Durchs wilde Bäratal

Gestern bin ich von Nusplingen nach Bärenthal gewandert – entlang der Bära, die sich durch Erlen-Weiden-Gestrüpp schlängelt und auf diesem Weg vom Bach zum Flüsschen wird. Die durch das Tal führende Straße war wegen irgendwelcher Bauarbeiten gesperrt, so dass nichts die Stille störte.
Den ganzen Weg über hatte ich den Gedanken, ein bisschen von der herbstlichen Vegetation abzubilden, und an einem Rastplatz habe ich dann einige Blätter gezeichnet.


Auf der Schwäbischen Alb

Um auf der Schwäbischen Alb zu wandern, muss man erst einmal hinauf gelangen. Von Balingen, dem Endpunkt meiner letzten Pilgerstrecke, führt der Weg geradewegs 350 Höhenmeter den Steilhang hinauf, der hier „Albtrauf“ heißt. Der Weg führt durch abenteuerliche Landschaft voller Felsbrocken und wilder Vegetation, um dann unvermittelt auf einer Hochebene herauszukommen.

Erste Übernachtung auf der Alb war in Tieringen. Im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern gibt es hier noch ein Hotel, einen Tante-Emma-Laden und eine Kneipe. Am Morgen hatte auch die Kirche geöffnet.

Abwärts ging es durch das Tal der Bära, durch hübsche und wenig zersiedelte Dörfer, dem nächsten Etappenziel Nusplingen entgegen.


Vom Harz nach Leipzig

Und schon ist die erste Reisewoche vorbei, eine Woche Ferienhausurlaub mit Freunden und Familie und zum Glück auch ordentlich Zeichenzeit. Ich bin beim Inktober geblieben, habe mit schwarz und weiß auf grau gezeichnet und ab und zu ein bisschen Farbe zugefügt.
Zuerst ein Nachtrag von der Burg Falkenstein. Zufällig waren wir in ein Burgfest geraten; als Höhepunkt gab es ein Ritterturnier. Ich habe mich dabei in schnellen Bewegungsskizzen geübt und zum Schluss für den Herrn von Falkenstein doch ein Foto zur Hilfe genommen. 

Dienstag teilte sich die Reisegesellschaft; ich fuhr nach Leipzig, um mir die große Ausstellung ostdeutscher Kunst im Museum der bildenden Künste anzusehen. Der „Mann mit Koffer“ von Trak Wendisch rief in mir ein 80er-Jahre-Gefühl wach, vieles andere blieb mir feDienstag teilte sich die Reisegesellschaft; ich fuhr nach Leipzig, um mir die große Ausstellung ostdeutscher Kunst im Museum der bildenden Künste anzusehen. Der „Mann mit Koffer“ von Trak Wendisch rief in mir ein 80er-Jahre-Gefühl wach, vieles andere blieb mir fern.

Regelrecht befremdet war ich vom Museum selbst, ich fühlte mich als Besucherin dort unwillkommen zwischen allerlei L´art-pour-l´art-Spielereien, angefangen bei viel zu kleinen Garderoben in einer riesigen Halle, düsteren Treppenhäusern bis zu türkisfarbenen Wänden mit Wandtatoos hinter mittelalterlichen Gemälden. Klingers Beethoven und den verbundenen Jugendstil hatte man glücklicherweise einfach bei sich gelassen. 

Zum Zeichnen entschied ich mich für eine „Flora“ aus zart bemaltem Marmor. 

Und zum guten Schluss war da noch der sehr entspannte junge Mann im Einkaufszentrum …


Inktober 2019 – die erste Woche

Die Welt der Zeichner ist voll von „Challenges“, zeitlich begrenzten Aktionen mit einem bestimmten inhaltlichen oder formalen Thema. „Nulla dies sine linea“ sagten die Alten, wissend: Zeichnen lernt man durch Zeichnen. Beim Inktober geht es, wie der Name schon ahnen lässt, um „ink“, wobei das Englische die feine Unterscheidung zwischen Tinte und Tusche nicht kennt. Es gibt eine Liste mit Themenvorschlägen, doch dient die nur der Anregung. Anders als beim Urban Sketching ist auch das Arbeiten nach Fotos und aus der Phantasie „erlaubt“.

Da ich weiß, dass ich auf die meisten Oktobertage auf Reisen sein werde, also ohnehin mit Zeichenzeit ausgestattet, nehme ich mir dieses Jahr vor, teilzunehmen. Mein formaler Rahmen: ein Stillman&Birn Nova Skizzenbuch mit grauem Papier, schwarze, graue und weiße Füller und Marker. (Später wird sparsam Farbe dazu kommen und der Marker durch Deckweiß ergänzt werden.)

Hier die Bilder der ersten Woche.

