Neuland

Mit diesen gelben Tulpen habe ich Neuland betreten. Genauer gesagt: mit dem Bild, denn gelbe Tulpen gehören seit Jahren zum Spätwinter in meiner Wohnung. Mindestens so lange zeichne ich Bilder von meinem Alltag, von Blumen, Teetassen, Früchten – und fast immer tue ich das mit Füller oder Fineliner und Aquarellfarbe auf weißem Papier.

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: zum einen ist weißes Papier in unserer Zeit und Kultur das natürliche Schreib- und Zeichenmaterial. Zum anderen habe ich mich, bald nachdem ich mit dem regelmäßigen Zeichnen begann, ganz bewusst zur Beschränkung entschieden. Meine Zeichenzeit ist begrenzt und in dieser Begrenzung scheint es mir nicht sinnvoll, mit immer anderen Materialien zu experimentieren.

Doch nun habe ich mich zu einem Kurs bei der kongenialen Zeichnerin Pat Southern-Pearce angemeldet, deren stark graphische, vom Jugenstil inspirierte Arbeiten ich schon lange bewundere. Sie arbeitet mit Füller, Markern und verschiedenen Kreiden und Buntstiften, und zwar fast immer auf getöntem Papier. In meinem Schrank fand ich noch einen Block naturbraunes Multimediapapier der Marke PaintOn von Clairefontaine und war beim ersten Versuch so begeistert, dass ich mir auch noch die graue Variante besorgt habe. Zusammen mit einem kleinen Satz wasserlöslicher Wachskreiden kam das Päckchen am Freitag an.

Gelbe Tulpen am Fenster. Füller, wasserlösliche Wachskreiden und Albrecht-Dürer-Aquarellstifte mit etwas weißem PITT-Pen auf grauem PaintOn-Papier von Clairefontaine.



Amaryllis auf wechselndem Grund

Vielleicht lag es am warmen letzten Jahr, dass von fünf meiner übersommerten Amaryllis-Zwiebeln drei zum Blühen kamen – ohne professionelle Gärtnersteuerung alle auf einmal Mitte Februar. Da standen sie dann wie Tänzerinnen an einem etwas kühleren Fenster und waren leider trotzdem viel zu schnell verblüht. Zwei Wochen hatte ich immerhin Zeit, sie abzubilden.

Unter der Hand geriet mir die Zeichenaktion zu einem kleinen Materialtest. Die schiere Größe der Blüten ermunterte mich zu Formaten weit jenseits von Stillman&Birn’s ungewöhnlichen und von mir favorisierten 18×25 Zentimetern, ich holte lange nicht genutzte Zeichenbücher und Aquarellblöcke aus dem Schrank – und brauchte für die größeren Formate natürlich auch mehr Farbe, als die halben Näpfchen meines „Handtaschenkästchens“ von Schmincke hergeben.

Gezeichnet mit wasserfester roter und grüner Tinte in einem alten Skizzenbuch von Vang, dessen schönes glattes, cremeweißes Papier mich wieder einmal begeistert hat. Koloriert mit Aquarellfarbe

Die Aquarellfarben der koreanischen Firma Miejello verwende ich selten. Sie verhalten sich anders als meine gewohnten Schmincke-Farben, deckender, weniger fließend; außerdem sind sie ziemlich bunt. (Was auch daran liegt, dass sich in meinem Satz nur Ein-Pigment-Töne befinden.) So ist auch die Blütenstudie ein bisschen schwer und massig geraten, fast wie ein Gouache.

Studie einer Amaryllisblüte. Aquarellfarben von Mijello auf Stillman&Birn Zeta, A4

Diese Kompositionsstudien sind auf einer Doppelseite des A4-Buches entstanden, mit wasserfester Tinte und Polychromos-Farbstiften.

Aus der Kompositionsstudie gingen zwei Aquarelle hervor. Das erste war noch wie Fahrradfahren mit Stützrädern – deren Rolle übernehmen hier die Tintenstriche.

Aquarellfarben von Miejello und White Nights auf Hahnemühle Bütten rau, umrahmt von ein bisschen wasserfester Tinte in graublau.

Beim zweiten war ich mutiger und habe sogar auf eine Vorzeichnung mit Bleistift verzichtet. Das Papier ist ein Schwergewicht von Hahnemühle, Akademie Aquarell, durchgeleimte 425 Gramm.

Ein Versuch in Aquarell.



Alpenveilchen

„Wie heißt die Blume dort?“ – – – Meine greise Mutter kann sich Begriffe nicht mehr gut merken, und so fragt sie bei jedem Besuch aufs Neue, sichtlich erfreut von den kräftig purpurn leuchtenden Blüten. Am Silvestertag war für mich endlich die Gelegenheit für eine Skizze gekommen.

Ich habe das Bild ganz ohne Vorzeichnung mit dem Pinsel angelegt und die sparsamen Tintenstriche in rot und grün zu Hause ergänzt, dabei auch die Farbtöne noch einmal etwas vertieft. Mein dezeitiges Skizzenbuch ist ein Stillman&Birn Zeta mit glattem, kräftigem, wunderbar plan liegendem Papier, das sich mit Übergängen und Verläufen schwerer tut als mit feinen Linien.



