Intermezzo: Stendal
Veröffentlicht: 29. Oktober 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Herbstreise 2022, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Altmark, Backstein, Backsteingotik, Dom, Gotik, Mittelalter, Pilgerweg Hinterlasse einen KommentarAuf dem Weg nach Tangermünde hatte ich ein paar Stunden in Stendal eingeplant. Es war Montag (also schon wieder ein paar Tage her), grau, kühl und windig. (Bald würde ich mich über Sonne von vorn beklagen …) Am Markt rüttelte ich vergeblich an der Tür der Marienkirche. Als ich mich schon zum Gehen wenden wollte, kam eine Küsterin und es gelang mir, mit hineinzuschlüpfen.
Sofort fiel mir das mittelalterliche Taufbecken auf. Es ist mit wunderbar ausgeführten Heiligenfiguren geschmückt – „die weiblichen Heiligen größer dargestellt als die Männer!“ erklärte mir die Küsterin strahlend. Als erstes fielen mir die Füße des Gefäßes auf. Sie symbolisieren die vier Evangelisten in den seit der Antike üblichen Symbolen: Mensch, Stier, Löwe und Adler. Meist werden sie, einer biblischen Vision folgend, als geflügelte Wesen dargestellt. Hier aber waren die drei Tiere als Menschen mit Tierköpfen dargestellt, was ausgesprochen seltsam anmutete, für uns heutige vielleicht wie eine Kinderbuchillustration. Gezeichnet habe ich den „Stier“.

Danach setzte ich mich auf den Marktplatz und zeichnete mit zügigen und nach einwöchiger Reise langsam sicher gewordenen Strichen die Kirche.
Auch den Stendaler Dom sah ich mir noch an und saß lange im Chor, der mit vollständig erhaltenen mittelalterlichen Buntglasfenstern versehen ist. Man sieht das heute nur noch selten, oft sind nur Fragmente oder einzelne Fenster verglast, was die Wirkung mindert. Hier war der Raumeindruck ein überwältigender – Edelsteinlicht, zeichnerisch nicht zu erfassen.
An einem Sonntag im Oktober …
Veröffentlicht: 25. Oktober 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Herbstreise 2022, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Backsteingotik, Elbe, Gotik, Pilgerweg 2 Kommentare…, vorgestern, machte ich gemeinsam mit einer Freundin einen Abstecher nach Werben. Werben ist ein Städtchen am Elbdeich, wenige Kilometer von Havelberg entfernt am westlichen Ufer. Werben ist mit – immerhin! – etwas über tausend Einwohnern die kleinste aller Hansestädte.
Natürlich war es auch hier still, die Lebensader Elbradweg ist Ende Oktober fast versiegt. Ziehende Gänse und streitende Spatzen gab es weit mehr als Menschen, ab und zu schlich eine Katze über die Hofmauern. (Wie laut muss es vor hundertfünfzig Jahren an einem solchen Ort zugegangen sein, als noch Hühner gackerten, Schweine grunzten und der Schmied seinen Amboss schlug.)

Nach dem Elbtor wandten wir uns der Kirche zu, einem im Vergleich mit der Überschaubarkeit des Ortes riesigen Bau, einer reich mit Maßwerkziegeln verzierten gotischen Hallenkirche. In Werben war die Johanniter-Verwaltung für ganz Norddeutschland ansässig – ihr unterstand also auch die Komturei in Kraak, wo ich am ersten Reisetag den Glockenstuhl gezeichnet hatte. Auch der Pilgerweg nach Wilsnack führte über Werben.

