Fachwerk

Fachwerkhaus in Niedervillingen bei Arnstadt. PITT pens und Wasserfarbe in Stillman&Birn Beta.

Fachwerkhaus in Niedervillingen bei Arnstadt. PITT pens und Wasserfarbe in Stillman&Birn Beta.

Wer, wie ich gerade einmal wieder, durch Städte und Dörfer Mitteldeutschlands wandert, kommt am Fachwerk nicht vorbei. Ob man es schön findet oder eher spießig oder gar deutschtümelnd, ist Ansichtssache und eine Frage des Zeitgeists. Nicht umsonst sind so viele Dörfer verkratzputzt. Es gab auch Zeiten, da war Fachwerk was für Ställe und Fabrikgebäude, wohnen wollte man lieber hinter sandsteinimitierendem Stuck.

Ich liebe alte Fachwerkhäuser. Ihre gegliederten Fassaden empfinde ich als eine perfekte Einheit von Form und Funktion, von Objekt und Ornament. Dieses hier steht in Niedervillingen, einem schönen Dorf in der Nähe von Arnstadt in Thüringen.


Nur eine Säule …

… zeugt von des Palastes Pracht, so oder so ähnlich klingt eine Zeile zu mir herüber, ich weiß nur nicht, woher und von wem. Genau genommen stehen im Benediktushof auch noch ein paar mehr romanische Säulen als nur eine, und ein Palast dürfte das Kloster auch in seinen besten Zeiten nicht gewesen sein. Wie dem auch sei, bei meinem letzten Aufenthalt habe ich endlich die Gelegenheit ergriffen und eine der Säulen des ehemaligen Kreuzgangs gezeichnet. Es sind etwa anderthalb Meter hohe, reich verzierte Mittelsäulen romanischer Doppelbögen, mit Kapitellen, die z.T. im wahrsten Sinne etwas zusammengewürfelt aussehen, aus unterschiedlichen Teilen zusammengesetzt, aber dazu vielleicht später noch einmal mehr. Bei dieser Säule habe ich das Kapitell nur angedeutet und mich ganz auf das kunstvolle steinerene Flechtwerkmuster konzentriert. (Die Säulen sind nicht nur zusammgesetzt, sie sind vorwiegend Repliken – wie viele romanische und gotische Sandsteinbildhauereien waren die Originale vom Zahn der Zeit  schon sehr angenagt.)

Säule mit steinernem Flechtmuster. Wasserfarbe und verschiedene Marker in Stillman&Birn Beta.

Säule mit steinernem Flechtmuster. Wasserfarbe und verschiedene Marker in Stillman&Birn Beta.


Hässlich

Ugli-Frucht. Aquarell in Stillman&Birn Zeta.

Ugli-Frucht. Aquarell in Stillman&Birn Zeta.

Diese Früchte sind in einem deutschen Supermarkt ein seltsamer Anblick mit ihren grünen und braunen Flecken, geradezu ein Hingucker zwischen den ganzen makellosen Oberflächen. „Ugli“ trifft es daher ziemlich gut, von englisch ugly – hässlich. Eine Zufallskreuzung zwischen Mandarine und Grapefruit, auf Jamaika entstanden und wohl auch nur dort angebaut. Der Geschmack ist unspektakulärer als der Anblick – eher ein bisschen nicht nach ihm und nicht nach ihr. Dafür erwies sich die Abbildung als für meine Fähigkeiten um so kniffliger, Schatten auf Gelb haben es immer in sich, und dann die zahlreichen Texturen …

Sie lag eine Woche auf meinem Zeichentisch, nicht ohne sich subtil von grün nach orange zu verfärben – und der Meditation über die Schönheit des Hässlichen noch ein paar Gedanken über Wandel und Beständigkeit zuzufügen. Genützt hat es ihr wenig: gegessen wird sie spätestens morgen früh.


Februarstern

Weihnachtsstern (Poinsettia). PITT Artist Pen und Wasserfarbe in Stillman&Birn Zeta.

Weihnachtsstern (Poinsettia). PITT Artist Pen und Wasserfarbe in Stillman&Birn Zeta.

Meinen Weihnachtssterne sind inzwischen Februarsterne, und sie stehen immer noch in voller Pracht auf dem Fensterbrett, den Hyazinthen den Rang ablaufend. Zum Zeichnen sind sie dankbare Objekte, einerseits, weil sie sich nur langsam verändern und geduldig ein paar Tage unter der Schreibtischlampe ausharren, bis das Bild das geworden ist, was es sollte. Das aber, andererseits, gerät zu einer Entscheidung: Am Anfang wollte ich nur eine fast grafische Skizze mit etwas Rot haben, dann aber lockten mich immer mehr Nuancen, allein die „normalen“ Blätter haben zwischen Fastgelb und Blaugrün alles zu bieten, und die Hochblätter entfalten ganze Feuerwerke von Farbtönen.

Am Ende ist es, wie so oft im Leben, ein Mittelweg geworden – ein bisschen Grafik, ein bisschen Farbe, und kurz bevor das Blatt darin ertrunken ist, habe ich dann doch noch aufhören können.


Miss Marple im Café

In Rothes Café, Schwerin. Bleistift und Aquarell.

In Rothes Café, Schwerin. Bleistift und Aquarell.

Einer meiner Lieblingsplätze in Schwerin ist Rothes Café im Schlossparkcenter. Nicht, dass es besonders originell oder kuschlig wäre, sondern wegen des unüberbietbaren Blicks auf das Panoptikum des Lebens. Jeder Tisch eine eigene kleine Bühne, bespielt mit immer neuen Einaktern.