2. Oktober – Der Rosenkavalier als Urlaubseinstimmung.

In schwindendem Licht

Endlich wieder zeichnen! Täglich! An diesem Wochenende konnte ich ein Projekt abschließen, das mich neben Alltag und Arbeit auf anregende Weise involviert hatte und nun wieder Zeichenzeit freigibt. Und dann, nicht ganz unwichtig, steht auch noch ein Urlaub bevor.

Wieder einmal war ich im Haus der Stille im mecklenburgischen Bellin; zwei Farbstiftskizzen der Kirche sind entstanden, deren eine, vom Freitagabend, ich hier zeigen möchte. Sie ist mit Farbstiften aud dunkelgrauem Papier gezeichnet, wie ich es in Amsterdam im Kurs von Pat Southern-Perace gelernt habe. Vor Ort war nur Zeit für die Dachlinie, den Himmel und die Binnenstruktur der Kirche habe ich heute fertiggestellt. (Das Wetter war ganz das richtige für einen Nachmittag am Zeichentisch.) Leider hat der schicke violette Acrylmarker von Derwent ganz fürchterlich gekleckst.

Gestern Abend, auf dem Rückweg von Bellin, habe ich noch eine Freundin besucht und mich im schwindenden Licht auch noch mit der Kirche beschäftigt – dieses Mal ganz „normal“ auf weißem Papier. Erst ein bisschen Farbe locker aufgetragen und dann vor Ort mit Marker Konturen und etwas Schatten angelegt. Die restliche Farbe kam, vielleicht ein bisschen zu bunt, heute dazu.

Die Dorfkirche von Kuppentin in Mecklenburg.

Zwei mal zwei

In den letzten beiden Wochen hatte ich viel zu tun, zum Zeichnen kam ich immer nur sporadisch: zwischendurch im Einkaufszentrum ein paar Passanten (Üben! Üben!), die hier nicht gezeigt werden sollen. Das Objekt der Begierde vom letzten Wochenende konnte ich nur in Etappen fertigstellen, die letzte heute Abend am Zeichentisch. Dafür habe ich es gleich zweimal gezeichnet, einmal „normal“ – Linie zuerst – und einmal „color first“.

Ich hatte die alte Ludwigsluster Autowerkstatt schon lange ins Auge gefasst, immer fürchtend, jemand könnte sie abreißen oder auch nur zu Tode renovieren, bevor ich sie zeichne. Repariert wird da übrigens schon lange nichts mehr – sie dient als Carport.

Heute war Sonntag, in Schwerin gab es gleich zwei nette Märkte und ich hatte Zeichenzeit eingeplant. Die Marktbesucher (Üben! Üben!) gibt es hier nicht zu sehen, dafür gleich zwei Domblicke auf getöntem Papier. Für einen Vortrag will ich verschiedene Varianten von Negativräumen zeigen; dabei kam mir die Idee, dass auch der Himmel, zeichentechnisch gesehen, ein Negativraum ist, und was für einer! Variante zwei ist eine Übung in Gouache.


Autos in der Stadt

Mit den Autos ist das so eine Sache: Wie viele Errungenschaften des modernen Lebens werden sie lieber genutzt als gezeichnet. Ich nehme mich da selbst nicht aus, auch wenn ich sie seit seit dem hinreißenden Workshop von Dave Robb in Eutin mit anderen Augen sehe. Daves wichtigste Botschaft an diesem denkwürdigen Vormittag: Dieses blaue Auto ist nicht blau. (Sondern silbern, spiegelnd, leuchtend, grün, rot und und und …)

Als ich gestern Vormittag am Schweriner Schelfmarkt um die Ecke bog, um zum ersten Treffen der neuen Schweriner Urban-Sketcher-Gruppe (!) zu gehen, sprangen mir die im Schatten der Linden geparkten Autos ins Auge. Das wäre mein Motiv für nachher! Und, ja, es ist es dann auch geworden, auch wenn mir der dunkle Vordergrund vor dem hell orange leuchtenden Haus ordentlich was zu knabbern gab. Dafür hatte ich aber wirklich ein blaues Auto erwischt, noch dazu eins, an dem relativ viel Blau zu sehen war.

Für mein zweites Bild nahm ich mir eine Jugendstilfassade vor, die ich schon immer mal hatte zeichnen wollen. Obwohl ich beste Bedingungen vorfand dort im luftigen Schatten auf dem schönen alten Platz, biss ich mir an dem Motiv fast die Zähne aus – zu viel auf einmal, zu dünner Stift, zu glattes Papier … Und dann stand da auch noch dieses knallrote Auto … Sollte ich das überhaupt kolorieren? Ich sollte – und unversehens hatte ich mich mit dem Bild versöhnt. Auch wenn von der Jugendstilfassade nicht viel zu sehen ist.