Nichtengeschichten – Teil 3 und Schluss
Veröffentlicht: 27. August 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Ink&Wash, Pflanzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Schwerin Hinterlasse einen KommentarNach dem Schuhkauf ging es ins Hüpfburgenland – das die beiden schon am Vortag beim Vorbeifahren mit großen Augen angestaunt hatten: primärfarbenbunte Scheußlichkeiten aus Plastik, weithin über den Schweriner Burgsee leuchtend. Mein Onkel, der Opa der beiden, pflegte die Definition von Kitsch daran festzumachen, ob etwas Kindern gefiele … Nun, die beiden waren begeistert.
- Im Hüpfburgenland. Primärbuntes Plastik, die Mädchen mögen es.
- Immerhin – das Wetter bessert sich im Lauf des Nachmittags, und ich lasse mich vom Himmel über Schwerin faszinieren.
Der nächste war der letzten Nichtentag, und wir verbrachten ihn zusammen mit Freunden entspannt im Schweriner Volkskundemuseum. Zwischen alten Bauernhäusern – die für meinen Geschmack leider etwas unvermittelt im Gelände stehen – ist ein idealer Platz für Familien mit Kindern: Spielmöglichkeiten, Picknickplätze, Seeufer (und wenig Publikum, schön für uns und schade für das Museum.)
- Freund Kai hält Ausschau nach dem Wetter.
- Es herbstet schon.
Weggefährten
Veröffentlicht: 29. Juli 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 6, Ink&Wash, Pflanzen, Reiseskizzen, visuelles Tagebuch | Tags: Pflanzen Hinterlasse einen KommentarUm Mittsommer zu gehen heißt auch, immer blühende Pflanzen zu Weggefährten zu haben. Sie vor Ort zu zeichnen, tue ich mich meist schwer. Oft genug braucht es eine sehr tiefe Verbeugung, um einer Wiesenpflanze auf Augenhöhe zu begegnen; und selbst dann hält sie nicht so still, wie man es von einer Pflanze erwarten würde – ein Windhauch, und alles ist anders. (Ich bewundere Zeichner wie Guido Hättenschwiler, die in ihre Reiseskizzen öfter mal botanische Studien einfließen lassen.)
Kurz vor Rothenburg, die Stadt schon von einem Hang aus im Blick, habe ich den freundlichen stillen Begleitern dann doch noch ein Blatt gewidmet. An dem karstigen Westhang war eine besonders illustre Gesellschaft versammelt. Gezeichnet habe ich sie vor Ort nur ziemlich locker und am Abend im Hotel nach Foto ergänzt; später dann zu Hause die Farben noch vertieft.
Von links nach rechts: Flockenblume, gelbes Labkraut, Schafgarbe; dann untereinander Kartäusernelke, Johanniskraut und Ackerwinde, schließlich die wilde Karde und der Mauerpfeffer.
Wiesensalbei (dem ich vor drei Jahren, bei der ersten Etappe, schon einmal eine Wegrandskizze gewidmet hatte) und Mohn passten nicht mehr drauf, und die Rosengewächse Odermennig und Walderdbeere fehlten an dieser Stelle.

Wegrandpflanzen: Flockenblume, gelbes Labkraut, Schafgarbe, Kartäusernelke, Johanniskraut, Ackerwinde, Wilde Karde, Mauerpfeffer.
Fuchsgarten
Veröffentlicht: 19. Juli 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 6, Ink&Wash, Pflanzen, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Himmelsgarten, Mittelfranken, Park Hinterlasse einen KommentarFür zwei Tage bin ich vom Pilgerweg abgewichen, um mir Ansbach anzusehen. Ich hatte bei der Rückreise von der letzten Etappe die Stadt liegen sehen im Tal, mit ihren pittoresken gotischen Türmen wie aus einem Disneyfilm. Der Eindruck, aus der Nähe, täuscht: Ansbach ist eine Residenz gewesen (erinnert mich, von Größe und Anmutung, an Coburg, das ich zwei Jahre zuvor durchwandert hatte), eine von den vielen, die es in Deutschland gab, mit viel Barock und Park, mit geraden Straßen und viel zu großen Plätzen. Auch die von außen so spitzgotisch aussehenden Kirchen sind innerlich ganz und gar barockisiert.
