In der Stille
Veröffentlicht: 23. September 2026 Abgelegt unter: Architektur, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Dom, Romanik, Urban Sketching Hinterlasse einen KommentarNach dem beflügelnden Freitag begann der Samstag in Bremen etwas mühsam. Ich hatte das Stichwort „Backsteinexpressionismus“ gelesen und mich für ein gemeinsames Zeichnen in der Böttcherstraße angemeldet, ohne noch genau zu wissen, was mich erwarten würde. Diese „Straße“ – „Gasse“ würde besser passen – ist ein Gesamtkunstwerk aus Backstein, vor etwa hundert Jahren erbaut und aus verschiedenen Gründen nicht unumstritten. Leider gehört diese enge Gasse zu Bremens Hauptattraktionen, die Menschen schoben sich hindurch, es war laut, voll und zudem noch regnerisch und kühl.
Auch im Dom war oberirdisch noch ziemlich viel Betrieb (Sonnabend Mittag), doch dann folgte ich dem Schild „STILLE“ zur Krypta hinunter und fand mich in einer anderen Welt wieder.

In dem gedämpften Licht zeichnete ich mit Bleistift zwei der Säulen mit den typischen romanischen Würfelkapitellen, dann wagte ich mich wieder nach oben. Im Gehen konnte ich noch einen Blick auf das Werk eines befreundeten Zeichners werfen, der ebenfalls hier unten gesessen hatte und den Raum in einer für ihn typischen Fast-Monochromie aufs Papier gebracht hatte.
Oben fand ich die Schweriner Freunde wieder, lange saßen wir im „Bibelgarten“ des Doms und ich lasierte die Bleistiftzeichnung mit wenigen stumpfen Erdtönen. Als die getrocknet waren, griff ich zu verschiedenen Graphitstiften, klassischem „Blei“Stift ebenso wie ölbasierten; heute, zu Hause, wiederholte ich die Prozedur noch einmal mit weißer Graphitkreide. (Der dunkel granulierende Ton im Hintergrund ist kein Graphit, sondern Hämatitschwarz.)
Am Ende hatte ich, was selten gelingt, meine Intention wenigstens in Teilen umsetzen können, etwas von der schwebenden, gedämpften Stimmung dieses wunderbar harmonischen Raums bewahren zu können.
