Güstrow

Gestern war ich zum Zeichnen in Güstrow, und natürlich ging es zuerst in den Dom. In der überbordenden Fülle der Motive hielten wir uns – ich war mit einer Zeichenfreundin dort – an das bekannteste Motiv: den schwebenden Engel von Barlach. Es war eine schöne halbe Stunde dort in der Seitenkapelle; jemand übte Orgel und der Küster störte uns nicht, obwohl eigentlich schon Mittagspause war. 

„Der Schwebende“ – Plastik von Ernst Barlach im Güstrower Dom.

Erst im Gehen merkten wir, dass wir doch ganz schön durchgefroren waren; und leider wurde uns auch an unserem nächsten Ziel, der Getrudenkapelle, nicht wärmer. Ein wenig außerhalb der alten Stadtbefestigung steht die gotische Kapelle auf dem Gelände eines ehemaligen Friedhofs. Die Kapelle ist einer der beiden Ausstellungsorte von Barlachs Werken in Güstrow – der zweite, sein Atelierhaus, liegt etwas außerhalb der Stadt. 

Zuerst wollte ich wieder eine der Skulpturen zeichnen, doch dann entschied ich mich für den Raumeindruck dieses stillen und gesammelten Ortes, an dem nichts dir Wirkung der Plastiken stört. 

In der Güstrower Gertrudenkapelle.

Leider vertrieb uns die Kälte doch recht bald, und nachdem wir uns in einem Café aufgewärmt hatten, fiel schon die Dämmerung ein. Eine letzte halbe Stunde lang sahen wir uns noch in dem kleinen Museum der Güstrower Stadtinformation um, und ich blieb ganz begeistert an einer Musikbox aus den 50er oder 60er Jahren hängen, einem Gegenstand von aus der zeit gefallener Ästhetik und Mechanik; und doch erinnerte ich mich, als Kind mit großen Augen vor solchen Geräten gestanden zu haben. 

Eine Musikbox in der zeitgeschichtlichen Abteilung des Güstrow-Museums.

Nebenbei

Im kleinen Hahnemühle-Buch sammeln sich die Bilder, die eher „nebenbei“ entstehen, im Konzert, im Theater oder im Restaurant; manchmal nur ein paar Tinten- oder Bleistiftstriche … Heute war Zeit, mir drei davon vorzunehmen, Farbe oder  Schrift zu ergänzen und zu hoffen, dass die Atmosphäre erhalten bleibt.

Zuerst ein kleiner Nachtrag der Dresden-Reise, ein geistliches Chorkonzert im Meißener Dom – der Rücksicht auf die anderen Konzertbesucher geschuldet vor Ort nur mit Füller gezeichnet.

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Geistliche Abendmusik im Meissener Dom.

Noch weniger geht im Theater, zumal im Ballett, wo die Tänzer selten still halten, es im Saal dunkel ist und der Nachbar sich womöglich schon räuspert – dennoch war der Bühneneindruck bei dem hinreißenenden Ballett „Andy Superstar“ über Andy Warhol so prägnant, dass ich ihn aus ein paar angedeuteten Linien rekonstruieren konnte.

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Andy Warhol auf einem überdimensionierten Sofa in der „Factory“ – Szene aus dem Ballett „Andy Superstar“ am Schweriner Theater.

Zum Schluss, gestern, beim Mittagessen in einem kleineren Einkaufszentrum, bin ich mit meinem Bild fast fertig geworden; nur die Schrift habe ich zu Hause ergänzt. Von einem Logenplatz aus schaute ich auf einen überdachten Innenhof, in dem – so habe ich später nachgelesen – ein Modeflohmarkt aufgebaut wurde.

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Irgendwas mit Mode – noch wird aufgebaut.


An der Untertrave

Gestern war ich zu einem Zeichentreffen in Lübeck. Ich mag die Stadt; im Laufe der Jahre sind bei Besuchen aus den verschiedensten Anlässen schon einige Bilder zusammen gekommen. Dieses Mal spielte, neben den Dächern und Türmen, das Wetter eine Hauptrolle: wie in einem kalten April wechselten Wolkenberge mit scharfem, gelben Sonnenlicht. Weil Aquarellfarbe unter solchen Bedingungen nur langsam trocknet, habe ich meine sonst Museen und ähnlichen heiklen Habitaten vorbehaltenen Aquarellstifte rausgeholt und damit experimentiert.

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Blick auf St.Marien und St.Petri in Lübeck. Tinte, Wasserfarbe und wasserlösliche Farbstifte auf Stillman&Birn Beta.


