Storchenwiese
Veröffentlicht: 18. Mai 2020 Abgelegt unter: Alltag, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Greifswald Hinterlasse einen KommentarIn Greifswald war ich auf Familienbesuch, also bekamen Dom und Marienkirche nur ein paar kurze Blicke. Stattdessen zeichnete ich im Tierpark – erst mit schnellen Strichen Alpakas und Erdmännchen und schließlich mit wachsendem Vergnügen die Störche auf der Storchenwiese. Dort brüten flugunfähige Vögel in bodennahen Nestern – eine einmalige Gelegenheit zur Beobachtung der Tiere.

Nördliches Arkadien
Veröffentlicht: 17. Mai 2020 Abgelegt unter: Urban Sketching | Tags: Mecklenburg, Park, Schloss, Schwerin 2 KommentareAufgewachsen bin ich in Potsdam, so wundert es nicht, dass Sanssouci in Sachen Park für mich das Maß aller Dinge geblieben ist. Mit einer Ausnahme: Den Schweriner Gartenanlagen in Schlossnähe, und ganz besonders der Schlossrückseite unter den Türmchen und Kuppeln, mit Rosenterassen, Pavillons und und dem Kolonnadenhof der Orangerie. Hier kann der Blick über den See schweifen, als sei er ein südliches Meer.
Gestern war mal wieder Gelegenheit, dort zu zeichnen, gemeinsam im kleinen – und zeitgemäß ordentlich auseinander gezogenen – Kreis der Schweriner Urban Sketchers. Bei mir waren zuerst mal wieder die goldenen Kuppeln dran, der rückseitige Blick auf den neugotischen Schlosskirchenanbau.

Die zweite Runde verbrachte ich in der unteren Etage, im Orangeriehof mit seinen gußeisernen Säulchen und Gittern. Den vielen unterschiedlichen Strukturen versuchte ich mit einer Extraportion Lockerheit beizukommen. Die Farbe kam hier, wie bei dem obigen Bild auch, zu Hause.

Sonnenaufgang II
Veröffentlicht: 20. April 2020 Abgelegt unter: Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Pat Southern-Pearce, Schwerin Hinterlasse einen KommentarWenn der Ostwind zu scharf über den See weht, kann man natürlich auch in die andere Richtung zeichnen. Zumal, wenn da etwas so hinreißendes steht wie das Schweriner Schloss. Zwar gab es auch hier nur einen Stehplatz, aber immerhin einen mit einer Steinbalustrade in richtiger Zeichenhöhe.
Die Sonne glitzert und gleißt auf den Türmen und Türmchen mit ihren üppigen Vergoldungen – dazu See und Wasservögel und immer blauer werdender Himmel … Kalt ist es trotzdem, vor Ort zeichne ich nur die Dachlinie, den Rest zu Hause im Warmen.

Stilistisch habe ich mich wieder einmal an den Workshop von Pat Southern-Pearce erinnert: Dachlinie, Himmel, Negativraum und ein paar extra Kästchen für Bemerkungen und zeichnerische Notizen.
Sonnenaufgang
Veröffentlicht: 19. April 2020 Abgelegt unter: Farbstifte, Urban Sketching | Tags: Schwerin Hinterlasse einen KommentarIch liebe den frühen Morgen. Wenn es still ist und frisch, drehe ich gern eine Runde um Pfaffenteich oder Ziegelsee; an Wochenende auch bis zum Schloss und darüber hinaus am Schweriner See entlang. Wenn ich den Aufbruch nicht zu sehr hinauszögere, schaffe ich es bis zum Sonnenaufgang. Werktags bleibt meist nur Zeit für ein Foto, am Wochenende kann ich ein Bild einplanen.
Das liest sich zwar ziemlich romantisch (und sieht, wenn gelungen, auch so aus), hat allerdings einige Tücken. Bei der kontinentalen Wetterlage, wie wir sie dieser Tage haben, weht der Wind gern mit knapp über null Grad aus Sonnenaufgangsrichtung über den jeweiligen See. Aquarellfarbe trocknet selbst dann nicht, wenn man das heiße Wasser aus der Thermoskanne nimmt. Sollte man vorhaben, sich warmzulaufen, (was sich empfiehlt) kann man keinen Hocker mitnehmen, muss also an Sitzplätzen nehmen, was so da ist. Und die stehen selten am schönsten Blick. Oder sind trotz Isomatte kalt. Oder oder.
Dennoch ist in den letzten Wochen ein bisschen was zusammengekommen.


