Zum Jahr der Ratte

Vor vielen Jahren zogen anlässlich eines Geburtstags Mitte Februar bei uns zwei Ratten aus Filz ein. Seitdem gehören die handgroßen Figuren für mich zum Spätwinter, zu Hyazinthen, Tulpen und den ersten helleren Himmeln beim Blick in den Garten.

Dieses Mal habe ich sie drei Wochen eher aus dem Schrank geholt, anlässlich des chinesischen Jahres der Ratte – bin ich doch schließlich selbst in einem Ratten-Jahr geboren.

Die Zeichnung ist eine kleine Fingerübung am Abend; ich habe sie genutzt, um einige Materialien aus dem Amsterdamer Gabenbeutel auszuprobieren. Ein wasserlöslicher Graphitstift ist dabei, ein interessanter ölbasierter Kohlestift (Cretacolor Nero) und noch einiges an Markern, aufgelockert mit einem rotem Aquarellstift namens Marino, ebenfalls von Cretacolor.


Männer

Gestern war der Tag der seltsamen Männer. Also zum Zeichnen. Die Schweriner Urban Sketchers hatten sich im Kaufhaus Kressmann versammelt, um im Warmen und unter Dach sitzen zu können. Vom „Café Honig“ aus hat man einen schönen Blick nach draußen, auf den Dom und die (immer noch leerstehende) alte Post, drinnen kann man die Gäste im Café zeichnen oder es sich im Kaufhaus in einer der Sitzecken gemütlich machen.

Magisch angezogen wurden wir von zwei ganz besonderen Schaufensterpuppen. Die beiden Herren, deutlich lebensnäher als in ihrer Branche sonst üblich, tragen ihre Unterwäsche mit Würde.

Der dritte seltsame Mann bewacht das Haus gegenüber. Eine Blattmaske, auch als Grüner Mann bekannt – dieser hier ist allerdings aus rotem Stein.


Pink Poinsettia

Weihnachtsstern, Poinsettia, Euphorbia pulcherrima – immer wenn die Pflanzen im Spätherbst in den Gärtnereien auftauchen, versuche ich möglichst viele verschiedene Exemplare zu ergattern, und in meiner Wohnung über den Winter zu bringen. Letzteres ist gar nicht so einfach; meine Altbauwohnung ist ihnen zu dunkel und zu kühl und sie brauchen jedes Jahr viel gutes Zureden, den hellsten und wärmsten Platz und genau abgemessene Mengen an vorgewärmtem Gießwasser. Sie danach auch noch auf dem Balkon zu übersommern habe ich aufgegeben, das endete noch jedes Mal mit Fäulnis und Läusen.

Also wollen sie im Winter gemalt werden, so lange es ihnen noch gut geht. Dieses Bild habe ich am Silvesternachmittag begonnen und erst gestern Abend fertig gestellt. Es ist ein erneuter Versuch mit mehr oder minder deckender Farbe auf grau.


Tee in der Komfortzone

Heute bin ich gar nicht gewachsen. Jedenfalls nicht, wenn es nach dauergutgelaunten Lebenshilferatgebern geht, die all denen, die es sich in ihrer Komfortzone gemütlich machen, mit Konsequenzen drohen. „Kein persönliches Wachstum“, das liest sich ein bisschen wie „ohne Abendbrot ins Bett“ – Strafe muss sein.

Nein, kein Challenge, kein Projekt, kein persönlicher Entwicklungsplan: mein guter Vorsatz für heute war die altbekannte Teetasse; ein Stillleben, das schön still hält, aus dem ich mich während des Zeichnens mit schwarzem Tee bedienen kann, während ich nebenbei dem Ofen beim Zimmerwärmen zusehe.

Naja, zugegeben – ein klitzekleines bisschen Projekt ist doch dabei. Im Gegensatz zu der Weihnachtspyramide in Gouache ist die Tasse nämlich mit Aquarellfarben gemalt. Abgeguckt habe ich mir die Technik bei Marie Silver, die in dieser Weise auf dem beigen Stillman&Birn-Papier arbeitet. Das Weiß wird ebenso wie die anderen Farben in Aquarellmanier lasierend eingesetzt und der – in meinem Fall graue – Untergrund darf durchscheinen. Zum Schluss gibts noch ein paar Higlights mit einem weißen Marker obendrauf.


