Ein Versuch in Leichtigkeit

Man kann es ja mal versuchen. Locker die Formen andeuten, sich gar nicht erst vornehmen, jedes Detail abzubilden, und vor allem: im richtigen Moment aufzuhören. Seit Tagen holte ich mir immer neue Sträuße Gartenrosen in die Wohnung (sie halten ja nicht lange), stellte sie vor mich auf den Tisch und hoffte auf den richtigen Moment für ein Bild – heute Abend war er endlich gekommen.

(Vor Jahren, als ich den Rosenbusch neu gepflanzt hatte, habe ich winters seine ersten Hagebutten gezeichnet, die Hagebutten der Physikerin.)

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Ein Strauß Rosen der Sorte „Marie Curie“ aus meinem Garten.


Im Garten

Freunde haben kürzlich einen Schrebergarten gepachtet. Heute Nachmittag habe ich sie zum ersten Mal dort besucht.

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Gießkanne und Wassertonne, gezeichnet mit Lexington Grey Ink in ein Aquarellbuch von „Kunst und Papier“


Landpartie

Gestern bin ich über Land gefahren, zum Töpfermarkt nach Friedrichsmoor in der Lewitz. Allerschönstes Wetter, die Welt sah aus wie frisch gestrichen und entsprechend angenehm war die Stimmung unter den alten Eichen im Park des Jagdschlosses. Mit dem Zeichnen war ich erst ein bisschen scheu, in so einer Atmosphäre erweckt man leicht den Eindruck, man selbst wäre auch zu besichtigen.

Da hilft es, dort zu zeichnen, wo die Musik spielt. Interessant zu hören war, dass die beiden gut gelaunten Folkmusiker nicht nur für sich und das Publikum, sondern auch für die Wissenschaft spielen: sie sind dem „Zentrum für Traditionelle Musik“ am Schweriner Volkskundemuseum verbunden.

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Dr. Ralf Gehler und Peter Kingerske spielen hinreißende Volksmusik.

Auch wo es dampft und raucht, lässt es sich gut am Rande zeichnen: Beim Raku-Brand wird das heiße Brenngut erst in Sägemehl gelegt und dann in Wasser abgekühlt; Resultat ist eine charaktervolle Keramik mit starken Farbkontrasten und typischen Glasurrissen.

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Raku-Brand: Aus den Sägespänen steigt Rauch auf.

 


Sehen, angeblickt, habe ich wieder erlernt.

Ich hatte mir vorgenommen, früh am Morgen zeichnen zu gehen, endlich mal in Ruhe zum Schloss. Was ich nicht bedacht hatte: im Gegensatz zu den vergangenen Morgen war es eisig kalt und und vor allem windig; ich verkroch mich in eine von Hecken geschützte Ecke im Burggarten und bekam wirklich eine Zeichnung fertig, sogar mit einem bisschen Farbe (ich zeige sie später). Dann war ich allerdings so durchgefroren, dass ich schnell wieder nach Hause gelaufen bin und mir erst einmal eine Kanne Tee gekocht habe.

Noch etwas steifgefroren und nicht ganz fertig mit dem Frühstück machte ich mich darüber her, die Teetasse zu zeichnen, und natürlich ging das schief: an Stelle von eleganten Ellipsen nur schräge Eier, von gelungener Perspektive ganz zu schweigen. Mit der Farbe kam, wie neulich schon mal im Domhof, die Rettung, das leuchtende Orangerot zog die Aufmerksamkeit weg vom Ungelungenen, tiefes Indigo definierte die Form neu, und die Schrift im Hintergrund verlieh dem Ganzen eine zweite grafische Ebene.

Warum ich das hier so genau beschreibe? Weil die halbe Stunde, die ich mit der Abbildung dieser Tasse zugebracht habe, viel darüber erzählt, was Tagebuchzeichnen für mich ausmacht. Einen Gegenstand genau anzusehen, genau hinzusehen und das Bild, was ich von ihm im Kopf habe, ein Stück weit loszulassen, bringt mich mit ihm in Verbindung; und während ich mich beim Zeichnen eines so banalen Gegenstandes wie einer Tasse selbst vergesse, erschaffe ich etwas von Tiefe und Dauer. (Und weil es ein schönes Beispiel für die „Rettung“ einer scheinbar missglückten Zeichnung ist.)