In den Park, der hier Hofgarten heißt, ging ich am Abend, als die allgegenwärtige Hitze endlich etwas nachließ, und fand dort ein unerwartetes Kleinod: den „Fuchsgarten“, einen erst vor einigen Jahren sehr sorgfältig angelegten Kräutergarten zu Ehren des großen Botanikers Leonhart Fuchs.
Fuchs war, was man einen Renaissancemenschen nennt, ein Wissenschaftler, ein Forscher, ein streitbarer Verfechter von Reformation und hippokratischer Medizin; als Hochschullehrer ging er mit seinen Studenten auf botanische Exkursionen, und die Botanik war es auch, die ihn berühmt gemacht hat. In seinem „New Kreütterbůch“ beschrieb er an die 400 einheimische und zahlreiche importierte Pflanzen, manche, wie Paprika und Mais, zum ersten Mal in Deutschland. Das Buch ist nicht das Einzige seiner Art, doch mit seinen opulenten und ausgesprochen modern anmutenden Illustrationen vermutlich das Schönste. Dank eines (fast sittenwidrig preiswerten) Reprints aus dem Taschen-Verlag kann heute jeder diese Zeichnungen bewundern.
Dieses Buch zu betrachten, hilft auch gegen das verbreitete Narrativ von den in einem finsteren Mittelalter quacksalbernden Ärzten, in dem einzig ein paar von der Kirche verfolgte Kräuterfrauen den Menschen helfen konnten: Das hier gesammelte Wissen ist immens, und sind auch die Angaben zu „krafft und würckung“ der Pflanzen meist sehr breit gefasst, so können wir doch davon ausgehen, dass kundige und gebildete Ärzte sehr wohl für und gegen vieles ein Kraut kannten. Erst die Finsternis des Dreißigjährigen Krieges löschte große Teile dieses Wissens aus.
Fuchs’ Nachruhm überdauerte Jahrhunderte, Kirchen wurden nach dem Vorbild der Abbildungen seines Buches ausgemalt; und um 1700 benannte man die damals neu entdeckte Fuchsie nach ihm.

Am Abend eines heißen Tages: das Gärtnerhaus im Leonhart-Fuchs-Garten in Ansbach
Durchs schöne Trubachtal
Veröffentlicht: 17. November 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Botanische Malerei, Ink&Wash, Pflanzen, Reiseskizzen | Tags: Fränkische Schweiz, Oberfranken Hinterlasse einen KommentarEiner der schönsten Wegabschnitte meiner Wanderung in der Fränkischen Schweiz war der durch das Tal der Trubach, von Obertrubach nach Egloffstein. Lief der Weg die ersten zwei Kilometer wegen der Enge des Tals noch etwas nah an der Straße, weitete sich die Landschaft dann in eine hüglige Idylle und verzweigte sich in Nebentäler. In der Kleinteiligkeit erkennt man die Formen der alten Kulturlandschaft: Terrassierungen, alte Bewässerungsgräben, Hecken …
An einem Rastplatz habe ich eine kleine Studie von zwei Pflanzen begonnen, die das Bild ganz besonders prägen: Der Pfaffenstrauch mit seiner unglaublichen Farbkombination aus magentafarbenen Blüten und orangenen Beeren und der Walnussbaum, der auf keinem Bauerngehöft fehlen darf und oft auch in Verbindung mit den Hecken zu finden ist, sie meist weit überragend.

Pflanzenstudie Pfaffenhütchen und Walnussblatt. Vor Ort aquarelliert und zu Hause mit Tinte vervollständigt.
Belliner Beinwell
Veröffentlicht: 13. September 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Botanische Malerei, Ink&Wash, Mixed Media, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Beinwell, Bellin, Kräuterheilkunde, Mecklenburg Ein KommentarEnde August war ich wieder mal für ein paar Tage im mecklenburgischen Bellin. Das „Haus der Stille“ liegt, von uralten Linden umgeben, auf einem kleinen Hügel zwischen tief abgesenkten sumpfigen Bachniederungen. Am schattigen Hang hat sich Beinwell ausgebreitet, rau und großblättrig und um die Zeit mit einigen späten Nachblüten. Dort konnte ich nach langer Zeit mal wieder die Gelegenheit ergreifen, eine Pflanze am Ort ihres Wachsens zu zeichnen.