Deutschland, einig Vaterland

Das mecklenburgische Dorf Mestlin wurde in den 50er Jahrne zum „sozialistischen Musterdorf“ ausgerufen und erhielt einen großen leeren Platz mit Schule, Landambulatorium, Geschäften und vor allem einem überdimensionierten Kulturhaus im Stalinstil. Es steht mittlerweile unter Denkmalschutz, wird von einem Verein betreut und nach langem Leerstand gelegentlich wieder genutzt.

Als ich am Sonntagabend dort zum Zeichnen Halt machte, hing eine blauweiße Rautenflagge draußen und kündigte ein „Oktoberfest“ an. Kaum hatte ich mich in der Bushaltestelle niedergelassen, kam ein offensichtlich genervter Halbwüchsiger vorbei und schmiss ein paar Knaller dagegen – ob sie mir galten, habe ich lieber nicht ermittelt. Die faschingsmäßig „bayerisch“ kostümierten Dorfbewohner, die nach und nach eintrafen, nahmen von mir zum Glück keine Notiz.

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Der sozialistische Dorfplatz in Mestlin.


Regen in Berlin

Am Tag, als der Regen kam, war eigentlich ein Familienspaziergang in Berlin angesetzt. Den mussten wir dann etwas abkürzen und nach drinnen verlegen – leider hatte das Bröhan-Museum seine schöne Gemäldesammlung zugunsten einer Sonderausstellung ins Magazin verbannt. Immerhin gab es Jugendstilmöbel.

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Ein Jugenstil-Spiegel im Berliner Bröhan-Museum.

 

In den Hackeschen Höfen war ich das erste Mal irgendwann Mitte der 80er; eine Entdeckung, ein verwunschenes Areal, menschenleer in meiner Erinnerung, still. Durchgang für Durchgang schlenderten wir durch das Labyrinth, bis wir irgendwann in der Sophienstraße ankamen wie am Grund des Brunnens im Märchen. Letztes Wochenende, an einem späten Sonntagnachmittag im Regen, erinnerte ich mich an die vielen Sonntage, die ich damals in Berlin verbracht hatte.

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In den Hackeschen Höfen an einem regnerischen Nachmittag.


September

Nein, mit dem Zeichnen Tag für für Tag ist es dann wieder nichts geworden, doch stelle ich erstaunt fest, dass ich in den letzten anderthalb Monaten immerhin ein kleines Hahnemühle-Büchlein mit 30 Seiten (fast) gefüllt habe.

Stillleben gehen immer am besten.

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Kaktusfeigen.

 

Auch im Café zu zeichnen, ist eine unendliche Geschichte und wird mir nicht über.

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Ein Freund ist zu Besuch und wir gehen ins Bio-Café Müllers, wo es den besten Kuchen von Schwerin gibt.

Ach ja, vor zwei Jahren war hier noch eine Suppenstube, und wir haben beim allersten Schweriner Zeichnertreffen in dem schönen Hof mit Domblick gesessen.

Das nun folgende Bild fällt aus dem Rahmen – ich habe es nach einem Foto gezeichnet, das meine Tochter von ihrer Katze gemacht hat. Mich hatte darauf das tiefe Schwarz beeindruckt, das ich dann mit dem legendären schwarzen Kalligraphiestift von Pentel umgesetzt habe.

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Die Katze Krümel auf dem Fensterbrett.

 

Bei einem Zeichnertreffen im Berliner Gleisdreieckpark hatte ich die Gelegenheit, mich mit dem kanadischen Zeichner Bob Altwein zu unterhalten – und ihn zu zeichnen.

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A Portait of Bob.

 

Natürlich war ich auch mal wieder japanisch essen – und konnte dabei ganz ungestört den jungen asiatisch aussehenden Mann zeichnen, der hingebungsvoll und sichtlich hungrig mit seiner Nudelsuppe beschäftigt war. Der Kaktus stammt noch von den Vormietern des Lokals.

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Nudelsuppe mit Stäbchen.

 


Einmal nirgends und zurück – Teil 2

Von Salzwedel aus bin ich am Abend noch über schnurgerade leere Straßen bis Königslutter gefahren und habe dort übernachtet, um mir am nächsten Tag den Kaiserdom anzusehen. Königslutter kannte ich bisher nur aus den Verkehrsnachrichten, und erst vor kurzem hatte ich erfahren, dass das Städtchen eine bedeutende romanische Kirche beherbergt. Gestiftet wurde sie vom mittelalterlichen Kaiser Lothar III. als Grablege und Klosterkirche, ein Dom im Sinne eines Bischofssitzes ist sie nie gewesen.

Das Kircheninnere ist kurz vor 1900 bis auf den letzten Quadratzentimeter in neoromanischem Stil ausgemalt worden. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich es reizvoll gefunden, mich auch diesem Malereien skizzierend zu nähern; so konzentrierte ich mich auf das, was meiner Vorstellung von Romanik näher kam: den Kreuzgang und die Außenansicht.