Das Kleid der Marschallin
Veröffentlicht: 9. Februar 2020 Abgelegt unter: Allgemein, Urban Sketching | Tags: Kleidung, Oper, Schwerin, Theater Hinterlasse einen KommentarIm Oktober sah ich am Schweriner Theater den „Rosenkavalier“. Ich kannte vorher weder Handlung noch Melodie und war angerührt von der heiter-melancholischen Geschichte zwischen Romanze und Klamauk, an deren Ende die Hauptperson, die Marschallin, eine „reife Frau“, ihren jungen Geliebten an eine andere verliert und dennoch alle Fäden in der Hand behält.

Mit leichten Händen halten und nehmen, halten und lassen …
Ich hatte in der Vorstellung ein paar Striche aufs Papier gebracht und später nach Fotos zu einem Blatt ergänzt.
Gestern nun gab es für uns Schweriner Zeichnerinnen die Möglichkeit, in der Schneiderwerkstatt des Theaters zu zeichnen. Mit großer Freude sah ich dort das Kleid der Marschallin wieder und machte mich daran, es zu zeichnen.

In einem ersten Versuch nähere ich mich dem Kleid von allen Seiten.
Das Kleid gibt der Trägerin Schutz, betont Würde und gesellschaftliche Position, ohne ihre weibliche Reife auszusparen. Und es hat einen komplizierten Schnitt, der der Zeichnerin einiges abverlangt.

Endlich gelingt es mir, die Form zu erfassen. Die Farbe kommt zu Hause.
Männer
Veröffentlicht: 19. Januar 2020 Abgelegt unter: Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Grüner Mann, Schwerin Hinterlasse einen KommentarGestern war der Tag der seltsamen Männer. Also zum Zeichnen. Die Schweriner Urban Sketchers hatten sich im Kaufhaus Kressmann versammelt, um im Warmen und unter Dach sitzen zu können. Vom „Café Honig“ aus hat man einen schönen Blick nach draußen, auf den Dom und die (immer noch leerstehende) alte Post, drinnen kann man die Gäste im Café zeichnen oder es sich im Kaufhaus in einer der Sitzecken gemütlich machen.
Magisch angezogen wurden wir von zwei ganz besonderen Schaufensterpuppen. Die beiden Herren, deutlich lebensnäher als in ihrer Branche sonst üblich, tragen ihre Unterwäsche mit Würde.

Eine schnelle Markerskizze der beiden.

Für die Gesichter habe ich die vor Ort angefangene Bleistiftskizze noch zu Hause mit Gouache ergänzt.
Der dritte seltsame Mann bewacht das Haus gegenüber. Eine Blattmaske, auch als Grüner Mann bekannt – dieser hier ist allerdings aus rotem Stein.

Roter „Grüner Mann“ am Haus gegenüber des Schweriner Kaufhauses Kressmann.
Porzellan
Veröffentlicht: 7. Dezember 2019 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Meißen, Porzellan, Sachsen Hinterlasse einen KommentarVor einiger Zeit sah ich ein wunderbares Aquarell einer Meissner Porzellantasse, und da ich schon wusste, dass ich nach Dresden fahren würde, nahm ich mir vor, einen Abstecher in die Meissner Manufaktur zu machen. Als Achtjährige war ich dort schon einmal gewesen, auch damals konnte man den Porzellanmalerinnen schon auf die Finger sehen und ich erinnere mich daran, wie erstaunt ich darüber war, dass das ungebrannte Kobaltblau fast schwarz ist.
Mittlerweile ist alles neu und schick, es gibt vorher einen Film und einen recht zügigen Rundgang mit Audioguide. Beim Zeichnen musste ich wirklich fix sein und mehr als ein paar Umrisslinien waren nicht drin. Die Farbe habe ich zu Hause ergänzt, wobei ich mit diversen Markern anfing, um dann mit Pinsel und Farbe weiterzumachen.

Noch immer wird in Meißen jedes Stück von Hand gedreht. Die Bossierer setzen dann die Einzelteile zusammen.

