Ostereier

Gestern Abend bei Freunden: während der Sohn im Rekordtempo ein Ei nach dem anderen mit Farbe einstreicht, tupft die Mutter geduldig feine Muster aus Wachs auf ihr Ei.

fullsizeoutput_68e

Beim Eiermalen.


An der Trave

Ab und zu habe ich in Travemünde zu tun, und meist – ich weiß nicht warum – ist das Wetter schlecht und der einst vornehme Ferienort an der Ostsee sieht dann noch mehr nach alter Bundesrepublik als sonst. Da setzt man am besten noch eins drauf und geht ins Café Niederegger Marzipantorte essen.

Ich fand einen schönen Fensterplatz mit Blick auf die Trave, und nach ein paar sehr anstrengenden Tagen verbrachte ich dort eine wunderbare Zeichenstunde. Zuerst wollte ich das so schön altmodische Geschirr mit seinem roten Streifen zeichnen – wo gibt es sowas noch? – doch dann drängelte sich die Lampe mit ihrem Lichtschein in den Vordergrund.  Die Kellnerin bestand darauf, mich schon einmal zeichnend gesehen zu haben – erst als wir beide gingen – ihre Schicht war zu Ende – fiel uns ein, dass das vor einigen Jahren in der Lübecker Innenstadt-Filiale gewesen war …

fullsizeoutput_677

Blick aus dem Café Niederegger über die Trave. Die seltsamen Knollen vor dem Fenster sind beschnittene Promenadenbäume. 


Lieblingsplätze in Funchal

Der Tag war grau und windig gewesen; als der Regen abends nachließ, drehte ich noch einmal eine Runde durchs Viertel und zeichnete eine flotte Skizze von einem typischen Funchaler Wohngegend-Blick – sozusagen das Pendant zu meiner Ankunftszeichnung.

fullsizeoutput_663

Blick aufs Meer an einem regnerischen Abend.

Bevor das Wetter auf Madeira zum Abschied dann  noch einmal mit Regenmassen und im im Sturm sich biegenden Palmen auftrumpfte, spendierte es mir noch einen sonnig-freundlichen Abschiedstag: beste Bedingungen, um ein paar meiner Lieblingsplätze zum Zeichnen aufzusuchen. Die Igreja de Nossa Senhora do Socorro, die „Kirche Unserer Lieben Frau des Beistandes“, wurde einmal als Pestkapelle gebaut und steht jetzt an einem der schönsten Plätze von Funchal: auf einer Klippe über dem Meer, an einem schön gestalteten Platz am östlichen Ende der Altstadt, umgeben von alten Bäumen.

fullsizeoutput_667

Igreja de Nossa Senhora do Socorro, Funchal.

Am Nachmittag dann lies ich mich an der Uferpromenade nieder; das Wetter war so freundlich geworden, dass ich Lust auf einen sommerlichen Cocktail bekam. Der Blick von dieser Stelle ist der wahrscheinlich schönste auf die Kathedrale.

fullsizeoutput_66c

Blick auf die Kathedrale von Funchal von der Uferpromenade aus.

Zeichnerisch ist das Motiv allerdings so komplex, dass ich mit meinem Hoch-im-Breitformat technisch an Grenzen kam. Dieses Blatt illustriert nicht nur meinen Abschied von Funchal für dieses Jahr, sondern auch vom Hahnemühle Watercolour Book im Landschaftsformat. Ich hatte das Buch in Eutin geschenkt bekommen und mir schon bald vorgenommen, es für die diesjährige Madeira-Reise zu nutzen. Meinen Zeichengewohnheiten kam es eher nicht entgegen, was nichts macht, es ist immer wieder schön, etwas Neues auszuprobieren.
Für interessierte Zeichner hier ein kleiner Arbeitsbericht: das Papier ist hervorragend, es macht alles mit, auch Füller der verschiedensten Marken und Tinten gleiten darauf fast wie auf Markerpapier, dabei ist es richtiges Aquarellpapier einer ordentlichen Grammatur, das sich nur sehr wenig wellt. Das Buch liegt flach auf dem Tisch, der wasserfeste Einband, die runden Ecken, Gummiband und Lesebändchen lassen es zu einem sehr praktischen Reisebegleiter werden.
Dass ich mich mit dem Format schwertat, habe ich mehrfach angedeutet, und ich mochte es für Hochformate auch nicht drehen – ich lege meine Reisezeichnungen eher als ein Tage- als ein Skizzenbuch an, es erzählt eine Geschichte, und die soll man fortlaufend lesen können. Hierin liegt natürlich auch ein Vorteil: in manchen Situationen kann sich die Geschichte auf einem solchen Format richtig entfalten – die Fortsetzung dieses Stils wäre dann ein Leporello. (Und zu ein paar Breitwandlandschaften, die sonst so nicht gezeichnet hätte, hat es mich auch eingeladen.)
Fazit: tolles Papier, tolle Verarbeitung, für die nächste Reise gibt es das gleiche im Hochformat.

