich ein paar Eier zu färben. Die Färberei waren früher stets eine große Familienaktion gewesen, mit Zwiebelschalen- und Walnussblätter-Orgien und Wettbewerben um Eier im Stein- und Holz-Look. Als Landärztin war ich mit Eiern stets sehr reich gesegnet gewesen. Auch dieses Jahr hatte ich auf Geschenke zurückgegriffen – vor allem der weißen und grünlichen Schalen wegen. Da die Zeit knapp war, beschränkte ich mich auf konventionelle Farben aus der Tüte. Nacheinander tunkte ich die Eier in verschiedene Farbbäder und freute mich daran, den knalligen Industriefarben eine individuelle Note zu verleihen …

Am Abend des Ostermontag sind die ersten Eier schon aufgegessen und der Farbkreis ist nicht mehr vollständig. Ohnehin tanzten die beiden gelben mit ihrer Leuchtkraft ein bisschen aus der Reihe.


Die Saison beginnt

Letztes Wochenende habe ich nach einem Winter voller Stillleben die Sketching-Saison eröffnet. Zuerst, am Samstag, im Staatlichen Museum Schwerin. Mit einem vorab vereinbarten Termin (und natürlich mit Maske) darf man rein – und trifft, wie zu erwarten in einem Kunstmuseum in der Provinz, sehr wenige Menschen. (Man könnte dort glatt in Quarantäne gehen.)

Wie immer suchte ich mir ein Bild zum Abzeichnen. Die Wahl fiel auf „Althagen im Schnee“ von Friedrich Wachenhusen. Da ich nicht in Mecklenburg aufgewachsen bin, habe ich immer noch tiefe Wissenslücken, was die regionale Malerei angeht – so kannte ich auch diesen Schweriner Maler, einen der Begründer der Ahrenshooper Künstlerkolonie, bisher nicht.

Das Bild – im Original natürlich farbig – zeigt einen Winternachmittag mit hoch aufgetürmten, den Horizont eindüsterndernden Schneewolken und ein paar Bauernhäusern im Vordergrund. Stille und Kälte sind mit Händen zu greifen. Beim Abzeichnen sah ich bald, dass das Bild perfekt komponiert ist, maß-voll nach dem Goldenen Schnitt aufgebaut in allen Dimensionen. Dass ich es beim Abzeichnen erst einmal verhauen habe, steht auf einem anderen Blatt. Ich entschloss mich zu Hause zur Korrektur, habe sie aber so ausgeführt, dass meine ursprüngliche Zeichnung sichtbar blieb.

Friedrich Wachenhusen, Althagen in Schnee. Abzeichnung mit Tinte und wasserlöslichen Markern.

Am nächsten Tag wurde es ernst: wir waren zum gemeinsamen Zeichnen draußen verabredet. Es war kalt und dank der Zeitumstellung auch noch sehr morgens, als wir uns am Schweriner Bahnhof trafen. Wir blieben erst einmal dort, wo wir den Windschatten des Bahnhofsgebäudes vermuteten und zeichneten ein paar alte Bahngebäude. Mein erster Versuch endete mit heißem Tee auf dem Skizzenbuch; den zweiten führte ich mit den am Vortag schon bewährten Aquarellstiften aus. Die Farbe kam heute zu Hause.

Der Gott des Urban Sketching nahm unser Opfer an: nach dem Kaltstart fanden wir eine wirklich windgeschützte Stelle in der Schelfstadt. Das schiefe Haus wollte ich schon immer mal zeichnen.

Schiefes Haus in Schwerin. Aquarellstifte von Faber Castell (und ein bisschen wasserlösliche Kreide) im Stillman&Birn Nova Trio.

Spinat

Als Kind konnte ich, die sonst fast alles und viel zu gern aß, mir einfach nicht vorstellen, dass Menschen ohne Not Spinat auf ihre Teller legen. Diese kuhfladengrüne Masse, die am Schulspeisungsschalter – klatsch! – auf den Teller gepappt wurde, gefolgt von einem – plopp! – ungeschälten blaugekochten Ei – nein, das konnte kein Mensch freiwillig essen!

Nun, die Jahre gingen ins Land und ich lernte, dass Spinat auch anders geht. Mein Lieblingsgemüse ist er immer noch nicht, aber so am zeitigsten Frühlingsbeginn ist die Sehnsucht nach Grün so groß, dass nur noch Spinat sie wirklich stillen kann.

Der erste Blattspinat des Jahres, mit schwarzer Tinte gezeichnet im mein „botanisches Buch“ – Stillman&Birn Zeta – und mit etwas Wasserfarbe in zwei Tönen koloriert. (Green Gold von Mijello und Green Apatit Genuine von Daniel Smith.

Zubereitet habe ich ihn als Risotto: zwei Zwiebeln in 50g Butter anbraten, 150g Risottoreis dazu und glasig dünsten, dann den Spinat und etwa 100ml Wasser dazu, mit 1 Teelöffel Gemüsebrühe würzen. Den Reis ausquellen lassen und nach bedarf noch etwas Wasser nachgießen, kurz vor Ende der Kochzeit 50g gemahlenen Hartkäse untermischen.


Cupcake

Mit diesem Cupcake, ich gebe es zu, habe ich mich ganz schön geplagt. Zuerst gab es einen Versuch mit einer kolorierten Federzeichnung, eigentlich einem vertrauten Metier – doch das Ganze wurde schief und krumm und entbehrte jeder Leichtigkeit. Als klassisches Aquarell überforderte mich das Motiv restlos – besonders die komplizierten Schattenwürfe in der Cremehaube haben es in sich. Erst mit Aquarellfarben und etwas Deckweiß auf getöntem Papier war ich halbwegs zufrieden.

Ein Cupcake von der Schweriner Konditorei „Miss Törtchen“, mit Aquarellfarbe auf Stillman&Birn Nova Grey gemalt.

Zum guten Schluss konnte das liebevoll verzierte Törtchen dann auch noch gegessen werden – was sehr viel schneller ging als die bildliche Darstellung.