Streiflicht
Veröffentlicht: 23. August 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Architektur, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Bellin, Mecklenburg, Sternberger Seenland Ein KommentarAm Wochenende war ich wieder einmal in dem mecklenburgischen Dörfchen Bellin. Ich hatte mir vorgenommen, mich mal damit zu befassen, wie sich ein Motiv vereinfachen lässt. Ich versuchte mich an Umrissen und zusammenhängenden Farbflächen und musste feststellen, dass Perspektive etwas ist, das man ganz schlecht wieder aus dem Kopf bekommt.
Da ich auch wasservermalbare Graphitstifte dabei hatte, probierte ich eine Untermalung damit. Die Stifte sind sehr weich und erinnern eher an Kohle oder Kreide als an einen herkömmlichen Bleistift. Sie lassen sich sehr gut vermalen, was leider den Effekt hat, dass man die Zeichnung nicht mit Aquarell fixieren kann – schnell hat man das Graphit überall im Bild. Möglicherweise wäre später, wenn alles durchgetrocknet ist, noch eine Lasur möglich, das habe ich dann aber nicht mehr probiert, sondern das Bild so etwas rau gelassen.

Dorfkirche Bellin kurz vor Sonnenuntergang. Wasserfarbe über Graphitstift. Etwa A5.
Nichtengeschichten Teil 2
Veröffentlicht: 22. August 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Artist Journal, Dinge, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag 2 KommentareSelbstverständlich ging es mit den beiden jungen Damen auch in den Zoo. In der Ferienzeit ist das immer eine etwas lärmige und unruhige Angelegenheit, ein lebendes Wimmelbild, und so blieb zum Zeichnen nur wenig Gelegenheit. Bei den Pinguinen konnte ich ein paar sehr zügige Skizzen machen, die ich dann zu Hause ergänzt habe.

Eine schnelle Pinguinskizze mit Derwent Finelinern, zu Hause mit Tinte und Farbe ergänzt.
Ganz anders die Schuhe. Nach dem Schuhkauf am nächsten Vormittag brachten die beiden genug Geduld auf, dass ich von den Früchten der Aktion eine recht genaue lineare Zeichnung anfertigen konnte. Bei der weiteren Ausgestaltung habe ich mich durch einen Blogbeitrag von Jutta Richter anregen lassen: zuerst werden mehrere Graustufen mit verdünnter wasserfester Tinte aufgebracht – ich habe die von Super5 verwendet. Danach kann mit lasierender Wasserfarbe koloriert werden. Der Prozess erinnerte mich an botanisches Arbeiten – wenn auch dort die Grautöne mit Wasserfarbe angelegt werden. Das Ergebnis ist etwas statisch – so ziemlich das Gegenteil der lockeren Pinguine.

Kinderschuhe. Die lineare Zeichnung habe ich später zuerst mit einer Untermalung aus wasserfester Tusche versehen und dann koloriert.
Abschied von Rothenburg
Veröffentlicht: 20. August 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 6, Ink&Wash, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Mittelfranken, Pilgerweg, Rothenburg o.d.T, Schmincke-Horadam Hinterlasse einen KommentarFast hätte ich das Bild vergessen, so lange scheint es nun schon zurückzuliegen. Ende Juni war ich nach meinem Pilgerweg in Rothenburg angekommen und hatte dort zeichnend noch zwei Tage verbracht. Es war – wir mögen es kaum noch glauben – sehr heiß und trocken gewesen, der Wind blies scharfkantigen Karststaub über die Felder, so dass der erste Regen nach Wochen sehnsüchtig erwartet wurde.
Als er dann kam, am späten Nachmittag meines letzten Tages in Rothenburg, waren alle Japaner schnell in ihre Hotels geflüchtet, die Schulklassen in die Jugendherberge, und ich hatte den Panoramaweg für mich allein. Es war ein magischer Moment; irgendwo in dem Steilhang versteckte sich ein verlassenes Kneippbecken, und ich platschte selig im Regen darin herum.
Nächstes Jahr wird es genau hier weitergehen; der Pilgerweg durchquert das Taubertal und verlässt dann Franken Richtung Württemberg.