 

 

 

 

 


Zweimal Markt

„Markt auf Madeira“ ist ein touristischer Topos, an dem niemand vorbeikommt, der sich hier aufhält, gehört doch das Angebot an exotischen Früchten zu dem sehenswertesten, das die Insel zu bieten hat. (Ich schreibe mit Absicht „Früchte“, denn beim Gemüse ist die Auswahl zwar groß, bewegt sich aber in deutlich vertrauteren Bahnen.)

Richtig lohnt sich der Besuch der zentralen Markthalle von Funchal eigentlich nur am Freitag und Samstag, wenn in dem architektonisch schönen Gebäude ein echter Bauernmarkt stattfindet – ansonsten bekommt man das Obst deutlich günstiger und mit mindestens ebenso großer Auswahl in den „Frutaria“ genannten Geschäften – eins ist gleich gegenüber.

So bin ich letzten Samstag, als ich aus den Bergen zurück war, auch gleich früh zum Markt gegangen – und habe mich, im schönsten Getümmel, ins Café VOR die Halle gesetzt, um endlich den Morgensonnenbblick auf die alte Zuckerfabrik einzufangen. (Das ist sozusagen der Blick auf die Stelle, von der aus ich an einem der ersten Tage die Markthalle gezeichnet hatte.) Nachher war ich dann noch kurz in der Fischhalle.

fullsizeoutput_645

Blick auf die alte Zuckerfabrik in Funchal am Morgen – und angedeutet ein paar Fische in der Markthalle.

Dann war es schon fast Mittag. Zu meiner großen Freude saß heute auch wieder eine Schau-Stickerin vor einer der Stickereimanufakturen, so dass ich mich trotz Autos und Abgasen daran machte, sie zu zeichnen – Caféhausstühle zum Hinsetzen gibt es dort zum Glück genug. Die echte Madeira-Stickerei fasziniert mich immer wieder; sie ist keine Volkskunst, sondern ein Kunsthandwerk, das im 19.Jahrhundert als effektive Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eingeführt wurde.

fullsizeoutput_648

Schau-Stickerin vor einer Stickereimanufaktur. (Gestickt wird normalerweise natürlich zu Hause, in der Manufaktur werden die Stücke vor- und nachbereitet.)

Der nächste Tag – gestern, mein vorletzter Tag auf Madeira – war ein Sonntag, und sonntags gibt es einige große Märkte in Kleinstädten; Märkte, die weitgehend von Einheimischen besucht werden. Entsprechend unromantisch geht es dort zu, eine nüchterne Halle, keine vordergründige Exotik. Da es draußen in Strömen groß und der Ort – Estreito de Câmara de Lobos – auf 500m Höhe liegt, war die Atmosphäre eher matschig-grau, alle Männer, die sonst mit ihrem Kaffee und ihrem Schnaps draußen gestanden hätten, drängten sich drin am Geländer.

Zurück in Funchal war es Mittag, und ich bin ins Selbstbedienungsrestaurant bei Pingo doce, einem großen Supermarkt, eingekehrt. Ich mag diesen Ort, erstens bekommt man dort preiswert beste portugiesische Hausmannskost zu essen, und zweitens kann man relativ ungestört Menschen aller Bevölkerungsgruppen zeichnen.

fullsizeoutput_64a

Männern an Geländern – in einem bergigen Land ein vertrauter Anblick. Auf der rechten Seite zwei Porträts aus dem Selbstbedienungsrestaurant in Funchal. 


Von den Bergen ans Meer

In den letzten Tagen war ich ein bisschen auf Madeira unterwegs, bin etwas gewandert, habe viel gezeichnet und wenig geschrieben. Heute nun war Ruhetag und ich bin dazu gekommen, einiges fertigzustellen und zu fotografieren.

Es war recht kalt oben in den Bergen, knapp über null Grad, so dass ich draußen nur eine Zeichnung angefangen habe – und die später auch im warmen Panorama-Café fertiggestellt.

fullsizeoutput_63c

Die Landschaft unterhalb des Encumeada-Passes: Von den rauen Bergen reicht der Blick bis ans Meer.

Sehr schön, fast parkartig (und nicht so windig) war ein gut gepflegter Weg entlang einer hochgelegenen Levada. Dort kam ich auch dazu, mir die reichhaltige Pflanzenwelt des Laurisilva, des Lorbeerwaldes, genauer anzusehen. Gezeichnet habe ich sie, in Decken gewickelt und das letzte bisschen Tageslicht ausnutzend, auf meinem Hotelbalkon – denn bei Hotelzimmerlicht hat man kein Gefühl für die richtige Farbe.

fullsizeoutput_630

Drei Pflanzen aus dem Lorbeerwald. Die ohne Beschriftung sucht noch ihren Namen.

