Früher Frühling mit Gewitter
Veröffentlicht: 12. April 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Crivitz, Mecklenburg, Schwerin, Sternberger Seenland Hinterlasse einen KommentarNoch ist das erste Grün vor allem am Boden, und nur einige Sträucher zeigen einen zarten grünen Flor, den die Sonne der letzten Tage hervorgelockt hat. Gestern schien sie besonders kräftig und zog am Nachmittag schon die ersten Gewitterwolken nach sich – ein wunderbarer Tag für einen Ausflug ins Sternberger Seenland bei Kritzow.
Nach der Wanderung sind wir noch an Crivitz vorbei gefahren, weil ich endlich einmal den schönen Blick auf das Städtchen über den See hinweg zeichnen wollte. Es war frappierend zu erleben, wie sich das Licht innerhalb einer halben Stunde ins gewittrige wandelte, und zu Hause – während sie Welt sich vor den Fenstern verfinsterte – habe ich noch ein bisschen eins draufgesetzt.
Villa Zauberhaft oder: was ist ein Lambrequin?
Veröffentlicht: 2. April 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Bäderstil, Lambrequin, Ludwigslust, Mecklenburg Hinterlasse einen Kommentar
Villa im Bäderstil, Ludwigslust. Die Zeichnung entstand in einem selbstgemachte Skizzenbuch auf zwei Seiten mit unterschiedlichen Papierqualitäten und -formaten.
Um das mit dem Lambrequin gleich vorauszuschicken – bis vorgestern wusste ich es auch noch nicht. Dann lag die neueste Monumente-Ausgabe auf meinem Tisch, und ich erinnerte mich, dass ich die Artikel der Reihe „Was ist … ?“ eigentlich aufheben wollte, es dann aber doch nicht getan hatte. (Eigentlich will ich nämlich fast gar nichts mehr aufheben.) Beim Nachlesen anderswo fand ich dann heraus, dass es sich um hölzerne oder blecherne Zierleisten am Dachrand, an Giebeln und über Fenstern handelt, um diesen feinen durchbrochenen Zierrat, der Bädervillen und falsche Schweizerhäuser so unverwechselbar macht.
Heute morgen auf meinem Arbeitsweg schien dann die Sonne auf ein besonders schönes Exemplar in der Ludwigsluster Bahnhofstraße. Dieses Haus bekommt immer, wenn ich daran vorbeigehe, ein paar Extrablicke, ich habe es „Villa Zauberhaft“ genannt wegen seiner Türmchen, seiner geschwungenen Mansärdchen, seinem Stuck und eben seinem Lambrequin. Im Skizzenbuch vom vergangenen Frühherbst fand sich eine angefangene Zeichnung dieses Hauses, die ich heute koloriert habe.
Weihnachtsland
Veröffentlicht: 28. März 2015 Abgelegt unter: Artist Journal, Bewohntes Gelände, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Glas, Thüringen, Weihnachten 2 KommentareDer Thüringer Wald ist Glasbläserland, und der uns allen vertraute Baumschmuck aus Glas wurde Mitte des 19.Jahrhunderts hier erfunden. Als ich Anfang März in Neuhaus war, lag dort noch Schnee, und ein Besuch im „Weihnachtsland“ der Glasmanufaktur Greiner erschien mir saisonal durchaus passend. Da sich im Zusammenhang mit Weihnachten die Kitschfrage nicht stellt (bzw. die Trennlinie anders verläuft als im restlichen Leben), konnte ich die von Kugeln, Zapfen, Glocken und Figuren überquellenden Regale von Herzen genießen. Schwierig wurde dann die Entscheidung, was am besten zu zeichnen wäre, am Ende habe ich mich für eine Schale mit Zapfen im klassischen Weihnachtsrot entschieden.
Ich habe mich beim Zeichnen allerdings auf die Form beschränkt – die Farbe ist erst zu Haus dazu gekommen, und dafür habe ich erwartungsgemäß mehrere Weilchen gebraucht – neben Aquarellfarbe, dieses Mal von White Nights, habe ich noch verschiedene Marker verwendet.
Mit dem Besuch in der Glasmanufaktur endete die dritte Etappe meiner Deutschlandwanderung, im Oktober will ich dann vom Rennsteig nach Bamberg gehen.
Schweriner Schweinerei
Veröffentlicht: 25. März 2015 Abgelegt unter: Alltag | Tags: Schwerin Hinterlasse einen KommentarAm Rand der Schweriner Schelfstadt gibt es einen kleinen dreieckigen Platz, der Schweinemarkt heißt und vermutlich zu ackerbürgerlichen Zeiten auch einer gewesen ist. Heute ist hier eine begehrte Wohngegend, die schlichten barocken Fachwerkhäuser sind frisch saniert, nichts grunzt und stinkt weit und breit. Auf dem Kopfsteinpflaster stehen neben den unvermeidlichen Autos ein paar Bänke und eine bronzene Schweinefamilie.
