Neunkräutersuppe

Wann ich das Rezept zum ersten Mal ausprobierte, weiß ich nicht mehr, nur dass ich es in einem alten Kochbuch fand, in einer Zeit, als die Bücher noch geholfen haben: Man nehme einmal fast alles, was man um diese Zeit auf der Wiese und im Garten findet, und koche daraus eine Suppe. Später, als ich mich intensiver mit Heilkräutern beschäftigte, erfuhr ich, dass es auch einen Neun-Kräuter-Segen gibt, ein sprachmächtiges Stück altenglischer Poesie. Vermutlich kochte man auch im frühen Mittelalter schon ähnliche grüne Suppen, zumal die Supermärkte des ewigen Sommers noch lange auf sich warten ließen.

In meinem alten Kochbuch sind die neun Kräuter: Portulak, Schafgarbe, Kerbel, Petersilie, Gundermann, Löwenzahn, Sauerampfer, Nesseln und Breitwegerich. Die hackt man fein, dünstet sie in Butter an, gibt Mehl und Wasser oder Brühe dazu und rührt zum Schluss Sahne und Eigelb daran; wer mag, nimmt noch geröstete Semmelwürfel dazu.

Dieses Jahr hatte ich die Idee, das Suppenprojekt zeichnerisch zu begleiten. Erst einmal hieß es, sich einen Überblick zu verschaffen: Was gibt der Garten her? Das war eine erfreuliche Menge. (Ich bewohne eine Altbauwohnung mit einem schönen großen, halb verwilderten Gemeinschaftsgarten in feuchter Lage.) Schafgarbe, Breitwegerich und Sauerampfer hatten anderswo zu tun, dafür gab es reichlich Bärlauch (der einst als liebevolles Päckchen frisch ausgegrabener Zwiebeln aus dem Odenwald bei mir ankam und nun unter den Rosen wuchert), Kresse, Giersch und ein paar Küchenkräuter für das Aroma. Nur der Dill stammt aus dem Gewächshaus von Freunden.


6 Kommentare on “Neunkräutersuppe”

  1. Anne Smets sagt:

    Die sind wunderschön, liebe Annette! Frohe Ostern!

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  2. Pjotr sagt:

    Die Zeichnungen sind jetzt fast nur Essen.
    Gibt’s zu Hause nichts anderes mehr?

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