Postkarten
Veröffentlicht: 28. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Aquarell, Bewohntes Gelände 5, Ink&Wash, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Burg, Fränkische Schweiz, Oberfranken Hinterlasse einen KommentarDieses Jahr hatte ich auf meiner Wanderung neben meinem gebundenen Skizzenbuch auch ein Kästchen mit Aquarellpostkarten dabei. Das erwies sich als Glücksfall: auf Reisen bin ich mit meinen Zeichnungen im Reisetagebuch nicht so locker wie zu Hause, ist es weniger Skizzenbuch, habe ich eine gewisse Scheu vor dem Vorläufigen. Außerdem hatte ich dieses Jahr ein Exemplar mit sehr glattem Papier dabei – Stillman&Birn Zeta – das sich für exakte Studien am heimischen Zeichentisch gut eignet – für Aquarell unterwegs nur bedingt. Dazu noch die Kälte, in der die Farben langsam trocknen.
Also habe ich mich auf den Karten locker gemalt: Füller oder Tintenstift raus, schnelle Skizze ohne Vorzeichnung und großzügige und nicht zu sehr an den Originaltönen klebende Kolorierung abends im Gasthof. Das strukturierte Papier hat mir dabei ebenso geholfen wie das Wissen, auch mal eine Karte verwerfen zu dürfen.
- Die Kirche von Königsfeld – Ort einer karolingischen Pfalz.
- Burg Gößweinstein an einem stürmischen Abend.
- Der Regen ist da – Obertrubach.
- Abschiedsblick auf die Johanniskirche in Lauf a.d.Pegnitz.
Wie bei Albert Ebert
Veröffentlicht: 24. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Farbstifte, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Fränkische Schweiz, Oberfranken Ein KommentarImmer mal wieder hat der Hallenser Maler Albert Ebert Witwen in Schwarz gemalt, Friedhofsbesucher am Totensonntag oder gleich ganze Beerdigungen mit Blaskapelle. Diese Bilder verströmen, wie fast alles von Albert Ebert, eine heitere Melancholie.
Als ich vor einigen Tagen auf meiner Reise im Gasthof zur Post in Egloffstein eine Trauergesellschaft sah, musste ich an diese Bilder denken. Die Gaststube mit ihren Ölschinken und Geweihen, der dunklen Deckenverkleidung und den dem schmiedeeisernen Leuchter, alles überzogen mit der Patina eines Ortes, der einmal bessere Tage gesehen hat, gaben dem Anlass den passenden Rahmen.

Trauergesellschaft im Gasthof zur Post in Egloffstein. PITT-Pens und etwas Wasserfarbe.
A Email hammer net
Veröffentlicht: 21. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Mai 2016, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Burg, Fränkische Schweiz, Oberfranken 2 Kommentare„A Email hammer net, schicken’s a Kartn“. Das hatte ich getan und mich auf diese Weise im Gasthof von Wohlmannsgesees auf dem Fränkischen Jura angemeldet. Als ich bei sanfter Nachmittagssonne dort ankam, hing ein Zettel an der Tür: „Bin in einer Stunde wieder da. Anna!“ Ich setzte mich auf die Bank vor dem Haus und wartete, doch die Stunde verging, die Sonne verschwand, es wurde kühl und wer nicht kam, war Anna. Bis sie schließlich auf einem Balkon auftauchte, Wäsche aufhängend und mir versichernd, sie wäre hinten im Haus gewesen und hätte immer gehorcht, ob ein Auto kommt …
Zu meiner Überraschung ist Anna Heid, obschon Witwe, keine alte Frau, sie mag jünger sein als ich und bewirtschaftet Gasthof samt Obst- und Gemüsegarten mit gelegentlicher Unterstützung ihrer Brüder allein. Sie kochte mir erst einmal eine große Kanne Kräutertee aus dem Garten, natürlich war auch das Essen hervorragend. Das meiste im Haus ist Original 70er Jahre, Fototapete, Badfliesen, Lampen und eben auch das Geschirr; doch im Gegensatz zu anderen Unterkünften ist alles picobello, wie neu und blitzsauber.
Ich habe mich dort sehr wohlgefühlt und kann jedem, der die Fränkische Schweiz besucht, empfehlen, Anna Heid eine Karte zu schreiben und wenigstens eine Nacht in ihrem Gasthaus zu verbringen.
Am nächsten Tag bin ich weiter gewandert, durch Wälder voller Schopftintlinge und anderer interessanter Pilze, über hügelige Weiden mit Felsblöcken wie in einem japanischen Garten und selbstverständlich auch an der obligatorischen Burg vorbei.

