Die letzten ihrer Art

Vier alte Herren beim Skat im Schlossberg-Hotel in Schwarzburg. Wasserfarbe und PITT-Pens in Stillman&Birn Beta.

Vier alte Herren beim Skat im Schlossberg-Hotel in Schwarzburg. Wasserfarbe und PITT-Pens in Stillman&Birn Beta.

Dieses Bild ist das einzige, was ich gleich vor Ort fertigstellen konnte – ich saß ja auch warm und gemütlich auf einem 100 Jahre alten Hotelsofa im Hotel „Schlossberg“ im Schwarzburg. („Setzen Sie sich ruhig auf das Kissen, sonst sinken Sie so tief ein.“)

Schwarzburg, etwas oberhalb von Rudolstadt im Schwarzatal gelegen, war im 19.Jh. ein beliebter Urlaubsort, und in den fetten Jahren vor dem ersten Weltkrieg entstanden dort wahre Hotelpaläste, in Fachwerk und Schindeln gekleidete Schönheiten mit Türmchen und Erkerchen und Buntglasfenstern. Da die Zeitläufte ihnen gnädig waren, stehen die meisten bis heute unverändert, allerdings oft genug vernagelt und unsaniert.

Das Hotel „Schlossberg“, in das es mich verschlagen hatte, wird von dem mittlerweile über 70jährigen Inhaberpaar allein geführt. Die Zimmer sind ein auf DDR-Standard, das mag vermutlich nicht jeder, doch das gesamte Ambiente, die hervorragende Hausmannskost und vor allem die tiefe Herzlichkeit der beiden alten Leute gehören zu den Erlebnissen, um derentwillen sich eine solche Fußwanderung lohnt.

Während ich beim Mittagessen saß, trafen vier alte Herren zur Skatrunde ein – vielleicht waren sie einmal Apotheker, Oberförster und Hauptbuchhalter gewesen, jedenfalls schienen sie ebenso die letzten ihrer Art wie das Inhaberpaar zu sein.


3 Kommentare on “Die letzten ihrer Art”

  1. benny sagt:

    Liebe KÜNSTLERIN des Lebens,

    Deine Augen haben das gesehen und Deine Seele hat das gezeichnet. Schön.
    Dererlei Begegnungen kenne ich auch und dann frage ich mich, warum ich das nicht früher sah. Warum mir das erst jetzt deutlich wertvoller erscheint als damals.
    Ich hatte ein Erlebnis ähnlicher Art 1984 in Stavenhagen in einem alten Hotel, weil ich eine Bildbiographie über Stefan Zweig aus dem Volksbuchhandel „geholt“ hatte und nicht mehr zurückkam am Abend. Eine Nacht in einem Hotel, dass komplett möbliert Gründerzeit war, außer die Holzklohbrillen, die waren erst 30 Jahre alt….und das Bauernfrühstück am Abend natürlich war frisch und das Frühstücksei vom Abend zuvor…..

    Gefällt 1 Person

  2. Leider ist die Gründerzeitmöblierung der Zimmer in der sehr wechselvollen Geschichte des Hauses weitgehend verloren gegangen, nur in der Gaststube und den Fluren noch erhalten. Und was das Frühstück angeht: da war für mich ein Tisch gedeckt an dem Skatbrüdersofa, mit Salatchen in Bürgelnäpfchen, mit Würstchen und Klöpschen auf einen Rechaud, mit Obst und Gemüse und Kaffee in einer alten Neusilberkanne…

    Gefällt mir

  3. […] Die letzten ihrer Art → […]

    Gefällt mir


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s