Der Hersbrucker Palmesel

Die 6.Etappe meiner Pilgerwanderung hat begonnen! Die letzte, im vergangenen Oktober, endete in Lauf an der Pegnitz, östlich von Nürnberg; gestartet bin ich dieses Mal einige Kilometer weiter, in Hersbruck. Wie immer am ersten Reisetag stieg ich etwas zerknittert aus dem Zug. Der hübsche Ort lag in fast unwirklich klarem Nachmittagslicht, alles strahlte und warf scharfe Schatten.

Milder war das Licht in der Kirche von Hersbruck (evangelisch, wie das ganze Nürnberger Land). Überraschend gab es dennoch einen großen und schönen Marienaltar, doch angezogen wurde ich sofort von einer annähernd lebensgroßen Jesusfigur auf einem Esel: dem Hersbrucker Palmesel. Die Plastik (aus dem 16.Jh.) ist nicht restauriert. Mit den Jahrhunderten ist die Farbe abgeblättert, haben sich die einzelne Teile voneinander gelöst und manches ist ganz verloren gegangen – wie einige Finger und die kompletten Füße.

Die Geschichte, die sie erzählt, markiert den Anfang der Passionserzählung: Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein; die Menschen jubeln ihm zu und streuen als Zeichen der Ehrerbietung Palmblätter auf seinen Weg. Ob die Geschichte so stattgefunden hat, wie sie in den Evangelien aufgeschrieben wurde, werden wir niemals erfahren. Wir können aber annehmen, dass hier Bezug genommen wird auf einen viel älteren Text, einer Vision des Propheten Sacharja:

Juble laut, Tochter Zion,
jauchze, Tochter Jerusalem,
sieh, dein König kommt zu dir,
gerecht und siegreich ist er,
demütig und auf einem Esel reitend,
auf einem Fohlen, einem Eselsfohlen.

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Der „Hersbrucker Palmesel“, eine spätmittelalterliche Skulptur in der Kirche von Hersbruck bei Nürnberg.

 



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