Rückblick V und Schluss – durch das Prättigau

Nach dem Ruhetag in Malans und Chur wanderte ich das Tal der Landquart, das Prättigau, hinauf. Von Chur aus hätte mich eine eine attraktive Wegführung als „Graubündner Jakobsweg“ meinem Ziel näher gebracht – ich würde später auf ihn stoßen – , doch war ich realistisch genug, auf allzu alpine Streckenführungen zu verzichten. Je weiter sich der Weg vom Talausgang entfernte, desto hübscher wurden die Dörfer; in einem der schönsten, Jenaz, hatte ich das erste Nachtquartier. (Für die Hochdeutschen unter der den Lesern und Leserinnen: all diese Ortsnamen auf „-az“ und „-ans“ werden auf der zweiten Silbe betont – und klingen so immer ein bisschen nach „Rabatz“).

Der alte Ortskern von Jenaz zieht sich etwas erhöht den Hang hinauf und besteht aus Holzhäusern, die mit z.T. sehr aufwändigen Inschriften geschmückt sind.

Typisches „Walserhaus“ in Jenaz. Der „fromme Spruch“ ist in den Balken über der unteren Fensterreihe gekerbt.

Ich hatte an diesem Tag – hach, endlich! – viel Zeichenzeit, da die Gehstrecke kurz war. Ich beließ es dennoch bei der linearen Verzeichnung und widmete mich erst einmal eine Stunde den Kühen auf der Weide.

Der nächste Ort, Fideris, etwas höher auf einer Sonnenterrasse über dem Tal gelegen, war eine Überraschung: noch einmal schöne Häuser, doch sahen sie ganz anders aus, typische mit Steinfassaden verkleidete Engandinerhäuser, wie ich sie in der letzten Gehwoche im Unterengadin noch sehr viel sehen würde.

Diese Zeichnung habe ich mit Farbflächen begonnen und die Linien zu Hause ergänzt. Die Schrift steht so ähnlich – in weit komplexerer Kalligraphie – an der Seitenwand.

Das Dorf Fideris war im Dreißigjährigen Krieg – in den sogenannten „Bündner Wirren“ – unzerstört geblieben, so dass diese Häuser im Kern knapp tausend Jahre alt sind. Vorn rechts angedeutet habe ich den „Volg“, den Dorfkonsum, ein beneidenswertes Stück Schweizer Infrastruktur, das mir die Reise immer mal wieder erleichtert hat. (Und in dem es, wie man sieht, sogar Konsummarken gibt.)

Am letzten Prättigauer Gehtag war die Strecke wieder länger, so dass ich mich auf diese Skizze eines Meisterwerks der Ingenieurskunst beschränkt habe. Es war ein schönes Wandern, der Weg an der Landquart entlang sanft ansteigend bis zum alten Skiort Klosters. Dort stieg ich in die Rhätische Bahn, die mich durch den Tunnel ins Unterengadin brachte. Die Bilder aus dem Unterengadin und dem Val Müstair habe ich schon gezeigt – so dass meine kleine „Rückblick“-Serie hier endet.


2 Kommentare on “Rückblick V und Schluss – durch das Prättigau”

  1. Catherine Henggeler sagt:

    liebe Annette

    danke schön gut gemacht

    noch dies: in Klosters verbringt die englische Königsfamilie (Charles and Company) seit vielen Jahren jeweils die Skiferien.

    zur Struktur der Engadiner Häuser:

    Sie werden von innen nach aussen geplant. Das heisst, dass besonders typisch ist, dass man selten eine Symmetrie in der Anlage der Fenster vorfindet. Die Fenster werden dort gesetzt, wo sie gebraucht werden, auch in der Grösse. Das Engadinerhaus hat im Erdgeschoss den Stall. Die Tiere wärmen so von unten das Haus.

    Es gibt ein grosses rundes Tor durch welches man mit dem Heufuder reinfahren kann. Dieser Eingangsraum heisst Solèr.

    Dekoriert sind die Häuser mit sogenanntem Sgrafitto. (http://wwwt.lbtr.admin.ch/traditionen/00331/index.html?lang=de)

    Ich denke immer wieder an Dich. Schön, Dich hier als Gast gehabt zu haben.

    ganz herzlich

    Kathrin

    >

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