 

Dann musste ich leider doch auf die verstopfte Autobahn, um noch rechtzeitig in Mühlhausen einzutreffen. Auf dem Fest habe ich, anders als sonst manchmal, kaum gezeichnet; nur die Hündin einer alten Bekannten konnte mir eine Skizze entlocken.

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Die Hündin Amani.

Auf der Rückfahrt wählte ich entlang des Westharzes die Landstraße und rastete in Osterode. Was einmal das Westberlin nächstgelegene Gebirge war, ist unübersehbar von Überalterung und Leerstand geprägt; für die Dauer einer Mittagsrast habe ich dann aber doch ein „hübsches“ Motiv gewählt.

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Frühbarocker „Ritter“ als Zierde an einem Fachwerkhaus in Osterode.

 

 


Einmal Nirgends und zurück – Teil 1

Will man von Schwerin aus in den Harz oder das westliche Thüringen reisen, ist auch für hartgesottene Bahnfahrer das Auto die bessere Wahl – die Verbindungen mit dem Zug sind einfach zu unkomfortabel. So ging es mir letztes Wochenende, als ich ins thüringische Mühlhausen wollte. Ich hatte eine Strecke entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze gewählt. Wer die Region kennt, weiß, dass diese Grenzgebiete auf beiden Seiten dünn besiedelt und – von Wolfsburg abgesehen – industriell wenig entwickelt blieben. Es gibt viel weite, offene Landschaft, besonders entlang der Elbe, und schöne alte Orte im Dornröschenschlaf – beste Voraussetzung zum Zeichnen.

Für Salzwedel hatte ich mir einen ganzen Nachmittag eingeplant – in Anbetracht der vielen Schätze, die die Stadt birgt, hätte ich dort auch eine Woche zeichnend zubringen können. Wie der Name sagt, war Salzwedel eine wohlhabende Salzstadt, Hansestadt auch; ihre reiche Bausubstanz hat alle Kriege unbeschadet überstanden.

Bei einer früheren Rast hatte ich schon einmal die Gegend um die Marienkirche ins Auge gefasst. Ich begann mit dem „Adam-und-Eva-Tor“, einem reich geschnitzten Tor von 1534.

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Blick in den Torweg des Adam-und-Eva-Tors, Salzwedel

Die Schnitzereien sind in einem monochromen Grau gestrichen – ob es original einmal bunt war, habe ich nicht herausbekommen. Neben den Figuren von Adam und Eva findet sich einiges an für die Renaissance typischem Zierrat; Eva wirkt auf uns heute merkwürdig androgyn und entspricht damit dem Schönheitsideal ihrer Zeit. Der  Totenschädel hängt nur über ihrem Kopf, auf Adams Seite befindet sich eine der zahlreichen Schellen, deren Sinn (wenn es denn über die Dekoration hinaus einen gab) sich mir nicht erschließt. Gezeichnet sind beide Bilder – wie auch das von der Marienkirche weiter unten – auf dem schönen glatten Stillman&Birn-Zeta-Papier.

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Evas Seite – mit Totenkopf und einer geschnäbelten Schlange  – der Künstler kannte anscheinend nicht nur keine Löwen, sondern auch keine Schlangen.

Mittlerweile hatte die Marienkirche geöffnet. Die Kirche ist riesig, ein mehrfach mit steigendem Wohlstand erweiterter Backsteinbau mit einem umbauten und schiefen Turm und ungewöhnlichen Quergiebeln. Zuerst sah ich mich im Innern um und entschloss mich, ein Lesepult in Form eines Adlers zu zeichnen. Leider konnte ich sein Alter nicht herausbekommen.

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Lesepult in der Salzwedeler Marienkirche, gezeichnet in meinem kleinen A6-Hahnemühle-Buch.

Von außen sperrte sich die Kirche mit ihrer komplizierten Architektur zuerst allen Versuchen, sie aufs Blatt zu bringen. Erst auf dem Rückweg, zwei Tage später, bekam ich ihre Dimensionen halbwegs zu fassen.

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Die Salzwedeler Marienkirche von Süden – ein Versuch.


Zwanzig Jahre später

Gestern hatte ich in Grabow bei Ludwigslust zu tun. Das Städtchen ist außerhalb seines näheren Umkreises kaum bekannt und wäre manchen Besuch wert, bietet es doch eine geschlossene barocke Fachwerkbebauung, viele historische Gewerbebauten dabei, und idyllische Flussuferblicke. Grabow war eine Handwerker- und Kaufmannsstadt von solidem Wohlstand (die Vorfahren der Schriftstellerfamilie Mann sind von hier aus nach Lübeck gegangen), die ihren speziellen Charakter noch bis in die DDR-Zeit hinein bewahren konnte.