Heute habe ich mich auf dem Heimweg auf eine der Bänke gesetzt und die Schweine gezeichnet, erfreut darüber, dass sie wirklich ganz und gar still standen – im Gegensatz zu den Kindern, die auf ihnen herumturnten. (Und die ich deshalb lieber ganz weggelassen habe.)
Im Walde …
Veröffentlicht: 22. März 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Cursdorf, Pilgerweg, Rennsteig, Thüringen Hinterlasse einen Kommentar… zwischen Cursdorf und Neuhaus am Rennweg war es vor allem eins: still. Dort, auf 800 Thüringer Höhenmetern, lag Anfang März noch eine geschlossene Schneedecke – wenn auch vielleicht nicht so viel wie in anderen Jahren – , die Wege waren gut begehbar, doch nutzte das außer mir nur noch ein junger Wandergeselle, den ich kurz vor Neuhaus traf. Bei meiner Rast an der Schutzhütte „Drei Lärchen“ stand einer dieser typischen Wegweiser in meinem Blickfeld, vielleicht an der Stelle, wo einmal die Lärchen gewesen waren, denn die suchte ich vergeblich. Dafür gab es ein Pilgerschild.
Frosch und Schmetterling
Veröffentlicht: 16. März 2015 Abgelegt unter: Artist Journal, Bewohntes Gelände, Mixed Media | Tags: Cursdorf, Gasentladungsröhre, Glas, Porzellan, Thüringen Hinterlasse einen Kommentar
Historische Gasentladungsröhre und Porzellanfrosch – zu besichtigen in kleinen Museen und Galerien in Cursdorf am Thüringer Rennsteig
Der klassische Röhrenfernseher, Leuchtstoffröhren, Röntgenröhren – diese zivilisationsprägenden Produkte des technischen Zeitalters wären nicht möglich gewesen ohne die Gasentladungsröhre – und diese wurde Mitte des 19.Jahrhunderts von dem aus dem armen Thüringer Glasbläserdorf Igelshieb stammenden Heinrich Geissler erfunden. Seine Schüler gründeten um 1900 in Sachsen und ihren Thüringer Heimatorten mehrere auf spezielle Glasinstrumente spezialisierte Manufakturen, so wurden z.B. zahlreiche Demo-Geräte für Schulen dort hergestellt.
Um ein solches Gerät handelt es sich auch auf dem Bild, der Schmetterling in der Mitte beginnt zu leuchten, wenn es in Betrieb ist – leider konnte ich das im Glasapparatemuseum Cursdorf nur in einem Film sehen.
Der Frosch hingegen hat mit einem anderen alten Erwerbszweig der Region zu tun – der Porzellanherstellung. Ich bin ihm in der Galerie der Porzellankünstlerin Kati Zorn, ebenfalls in Cursdorf, begegnet.
Paulinzella
Veröffentlicht: 13. März 2015 Abgelegt unter: Aquarell, Bewohntes Gelände, Urban Sketching | Tags: Fachwerk, Kloster, Paulinzella, Thüringen 2 KommentareVon Niedervillingen kommend, bin ich mit der Regionalbahn nach Paulinzella gefahren. Der Zug folgt einer alten Streckenführung und fährt mehrmals über altertümliche gemauerte Viadukte. Als ich in Paulinzella ankam, war es kurz vor Mittag, und es war sonnig und still, klosterstill, als würden die frommen Benediktinerinnen immer noch das Tal bewohnen.
Dabei ist das Kloster Paulinzella längst Ruine, wurde nach der Reformation geplündert und diente als Steinbruch. Bereits 1475, also noch zu Klosterzeiten, errichtete man den schönen Fachwerkbau nebenan, ein Verwaltungsgebäude bis heute, Sitz des Forstamts (wenn auch momentan gerade in Generalüberholung.)
Ich saß dort eine Stunde in Sonne und Stille, lauschte dem plätschernden Rottenbach und freute mich, dass die anfangs geschlossene Gaststätte schließlich doch noch öffnete. Bevor ich den idyllischen Wanderweg das Tal hinauf nach Königsee antrat, zeichnete ich noch den Dialog zwischen dem wuchtig hochromanischen Kirchturm und dem kleinteiligen, spätgotisch-eleganten Amtsgebäude – die Farben habe ich später ergänzt.

Ruine des Kirchturms von Kloster Paulinzella mit spätgotischem Amtsgebäude, Wasserfarbe und PITT-Marker in S&B Beta.