Nach Weihnachten

Es war wohl Karl Valentin, der den Spruch prägte, dass es wieder ruhiger würde, wenn die stille Zeit vorüber sei. Was auch etwas darüber sagt, dass vorweihnachtliche Hektik keine Erfindung des 21.Jahrhunderts ist. Wie auch? Die Kartoffelsalat-und-Würstchen-Tradition entstammt schließlich Haushalten, in denen am Tag vor dem Heiligen Abends noch gearbeitet wurde und die Hausfrauen ihre liebe Not damit hatten, alles vorzubereiten.

Um alles unter einen Hut zu bekommen – auch gänzlich unweihnachtliche, aber nicht minder notwendige Termine – hatte ich mir eine Zeichenpause gegönnt. Ja, so sehr ich das Zeichnen liebe, manchmal setzt mich der Gedanke daran unter Druck. Um so schöner ist es, wieder anzufangen, am liebsten mit einem „Auf-dem-Tisch-unter-der-Lampe“-Bild: Da steht um diese Jahreszeit die Weihnachtspyramide und dreht mehr oder weniger gemächlich ihre Flügel. (Zum Gezeichnet-Werden darf sie dann auch mal stillstehen.)

Es ist keine besondere Pyramide, kein kostbares Erbstück; ich habe sie vor einigen Jahren an einem Verkaufsstand in der Fußgängerzone erworben. Immerhin stammt sie aus dem Erzgebirge, wo ich geboren bin. (Die Pyramide, die so alt war wie ich, war allmählich zu Bröseln zerfallen und bekam letzte Weihnachten ihr Abschiedsbild.)

Gemalt habe ich sie mit Gouache-Farben in das graue S&B-Buch, das mich nun schon seit dem Inktober begleitet. Ich bin mit diesen Farben nicht geübt und hatte zum Schluss meine liebe Not, das kleinteilige Motiv mit den eher für großflächigeres Arbeiten gemachten Materialien aufs Papier zu bringen. Am Ende musste dann doch noch der weiße Stift mithelfen, etwas Struktur hineinzubringen. Zwei Abende und einen Morgen brachte ich mit dem Bild zu, Zeit und Gelegenheit auch, den einen oder anderen Gedanken an die Geschichte zu wenden, die hier in hellen und dunklen Holztönen erzählt wird.


Porzellan

Vor einiger Zeit sah ich ein wunderbares Aquarell einer Meissner Porzellantasse, und da ich schon wusste, dass ich nach Dresden fahren würde, nahm ich mir vor, einen Abstecher in die Meissner Manufaktur zu machen. Als Achtjährige war ich dort schon einmal gewesen, auch damals konnte man den Porzellanmalerinnen schon auf die Finger sehen und ich erinnere mich daran, wie erstaunt ich darüber war, dass das ungebrannte Kobaltblau fast schwarz ist.

Mittlerweile ist alles neu und schick, es gibt vorher einen Film und einen recht zügigen Rundgang mit Audioguide. Beim Zeichnen musste ich wirklich fix sein und mehr als ein paar Umrisslinien waren nicht drin. Die Farbe habe ich zu Hause ergänzt, wobei ich mit diversen Markern anfing, um dann mit Pinsel und Farbe weiterzumachen.


Albertinum

Als ich vor einem Jahr in der großen DDR-Schau des Dresdner Albertinums war, hatte ich mir vorgenommen, mich bei meinem nächsten Besuch den Skulpturen der ständigen Ausstellung zu widmen. Viele sind es, sehr viele, durch alle Zeiten und Größen, von Antike bis Postmoderne, von handlich bis monumental.

Meine erste Wahl fiel auf den 1911 entstandenen „Siegerknaben“ von Sascha Schneider. Die Jugendstilästhetik mit ihrem Materialmix hatte es mir angetan.

Von ganz anderer Art ist Christian Volls „Frau, sich den BH öffnend“. Die 60 cm kleine Statue aus rotem Ton trennen nur elf Jahre von dem ätherischen Knaben – und mit ihnen ein ganzes Zeitalter. Der in Karslruhe wirkende Christian Voll schuf ein Kunstwerk von ganz anderer Erotik: erdverbunden, wahrhaftig und sehr menschlich. Ganz glücklich saß ich vor der Figur, die sich ihren Platz im Schaudepot mit vielen anderen teilen musste – und wegen dieses Ortes auch einen Inventarzettel trägt.

Beide Bilder sind im grauen Stillman&Birn Nova Buch entstanden, und zwar vor Ort mit einem sepiabraunen Polychromos-Buntstift. Farbe kam dann später: für den Knaben habe ich verschiedene Marker kombiniert und die Frau ist mit Aquarell und Deckweiß koloriert.