Leider war die Kirche erst einmal verschlossen. Wir wendeten ihr den Rücken zu und zeichneten die schönste aller schönen Werbener Türen. Daran friemelten wir lange, und als noch jemand öffnete, hörten wir auf unsere knurrenden Mägen und fingen keine Zeichnung mehr an …
Wilsnackfahrt
Veröffentlicht: 21. Oktober 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Herbstreise 2022, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Backsteingotik, Gotik, Mittelalter, Pilgerweg, Renaissance, Urban Sketching, Wallfahrtskirche 2 KommentareEin jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.
Prediger 3,1
Nach zwei geruhsamen Fahrradtagen entlang der Elbe verbrachte ich einen Tag in Bad Wilsnack. Bahnfahrende kennen den Ort als Station an der Regionalstrecke Berlin-Schwerin, aber sonst? Wer weiß schon, dass Wilsnack im ausgehenden Mittelalter ein Pilgerort von überregionaler, ja internationaler Bedeutung war? In Nordeuropa war es einhundertfünfzig Jahre lang Santiago ebenbürtig.
Verehrt wurde nicht der Heilige Jakobus, sondern ein sogenanntes Blutwunder. Das Dorf Wilsnack war 1383 im Rahmen einer Fehde niedergebrannt worden – eine üble und weit verbreitete Angewohnheit kleinadliger Wichtigtuer. Als man in den Resten der Kirche nach Verwertbarem stocherte, fand man drei unversehrte und blutende Hostien – so geht die Legende. Ob es hier einen bakteriologischen Hintergrund gab oder der Ortspfarrer sich die Geschichte schlichtweg ausgedacht hatte, um dem Wiederaufbau seiner Kirche aufzuhelfen, lässt sich heute nicht mehr klären; erwiesen ist, dass bald diverse Wunder geschahen und und die Angelegenheit schnell an Tempo gewann.
Eine Pilgerfahrt wurde im Mittelalter nicht zu Selbstfindungszwecken unternommen. Meist versuchte man, etwas für sein Seelenheil zu tun – nichts fürchtete der mittelalterliche Mensch so sehr wie die Strafen der Hölle. Durch Pilgern konnte man die Chance auf einen guten Ausgang verbessern. Es war also häufig etwas, das wir heute vielleicht als Buße bezeichnen würden, selbst- oder fremdverordnet. Letzteres kam häufig vor, bei schweren Straftaten wie Totschlag ebenso wie bei Wirtshausrandale oder ähnlichem. Die Pilgerfahrt wurde angeordnet wie heutzutage zwanzig Tagessätze.
Entsprechend ruppig wird es vermutlich in den Pilgergruppen zugegangen sein. (Es gab natürlich auch „ordentliche“ Pilger.) Ein besonderes Phänomen war das „Wilsnacklaufen“, Züge von meist sehr jungen Menschen, die an Massenhysterie denken lassen, an „Kinderkreuzzüge“ und vor allem daran, wie wenig wir über das Mittelalter wissen.

Die Einnahmen aus all dem erlaubten bald den Bau einer neuen schönen Wallfahrtskirche, und als im 15.Jahrhundert zehntausende Pilger kamen, legte man noch einmal nach und erweiterte den Bau noch einmal – bis die Reformation dem Spuk ein Ende machte. Da stand er nun, ein riesiger halbfertiger turmloser Kasten, der erst 1591 mit einem Renaissance-Giebel verschlossen wurde. Bald darauf begann der Dreißigjährige Krieg, an dessen Ende Wilsnack fast entvölkert war.
Im Laufe der Jahrhunderte entsann man sich der Kirche, renovierte und restaurierte nach dem Geschmack der jeweiligen Zeit. Von außen wirkt sie intakt, wenn auch nicht besonders harmonisch; im Innern auf eine angenehme Weise provisorisch. Es gibt in dem riesigen Gebäude mehrere kleine Ausstellungsinseln, Kinderbastelecken, Büchertische; keine Bänke, sondern einfache Veranstaltungsstühle und von denen auch nicht so viele. Ich fühlte mich willkommen geheißen.

In einer Wandnische stehen die Originale einiger alter Statuen von der Außenseite der Kirche, die man durch neue Kopien ersetzt hat. Diese hier rührten mich an: „Christus als Weltenherrscher“ und „Maria Himmelskönigin“, beide verrußt, beschädigt und auf Augenhöhe gebracht – – – Es waren zwei meditative Stunden, die ich vor ihnen zubrachte, im Angesicht ihrer Fragilität und Größe.
Alle Wege sind Pilgerwege
Veröffentlicht: 19. Oktober 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Pflanzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Botanical Art, Mecklenburg, Mittelalter, Pilgerweg, Pilze, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen KommentarSind sie das, wirklich? Oder ist dieser Satz von der gleichen popkulturellen Beliebigkeit wie „Der Weg ist das Ziel“?
Im letzten Jahr, auf der großen Wanderung durch die Ostschweiz, habe ich viel darüber nachgedacht, was einen Pilgerweg ausmacht. Die Gegend ist es nicht und nicht einmal das „heilige“ Ziel – doch was ist es dann?
Dieser Herbst bietet mir – aufs Neue – eine Gelegenheit, es herauszubekommen. Nach einigen Umbrüchen im Leben bin ich zum ersten Mal mit dem (Elektro)Fahrrad unterwegs. Es ist ein Unterschied, die Füße nicht mehr auf dem Boden zu haben, die eigene Ausstattung nicht mehr von die Größe eines (möglichst kleinen) Rucksacks dabei zu haben, sondern sich Gedanken um Schlösser und Ladegeräte machen zu müssen.