Schloss Schwarzburg
Veröffentlicht: 12. März 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Schwarzburg, Thüringen Ein KommentarSchwarzburg hat nicht nur aus der Zeit gefallene Hotels zu bieten, es hat auch ein Schloss. Und was für eins! Ich habe selten einen disparateren Ort erlebt als den Schwarzburger Schlossberg. Auf einem schmalen Bergsporn thront über dem Dorf eine riesige Ruine, die auf den ersten Blick aussieht wie eine gespenstische Fabrik, sich beim Näherkommen dann als der Rest eines dort vermutlich immer deplatziert gewesenen barocken Kastens erweist, dem einige Seitenflügel fehlen. Andere sind bereits restauriert, in sehr verschiedenen Stilen, strahlend weiß ein schöner Renaissance-Bau, das Zeughaus, quietschbunt Teile eines Teils, der den sogenannten Kaisersaal enthält – einer der Schwarzburger hatte es im 14.Jahrhundert immerhin bis zum Gegenkaiser gebracht.
Der ruinöse Zustand des Gebäudes ist ein Produkt deutscher Geschichte – 1940 begannen die Nationalsozialisten mit brachialen Abrissarbeiten, denen ein Wiederaufbau als Reichsgästehaus folgen sollte – dass es dazu nicht mehr kam, ist naheliegend.
Am Schloss laufen weiter Restaurierungsarbeiten, dass sie, wie eine Tafel verspricht, 2015 abgeschlossen sein sollen, halte ich für unwahrscheinlich. Auch ein endgültiges Nutzungskonzept soll es noch nicht geben.
Ich habe mich zum Zeichnen für das entschieden, was wohl einmal so etwas wie die Hofseite gewesen sein muss – für einen wirklichen Hof ist der Bergsporn eigentlich zu schmal. Das leuchtend orange Wandstück ist eine Farbprobe, ansonsten ergeben unterschiedliche Grade von Verfall und Vernagelung eine breite Palette an braun und grau, ergänzt durch die schon frisch gedeckten Schieferdächer.
Die letzten ihrer Art
Veröffentlicht: 6. März 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Urban Sketching | Tags: Schwarzburg, Skat, Thüringen 3 Kommentare
Vier alte Herren beim Skat im Schlossberg-Hotel in Schwarzburg. Wasserfarbe und PITT-Pens in Stillman&Birn Beta.
Dieses Bild ist das einzige, was ich gleich vor Ort fertigstellen konnte – ich saß ja auch warm und gemütlich auf einem 100 Jahre alten Hotelsofa im Hotel „Schlossberg“ im Schwarzburg. („Setzen Sie sich ruhig auf das Kissen, sonst sinken Sie so tief ein.“)
Schwarzburg, etwas oberhalb von Rudolstadt im Schwarzatal gelegen, war im 19.Jh. ein beliebter Urlaubsort, und in den fetten Jahren vor dem ersten Weltkrieg entstanden dort wahre Hotelpaläste, in Fachwerk und Schindeln gekleidete Schönheiten mit Türmchen und Erkerchen und Buntglasfenstern. Da die Zeitläufte ihnen gnädig waren, stehen die meisten bis heute unverändert, allerdings oft genug vernagelt und unsaniert.
Das Hotel „Schlossberg“, in das es mich verschlagen hatte, wird von dem mittlerweile über 70jährigen Inhaberpaar allein geführt. Die Zimmer sind ein auf DDR-Standard, das mag vermutlich nicht jeder, doch das gesamte Ambiente, die hervorragende Hausmannskost und vor allem die tiefe Herzlichkeit der beiden alten Leute gehören zu den Erlebnissen, um derentwillen sich eine solche Fußwanderung lohnt.
Während ich beim Mittagessen saß, trafen vier alte Herren zur Skatrunde ein – vielleicht waren sie einmal Apotheker, Oberförster und Hauptbuchhalter gewesen, jedenfalls schienen sie ebenso die letzten ihrer Art wie das Inhaberpaar zu sein.
Wo das Mittelalter begann
Veröffentlicht: 5. März 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Urban Sketching | Tags: Arnstadt, Thüringen Ein Kommentar
Liebfrauenkirche in Arnstadt, Thüringen. Im Vordergrund ein Klostergebäude aus dem 16.Jh., das gerade restauriert wird.
Am Anfang der Wanderreise stand dieses Mal Arnstadt, das sich bis 1989 mit dem Titel „Älteste Stadt der DDR“ schmücken durfte. Im deutschlandweiten Wettstreit liegen natürlich die römisch geprägten Rheinstädte vorn (oder hinten, wie mans nimmt), doch östlich des Rheins hat irgendwo hier das Mittelalter begonnen.
Die Liebfrauenkirche in Arnstadt strahlt etwas davon aus, etwas archaisches, auch wenn kaum noch ein Stein original ist, so oft wurde sie umgebaut und restauriert.