Das klassiche blaue Zwiebelmuster wird unter der Glasur auf den porösen Scherben aufgebracht, alles andere auf die Glasur.
Albertinum
Veröffentlicht: 4. Dezember 2019 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: 20er Jahre, Dresden, Erotik, Jugendstil, Museum Hinterlasse einen KommentarAls ich vor einem Jahr in der großen DDR-Schau des Dresdner Albertinums war, hatte ich mir vorgenommen, mich bei meinem nächsten Besuch den Skulpturen der ständigen Ausstellung zu widmen. Viele sind es, sehr viele, durch alle Zeiten und Größen, von Antike bis Postmoderne, von handlich bis monumental.
Meine erste Wahl fiel auf den 1911 entstandenen „Siegerknaben“ von Sascha Schneider. Die Jugendstilästhetik mit ihrem Materialmix hatte es mir angetan.

„Siegerknabe“ von Sascha Schneider, ausgestellt im Klingersaal des Dresdner Albertinums
Von ganz anderer Art ist Christian Volls „Frau, sich den BH öffnend“. Die 60 cm kleine Statue aus rotem Ton trennen nur elf Jahre von dem ätherischen Knaben – und mit ihnen ein ganzes Zeitalter. Der in Karslruhe wirkende Christian Voll schuf ein Kunstwerk von ganz anderer Erotik: erdverbunden, wahrhaftig und sehr menschlich. Ganz glücklich saß ich vor der Figur, die sich ihren Platz im Schaudepot mit vielen anderen teilen musste – und wegen dieses Ortes auch einen Inventarzettel trägt.

Tonstatue von Christian Voll (1922) im Schaudepot des Albertinums.
Beide Bilder sind im grauen Stillman&Birn Nova Buch entstanden, und zwar vor Ort mit einem sepiabraunen Polychromos-Buntstift. Farbe kam dann später: für den Knaben habe ich verschiedene Marker kombiniert und die Frau ist mit Aquarell und Deckweiß koloriert.
Zum Wetzstein
Veröffentlicht: 24. November 2019 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände, Bewohntes Gelände 9, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Baden, Bücher, Freiburg/Br. Ein KommentarEs war um 2011 herum, als ich das erste Mal vom „Wetzstein“ hörte; ich weiß nicht mehr, wo und wie, doch stand ich (dienstlich in der Region unterwegs) nicht zufällig vor dem Buchgeschäft in der Freiburger Salzstraße. So hatte ich mir einen Buchladen immer vorgestellt, mit ganzen Sortimenten in den Regalen, mit Schränken voller Insel und Manesse, mit Lyrik- und Philosophieregalen, mit gerahmten Schriftstellerbriefen an den Wänden und Lederausgaben im Hinterzimmer.
Seitdem bin ich zwei drei Mal dort gewesen, immer, wenn der weite Weg von Schwerin mich dort vorbei geführt hatte. Nun, kurz vor meiner Abreise Richtung Schwäbische Alb, kam die Nachricht von der Schließung dieses so traditionsreichen wie einzigartigen Geschäfts – so beschloss ich einen letzten Abstecher dorthin.
Von Pfullendorf nach Freiburg sind es gute einhundert Kilometer Luftlinie – und als Nordlicht hatte ich mir die Karte noch nie genau genug angesehen, um zu wissen, wo mich die fünf Stunden Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln überall hinführen würden. Erstmal: Mit dem Bus bis zum Zug ab Sigmaringen, von dort im dramatischen Morgenlicht an Felsen und Burgen und Felsen und Burgen vorbei, um Kurven und durch Tunnel. Die Busfahrt von Donaueschingen nach Titisee bot Gelegenheit, die Mitreisenden zu zeichnen, bis die Reise mit der Höllentalbahn ein spektakuläres Finale fand. Auf nur 25 km überwindet sie 600 Höhenmeter, fährt über alte Viadukte, durch enge Schluchten und noch engere alte Tunnel …