Durch die Weinberge

Gestern bin ich bei schönem sanftem Herbstwetter durch das Obst- und Weinbaugebiet bei Meißen gewandert. Zwischen Johannisbeer- und Apfelplantagen entdeckte ich ein großes Feld mit Aronia, die ich bisher nur als schmackhaften und gesunden Saft kannte. Ich steckte mir ein Zweiglein ein, um es bei der nächsten Rast zu zeichnen. Der Feuerdorn, den ich im Gegegensatz zur Aronia nicht ohne Hilfe erkannte, kam ein Stück weiter an einem Weingarten dazu. (Beide gehören zur Familie der Rosengewächse, und ich war wieder einmal fasziniert, wie viele Sorten an Früchten sie zu bieten haben.)

Als Ort zum Zeichnen bot sich die „Boselspitze“ an, eine Ausflugsgaststätte auf dem Berg gleichen Namens, Teil eines Höhenzugs, der den stolzen Namen Spaargebirge trägt. Die tiefstehende Sonne setzte meine Zweige ins beste Licht, während sich meine Wandergefährtin wieder einmal gedulden musste, bis ich wenigstens mit dem ersten Farbauftrag fertig war.

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Aronia und Feuerdorn – gezeichnet und ein bisschen koloriert vor Ort auf der Boselspitze, fertiggestellt zu Hause.


Borretsch

Freitag Abend im Garten – sommerliche Wärme und magische Stille mitten in der Stadt; ich rücke mir, nachdem der Tee ausgetrunken ist, den Terrassenstuhl neben das Beet und beginne, ganz ohne Vorzeichnung, mit dem feinen schwarzen Füller den späten Borretsch zu zeichnen. Nicht einfach mit den vielen Runzeln und Stachelhaaren.

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Borretschpflanze auf der Terrasse, vor Ort gezeichnet.

Als es dunkel wird, arbeite ich drinnen nach Foto weiter. Der Versuch, Schatten und Struktur reinzubringen, erweist sich als schwierig, so dass ich mich dann doch auf die Suche nach der passenden Farbe mache.

Das Borretschblütenblau finde ich im Ultramarin; mit dem eleganten Graugrün der Blätter tue ich mich schwerer – inzwischen ist es schon recht spät am Abend. Und ich stelle fest, dass der relativen Strenge der Zeichnung ein lockerer Farbauftrag gut bekommt.

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Mit Aquarellfarben von Schmincke lavierte Federzeichnung.

 


Sommerbilder

Vom dem Belliner Kurs war ein kleines Hahnemühle-Aquarellbuch übrig geblieben, das kam mir gerade recht, um auf überschaubarem Format mal wieder das tägliche Zeichnen zu versuchen. Ab&zu fällt dann doch mal ein Tag aus, aber mit der Zeit stellt sich eine gewisse Routine ein.

Das erste Bild ist vom letzten Freitag, als ich mich im Schweriner Dom an das wunderbare Wochenende in Bellin erinnerte, wo ich zur Gottesdienstvorbereitung ein ähnliches Kreuz gezeichnet hatte. Was man auf den Zeichnungen nicht sieht: dieses hier, aus dem Schweriner Dom, ist ungleich größer, ein riesiges Triumphkreuz. Ich habe es absichtlich so abgebildet, dass sein floraler Charakter in den Vordergrund tritt.

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Das Triumphkreuz im Schweriner Dom – ein Nachklang des Wochenendes in Bellin.

Am Samstagabend dann bei Freunden gesessen und das neue Katerchen in einem seiner seltenen Ruhemomente gezeichnet.

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Der kleine Kater meiner Freunde hält selten still.

Der 15.August ist ein katholischer Feiertag – Mariä Himmelfahrt. Zum Brauchtum dieses Tages gehört die Kräuterweihe, ein uraltes Ritual. Ich habe mir wenigstens ein meinem Garten einen Kräuterstrauß gepflückt.

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Zu Mariä Himmelfahrt pflücke ich abends einen Kräuterstrauß in meinem Garten.

Paprikaschoten! Jedes Jahr kaufe ich welche aus regionalem Anbau, weil sie so schön krumm und bunt sind. Witzigerweise sind sie nachgereift: was gestern Abend noch in vielen Farben schimmerte, ist heute durchgehend langweilig rot.

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Alle Jahre wieder: Paprikaschoten vom Markt. (Aquarell ohne Tintenlinien will immer wieder neu geübt werden. Die Lichter habe ich allerdings ganz unorthodox mit Marker gesetzt.)


Radix

Letzte Woche habe ich den Garten von Freunden gehütet. Zwischen verholzten und z.T schon blühenden Radieschen fand ich eines, dem die Verkleinerungsform so gar nicht zu Gesicht stand; ich musste ordentlich daran ziehen wie einst die ganze Familie im Märchen, und was ich dann in der Hand hatte, konnte ich erst gar nicht benennen. Erst nachdem ich es gezeichnet hatte, schnitt ich es an – es war ein Rettich, der sich zwischen die Radieschen verirrt hatte wie das Schwanenküken zwischen die Enten, und zu meiner freudigen Überraschung konnte man ihn in Teilen sogar noch essen.

Da ich ungeübt im Schraffieren bin und meine Zeichenzeit begrenzt, legte ich die Schatten mit verdünnter schwarzer Tinte an, der gleichen wasserfesten von deAtramentis, mit der ich auch gezeichnet hatte. Darüber konnte ich dann großzügig mit Aquarellfarbe lasieren.

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Ein Rettich aus dem Garten meiner Freunde, gezeichnet mit wasserfester schwarzer Tinte und Aquarellfarben auf Stillman&Birn Zeta.