Bärlauchintermezzo
Veröffentlicht: 12. Mai 2019 Abgelegt unter: Botanische Malerei, Farbstifte, Mixed Media, Pflanzen | Tags: Pflanzen Hinterlasse einen KommentarJust an dem Tag, an dem ich aus dem Urlaub kam, steckte etwas besonders Schönes in meinem Briefkasten: ein Hahnemühle Grey Book, das von einer Hamburger Zeichnerin aus per Post seine Runde macht. Das Grey Book, ist wie der Name schon sagt, ein Buch mit grauen Seiten, ein neues Produkt aus dem Hause Hahnemühle, und vordergründiges Ziel der Reise ist das Ausprobieren verschiedener Materialien.
Da das Buch schon eine Weile unterwegs ist, wusste ich, dass sein relativ dünnes und saugfähiges Papier mit Wasser nicht besonders gut zurecht kommt. Materialien zum weitgehend trockenen Arbeiten auf getöntem Untergrund hatte ich mir kürzlich besorgt und machte mich damit ans Werk: wasserlösliche Wachskreiden und die bekannten Albrecht-Dürer-Stifte von Faber Castell, dazu noch etwas weißer PITT-Pen.

Und Urlaubserinnerungen konnte ich am Ende auch noch pflegen, hatte ich mir doch als Zeichenobjekt etwas Bärlauch aus meinem Garten gewählt – ein schwacher Abglanz der endlosen Bärlauchwälder, durch die ich vor zwei Wochen rund um Tübingen gewandert war. (Dieser Bärlauch, in Mecklenburg eher nicht heimisch, ist das Geschenk eines Freundes aus Süddeutschland; im Odenwald ausgegraben und kundig verpackt kamen die Knöllchen eines schönen Frühlingstages vor einigen Jahren per Post bei mir an und haben sich unter den Rosen prächtig vermehrt.)
Neuland
Veröffentlicht: 17. März 2019 Abgelegt unter: Alltag, Botanische Malerei, Mixed Media, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Pat Southern-Pearce, Tulpe 4 KommentareMit diesen gelben Tulpen habe ich Neuland betreten. Genauer gesagt: mit dem Bild, denn gelbe Tulpen gehören seit Jahren zum Spätwinter in meiner Wohnung. Mindestens so lange zeichne ich Bilder von meinem Alltag, von Blumen, Teetassen, Früchten – und fast immer tue ich das mit Füller oder Fineliner und Aquarellfarbe auf weißem Papier.
Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: zum einen ist weißes Papier in unserer Zeit und Kultur das natürliche Schreib- und Zeichenmaterial. Zum anderen habe ich mich, bald nachdem ich mit dem regelmäßigen Zeichnen begann, ganz bewusst zur Beschränkung entschieden. Meine Zeichenzeit ist begrenzt und in dieser Begrenzung scheint es mir nicht sinnvoll, mit immer anderen Materialien zu experimentieren.
Doch nun habe ich mich zu einem Kurs bei der kongenialen Zeichnerin Pat Southern-Pearce angemeldet, deren stark graphische, vom Jugenstil inspirierte Arbeiten ich schon lange bewundere. Sie arbeitet mit Füller, Markern und verschiedenen Kreiden und Buntstiften, und zwar fast immer auf getöntem Papier. In meinem Schrank fand ich noch einen Block naturbraunes Multimediapapier der Marke PaintOn von Clairefontaine und war beim ersten Versuch so begeistert, dass ich mir auch noch die graue Variante besorgt habe. Zusammen mit einem kleinen Satz wasserlöslicher Wachskreiden kam das Päckchen am Freitag an.