Blick auf Rothenburg o.d.T. im ersten Regen nach langer Trockenheit Ende Juni. Ich habe die Zeichnung vor Ort begonnen, auch schon koloriert; die Farbe dann zu Hause vertieft und ergänzt. Dabei kam zum ersten Mal das neue Perylengrün von Schminke zum Einsatz.
Rothenburg
Veröffentlicht: 9. August 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 6, Ink&Wash, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Fachwerk, Pilgerweg, Rothenburg o.d.T 2 KommentareEinmal, vor vielen Jahren, haben wir hier, mit noch kleinen Kindern, für ein paar Nachmittagsstunden Rast auf einer langen Reise gemacht; Mauern und Türmchen sind mir von damals in Erinnerung und dass ich die Stadt schön fand, einfach schön, Kitsch und Japaner hin und her.
Jetzt, wo ich mehr Zeit habe, Ruhe auch und einen fast zwanzig Jahre älteren Blick, sehe ich: Es ist, neben dem Äußerlichen, noch auf eine besondere Weise schön. Eine Art Freilichtmuseum zwar, doch ein bewohntes, und es tut dem Ort gut, dass kein H&M und kein McD da ist, die meisten Geschäfte und Restaurants sehen nach Familienbesitz aus. Eine Zeitreise, eher in die 50er als ins Mittelalter. (Geheimtipp für Zeichner: Papierhaus Zimmermann in der Galgengasse. Für einen so kleinen Ort gibt es hinter dem unscheinbaren Fenster eine überwältigende Auswahl an allem, was das Herz begehrt, neben gut sortierten Standards Schätze an Papieren, Aufklebern, Stickern, Füllfederhaltern …)
Abends auf dem Markt erwische ich einen Logenplatz mit Fachwerkblick und gebe ihn erst wieder her, als es endgültig dunkelt. So gelingt mir dieses Bild fast vollständig vor Ort, nur die letzte Lasur lege ich erst darüber, als am nächsten Morgen alles ganz sicher trocken ist.

Fachwerkgiebel am Markt von Rothenburg o.d.T. Lexington Grey Ink mit Wasserfarbe in S&B Beta.
Wegrand II – in der Diaspora
Veröffentlicht: 30. Juli 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Architektur, Bewohntes Gelände 6, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: 60er Jahre, Architektur, Mittelfranken, Moderne, Nürnberg Hinterlasse einen KommentarZwei meiner „Wegrandpostkarten“ – eher schnellen Skizzen, die ich weitgehend vor Ort fertig stelle – zeigen moderne Kirchenarchitektur. Beides sind katholische Kirchen. Auf meinem Weg habe ich gelernt, dass Mittelfranken, obschon im Freistaat Bayern gelegen, evangelisches Kernland ist; seinerzeit geprägt durch die Freien Reichsstädte, die das neue Gedankengut anzogen und in denen sich viele Anhänger der protestantischen Lehre sammelten. In Nürnberg wurde gedruckt, was im gesamten deutschen Sprachraum für die Verbreitung lutherischen Gedankenguts sorgte.
Erst mit den Wanderungsbewegungen der Industrialisierung kamen wieder Katholiken in die Gegend; richtig viele wurden es nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele der Flüchtlinge aus dem Sudetenland hier blieben. In den 50er Jahren hatten sich die Verhältnisse soweit stabilisiert, dass an Kirchenneubau gedacht werden konnte. Die meisten dieser Kirchen vermitteln auf eine eindringliche Weise die Stimmung jener Jahre: sie sind karg, manchmal geradezu ärmlich, und ihr Bildschmuck verweist auf Sühne und Leid – wie gebaute Romane von Böll, nur weniger poetisch.