Auf diesem Bilderbogen habe ich Skizzen und Fotos dieser besonderen Bahnreise verarbeitet.
In Freiburg ging ich gleich zum „Wetzstein“. Auf den ersten Blick sah die Buchhandlung aus wie ich sie in Erinnerung hatte; beim näheren Hinsehen waren da doch schon Lücken in den Regalen und viel mehr eingeschweißte Bücher als vordem. Ich stapelte ein Buch aufs andere und bekam einen Leseplatz im Allerheiligsten neben der Goethebüste und den Erstausgaben angewiesen, las, blätterte, sortierte und bat am Ende darum, mir die gekauften Exemplare zuzuschicken, so viele waren es geworden.
Das Geschäft wirkte dieses Mal ein bisschen einschüchternd auf mich; die Buchhändler(innen) schauten streng durch ihre dunkel gerandeten Brillen (wirklich, man sah einander sehr ähnlich!) unter grauem Haar – mehr als eine kleine, unbeholfene Skizze bekam ich drinnen nicht zu Stande. Die Zeichnung holte ich von draußen nach, in eine Decke gewickelt und mit einem heißen Tee.

Abschiedsblick auf die Buchhandlung „Zum Wetzstein“ in Freiburg/Br.
Pfullendorf …
Veröffentlicht: 17. November 2019 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 9, Bewohntes Gelönde, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Bodensee, Café, Wallfahrtskirche Hinterlasse einen Kommentar… ist, anders als der Name vermuten lässt, kein Dorf, sondern eine Kleinstadt in Bodenseenähe. Mein letzter Wandertag hatte von Wald noch einmal durch den Wald geführt, der hier schon hügeliger wurde und nicht mehr so sumpfig war wie am Vortag. Als er sich sich nach einigen Kilometern unvermittelt öffnete, hatte es auch die Sonne durch den Nebel geschafft und die Stadt lag mit schöner Silhouette am gegenüberliegenden Hang.
Wie immer, wenn ich schon denke, ich sei angekommen, zog sich der Weg – erst durch Gewerbegebiete, dann durch eine endlos scheinendende Neubausiedlung zur Wallfahtskirche „Maria Schray“ am oberen Stadtrand.

Wallfahrtskirche „Maria Schray“
Als ich nach einer Rast aus der Kirche trat, hatte es sich bereits wieder zugezogen; am „Oberen Tor“ begann es zu tröpfeln, so dass ich sie nur in ihren Umrissen erfassen konnte. Das bunt bemalte Relief in seiner für das späte Mittelalter so typischen Mischung aus Volksfrömmigkeit und Bürgerstolz habe ich zu Hause nach Foto ergänzt.

Das „Obere Tor“, ein Wahrzeichen von Pfullendorf. Das Relief über der Durchfahrt zeigt unter der Golgatha-Szene das Pfullendorfer Wappen, flankiert von zwei „Wilden Männern“.
Hinter derm Oberen Tor folgte ich der steil zum Markt abfallenden Hauptstraße. Prachtvolle Fachwerkhäuser prägen das Bild der Stadt – und sind doch hier, wie an vielen ähnlichen Orten, oft nur noch Fassade. Gewohnt wird im Eigenheim am Hang; der Trend zurück in die Innenstadt ist an den Kleinstädten bisher vorüber gegangen. Auch die Gaststätten haben sich dem angepasst – hinter „Adler“ und „Lamm“ findet man allzuoft nur noch einen Döner, während die moderne Erlebnisgastronomie an der Ausfallstraße stattfindet.
Und dann entdeckte ich das „Café Moccafloor“. Der große Raum, dessen hässliche Deckenverkleidung an ein vormaliges Schuhgeschäft erinnerte, quoll über von einem Sammelsurium an Sperrmüllmöbeln, Pflanzen, Kronleuchtern, Kuchenvitrinen, einem Klavier … umrahmt von türkis gestrichenen Wänden voller Spiegel und Bilderrahmen. Ein Ort, der geradewegs aus der gentrifizierten Mitte einer Großstadt hier her versetzt zu sein schien, mit dem Unterschied, dass an den Tischen nicht die üblichen Verdächtigen beim Matcha-Latte saßen, sondern Familien neben Frauen mit Markttaschen und einem Trachtenhut beim Bier.
Auch ich reihte mich dort ein mit Kaffee und Torte, blieb, bis das Bild fertig war, die Dämmerung einfiel und die Jakobus-Kirche geschlossen wurde, ich freute mich an diesem Nippes gewordenen Gegenentwurf zu AOK und Sparkasse hinter Fachwerkmauern, an dieser lebensfrohen Zuflucht für graue Kleinstadtnachmittage.

An einem regnerischen Nachmittag im „Café Moccafloor“ in Pfullenorf.