Amaryllis auf wechselndem Grund
Veröffentlicht: 24. Februar 2019 Abgelegt unter: Pflanzen | Tags: Amaryllis, Botanical Art 2 KommentareVielleicht lag es am warmen letzten Jahr, dass von fünf meiner übersommerten Amaryllis-Zwiebeln drei zum Blühen kamen – ohne professionelle Gärtnersteuerung alle auf einmal Mitte Februar. Da standen sie dann wie Tänzerinnen an einem etwas kühleren Fenster und waren leider trotzdem viel zu schnell verblüht. Zwei Wochen hatte ich immerhin Zeit, sie abzubilden.
Unter der Hand geriet mir die Zeichenaktion zu einem kleinen Materialtest. Die schiere Größe der Blüten ermunterte mich zu Formaten weit jenseits von Stillman&Birn’s ungewöhnlichen und von mir favorisierten 18×25 Zentimetern, ich holte lange nicht genutzte Zeichenbücher und Aquarellblöcke aus dem Schrank – und brauchte für die größeren Formate natürlich auch mehr Farbe, als die halben Näpfchen meines „Handtaschenkästchens“ von Schmincke hergeben.

Die Aquarellfarben der koreanischen Firma Miejello verwende ich selten. Sie verhalten sich anders als meine gewohnten Schmincke-Farben, deckender, weniger fließend; außerdem sind sie ziemlich bunt. (Was auch daran liegt, dass sich in meinem Satz nur Ein-Pigment-Töne befinden.) So ist auch die Blütenstudie ein bisschen schwer und massig geraten, fast wie ein Gouache.

Diese Kompositionsstudien sind auf einer Doppelseite des A4-Buches entstanden, mit wasserfester Tinte und Polychromos-Farbstiften.

Aus der Kompositionsstudie gingen zwei Aquarelle hervor. Das erste war noch wie Fahrradfahren mit Stützrädern – deren Rolle übernehmen hier die Tintenstriche.

Beim zweiten war ich mutiger und habe sogar auf eine Vorzeichnung mit Bleistift verzichtet. Das Papier ist ein Schwergewicht von Hahnemühle, Akademie Aquarell, durchgeleimte 425 Gramm.

Alpenveilchen
Veröffentlicht: 5. Januar 2019 Abgelegt unter: Alltag, Aquarell, Ink&Wash, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Aquarell, Pflanzen 2 Kommentare„Wie heißt die Blume dort?“ – – – Meine greise Mutter kann sich Begriffe nicht mehr gut merken, und so fragt sie bei jedem Besuch aufs Neue, sichtlich erfreut von den kräftig purpurn leuchtenden Blüten. Am Silvestertag war für mich endlich die Gelegenheit für eine Skizze gekommen.

Ich habe das Bild ganz ohne Vorzeichnung mit dem Pinsel angelegt und die sparsamen Tintenstriche in rot und grün zu Hause ergänzt, dabei auch die Farbtöne noch einmal etwas vertieft. Mein dezeitiges Skizzenbuch ist ein Stillman&Birn Zeta mit glattem, kräftigem, wunderbar plan liegendem Papier, das sich mit Übergängen und Verläufen schwerer tut als mit feinen Linien.
Durch die Weinberge
Veröffentlicht: 21. Oktober 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Botanische Malerei, Ink&Wash, Pflanzen | Tags: Meißen, Pflanzen 2 KommentareGestern bin ich bei schönem sanftem Herbstwetter durch das Obst- und Weinbaugebiet bei Meißen gewandert. Zwischen Johannisbeer- und Apfelplantagen entdeckte ich ein großes Feld mit Aronia, die ich bisher nur als schmackhaften und gesunden Saft kannte. Ich steckte mir ein Zweiglein ein, um es bei der nächsten Rast zu zeichnen. Der Feuerdorn, den ich im Gegegensatz zur Aronia nicht ohne Hilfe erkannte, kam ein Stück weiter an einem Weingarten dazu. (Beide gehören zur Familie der Rosengewächse, und ich war wieder einmal fasziniert, wie viele Sorten an Früchten sie zu bieten haben.)
Als Ort zum Zeichnen bot sich die „Boselspitze“ an, eine Ausflugsgaststätte auf dem Berg gleichen Namens, Teil eines Höhenzugs, der den stolzen Namen Spaargebirge trägt. Die tiefstehende Sonne setzte meine Zweige ins beste Licht, während sich meine Wandergefährtin wieder einmal gedulden musste, bis ich wenigstens mit dem ersten Farbauftrag fertig war.