St. Nikolaus in Wendelstein, Postkarte A6, gezeichnet am frühen Morgen.
Gezeichnet habe ich dann woanders. Das erste Bild zeigt St.Nikolaus, einen modernen Kirchenbau in Wendelstein, im zersiedelten Nürnberger Speckgürtel. Früh vor sieben, als ich dort entlangkam, war natürlich noch alles geschlossen, so dass ich mich mit dem äußeren Eindruck einer, nun ja, Fabrikarchitektur mit einigen farbigen Akzenten zufriedengeben musste. 70er? 80er? Auf der Website der Kirchgemeinde war nichts zur Baugeschichte zu finden.

Glaswand der Werktagskirche der katholischen Kirche von Nürnberg-Reichelsdorf. Postkarte.
Die „Heilige Familie“ in Nürnberg-Reichelsdorf hingegen war eine fast atemberaubende Überraschung, wenn ich mich beim Zeichnen auch auf einen Ausschnitt aus der Glaswand der Werktagskirche beschränkt habe. Diese Kirche – gegründet irgendwann in den 20ern und erweitert in den 6oern – ist ein Beispiel für gelungene Architektur der Moderne, ein verborgenes Kleinod in der Provinz. Klare Formen, warme Holztöne und milchigweiches, grauhelles Licht, das durch eine ganze Wand aus Glas hineinkam, die sowohl öffnete als auch abschirmte.
Über die Wasserscheide
Veröffentlicht: 26. Juli 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Mittelfranken Hinterlasse einen KommentarVon Häslabronn ist es nicht mehr weit bis nach Colmberg, dem nächsten Etappenziel. Nur noch eine Anhöhe, und ich überschreite eine so unscheinbare wie wichtige Grenze: die Große Europäische Wasserscheide zwischen Nordwesten und Südosten, Rhein und Donau, Atlantik und Schwarzem Meer. (Donau! sagt mein Herz.)
Ihr deutscher Anteil mäandert entlang diverser süddeutscher Hügelzüge, seit ein paar Jahren erlaufbar gemacht durch einen eigenen Wanderweg. (Der einige Kapitel zuvor erwähnte Ludwigskanal war ein früher Versuch, sie zu überwinden.)
In Colmberg saß ich dann – unter Umgehung des hochherrschaftlichen Burgrestaurants – bald sehr angenehm bei gutem fränkischen Essen vor dem „Schwarzen Adler“, genoss den frischen Wind – am nächsten Tag sollte er sich, immer noch ohne Regen, fast zu einem Sturm auswachsen und mir den Staub von zwei trockenen Monaten ins Gesicht blasen – und schaute dem Ortsleben zu.

Eine sehr ländliche Tankstelle in Colmberg. Postkartenskizze am Mittag.