Die 70er Jahre und das Mittelalter sind in der Fränkischen Schweiz sehr präsent. PITT-Pens, Super5-Tinte in grau und etwas Wasserfarbe.
Inspiration Burgruine
Veröffentlicht: 20. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Ink&Wash, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Burg, Fränkische Schweiz, Oberfranken Hinterlasse einen KommentarIn der Fränkischen Schweiz gibt es fast so viele Burgen (in verschiedensten Erhaltungszuständen) wie Felsen, auf die man eine stellen kann. Eine der bekanntesten ist die Ruine Neudeck gegenüber von Streitberg. (Das wiedrum bekrönt wird, wen wundert es, von den Resten der Streitburg. Vermutlich war das seinerzeit keine sehr friedliche Gegend.)
Nach meiner Übernachtung im Alten Kurhaus bin ich in schönstem sanften Herbstblau nach Neideck hochgestiegen und wollte es mir schon zum Zeichnen gemütlich machen, als ich ein Stück weiter noch jemanden den mit Block und Stift sah. Noch ein Zeichner, dachte ich erfreut und ging hin, um „Guten Tag“ zu sagen. Beim Näherkommen sah ich, dass der Mann mitnichten zeichnete, sondern schrieb, ja, dass überall auf Mäuerchen und Bänken schreibende Menschen saßen! Ein Schreibseminar war auf Inspirationstour hier oben, bei näherer Betrachtung noch ergänzt durch zwei ebenso eifrig werkelnde Fotografen.
Später kamen auch noch ein paar Leute, die nur die Aussicht genießen oder ihren Hund ausführen wollten. Für das ungeschulte Auge ist von der Burg nur die Ruine des Wohnturms zu sehen, es war aber einmal eine große und bedeutende Anlage, über die man auf den (sehr zahlreichen!) Infotafeln eine Menge erfährt.

Ruine der Burg Neideck in der Fränkischen Schweiz.
Altes Kurhaus
Veröffentlicht: 17. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Fachwerk, Fränkische Schweiz, Oberfranken Ein KommentarManche Stadtzentren erzählen dort besonders eindringlich ihre Geschichte, wo eine Generation die Bausünden der nächsten verschlimmbessert hat. Mit Häusern kann es ähnlich sein, besonders dann, wenn sie bereits ein paar Hundert Jahre alt sind, wie das „Alte Kurhaus“ in Streitberg. Mit heutigen Augen besonders schmerzlich anzusehen sind die Umbauten der letzten fünfzig Jahre, hässliche Veranden mit Sperrholztüren, billige Pseudosprossenfenster und falsche Butzenscheiben.
Zum Glück – so stellte ich beim Zeichnen fest – waren Maßstab und Ausschnitt meiner Abbildung dann doch recht versöhnlich gewählt … (Der Name „Kurhaus“ bezieht sich auf die im 19.Jahrhundert populäre „Molkenkur“, eine spezielle Art des Fastens.)