Der Start konnte schon mal einen Pluspunkt verbuchen: ich bin direkt von zu Hause losgefahren. Nach einem schönen Stillleben-Abend bei einer Freundin in Sülstorf, zwei Dörfer hinter Schwerin, fuhr ich direkt nach Süden. Sülstorf hat eine wunderschöne kleine Dorfkirche, die ich allerdings schon zweimal gezeichnet hatte. Also sah ich mich im nächsten Ort um: typisch für diese Gegend ein turmloses Kirchlein mit freistehendem Glockenstuhl. Dieses Kirchlein gehörte im Mittelalter zu einer Johanniter-Niederlassung, einer sogenannten Komturei (ein Wort, das ziemlich nach Ritterroman klingt, finde ich.)
Es ging weiter durch den Jasnitzer Forst, ein ausgedehntes Waldgebiet, das in diesem Jahr von Pilzen überquillt. Leider konnte ich sie in meinen fest verzurrten Taschen nicht unterbringen, also zeichnete ich einiges von dem, was rund um meinen Rastplatz zu finden war. (Darunter befindet sich der Gasspeicher Kraak, der nicht nur ganz Meckpomm, sondern auch Hamburg versorgt. Das Private ist politisch, sogar im Wald.)

Und das Stillleben vom ersten Abend? Soll auch seinen Platz bekommen. Die Paprika hatte ich zwei Wochen vorher am Strauch gezeichnet, und dort hatten sie sich gut gehalten.

Rückblick 1: Worpswede
Veröffentlicht: 28. August 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Fachwerk, Jugendstil, Möbel Hinterlasse einen KommentarIn der letzten Zeit bin ich wieder zum regelmäßigen Zeichnen an den Wochenenden gekommen und oft entsteht der Text dazu gleichzeitig in meinem Kopf. Die Schnittstelle zur Textverarbeitung fehlt (ob das zu begrüßen oder zu bedauern ist, soll hier nicht verhandelt werden) und so hat sich ein bisschen was angesammelt, das hier gezeigt werden will.
Vor zwei Wochen bin ich über ein verlängertes Wochenende in Worpswede gewesen, mit einer Freundin, die nicht zeichnet, doch sich gern in Begleittexte, Broschüren und Biografien versenkt und auch mal eine Extrarunde ins Nachbarmuseum dreht, so dass es gut gepasst hat. Worpswede warb mit dem Heinrich-Vogeler-Jahr; das war unser Anlass.

Den Barkenhoff kennen viele aus Vogelers berühmtem Gemälde „Sommerabend“, einer Ikone von Jugendstil und Symbolismus; auf vielen anderen, lockereren und, wie ich finde, schöneren Bildern bietet er den idyllischen Hintergrund. Im Inneren sind die Lebensstationen Vogelers anhand von Originaleinrichtung, Gemälden und Zeitzeugnissen erfahrbar – vom Jugendstil-Romatiker zum glühenden Kommunisten, der in seiner Idylle ein Kinderheim der Roten Hilfe einrichtete und später in der Sowjetunion Propagandakunst schuf, um 1942 70jährig als unliebsamer Ausländer nach Kasachstan „evakuiert“, ums Leben zu kommen. (Jedoch nicht in einem Lager, wie ich lange gedacht hatte.)

Vogelers Frau Martha ließ sich nach der Trennung der beiden das „Haus im Schluh“ bauen und eröffnete dort eine Galerie mit Werken Vogelers. Sie, die der Romantiker auf seinen Bildern schwärmerisch zur ätherischen Prinzessin verklärt hatte, erwies sich als tatkräftig und lebensklug. Sie gründete eine Handweberei und eine Pension und konnte die wachsende Familie damit – und mit dem angeschlossenen großen Garten – auch in schlechtesten Zeiten über die Runden bringen; das Ensemble befindet sich noch immer in Familienbesitz.