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Tee an einem kalten Morgen.

Vom 3.-5.August werde ich zusammen mit dem Pfarrer Christian Höser aus Güstrow einen Wochenendkurs zum Thema „Gezeichnetes Tagebuch“ anbieten. Der Kurs findet im Haus der Stille in Bellin bei Güstrow statt. Ich habe hier schon des öfteren Bilder aus Bellin gezeigt, der Ort hat eine eigene Magie mit seiner archaischen Kirche und der Lage im stillen Herzen Mecklenburgs. Anmeldung bitte über den Verein „Haus der Stille Bellin“, im Programm des Hauses ist er unter K21 „Tagebuch-Bilder“ zu finden. Es gibt nur sieben Plätze! Die Kursgebühr umfasst Unterkunft, Verpflegung und ein Skizzenbuch, ich selbst bringe mich dort ehrenamtlich ein – was für mich das reine Vergnügen ist, da ich einfach gern an diesem Ort bin. Fragen an mich gern unter meiner Email annette_hofmann@t-online.de .

Die Titelzeile entstammt dem Gedicht „Prag Jänner 64“ von Ingeborg Bachmann.


Osternacht

Diese Ostern hatte ich nach vielen Jahren einmal dienstfrei, und wie geplant bin ich in das abgelegene mecklenburgische Dörfchen Bellin gefahren, um in der wunderbar archaischen Kirche des Ortes die Osternacht zu feiern. Aufstehen kurz nach drei, Losfahren kurz nach vier, schon dieses Durchbrechen des Alltags stimmt auf Besonderes ein. Wer hätte gedacht, WIE besonders dieser frühe Morgen werden sollte mit seinem auch Osten hin schnell zunehmenden Schneetreiben, dem Schneebruch hier und da am Straßenrand … Als ich in völliger Finsternis an der alten Kirche ankam, war mir schon ein bisschen seltsam zumute.

Es war ja zum Glück alles gut gegangen, und ich wurde mit einem sehr schönen Ostergottesdienst belohnt. Mit dem Skizzenbuch in der Kirche wie immer etwas ambivalent, habe ich mich auf ein paar Zeichenstriche beschränkt, die ich dann zu Hause mit Hilfe zweier flüchtiger Fotos ergänzen konnte.

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Gottesdienst am Ostermorgen in der Belliner Kirche.

Um so mehr Zeit konnte ich mir dann am Vormittag mit dem Zeichnen der Kirche lassen. Alle Gottesdienstbesucher waren längst fort, ich saß im Haus der Stille allein am Fenster, die Welt wurde immer weißer und weicher und leiser …

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Osterschnee in Bellin


Ostereier

Gestern Abend bei Freunden: während der Sohn im Rekordtempo ein Ei nach dem anderen mit Farbe einstreicht, tupft die Mutter geduldig feine Muster aus Wachs auf ihr Ei.

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Beim Eiermalen.


An der Trave

Ab und zu habe ich in Travemünde zu tun, und meist – ich weiß nicht warum – ist das Wetter schlecht und der einst vornehme Ferienort an der Ostsee sieht dann noch mehr nach alter Bundesrepublik als sonst. Da setzt man am besten noch eins drauf und geht ins Café Niederegger Marzipantorte essen.

Ich fand einen schönen Fensterplatz mit Blick auf die Trave, und nach ein paar sehr anstrengenden Tagen verbrachte ich dort eine wunderbare Zeichenstunde. Zuerst wollte ich das so schön altmodische Geschirr mit seinem roten Streifen zeichnen – wo gibt es sowas noch? – doch dann drängelte sich die Lampe mit ihrem Lichtschein in den Vordergrund.  Die Kellnerin bestand darauf, mich schon einmal zeichnend gesehen zu haben – erst als wir beide gingen – ihre Schicht war zu Ende – fiel uns ein, dass das vor einigen Jahren in der Lübecker Innenstadt-Filiale gewesen war …

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Blick aus dem Café Niederegger über die Trave. Die seltsamen Knollen vor dem Fenster sind beschnittene Promenadenbäume.