Abends ist die Durchfahrtsstraße dann ruhig. Erst will ich nur Fachwerk zeichnen, dann wird es eine Übung in Perspektive und „nichts auslassen“ – Autos, Verkehrsschilder, Straßenlampen …
Fuchsgarten
Veröffentlicht: 19. Juli 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 6, Ink&Wash, Pflanzen, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Himmelsgarten, Mittelfranken, Park Hinterlasse einen KommentarFür zwei Tage bin ich vom Pilgerweg abgewichen, um mir Ansbach anzusehen. Ich hatte bei der Rückreise von der letzten Etappe die Stadt liegen sehen im Tal, mit ihren pittoresken gotischen Türmen wie aus einem Disneyfilm. Der Eindruck, aus der Nähe, täuscht: Ansbach ist eine Residenz gewesen (erinnert mich, von Größe und Anmutung, an Coburg, das ich zwei Jahre zuvor durchwandert hatte), eine von den vielen, die es in Deutschland gab, mit viel Barock und Park, mit geraden Straßen und viel zu großen Plätzen. Auch die von außen so spitzgotisch aussehenden Kirchen sind innerlich ganz und gar barockisiert.
In den Park, der hier Hofgarten heißt, ging ich am Abend, als die allgegenwärtige Hitze endlich etwas nachließ, und fand dort ein unerwartetes Kleinod: den „Fuchsgarten“, einen erst vor einigen Jahren sehr sorgfältig angelegten Kräutergarten zu Ehren des großen Botanikers Leonhart Fuchs.
Fuchs war, was man einen Renaissancemenschen nennt, ein Wissenschaftler, ein Forscher, ein streitbarer Verfechter von Reformation und hippokratischer Medizin; als Hochschullehrer ging er mit seinen Studenten auf botanische Exkursionen, und die Botanik war es auch, die ihn berühmt gemacht hat. In seinem „New Kreütterbůch“ beschrieb er an die 400 einheimische und zahlreiche importierte Pflanzen, manche, wie Paprika und Mais, zum ersten Mal in Deutschland. Das Buch ist nicht das Einzige seiner Art, doch mit seinen opulenten und ausgesprochen modern anmutenden Illustrationen vermutlich das Schönste. Dank eines (fast sittenwidrig preiswerten) Reprints aus dem Taschen-Verlag kann heute jeder diese Zeichnungen bewundern.
Dieses Buch zu betrachten, hilft auch gegen das verbreitete Narrativ von den in einem finsteren Mittelalter quacksalbernden Ärzten, in dem einzig ein paar von der Kirche verfolgte Kräuterfrauen den Menschen helfen konnten: Das hier gesammelte Wissen ist immens, und sind auch die Angaben zu „krafft und würckung“ der Pflanzen meist sehr breit gefasst, so können wir doch davon ausgehen, dass kundige und gebildete Ärzte sehr wohl für und gegen vieles ein Kraut kannten. Erst die Finsternis des Dreißigjährigen Krieges löschte große Teile dieses Wissens aus.
Fuchs’ Nachruhm überdauerte Jahrhunderte, Kirchen wurden nach dem Vorbild der Abbildungen seines Buches ausgemalt; und um 1700 benannte man die damals neu entdeckte Fuchsie nach ihm.

Am Abend eines heißen Tages: das Gärtnerhaus im Leonhart-Fuchs-Garten in Ansbach
Roßtal
Veröffentlicht: 1. Juli 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 6, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Luther, Mittelfranken, Pilgerweg, Protestantismus Hinterlasse einen KommentarNachdem ich den Nürnberger Südraum Richtung Westen verlassen hatte, änderte sich die Landschaft: die Mischung aus weitläufigen Kiefernwäldern und Reihenhaussiedlungen wich einer leicht hügligen, landwirtschaftlich geprägten Gegend; mal großfeldrige Agrarsteppe, mal kleinteilige Kulturlandschaft mit Hecken und Bachläufen.
Der Marktflecken Roßtal war mein erstes Ziel auf diesem Wegabschnitt. Anders als der Name vermuten lässt, liegt der alte Ortskern auf einem steilen Hügel; ein uralter Siedlungsplatz und heute noch in seiner Struktur als Wehrkirchenanlage mit Mauer und Toren gut erkennbar. Innerhalb der Mauer befindet sich neben dem Pfarrhaus und einigen anderen Gebäuden der örtliche Friedhof, der somit in einer für uns heutige überraschenden Weise das Zentrum des Ortes bildet.
Auf diesem Friedhof pflegten – es war Sonntag Nachmittag – einige Anwohner die Gräber, eine Gruppe Radurlauber kehrte im Gasthof ein; ansonsten war es im sinkenden Nachmittagslicht vor allem eins: still. Nachdem ich mich ein bisschen umgesehen hatte, setzte ich mich auf eine Bank vor dem Rathaus, einem der Tore gegenüber, und begann zu zeichnen. Hier war, so schien es mir, die Zeit auf eine doppelte Weise stehen geblieben: Im dem 19.Jahrhundert zugehörig scheinenden Ambiente dieses Platzes und in einer Stunde (oder zweien oder dreien?) ununterbrochener Gegenwart.