Ganz einfach ist so etwas nicht. Wind bewegt die Blätter, der Gartenstuhl sinkt in der feuchten Erde ein und spätestens wenn Farbe ins Spiel kommt, fehlen die dritte und die vierte Hand. (Immer wieder mal veröffentlichen andere Zeichner kluge Konstruktionen von all-inclusive-Leichtstaffeleien, doch mit denen ginge es mir vermutlich wie mit dem Angelrucksackhocker: sie stehen im entscheidenden Moment zu Hause in der Kammer.)
Am Ende habe ich dann doch wieder zu Hause nachgearbeitet, ein paar Linien nachgezogen, Schatten vertieft, Spritzerchen und nicht zuletzt ein bisschen Schrift eingefügt, nicht ohne in meinen Kräuterbüchern ein bisschen über den Beinwell zu lesen. Schon allein der Name klingt so wunderbar archaisch aus einer Zeit zu uns herüber, in der Knochen noch Bein hieß und „wallen“ (das auch mit Welle, Wal und Wels entfernt verwandt ist) auch „zusammenwachsen“ bedeutete. Eine der vielen alten Wundpflanzen also, und zwar eine, die das Zeug hat, sogar die Heilung von Knochenbrüchen zu beschleunigen.

Beinwell – Symphytum officinale – Tinte und Aquarell auf S&B Beta.
Kartoffeln
Veröffentlicht: 8. Mai 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Botanische Malerei, Farbstifte, Pflanzen | Tags: Kartoffeln 2 KommentareIn diesem Frühjahr reiht sich ein runder Geburtstag an den anderen, und was liegt näher, als einem ausgewiesenen Liebhaber seltener Gemüsesorten – und ganz besonders ausgefallener Kartoffeln – ein paar von ihnen abzubilden? Der Plan war lange in mir gereift – der Termin immerhin seit Monaten bekannt – und natürlich wurde die Zeit irgendwann knapp. Zum Glück fand ich im Netz einige Anbieter besonderer Sorten in Kleinmengen, und ich bestellte, was das Zeug hielt, um mich dann zu fragen, was ich denn nun nach Verstreichen der regulären Pflanzzeit mit so vielen bunten Kartoffeln anstellen sollte … Immerhin wurden sie schnell geliefert, und das kalte Wetter enthob mich auch der Pflicht, die nicht vermalten noch schnell in irgendwelche Erde stecken zu müssen – sie wären dort ohnehin nicht gekeimt. Ich ließ sie also noch ein Weilchen im warmen Zimmer liegen, reaktivierte ein paar alte Blumenkübel, auf die – mitsamt den sorgsam nummerierten Kartoffeln – nun die Sonne um so wärmer scheint. Sie werden den Verzug schon noch aufholen, und im Herbst können wir hoffentlich verkosten. (Vielleicht gibt es vorher noch ein Kartoffelblütenbild.)

Von links nach rechts: Blauer Schwede, Bamberger Hörnchen, Violetta, Rote Emmalie. Faber Castell Farbstifte auf Arches HP Papier, 30×40 cm.
Powells Hakenlilie – von der Skizze zum Bild
Veröffentlicht: 11. April 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Aquarell, Botanische Malerei, Pflanzen | Tags: Amaryllis, Brenda Swenson, Madeira, negative painting 9 Kommentare
Powells Hakenlilie – crinum x powellii – ein Amaryllisgewächs, das in Madeiras Wäldern vielfach verwildert zu finden ist.
Das Bild ist eine Erinnerung an meine Reise nach Madeira. Ich habe es mit nur vier Farbtönen von Schmincke Horadam – Cölinblauton, Ultramarin, Magenta und Indischgelb (in der Untermalung ist noch eine Spur Cadmium Zitrone) auf getöntem 300g-Bockingford-Papier gemalt.
