Zu den Büchern…
Veröffentlicht: 7. November 2026 Abgelegt unter: Japan 2026, Urban Sketching | Tags: Bücher, Tokio, Urban Sketching Hinterlasse einen Kommentar… war ich durch Zufall gekommen. Als wir aus den Bergen zurück waren, musste meine Begleiterin wieder nach Hause fliegen. Ich durfte noch bleiben und verbrachte noch einmal ein paar Tage in Tokio, nun wieder in meinem gewohnten Einzelreisemodus. Ich hatte mir, nach den manchmal etwas rustikalen Ryokans, ein gutes Hotel gegönnt und machte mich von dort aus zu Fuß auf den Weg.

Ich hatte mir im Internet ein, zwei gute Läden für Künstlerbedarf und Schreibwaren rausgesucht; in dem einen gibt es im Oberstock eine Galerie mit Café. Dort saß ich und erprobte am Fensterblick einen meiner erworbenen Schätze, einen Multifunktions-Fallbuntstift mit acht verschiedenen Minen. Darunter habe ich – später – Farbproben von japanischen Wasserfarben ausgeführt. Diese Farben liegen zwischen Aquarell und Gouache, werden aber anders hergestellt. Die hier abgebildeten haben einen zusätzlichen Anteil von schwarzer Tusche, was in der Abbildung nicht so gut rauskommt.
Und wo sind die Bücher? Ich war von ihnen umgeben. Das Geschäft befindet sich mitten im „Bücherviertel“ Jinbocho. Es gibt dort ungezählte Buchläden, vom mobilen Bücherkarren bis zum mehrstöckigen Kaufhaus, vom Ramschantiquariat bis zum intellektuell anspruchsvollen Spezialgeschäft.
Einige Tage später verschlug es mich noch einmal in das Viertel. Ich hatte eigentlich etwas anderes geplant und ließ mich auf der Suche nach einem gemütlichen Sitzplatz ein bisschen treiben. Und dann sah ich es: Book Work Café stand in touristenfreundlichem Englisch draußen dran.

Ich war in ein Bücherparadies geraten, in dem es auch noch bequeme Sessel, Kaffee/Tee und Kuchen gab. (Sogar ein gutes Mittagessen hätte man haben können.) Um mich herum lesende Menschen, still versunken, manche konzentriert am Laptop, andere vor den Regalen. Auch wenn ich nichts lesen konnte, so verstand ich doch, dass es sich weitgehend um anspruchsvolle Belletristik und geisteswissenschaftliche Literatur handelte, ein ganzes Meer davon in schier endlosen Reihen!
Eine Internetrecherche ergab, dass es sich um die Verlagsbuchhandlung eines renommierten Bildungsverlages handelt, der sich, 1911 gegründet, explizit den Reclam-Verlag zum Vorbild genommen hatte. Ergänzt wurde das Angebot durch einige Titel anderer Verlage, so beispielsweise eine Neuausgabe von Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“ als Taschenbuch.
Wobei man sich unter „Taschenbuch“ nichts vorstellen darf, was auf billiges Papier gedruckt ist und nach dem ersten Lesen auseinanderfällt. Handlich, fadengebunden, mit strapazierfähigem flexiblen Einband und auf eine festes Dünndruckpapier gedruckt, dem man ansieht, dass man hier schon Papier kannte, als wir noch eine Lämmerherde für ein Buch schlachten mussten. Diese Bücher sind ein Materie gewordener Vorwurf an alle Menschen, die es versäumt haben, japanisch zu lernen.
Dass ich dennoch zwei Bücher gekauft habe, bereits beim ersten Besuch in Jinbocho, mag nicht verwundern. Immerhin handeln sie von Farben und haben viele Bilder.