Blick auf die Roßtaler Kirche.
Bevor ich mit der Zeichnung begonnen hatte, machte ich im Kircheninnern noch eine Skizze der Emporen. Diese tribünenartigen Einbauten finden sich praktisch in allen Ortskirchen dieser evangelischen Region Frankens. Sie sind ein programmatisches Merkmal des protestantischen Kirchenbaus, kann doch die Gemeinde von dort aus das von der Kanzel verkündete Wort deutlich vernehmen: sola scriptura, „allein die Schrift“, hatte Luther gefordert – nur noch das Wort der Bibel sollte für den Glauben zählen.

Zweistöckige Empore in der Laurentius-Kirche Roßtal.
Südraum Nürnberg
Veröffentlicht: 24. Juni 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 6, Mai 2016, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Mittelfranken, Nürnberg, Pilgerweg Hinterlasse einen KommentarIn Altdorf erst war ich auf den eigentlichen Pilgerweg getroffen, dem ich von nun an Richtung Westen folgte. Schon an diesem Tag wandelte sich die Landschaft: von nun an sollten Kiefernwälder, zum Teil sehr ausgedehnte, meinen Weg begleiten. Eingebettet in diesen Kiefernwald liegt die Rummelsberger Diakonie, meine nächste Station. Gezeichnet habe ich dort am Morgen die Kirche, einen Bau aus den 20er Jahren mit Anleihen romanische Formen.

Turmseite der Philippus-Kirche in Rummelsberg.
Bei der Planung der Tour hatte ich meine Zweifel gehabt, ob es überhaupt möglich sein würde, den zersiedelten Nürnberger Südraum vergnüglich zu durchwandern: ja, es war. Einen besonderen Anteil daran hat der Ludwig-Donau-Main-Kanal, kurz Ludwigskanal. Der nicht mehr schiffbare alte Kanal zieht sich oft über Kilometer schnurgerade durch morastige Kiefern-Eichen-Wälder, unterbrochen nur von gelegentlichen Schleusen, und es ist ein ganz besonderes Erlebnis, daran entlang zu wandern.

Am Ludwigskanal.
Das sandig-sumpfige Gelände dürfte in früheren Jahrhunderten vermutlich nur an wenigen Stellen besiedelt gewesen sein (auch wenn der Ortsname Feucht von Fichte kommt und nicht von Feuchtigkeit) und bot so in der Neuzeit reichlich Platz für endlose Eigenheimsiedlungen. Die zu überwinden war manchmal etwas mühsam, um so schöner, wenn dann doch einmal ein älteres Gebäude am Weg lag.

Altes Gutsgebäude irgendwo zwischen Autobahn, Eigenheimsiedlung und Sumpf.
Altehrwürdig
Veröffentlicht: 22. Juni 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 6, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Frühe Neuzeit, Mittelfranken Hinterlasse einen KommentarSoll ich chronologisch weitermachen oder mit den Skizzen von gestern? (Heute habe ich wirklich mal keine gemacht, bei schwülen 34℃ und Güllegestank ist mir nicht danach gewesen.) Ich entscheide mich für die Chronologie und blicke, wo die Wanderung schon beginnt das Etappenziel zu sehen, auf den Anfang zurück.
Von Engelthal aus bin ich durch herrliche, anfangs noch morgenfrische Wälder Richtung Altdorf gelaufen. Man sieht die kleine Stadt von weither liegen, ganz altmodisch rund mit Kirchturm in der Mitte, Weichbild, dieses fast vergessene Wort für Stadtsilouette, fiel mir ein.
Kurioser Weise hatte der Ort einmal eine Universität, und gar keine so unbedeutende. Reiche Bürger der mächtigen Freien Reichsstadt Nürnberg haben sie gegründet und unterhalten, sie war ein Hort von Reformation und früher Aufklärung. Der junge Leibniz hat hier promoviert.
Als ich am Abend dort zeichnete, atmete der Ort, obwohl schon seit über 200 Jahren anderweitig genutzt, noch immer den Geist der Altehrwürdigkeit – als würde gleich ein Herr im Talar die Tür zum Treppenturm öffnen.

Tür zum Treppenturm im Gebäude der ehemaligen Universität Altdorf.