Das Hotel „Altes Kurhaus“ in Streitberg in der Fränkischen Schweiz. Füller und PITT-Pens.
Volkskunde
Veröffentlicht: 15. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: 60er Jahre, Brauerei, Fränkische Schweiz, Oberfranken, Pilgerweg, Wirtschaftswunder Hinterlasse einen KommentarDie fünfte Etappe meiner Pilgerwanderung hat begonnen. Einmal längs und vielleicht auch ein bisschen schräg von Deutschlands Mitte bis zum Bodensee, so ist es geplant, angekommen bin ich mittlerweile in Oberfranken. Bamberg war der Schlusspunkt der vierten Etappe, Nürnberg das nächste Ziel. Dazwischen: Die Fränkische Schweiz, ein kleines bisschen östlich der als solche ausgeschriebenen Pilgerwege. Eine ländliche und, ja, ein bisschen abgelegene Gegend, das hatte ich schon bei den Vorbereitungen gemerkt.
Die erste Übernachtung im Kloster Kirchschletten, wo ich vergangenes Jahr aufgehört hatte, und dann weiter hügelauf hügelab Richtung Südosten, Unterkunft in Würgau in einem Brauereigasthof, wie es hier noch viele gibt, kleine Familienbetriebe, wo die Leute aus den umliegenden Dörfern ihr Bier kastenweise holen und auf eine Brotzeit oder einen Braten mit Klößen einkehren.

Die „Brauerei Hartmann“ in Würgau. Der Gasthof ist fachwerkhübsch, doch die Braukessel tragen Wirtschaftswundermode – Kacheldekor und eloxierte Fensterrahmen.
Am nächsten Tag 150 Höhenmeter hoch auf den Fränkischen Jura, ein Karstplateau, das immer mal wieder von tiefen Schluchten durchzogen wird. Oben flaches Land, fast parkartig, Schlehen- und Weißdornhecke filtern den hier vermutlich immer wehenden Wind, Kreuze und Kapellen an jeder Wegkreuzung. Im Dorfgasthaus sitzt, als wäre er für die Zeichnerin bestellt, der Herr Pfarrer mit am Stammtisch.

Stammtischpublikum in den „Drei Kronen“ in Königsfeld/Oberfranken.
Ruhe und Maß
Veröffentlicht: 21. September 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Architektur, Ink&Wash, visuelles Tagebuch | Tags: Bellin, Güstrow, Mecklenburg, Sternberger Seenland 2 KommentareIn der Schweriner Schelfstadt, in der ich wohne, wechseln sich spätbarocke Fachwerkhäuser mit moderneren Gebäuden ab, die nach und nach in die Lücken gebaut wurden und so den Übergang von der Ackerbürgerstadt zur Residenz nachzeichneten. Die Fachwerkhäuser sind ungleich schlichter als ihre Verwandten in Mittel- und Süddeutschland, und ihr einziger Schmuck ist meist die Tür. Ich habe schon eine lange Liste dieser schönen klassizistischen Türen angelegt, die ich irgendwann einmal abbilden will – in die Tat umgesetzt habe ich den Vorsatz nun am ehemaligen Pfarrhaus des Dörfchens Bellin nahe Güstrow.
Beim Zeichnen wurde mir erst wirklich klar, wieviel Ruhe und Maß in diesen letzten vorindustriellen Holzarbeiten steckt. Einfache geometrische Dekore gliedern die Fläche, kein Schnörkel zu viel, kein am Fließband gefertigter Schnickschnack … Statt dessen wohl abgewogene, harmonische Formen und Strukturen. Diese Tür zu zeichnen hat mein Herz geklärt und den Geist beruhigt.