Diese Dame mit Hut, Perlenkette und Kreuzworträtsel schien mir direkt aus einem Miss-Marple-Film gekommen zu sein … (Am Nebentisch saßen drei schmallippige Parzen, die mit jedem energischen Biss in ihre Torte einen Lebensfaden durchzubeißen schienen, doch reichten meine zeichnerischen Fähigkeiten nicht aus, um diesen Eindruck mit einem Mindestmaß an Diskretion festzuhalten.)


Oh du schöne Tulipan

Oh du schöne Tulipan/

wie bist du doch angethan/

und so fein und hübsch geschmükket/

mit so mancher Farben Zir/

damit deine Blume mir/

mein Gesicht hat oft erquikket.

Papageientulpe. Aquarell in Stillman & Birn Zeta Skizzenbuch

Papageientulpe. Aquarell in Stillman & Birn Zeta Skizzenbuch. Die Malweise ist angelehnt an das Buch von Anna Mason. 

Was könnte besser zu einer so barocken Tulpe passen als ein barockes Gedicht? Johann Henrich Hadewig war Kirchenlieddichter im Westfalen des 17.Jahrhunderts, er schrieb eine Art Anleitung zum Dichten auf deutsch – dass das überhaupt ernsthaft möglich sei, wurde damals durchaus noch bestritten. Darin finden sich auch diese schönen Zeilen über die Tulpe. Ganz im Stil der Zeit hat Hadewigs Gedicht die stattliche Länge von 32 Strophen, in denen sich Naturschilderung, Gartentechnisches und Erbauliches abwechseln, und so endet es auch wie Kirchenlied:

Also nehme ich wohlbedacht/

meine Tulipan in acht/

di mich so vil gutes lehret;

und bedenk‘ in meinem Sinn/

wann ich bei derselben bin/

dass es alles GOtt bescheret.


Eiche am Grenzweg

Eiche an einem alten Grenzweg bei Kritzow östlich von Schwerin

Eiche an einem alten Grenzweg bei Kritzow östlich von Schwerin

Von meiner Nachmittagswanderung in der Kritzower Gegend hatte ich mehrere kurz angedeutete Skizzen mitgebracht, zu kalt war es für eine ausgeführte Arbeit, zu nahe die Dämmerung, um zu verweilen. Diese Eiche hatte ich mit ein paar breiten Aquarellstrichen angelegt, die natürlich nicht trocknen wollten und später vom Löschpapier fast aufgesaugt waren.

Als ich es heute, aus zwei Tagen Abstand, wieder in die Hand nahm, war eine seltsame Verwandlung mit dem Fragment geschehen: die Eiche auf dem alten Grenzweg inmitten von Findlingen schien geradewegs aus einem Märchen gekommen zu sein, einem Märchen, in dem Eichbäume Geheimnisse wahren und in den Steinen verwunschene Kinder auf ihre Erlösung warten …


Altes Land bei Kritzow

Hügelgräber bei Kritzow östlich von Schwerin. Mischtechnik.

Hügelgräber bei Kritzow östlich von Schwerin. Mischtechnik.

Östlich des Schweriner Sees windet sich die Warnow durch eine archaische Endmoränenlanschaft. Hügelgräber sind über die Landschaft verstreut, und der Weg geht kilometerweit entlang einer jahrhunderte- vielleicht jahrtausendealten Gemarkungsgrenze, zwischen bemoosten Findlingen und verfilzten Weißdornhecken. Dazwischen stehen Eichen und Wildbirnen, und zu allem Überfluss gibt es auch noch ein Bibermoor. Ich bin immer wieder gern dort. In der sinkenden Dämmerung mit etwas Schneegriesel konnte ich die Skizze allerdings nur andeuten und habe die Farben zu Hause ergänzt.


Die Hagebutten der Physikerin

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Hagebutten der Rosensorte „Marie Curie“, PITT Artist Pen und wasserlösliche Farbstifte

Wie kommt jemand dazu, eine lachsrosa romantische Rose „Marie Curie“ zu nennen? Vielleicht waren ja alle anderen bekannten Frauennamen schon vergeben … Wie dem auch sei, von den drei Rosen, die ich dieses Jahr auf mein neues Hofbeet gepflanzt habe, scheint sie die wüchigste und gesündeste zu sein, und dank des milden Winters finden sich sogar ein paar spät ausgereifte Hagebutten.


Die Schönste von allen

Dieses Blatt liegt schon seit zehn Tagen auf meinem Tisch, es waren arbeitsreiche Tage, die nur Zeit ließen für ein paar Skizzen zwischendurch, nicht vorzeigbar, wie mir schien, oder unfertig, oder, oder … Entstanden ist es in den letzten Tagen des vorigen Jahres, als Studie angelegt und auch so beendet.

Es zeigt die Schönste aus meiner diesjährigen Weihnachtsstern-Sammlung (die trocken-warm über der Heizung, mit wenig angewärmtem Wasser gegossen gut durch die Saison gekommen ist), eine Schönheit wie voller rosa Rokokko-Schleifen, schön wie die prächtigste Rose. Täglich erfreut sie mein Herz, wenn ich sie betrachte, wie sie noch immer in „Blüte“ steht.

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Wehnachtsstern (Poinsettia) in einer rosa panaschierten Variante, Farbstifte über Aquarell.