Am nächsten Tag ging es hinunter an die Nordküste. Dort ist es – von der Brandung abgesehen – still, Saison ist nur im Sommer. So aß ich meinen Fisch ganz allein auf der Terrasse, und danach zeichnete ich den Abendhimmel.

fullsizeoutput_640

Blick von São Vicente nach Porto Moniz, Madeira Nordküste.

Glücklich lauschte ich der Brandung unter meinem Hotelfenster, und am nächsten Vormittag machte ich mich an den Versuch, etwas Brandung mit Aquarell einzufangen.

fullsizeoutput_632

Brandung – ein Versuch.

Lange saß ich im winzigen Ortszentrum von São Vicente. Bei Kaffee und Bolo de Arroz, eine Art traditionellem Muffin aus Reismehl, probierte ich erst mit Miniskizzen herum und blieb auch bei dem etwas lockeren Strich. Beide Bilder sind vom gleichen Platz in unterschiedliche Richtungen gezeichnet. Es war gar nicht so einfach, die Stimmung zeichnerisch festzuhalten: das graugrüne, sehr gleichmäßige Licht, und die kalkweißen Fassaden mit ihren dunklen Lavastein-Umrahmungen.


Wandertag

Gestern war mein erster Wandertag. Ich hatte mir eine leichte Tour oberhalb von Funchal ausgesucht, entlang einer schon lange stillgelegten Levada war der erste Teil ein bequemer Wanderweg – wenn auch durch eher weniger spektakulären Eukalyptuswald. Als der Wald endete, endete leider auch die Levada, dafür hatte ein unangenehmer kalter Sprühregen begonnen – auf 900 m Höhe kann es auch in afrikanischen Breiten ganz schön ungemütlich werden.

Zum Rasten fand sich dann eine Bushaltestelle – wenn auch kein Bus; stattdessen ein ebenfalls auf Levadasuche befindlicher Wandergefährte. So gingen wir zu zweit das Stück Straße, das irgendwann mal eine Levada gewesen war, und verpassten trotz mehrmaligen Fragens den Wiedereinstieg für das letzte Wegstück. *

4474D0D7-566C-4E3B-9D64-12CFA49C39CE

Im Nirgendwo auf Madeira.

In Funchal hingegen strahlte die Sonne, und im schwindenden Licht begann ich mein Abendessen vorzubereiten – nicht ohne noch eine kleine Skizze zu machen (koloriert habe ich beide heute, dafür war es dann schon zu dunkel geworden.) Der Stil ist eine kleine Hommage an den Kölner Zeichner Peter Hoffmann, dessen Bilder ich sehr schätze.

C7027607-C673-45AC-8947-1586A5803C85

In Ferienwohnungen gibt es nie ordentlich scharfe Messer.

* Für Leute, die Madeira kennen oder es kennenlernen wollen: es handelt sich hier um den Weg von Santo da Serra nach Camacha auf der Levada da Serra.


Markthalle

Die Markthalle in Funchal ist in meinem Februarurlaub eine feste Größe. Über die Stimmung dort habe ich in den vergangenen Jahren schon einmal etwas geschrieben, und es gibt natürlich keinen besseren Ort, um Menschen zu zeichnen. Auch dieses Mal war ich pünktlich Freitag Morgen um acht dort.

fullsizeoutput_62b

Auf dem Bauernmarkt in Funchal, früh um acht. Die beiden haben nur Wurzelgemüse im Angebot und langweilen sich etwas.

Am Abend vorher allerdings hatte ich mich zum ersten Mal dem Gebäude gewidmet. Letztes Jahr war eben hier in Funchal, angeregt durch einen Hotelbau von Oscar Niemeyer, mein Interesse an der Architektur der Moderne wieder erwacht. Und dann war da auch noch dieses Gerichtsgebäude im „Estado-Novo-Stil“, das mir allerhand zum Nachdenken aufgab über Ideologie und Moderne.

Jetzt sah ich zum ersten Mal bewusst, dass auch die Markthalle dieser architektonischen Epoche zuzuordnen ist, irgendwo zwischen Art déco, Futurismus und Heimatstil. Ich setzte mich im dicksten Feierabendverkehr neben eine Ampel, versuchte die Menschenmassen, Autos, Busse, Laternen zu ignorieren und mich wirklich auf das im Abendlicht erstrahlende Gebäude mit seinen Rundungen und Vorsprüngen zu konzentrieren – wobei der nächste Spaziergang daran entlang mir zeigte, dass es rechtwinkliger ist als gedacht, nur eine Längsseite verläuft aufgrund der Straßenführung schräg.

fullsizeoutput_62a

Das Markthallengebäude In Funchal/Madeira, gezeichnet mit Lexington Grey Ink in vorkoloriertes Hahnemühle Watercolour Book.