Aronia und Feuerdorn – gezeichnet und ein bisschen koloriert vor Ort auf der Boselspitze, fertiggestellt zu Hause.
Borretsch
Veröffentlicht: 14. Oktober 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Botanische Malerei, Ink&Wash, Pflanzen | Tags: Pflanzen Hinterlasse einen KommentarFreitag Abend im Garten – sommerliche Wärme und magische Stille mitten in der Stadt; ich rücke mir, nachdem der Tee ausgetrunken ist, den Terrassenstuhl neben das Beet und beginne, ganz ohne Vorzeichnung, mit dem feinen schwarzen Füller den späten Borretsch zu zeichnen. Nicht einfach mit den vielen Runzeln und Stachelhaaren.

Borretschpflanze auf der Terrasse, vor Ort gezeichnet.
Als es dunkel wird, arbeite ich drinnen nach Foto weiter. Der Versuch, Schatten und Struktur reinzubringen, erweist sich als schwierig, so dass ich mich dann doch auf die Suche nach der passenden Farbe mache.
- Scharffuren, schon nach Foto.
- Welche Farbe?
Das Borretschblütenblau finde ich im Ultramarin; mit dem eleganten Graugrün der Blätter tue ich mich schwerer – inzwischen ist es schon recht spät am Abend. Und ich stelle fest, dass der relativen Strenge der Zeichnung ein lockerer Farbauftrag gut bekommt.

Mit Aquarellfarben von Schmincke lavierte Federzeichnung.
Sommerbilder
Veröffentlicht: 17. August 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Gemüse, Katzen, Maria Hinterlasse einen KommentarVom dem Belliner Kurs war ein kleines Hahnemühle-Aquarellbuch übrig geblieben, das kam mir gerade recht, um auf überschaubarem Format mal wieder das tägliche Zeichnen zu versuchen. Ab&zu fällt dann doch mal ein Tag aus, aber mit der Zeit stellt sich eine gewisse Routine ein.
Das erste Bild ist vom letzten Freitag, als ich mich im Schweriner Dom an das wunderbare Wochenende in Bellin erinnerte, wo ich zur Gottesdienstvorbereitung ein ähnliches Kreuz gezeichnet hatte. Was man auf den Zeichnungen nicht sieht: dieses hier, aus dem Schweriner Dom, ist ungleich größer, ein riesiges Triumphkreuz. Ich habe es absichtlich so abgebildet, dass sein floraler Charakter in den Vordergrund tritt.

Das Triumphkreuz im Schweriner Dom – ein Nachklang des Wochenendes in Bellin.
Am Samstagabend dann bei Freunden gesessen und das neue Katerchen in einem seiner seltenen Ruhemomente gezeichnet.

Der kleine Kater meiner Freunde hält selten still.
Der 15.August ist ein katholischer Feiertag – Mariä Himmelfahrt. Zum Brauchtum dieses Tages gehört die Kräuterweihe, ein uraltes Ritual. Ich habe mir wenigstens ein meinem Garten einen Kräuterstrauß gepflückt.

Zu Mariä Himmelfahrt pflücke ich abends einen Kräuterstrauß in meinem Garten.
Paprikaschoten! Jedes Jahr kaufe ich welche aus regionalem Anbau, weil sie so schön krumm und bunt sind. Witzigerweise sind sie nachgereift: was gestern Abend noch in vielen Farben schimmerte, ist heute durchgehend langweilig rot.