90% oder mehr meiner Bilder sind „Skizzen“, Zeichnungen oder Aquarelle, die vor Ort entstehen und allenfalls nach- aber nicht umgearbeitet werden. Lediglich auf botanische Studien verwende ich eine längere Vorarbeit, doch auch sie entstehen letztlich „am Modell“. Für das Bild der Hakenlilien bin ich einen anderen Weg gegangen, habe die vor-Ort-Studie verändert, komprimiert und umgewandelt, bevor ich begann, sie im Stil der „Negativmalerei“ (z.B. nach Brenda Swenson) aufs Papier zu bringen. (Eine Premiere, bisherige Versuche scheiterten an zu komplexen Motiven oder mangelnder Vorbereitung.)
Da ich das so selten mache, habe ich Teile des Prozesses nachgezeichnet:
- Auf der Such nach der richtigen Komposition.
- Vergleich von Skizze und Foto, Festlegen der Umrisszeichnung auf Transferpapier.
- Farbstudien.
Tinas Tomaten
Veröffentlicht: 3. April 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Botanische Malerei, Farbstifte, Pflanzen | Tags: Botanical Art Ein KommentarTomaten sind um diese Jahreszeit ja eine eher wäßrige Angelegenheit, selbst auf Madeira schmeckten sie deutlich nach wenig. Diese hier habe ich nach einem Marktgang im September begonnen und nun wieder vorgeholt, als eine gute Freundin sich zu einem runden Geburtstag ein Bild wünschte. Ein Pflanzenbild, hatte sie gesagt, und dabei vermutlich an Blüten und Blätter gedacht. Ich machte auch ein paar Blumenstudien, doch am Ende entschied ich mich für die Früchte in ihren vielfältigen, lebensfrohen Farben.

Bunte Tomaten vom Schweriner Markt. Farbstiftzeichnung auf Arches HP Aquarellpapier.
Mensch, Kaktus und Ritterstern
Veröffentlicht: 19. Februar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Artist Journal, Pflanzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Amaryllis, Madeira Hinterlasse einen KommentarAm vierten Tag meiner Reise ging der Weg in den Botanischen Garten von Madeira. Das ist wörtlich zu nehmen, denn mein Hotel befindet sich in relativer Nähe dazu – es liegen nur zweihundert Höhenmeter dazwischen. Das ist in Funchal nicht viel. Also auf die Füße und los. Ich hatte den Ort in sehr schöner Erinnerung, leider wurde der Eindruck dieses Mal von Menschenscharen getrübt, die ein Bus nach dem anderen ausspieh. (Merke: Touristen sind immer die anderen.) Außerdem – der Park liegt schon 400 m über dem Meer – ging ein ordentlich kühler Wind.
Die weißen Lilien haben mich dann in ihren Bann gezogen. Ich erinnerte mich noch daran, im August weiße Amaryllen im Wald oberhalb von Funchal gesehen zu haben – sie hatten mich so fasziniert, dass sie mir später sogar im Traum erschienen sind!
Später habe ich mich dann zwischen den Mauern der Sukkulentenabteilung vor dem Wind verkrochen. Und da ich einen Größenvergleich für den Kaktus brauchte, kam mir der nächste mützentragende Rentner gerade recht. So hat sich dann alles noch gut gefügt (und fand seine krönende Fortsetzung in einem Orchideengewächshaus, doch das ist die nächste Geschichte.)
- Powells Hakenlilie, eine nahe Verwandte der Amaryllis.
- In der Sukkulentenabteilung.
Gellerts Butterbirne
Veröffentlicht: 13. Oktober 2015 Abgelegt unter: Pflanzen | Tags: Beurré Hardy, Gellerts Butterbirne 2 KommentareMitten in der Stadt habe ich das Glück, an einem Garten voller alter Obstbäume zu wohnen. Dieses Jahr haben sie besonders reichlich getragen, und als dann auch noch ein wissbegieriger Nachbar ein paar Exemplare zum Pomologen getragen hat und mit den Namen zurückkam, war meine Freude groß. So weiß ich nun endlich, dass die größte und süßeste Birne des Gartens „Gellerts Butterbirne“ heißt, nach dem eher wenig genussfreudigen Dichter Christian Fürchtegott Gellert. In Frankreich ist sie unter dem Namen „Beurré Hardy“ bekannt.