Tür des „Hauses der Stille“ in Bellin/Mecklenburg
Meliora cogito
Veröffentlicht: 18. September 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Dinge, Ink&Wash, visuelles Tagebuch | Tags: Zeichenmaterial Ein Kommentar„Meliora cogito“ – Trachte nach dem Besseren – bevor ich meinen kleinen Aquarellkasten gezeichnet habe, war mir nie aufgefallen, was dort geschrieben steht. Eigentlich sollte so ein Schmincke-Kasten ja wohl ein Leben lang halten, doch den ersten, den ich – noch in DDR, welche eine Kostbarkeit! – geschenkt bekommen hatte, habe ich mir klauen lassen, und den zweiten – Schwarz auf Schwarz – beim Packen in den Ledersesseln eines Ferienhauses liegen gelassen. Dieser hier nun begleitet mich treu in meinem Alltagsskizzenpäckchen, der Lack schon etwas angestoßen – waren die früheren nun solider oder nur seltener genutzt?
Vor einem Jahr habe ich, als ich anfing, das Zeichnen mit Tinte zu entdecken, meine Füllfederhalter gezeichnet – nun war mir die Renovierung meines Aquarellkastens Anlass, ihn abzubilden. Es soll ja Freaks geben, die wirklich nur mit drei Primärfarben arbeiten, ich habe lieber ein paar Näpfchen mehr dabei. Beim schnellen Skizzieren sind mir „fertige“ Farbtöne willkommen und ich muss nicht ständig mit dem blauen Pinsel ins Gelb. Und bei aller Leichtigkeit: Aquarellfarben bestehen aus Pigmenten mit bestimmten physikalischen Eigenschaften, sie granulieren oder nicht, decken oder lasieren und können einander auf dem Blatt verdrängen, statt sich zu mischen. Außer Sepia und Indigo, die zusammen ein schönes opakes Grau bis fast zum Schwarz ergeben, bevorzuge ich lasierende Töne, weshalb ich z.B. das Standard Englischrot durch Krappbraun ersetzt habe – mal sehn, ob es sich bewährt. Wer genau hinsieht, entdeckt zwei fast gleiche Ockertöne – an die Stelle des einen soll noch ein ebenfalls lasierendes helles Braun treten, da habe ich mich vergriffen und muss noch ein bisschen suchen: meliora cogito.

Belliner Beinwell
Veröffentlicht: 13. September 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Botanische Malerei, Ink&Wash, Mixed Media, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Beinwell, Bellin, Kräuterheilkunde, Mecklenburg Ein KommentarEnde August war ich wieder mal für ein paar Tage im mecklenburgischen Bellin. Das „Haus der Stille“ liegt, von uralten Linden umgeben, auf einem kleinen Hügel zwischen tief abgesenkten sumpfigen Bachniederungen. Am schattigen Hang hat sich Beinwell ausgebreitet, rau und großblättrig und um die Zeit mit einigen späten Nachblüten. Dort konnte ich nach langer Zeit mal wieder die Gelegenheit ergreifen, eine Pflanze am Ort ihres Wachsens zu zeichnen.
Ganz einfach ist so etwas nicht. Wind bewegt die Blätter, der Gartenstuhl sinkt in der feuchten Erde ein und spätestens wenn Farbe ins Spiel kommt, fehlen die dritte und die vierte Hand. (Immer wieder mal veröffentlichen andere Zeichner kluge Konstruktionen von all-inclusive-Leichtstaffeleien, doch mit denen ginge es mir vermutlich wie mit dem Angelrucksackhocker: sie stehen im entscheidenden Moment zu Hause in der Kammer.)
Am Ende habe ich dann doch wieder zu Hause nachgearbeitet, ein paar Linien nachgezogen, Schatten vertieft, Spritzerchen und nicht zuletzt ein bisschen Schrift eingefügt, nicht ohne in meinen Kräuterbüchern ein bisschen über den Beinwell zu lesen. Schon allein der Name klingt so wunderbar archaisch aus einer Zeit zu uns herüber, in der Knochen noch Bein hieß und „wallen“ (das auch mit Welle, Wal und Wels entfernt verwandt ist) auch „zusammenwachsen“ bedeutete. Eine der vielen alten Wundpflanzen also, und zwar eine, die das Zeug hat, sogar die Heilung von Knochenbrüchen zu beschleunigen.

Beinwell – Symphytum officinale – Tinte und Aquarell auf S&B Beta.