1998 bin ich einige Male zum Zeichnen hingefahren, meine damals neugeborene Tochter im Kinderwagen dabei, einige kostbare Wochen Freiheit nutzend. Fasziniert stand ich vor einem ausgedehnten frühindustriellen Mühlenkomplex, der gerade dabei war, seinen Betrieb einzustellen; man konnte in den Höfen ungestört umhergehen.

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Die alte Mühle in Grabow, PITT-Pens und Farbstifte in einem 30×30 cm großen Skizzenbuch. 1998

Gestern bin ich ganz bewusst an die gleiche Stelle gegangen und fand sie äußerlich weitgehend unverändert vor, das Dach notgesichert und das Gebäude seit 20 Jahren von einem Investor träumend. Die mittägliche Stille war fast schon schmerzhaft, von den Ladengeschäften, die es vor 20 Jahren in der Nähe noch gegeben hatte, war kein einziges mehr vorhanden.

Ich aber und mein Blick hatten sich gewandelt: erstaunt konstatierte ich, dass ich das Anwesen ohne die Vorgeschichte meiner früheren Besuche vermutlich nicht gezeichnet hätte – die Fassade flach und ummoduliert im Mittagslicht, wenig Tiefe; und alles schon sehr museal und unbehaust. So machte ich nun das Beste daraus, versuchte mich ganz bewusst an einer zügigen und nicht zu sorgfältigen Zeichnung im kleinen A6-Buch.

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20 Jahre später, gezeichnet im Hahnemühle Watercolour-Buch A6.

 


Misstraut den Grünanlagen

„Misstraut den Grünanlagen!“ – mit diesem Satz begannen oder endeten manche der Berliner Spurensuchen des Autors Heinz Knobloch. In einer Stadt, die von Luftkrieg und Häuserkampf derart gezeichnet ist wie Berlin, wurde vieles überbaut und mit Rasen zugedeckt, was des näheren, oft auch schmerzenden Hinsehens wert gewesen wäre.

Als ich Ende Juli, an einem der vielen heißen Tage, einer Einladung zu einem Glockenspielkonzert an der Berliner Parochialkirche folgte, kam mir dieser Satz in den Sinn. Ich hatte einen frühen Zug genommen und ging mit einem kleinen Schlenker durch das Nikolaiviertel die wenigen hundert Meter vom Alexanderplatz zu der Kirche. Ich weiß nicht, woran es lag, an der Sonntagsferienleere, an der Erschöpfung von Menschen und Stadt durch die Hitze, an den über dreißig Jahren, die vergangen waren, seit ich dort das letzte Mal zu Fuß ging: ich hatte das Gefühl, die Verluste und Verletzungen dieses Teils von Berlin mit Händen greifen zu können. Die völlige Überformung eines gewachsenen Stadtgrundrisses im Geist der Moderne, der Aufbruchswille auch, der sich darin spiegelte, die hilflosen und heute etwas peinlich anmutenden Versuche in postmodernen Arkaden, die falschen „Altberliner“ Gaststätten und schließlich die Stille und Leere zwischen den großen Verwaltungsgebäuden, die stehengeblieben waren oder wieder aufgebaut wurden – alles das sprach zu mir davon, wie viel vom Vergangenen noch nicht vergangen ist.

Der Friedhof der Parochialkirche ist eine stille grüne Insel in der Nähe der ehemaligen Stadtmauer. Die Kirche selbst brannte im Krieg vollständig aus; den Turm mit dem einst berühmten Glockenspiel erhielt sie erst im letzten Jahr wieder.

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Blick von der Parochialkirche zum Alexanderplatz.

Als ich an der Kirche ankam, hatte ich noch Zeit, einen der vielen möglichen dissonanten Blicke an diesem Ort einzufangen. Die Kirche war noch geschlossen, als sie später geöffnet hatte, kam ich leider nicht mehr dazu, ihr Inneres zu zeichnen – mit seinen nackten Ziegelwänden und einem rauen Kreuz aus ausgeglühtem Stahl ist es ein unerwartetes Denkmal in der nach außen hübsch barock wieder hergestellten Hülle.

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Lauschende auf dem Parochialfriedhof

Später, während des Konzertes, habe ich dann versucht, die versonnene Stimmung einzufangen, die von solch einem ungewöhnlichen Konzert ausgeht. Das Glockenspiel ist weit im Umkreis zu hören, so dass die Gäste sich auf dem Gelände des alten, lange aufgelassenen Friedhofs verteilen können – zum Sitzen gibt es stabile Papphocker.