Das „Haus um Schluh“ konzentriert sich auf Gebrauchskunst wie Weberei und Möbel. Die farbkräftig gestrichenen Möbel mit ihren stilisierten Blumen (meist Tulpen) sahen für mich ein bisschen aus wie möbelgewordene Kreationen der schwedischen Modedesignerin Gudrun Sjøden. (Deren Kleidung ich liebe, bei Möbeln ziehe ich holzfarbene Schlichtheit vor.)
Am Ende der drei Tage waren wir angefüllt mit Bildern, Geschichten und Erlebtem wie dem morgendlichen Schwimmen in der moorig-braunen Hamme und einem hervorragenden Abendessen im „Vogeler-Bahnhof“ (der nicht nur so heißt, sondern wirklich von Vogeler entworfen worden war); wir hatten nicht die Hälfte von dem gesehen, was möglich gewesen wäre – wir kommen wieder.
Hortus conclusus
Veröffentlicht: 21. August 2022 Abgelegt unter: #uskschwerin, Pflanzen, Urban Sketching | Tags: Garten, Gedicht, Obst, Pflanzen 6 KommentareAm nördlichen Schweriner Stadtrand, wo die sich die Wismarsche Straße scheinbar endlos bis in die 300er Hausnummern zieht, versteckt sich ein verzauberter Garten. Am Eingang eines alten Mietshauses weist ein winziges Schild darauf hin; man geht durch den Torweg und folgt erstaunt einem sich schlängelnden Weg in ein weiträumiges Hanggelände, das sich zwischen den Häusern und der Bahn erstreckt: Den Schweriner Gemeinschaftsgarten. Dort haben die Schweriner Urban Sketchers gestern gezeichnet.

Es war sonnig und schwül geworden, so suchte ich mir als erstes einen Platz im Obstgarten. Die Platzwahl war durch den Schatten bestimmt, so machte ich es mir unter einem Pflaumenbaum bequem. Während ich zeichnete, schlich sich Brechts Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“ in meine Gedanken, jene wunderbare Meditation über Zeit und Ewigkeit, über Erinnern und Vergessen, das der Dichter mit unglaublichen zweiundzwanzig Jahren geschrieben hatte.
Die Sonne drehte ihre Bahn, und mit ihr der Schatten – ich flüchtete mich unter die Kastanien, wo wir später lange saßen und eine Kaffeetafel hielten. Zuerst aber waren die Blätter dran, gezeichnet von einer Urban Sketcherin: Wir bezeugen unsere Umwelt wahrhaftig. Mit Autos auf den Straßen (die waren gerade nicht da) und mit Mottenfraß in den Blättern.

Es war eine heitere und ein bisschen verwunschene Stimmung in dem versteckten Garten, auch wenn wir mit einem Hauch von schlechtem Gewissen den Vereinsmitgliedern beim Gärtnern zusahen. Nach dem Kaffee setzte ich mich unter einen Sonnenschirm und zeichnete das Pardiespförtchen, das in den Obstgarten führt, wo Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume sich unter der Last ihrer Früchte biegen. Zeichnerisch war es eine spezielle Übung, ganz ohne Farbe Struktur in das Motiv zu bringen.

