Fünf Tage in Tokio
Veröffentlicht: 12. Oktober 2026 Abgelegt unter: Japan 2026 | Tags: Gemüse, Japan, Tempel, Tokio Ein KommentarVor fünf Tagen, Mittwoch am späten Abend, sind wir nach insgesamt ziemlich genau einem Tag unterwegs reichlich zerknittert in Tokio angekommen. An Schlafen war kaum zu denken gewesen, meine Begleiterin fiel gleich ins Bett. Ich wankte noch zum nächsten Kombini und stellte fest, dass das Gerücht stimmte: die Fertiggerichte, die ich dort aus dem Kühlregal holte, schmeckten sämtlich wir frisch gekocht und hatten mit dem, was man zu Hause um Mitternacht an solchen Orten bekommt, wenig zu tun.
Tokio, das sollten wir in den nächsten Tagen feststellen, ist ein Kontinent. Ein Kontinent, an dessen östlichen Rand wir uns in einem kleinen Aparthotel eingemietet hatten, im Bezirk Aoto, drei Kilometer vom Fluss Edo entfernt, der die offizielle Stadt- oder genauer Präfekturgrenze markiert.
Aoto ist ein kleinteiliger Stadtteil, kaum gentrifiziert, mit kleinen bis winzigen Häuschen sehr verschiedenen Alters, die von Bonsai-artigen Bäumchen gesäumt werden – mehr gibt die verdichtete Stadt nicht her. In einem ebenso winzigen Restaurant aßen wir wir an zwei von acht Plätzen Nudelsuppe und reiben uns die Augen: wir waren anscheinend nicht nur ein paar Tausend Kilometer um die Erde, sondern auch dreißig Jahre in der Zeit rückwärts gereist.

Am nächsten Tag blieben wir in der Gegend und machten eine kleine Stadtwanderung zu einem Tempel und einer alten Ladenstraße, die beide die Feuerstürme von Erdbeben und Bombardierung wie durch ein Wunder überstanden hatten. Mittlerweile haben die Läden etwas von einem Freilichtmuseum, in dem allerdings echte (meist sehr alte) Menschen ihre traditionellen Produkte – eingelegte Gemüse, getrocknete und sonstige konservierte Fische und auch einige nicht essbare Souvenirs – anbieten. (Im Japan der kleinen Wohnungen sind Souvenirs sehr häufig essbar.)

Am Ende der Straße befindet sich ein Tempel mit wertvollen Schnitzereien und einem wunderbaren Garten. Ein überdachter Umgang (den man auf Socken absolviert) führten herum, es gab Bänke darin mit schönen Blicken; den auf eine Steinpagode habe ich gezeichnet.

Und dann ist da natürlich noch das Essen. Japanische Küche ist so viel mehr als Sushi und Ramen; beim Einkauf im Supermarkt war die Übersetzungs-App immer mit dabei. Besonders hatten es mir die verschiedensten traditionell konservierten Dinge angetan. Eingelegtes Gemüse heißt Tsukemono und ist in einer riesigen Vielfalt erhältlich; es gibt in Sojasauce und Zucker gekochte Algen und getrocknete gesüßte Sardinen ebenso wie geschnittene Schweineohren (die ich, ich gebe es zu, nicht noch einmal kaufen werde.)
