Mensch, Kaktus und Ritterstern

Am vierten Tag meiner Reise ging der Weg in den Botanischen Garten von Madeira. Das ist wörtlich zu nehmen, denn mein Hotel befindet sich in relativer Nähe dazu – es liegen nur zweihundert Höhenmeter dazwischen. Das ist in Funchal nicht viel. Also auf die Füße und los. Ich hatte den Ort in sehr schöner Erinnerung, leider wurde der Eindruck dieses Mal von Menschenscharen getrübt, die ein Bus nach dem anderen ausspieh. (Merke: Touristen sind immer die anderen.) Außerdem – der Park liegt schon 400 m über dem Meer – ging ein ordentlich kühler Wind.

Die weißen Lilien haben mich dann in ihren Bann gezogen. Ich erinnerte mich noch daran, im August weiße Amaryllen im Wald oberhalb von Funchal gesehen zu haben – sie hatten mich so fasziniert, dass sie mir später sogar im Traum erschienen sind!

Später habe ich mich dann zwischen den Mauern der Sukkulentenabteilung vor dem Wind verkrochen. Und da ich einen Größenvergleich für den Kaktus brauchte, kam mir der nächste mützentragende Rentner gerade recht. So hat sich dann alles noch gut gefügt (und fand seine krönende Fortsetzung in einem Orchideengewächshaus, doch das ist die nächste Geschichte.)


Gellerts Butterbirne

„Gellerts Butterbirne“. Aquarellstudie in S&B Zeta.

Mitten in der Stadt habe ich das Glück, an einem Garten voller alter Obstbäume zu wohnen. Dieses Jahr haben sie besonders reichlich getragen, und als dann auch noch ein wissbegieriger Nachbar ein paar Exemplare zum Pomologen getragen hat und mit den Namen zurückkam, war meine Freude groß. So weiß ich nun endlich, dass die größte und süßeste Birne des Gartens „Gellerts Butterbirne“ heißt, nach dem eher wenig genussfreudigen Dichter Christian Fürchtegott Gellert. In Frankreich ist sie unter dem Namen „Beurré Hardy“ bekannt.


Wegwarte

Bei meinem Aufenthalt auf Kos im Juni fiel mir immer wieder die blühende Wegwarte auf, und am vorletzten Tag machte ich einen Anlauf, sie zu zeichnen. Ich blieb mit dieser Zeichnung stecken, und erst jetzt, wo auch bei uns die letzten Wegwarten am Verblühen sind, kam ich dazu, das Bild fertigzustellen.

Die Wegwarte ist eine erstaunliche Pflanze. Ihre Blüten sind von faszinierendem, reinem, unwirklichem Blau, selbst die Staubgefäße zeigen keine Spur von Gelb. Blaue Farben sind in der Natur eher selten – so taucht „blau“ als Farbbezeichnung in Sprachen erst spät auf – das Altgriechische z.B. kannte es noch nicht. In der mittelalterlichen Malerei waren haltbare blaue Pigmente, da schwer zu beschaffen,  kostbar. Daher wurde Maria zum Zeichen der Verehrung oft in einem blauen Mantel dargestellt.

Es verwundert also nicht, dass blaue Blüten selbst uns heutigen noch etwas besonderes scheinen und uns das Herz öffnen. Als „Chicory“ trägt die Wegwarte im Kosmos der Bachblüten die Nr.8 und steht für die bedingungslose, nicht fordernde Liebe.

Die Wurzel der Pflanze hingegen wurde wegen ihrer Bitterstoffe geschätzt – als Pflanzenheilmittel und besonders, in gerösteter Form, als Kaffeeersatz, als Zichorienkaffee.

Studie einer Wegwarte. Pitt-Stifte mit etwas Wasserfarbe in S&B-Zeta.

Studie einer Wegwarte. Pitt-Stifte mit etwas Wasserfarbe in S&B-Zeta.