Roßtal

Nachdem ich den Nürnberger Südraum Richtung Westen verlassen hatte, änderte sich die Landschaft: die Mischung aus weitläufigen Kiefernwäldern und Reihenhaussiedlungen wich einer leicht hügligen, landwirtschaftlich geprägten Gegend; mal großfeldrige Agrarsteppe, mal kleinteilige Kulturlandschaft mit Hecken und Bachläufen.

Der Marktflecken Roßtal war mein erstes Ziel auf diesem Wegabschnitt. Anders als der Name vermuten lässt, liegt der alte Ortskern auf einem steilen Hügel; ein uralter Siedlungsplatz und heute noch in seiner Struktur als Wehrkirchenanlage mit Mauer und Toren gut erkennbar. Innerhalb der Mauer befindet sich neben dem Pfarrhaus und einigen anderen Gebäuden der örtliche Friedhof, der somit in einer für uns heutige überraschenden Weise das Zentrum des Ortes bildet.

Auf diesem Friedhof pflegten – es war Sonntag Nachmittag – einige Anwohner die Gräber, eine Gruppe Radurlauber kehrte im Gasthof ein; ansonsten war es im sinkenden Nachmittagslicht vor allem eins: still. Nachdem ich mich ein bisschen umgesehen hatte, setzte ich mich auf eine Bank vor dem Rathaus, einem der Tore gegenüber, und begann zu zeichnen. Hier war, so schien es mir, die Zeit auf eine doppelte Weise stehen geblieben: Im dem 19.Jahrhundert zugehörig scheinenden Ambiente dieses Platzes und in einer Stunde (oder zweien oder dreien?) ununterbrochener Gegenwart.

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Blick auf die Roßtaler Kirche.

Bevor ich mit der Zeichnung begonnen hatte, machte ich im Kircheninnern noch eine Skizze der Emporen. Diese tribünenartigen Einbauten finden sich praktisch in allen Ortskirchen dieser evangelischen Region Frankens. Sie sind ein programmatisches Merkmal des protestantischen Kirchenbaus, kann doch die Gemeinde von dort aus das von der Kanzel verkündete Wort deutlich vernehmen: sola scriptura, „allein die Schrift“, hatte Luther gefordert – nur noch das Wort der Bibel sollte für den Glauben zählen.

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Zweistöckige Empore in der Laurentius-Kirche Roßtal.



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