Alle Jahre wieder: Paprikaschoten vom Markt. (Aquarell ohne Tintenlinien will immer wieder neu geübt werden. Die Lichter habe ich allerdings ganz unorthodox mit Marker gesetzt.)
Radix
Veröffentlicht: 15. Juli 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Ink&Wash, Pflanzen | Tags: Botanical Art, Gemüse Hinterlasse einen KommentarLetzte Woche habe ich den Garten von Freunden gehütet. Zwischen verholzten und z.T schon blühenden Radieschen fand ich eines, dem die Verkleinerungsform so gar nicht zu Gesicht stand; ich musste ordentlich daran ziehen wie einst die ganze Familie im Märchen, und was ich dann in der Hand hatte, konnte ich erst gar nicht benennen. Erst nachdem ich es gezeichnet hatte, schnitt ich es an – es war ein Rettich, der sich zwischen die Radieschen verirrt hatte wie das Schwanenküken zwischen die Enten, und zu meiner freudigen Überraschung konnte man ihn in Teilen sogar noch essen.
Da ich ungeübt im Schraffieren bin und meine Zeichenzeit begrenzt, legte ich die Schatten mit verdünnter schwarzer Tinte an, der gleichen wasserfesten von deAtramentis, mit der ich auch gezeichnet hatte. Darüber konnte ich dann großzügig mit Aquarellfarbe lasieren.

Ein Rettich aus dem Garten meiner Freunde, gezeichnet mit wasserfester schwarzer Tinte und Aquarellfarben auf Stillman&Birn Zeta.
Am Weg 2
Veröffentlicht: 20. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 7, Pflanzen, Reiseskizzen | Tags: Pflanzen, Pilgerweg, Schwaben 3 KommentareGestern, nach Morgenrast mit Weitblick, führte mein Weg den ganzen Vormittag durch den Wald, nur kurz von ein paar Häusern – hier Weiler genannt – unterbrochen. Ich kam schnell voran, so dass ich einige Kilometer vor dem Ziel an einer blühenden Wiese nach einer Pflanze zum Zeichnen Ausschau hielt. Am liebsten würde ich sie ja alle abbilden, die wunderbaren Wegrandbegleiter, gerade jetzt im Juni …
Neben dieser Wiese war wiederum ein Rastplatz mit Tisch eingerichtet, mitten im Nirgendwo, und dort setzte ich mich mit einer Flockenblume hin und begann konzentriert zu zeichnen. Bis ein Auto neben mir hielt, ein junger Mann ausstieg und dreimal fragte: „Hamsch a Hund gsähe?“ Was, wie? Ach einen Hund, nein hab ich nicht gesehen, leider. Ich habe mir später immer wieder vorgestellt, wie ich wohl aus der Sicht der jungen Burschen ausgesehen haben mag, so mit Wanderhut, Zeichenmaterial und Tablet an einem Tisch am Waldrand …

Radieschen
Veröffentlicht: 9. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Aquarell, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Gemüse, Rot 4 KommentareErster Urlaubstag – mittags gibt es kalte Suppe mit Radieschen, Gurke und Rote-Bete-Saft; und ich nehme mir die Zeit, die Radieschen zu malen. Aquarell im Alltagsbuch, zügig soll es gehen, doch am Ende ist das Motiv doch wieder komplexer als gedacht. So lasse ich die Farbe erst einmal trocknen, mache ein Foto, esse die Suppe und widme mich dem Bild am Abend noch einmal.
Dieses Mal habe ich zum Schluss dann doch noch etwas Tinte eingesetzt – das komplizierte Geflecht der Mäuseschwänzchen wollte sich anders einfach nicht in Szene setzen lassen. Ich bin ganz glücklich mit der Auswahl an Rot, die mein kleiner Kasten nun zu bieten hat: vom hellen Kadmiumrot (hier nicht mit dabei) über Scharlach, Magenta, Opernrosa bis zu dunklem Krapp.

Radieschen. Aquarell mit etwas Tinte und Marker im Kunst&Papier Skizzenbuch.