Zwei von einundfünfzig
Veröffentlicht: 27. März 2022 Abgelegt unter: #uskschwerin, Urban Sketching | Tags: Backsteingotik, Gotik, Kirche, Mecklenburg, Schwerin 2 KommentareSeit einigen Wochen bin ich stolze Besitzerin eines E-Bikes. In der Woche radele ich zu meiner neuen Arbeit (nach dreizehn Jahren Pendeln mit dem Auto) und am Wochenende fahre ich damit über Land. Damit ich auch ein paar interessante Ziele habe, mache ich aus diesen Landpartien einen kleinen Pilgerweg zu den Dorfkirchen um Schwerin – Zeichnung selbstverständlich inbegriffen. Wegweiser ist ein Bildband mit 51 Kirchen, den mir vor dreißig Jahren ein Freund anlässlich meiner damaligen Übersiedlung nach Mecklenburg schenkte.
So ist zumindest der Plan.
Letztes Wochenende war es zum ersten Mal soweit, und natürlich hatte ich mir viel zu viel auf den Teller getan. Drei Kirchen hatte ich mir vorgenommen und eine ganz ordentlich Radstrecke. Am Ende kam ich erschöpft, mit Sonnenbrand und drei viertel- bis halbfertigen Skizzen zurück.
An der ersten Kirche bin ich schon ungezählte Male vorbei gefahren. Sie liegt wenige Kilometer nördlich von Schwerin direkt an der Straße nach Wismar auf einem Hügel, der weit ins Land blickt. Sie wirkt verloren dort, fast ohne Dorf an einer lebhaft befahrenen Fernverkehrsstraße; dabei ist sie groß und stattlich für eine Dorfkirche. Innen soll sie reich ausgestattet sein mit einem prächtigen Schnitzaltar und kostbaren mittelalterlichen Fenstern, doch ich hätte mir einen Schlüssel holen müssen, um hineinzukommen. Stattdessen setzte ich mich auf die gegenüberliegende Straßenseite in den kalten und windigen Schatten und schaffte gerade mal eine Umrisszeichnung. Die schaute ich zu Hause etwas unentschlossen an, bis ich mich heute doch dazu durchrang, sie mit einer reduzierten Palette ein bisschen zu kolorieren.

Der Weg zum nächsten Ort führte über einen hübschen Feldweg durch eine Allee, vorbei an einem kleinen See und noch einem: Groß Trebbow am Trebbower See, und mitten im Ort eine zauberhafte kleine Kirche ohne Turm in einem grünen und von Frühlingsblumen übersäten Friedhof. Leider ging das Bild ziemlich schief, doch da mir der Ort so gut gefiel, beschloss ich wiederzukommen und ihm einen ganzen Nachmittag zu schenken. (Die Kirche war, als einzige von den dreien, geöffnet und innen licht und voller Bauernbarock, der allein den Weg wert gewesen wäre.)
Am letzten Ziel hatte ich mehr Glück: In Cramon stand genau an der richtigen Stelle eine Bank und ich konnte in Ruhe die Farben rausholen und mit zumindest einer Farbschicht beginnen. Erst danach kam der Füller ins Spiel. Heute habe ich Farbe und Form noch ein bisschen vertieft und mich mit der reduzierten Palette an das erste Bild angelehnt.

Cramon liegt – wenig überraschend – am Cramoner See, einem langgestreckten Gewässer in einem tief eingeschnittenen Endmoränengraben, gut versteckt vor der Fernstraße. So war ich dort schon oft vorbeigefahren, ohne Dorf, See und Kirche je gesehen zu haben und ohne zu erfahren, dass der Großvater des Schriftstellers Uwe Johnson auf diesem Friedhof begraben liegt.
Im Kunstwasserwerk
Veröffentlicht: 10. März 2022 Abgelegt unter: #uskschwerin, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Schwerin, Urban Sketching Hinterlasse einen KommentarLetztes Wochenende haben die Schweriner Urban Sketches im Kunstwasserwerk die Saison eröffnet. Es sah freundlich aus draußen und fühlte sich auch ein klitzekleines bisschen frühlingshaft an, doch war es leider immer noch lausig kalt – drinnen wie draußen. Daher sind beide Zeichnungen erst zu Hause fertig geworden.

Nachdem ich vom Zeichnen der Druckpresse fast einen Knoten im Hirn bekommen hatte, stand mir der Sinn dringend nach etwas Lockerheit. So wählte ich für die Außenansicht statt allerfeinster Stiftchen den Fude Pen mit der breiten Spitze. Zu Hause habe ich noch ein paar Farbakzente mit den Inktense-Stiften gesetzt (nur der Himmel ist mit Gouache gemalt).

Das Bild ist auch ein Abschied vom naturfarbenen „Toned Watercolour Book“ der Firma Hahnemühle. Es war mir ordentlich ans Herz gewachsen, und ich mochte die bräunlichen Seiten deutlich mehr als die der grauen Variante, die ich im vergangenen Sommer ausprobiert hatte. Und manchmal gehen Wünsche in Erfüllung: seit gerade eben gibt es von Hahnemühle auch ein quadratisches Aquarellbuch in weiß. Das werde ich jetzt als Nächstes ausprobieren.








