Von Bergen und Bären
Veröffentlicht: 27. Oktober 2026 | Autor: annettehofmann | Abgelegt unter: Japan 2026, Reiseskizzen | Tags: Bär, Japan, Urban Sketching |Hinterlasse einen KommentarVor etwas über einer Woche fuhren vom Meer in die Berge. Wir hatten eine individuelle Wanderreise gebucht – Hotels, Mahlzeiten und Transfers standen fest, gutes Kartenmaterial (was heutzutage natürlich GPS-Tracks einschließt) hatten wir auch.
Unser Ziel war die Region Aizu, eine historische Region in den Bergen Nordjapans. Anders als wir es uns vielleicht vorgestellt hatten, wanderten wir nicht von Ort zu Ort, sondern fuhren in einer manchmal komplexen Transportlogistik von einem interessanten Wanderweg zum nächsten. Wir übernachteten in Ryokans, traditionellen japanischen Unterkünften, oder an dieses Konzept angelehnten Hotels. Es gibt immer ein heißes Bad, das wir ausgiebig genutzt haben, um anschließend im Hauskimono den Blick in die Landschaft zu genießen.

So entstand auch dieses Bild, eine Skizze der Herbstfärbung in den Bergen. Der Berg mit dem Doppelgipfel ist ein Vulkan, der im 19.Jahrhundert zuletzt ausgebrochen ist und dabei die Landschaft so geformt hat, wie man sie jetzt vorfindet.
Und was hat es mit den Bären auf sich? Man mag es vielleicht nicht glauben, aber Japan hat ein handfestes Bärenproblem. Etwa zwei Drittel der Landfläche sind zum Teil dichte Wälder an steilen Hängen; es hat hier schon immer Bären gegeben, doch in den letzten Jahren haben sie sich stark vermehrt. Auf der Hauptinsel Honshu handelt es sich um Schwarzbären, die Menschen eigentlich meiden und sie mit ihren feinen Ohren von weitem hören. Daher setzt man auf das Prinzip Lärm, gewandert wird mit einer laut bimmelnden „Bärenglocke“ am Rucksack.
Als wir am dritten Tag morgens losliefen, hatte es die Nacht über geregnet, die Wege waren schlammig, doch kamen wir auf einer Forststraße gut voran. Ebenso gut konnten wir den gestochen scharfen frischen Abdruck einer Bärentatze mitten auf dem Weg sehen! Der Anblick des zugehörigen Bären blieb uns zum Glück erspart, doch waren wir sehr froh, als wir den Rand der Stadt Aizu Wakamatsu erreicht hatten.

Es wurde ein sehr schöner Nachmittag auf einem Berg mit einem bekannten Tempel, der eng mit der japanischen Geschichte und der Samurai-Tradition verbunden ist. Schulklassen kamen lärmend vorbei, jeder zweite Junge hatte ein hölzernes Samuraischwert aus dem Andenkenladen im Rucksack; ansonsten war es still und der Duft von Räucherstäbchen zog über das Gelände. Ich zeichnete einen kleinen Schrein inmitten von Steinstelen, die von den Heldentaten vergangener Jahrhunderte erzählten.
Eine kleine Anmerkung: wir haben in der Woche im Gebirge praktisch keine westlichen Touristen getroffen. Bereits am Meer sahen wir sehr wenige, doch in den Berghotels und Ryokans waren wir weitgehend die einzigen nichtjapanischen Gäste.
