Pilze II

Nebel und Nachtfrost kündigen den Winter an; die Pilzsaison ist lange vorbei. Bevor ich mich adventlichen Beschäftigungen zuwende, wollen noch diverse angefangene Skizzenbücher zugeklappt und weggeräumt werden, so auch das mit den Pilzen. (Ich hatte ihnen ein eigenes Buch spendiert, das natürlich noch nicht voll geworden ist.)

Bevor ich mich in den sumpfigen Laubwäldern um Schwerin mit giftigen Raritäten beschäftigte, hatte ich eine schöne Sammeltour in einem ausgedehnten Kiefernwaldgebiet gemacht. Butterpilze für mehrere Großfamilien, ausreichend Maronen und leider nur ein Edelreizker und ein Steinpilz waren die Ausbeute. Den Steinpilz, ein kleines, aber mustergültiges Exemplar habe ich zu Papier gebracht.

Der Jaßnitzer Forst, eines der ausgedehntesten Waldgebiete Mecklenburgs, wird an seinen schönsten Stellen von kleinen Wasserläufen durchzogen; an deren Rändern wachsen auch Laubbäume. Im Pappellaub fanden sich einige hübsche (und trotz ihrer „giftigen“ Farbe sicher essbare) Violette Rötelritterlinge. Meine Exemplare waren schon etwas ausgeblichen, manchmal strahlen sie in deutlich kräftigerem Violett.


Pilze!

Im Harzurlaub hatte ich die Pilzbücher vergeblich mit, es war zu trocken gewesen, in den mecklenburgischen Wäldern hingegen war genug Regen gefallen und ich konnte aus der Fülle schöpfen. Jedenfalls zum Zeichnen.

Meine bisherigen Pilzkenntnisse entstammen den sandigen Kiefernwäldern der Griesen Gegend, in denen Marone, Butter- und Steinpilz eine sichere Basis für viele Pilzgerichte geben und auch die Anfängerin nicht überfordern. Später kamen Champignons hinzu, Schirm- und Perlpilze und natürlich die Kenntnis ihrer giftigen Doppelgänger, Krause Glucke, Reizker und noch so manches andere …

Dieses Jahr erst habe ich angefangen, Pilze zu zeichnen und unabhängig von ihrer Essbarkeit zu bestimmen. Ich bekam dabei eine Ahnung von einer unbekannten und mir bisher verborgenen Welt, die sich noch einmal ins unermessliche erweiterte, als ich in den auf sumpfigen Kalkböden wachsenden Wäldern in Schweriner Seenähe unterwegs war.

Die Auswahl, die ich traf, war subjektiv und willkürlich, wobei ich mit der Zeit auffällige und mir bisher unbekannte Pilze bevorzugte. Einige davon will ich hier zeigen.

Buchen-Klumpfuß – Cortinarius anoenolens

Gleich der erste interessante Pilz entstammte einer buntgemischten Familie, die mir bisher völlig unbekannt gewesen war – der der Schleierlinge. Ein zarter Schleier zieht sich vom Hut zum Stiel und reißt später ab, dort einen dünnen Ring zurücklassend. Viele Schleierlinge sind giftig oder ungenießbar.

Der Pinsel-Schüppling war ein Glücksfund, denn er gilt als selten.

Auch den Schwefelritterling hatte ich bisher noch nie gesehen – er hat seinen Namen von der schwefelgelben Farbe. Er könnte ihn auch von seinem höllischen Gestank haben, der an, nun ja, tranige menschliche Ausdünstungen denken lässt.

Löwen- oder zitronengelber Raukopf – Cortinarius limonius

Noch ein Schleierling und ein – zumindest hierzulande – seltener dazu. Über seine Giftigkeit sind sich die Autoren nicht einig – vermutlich ist noch niemand auf die Idee gekommen, diesen auffällig gelben Pilz ohne essbaren Doppelgänger (dafür aber mit zahlreichen giftigen Verwandten) zu probieren.


Parasol

Wer, wie ich, mit dem Auto auf den Landstraßen im waldreichen Südwestmecklenburg unterwegs ist, kann sie kaum übersehen: Die Parasole, auch Riesenschirmlinge genannt. Bis zu 50 cm hoch wachsen sie innerhalb weniger Tage wie die Pilze aus dem Boden der Straßenränder. Ist die Gegend abgelegen und die Straße nur wenig befahren, kann man sie praktisch vom Auto aus ernten.

So habe ich es Freitag Abend in Aussicht auf das Wochenende gemacht, sorgfältig bemüht, sie zum Zeichnen hübsch und frisch zu halten. Leider war es Freitag am Ende zu spät und gestern viel anderes zu tun, so half mir heute ein Foto, das Bild fertigzustellen. (Da waren die Pilze schon verzehrt, auf brandenburgische Art mit Speck und Eiern gebraten und mit reichlich Petersilie bestreut.)

Das naturfarbene Papier aus der PaintOn-Serie von Clairefontaine hatte genau die richtige Farbe. Das Braun ist „van-Dyck-Braun“ des polnischen Anbieters Roman Szmal, eine reine Erdfarbe, ergänzt mit etwas Indigo, etwas Weiß und einer Spur Krappbraun.

Zwei Exemplare des Riesenschirmlings, Macrolepiota procera. Der rechte war im Original 35 cm hoch.

Auf der Schwäbischen Alb

Um auf der Schwäbischen Alb zu wandern, muss man erst einmal hinauf gelangen. Von Balingen, dem Endpunkt meiner letzten Pilgerstrecke, führt der Weg geradewegs 350 Höhenmeter den Steilhang hinauf, der hier „Albtrauf“ heißt. Der Weg führt durch abenteuerliche Landschaft voller Felsbrocken und wilder Vegetation, um dann unvermittelt auf einer Hochebene herauszukommen.

Erste Übernachtung auf der Alb war in Tieringen. Im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern gibt es hier noch ein Hotel, einen Tante-Emma-Laden und eine Kneipe. Am Morgen hatte auch die Kirche geöffnet.

Abwärts ging es durch das Tal der Bära, durch hübsche und wenig zersiedelte Dörfer, dem nächsten Etappenziel Nusplingen entgegen.