Landpartie
Veröffentlicht: 1. März 2019 Abgelegt unter: Architektur, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Gotik, Romanik, Symbole, Taufstein, Wismar 5 KommentareLetztes Wochenende, bei diesem unglaublichen Wetter, waren wir auf Landpartie. Zwischen grünen Wiesen und unter tiefblauem Himmel, noch ohne Lerchen, so saßen wir: meine kleinen Großnichten selig auf einem Pferderücken und ich – nicht minder selig – mit Stift und Block in der Landschaft.

Am Nachmittag trennten sich die Wege, und ich fuhr ein paar Kilometer weiter nach Hohenkirchen, das seinen Namen zu Recht trägt. Als eine weithin sichtbare Landmarke steht die wuchtige gotische Kirche etwas oberhalb des Dorfes auf einem Hügel; zeitlos, wie es scheinen will, als wäre sie schon immer da gewesen.

Zu meiner Freude war die Kirche geöffnet. Drinnen erwartete mich eine Überraschung: ein frühmittelaterlicher Taufstein, sichtlich älter als die gotische Kirche. Vieles spricht dafür, dass diese Art von Taufsteinen sogar älter ist als das offizielle Datum der Chrisianisierung Mecklenburgs. Sie legen Zeugnis ab von Glauben und Ritus bäuerlicher Volksgruppen, über die wir nur wenig Gesichertes wissen.

Amaryllis auf wechselndem Grund
Veröffentlicht: 24. Februar 2019 Abgelegt unter: Pflanzen | Tags: Amaryllis, Botanical Art 2 KommentareVielleicht lag es am warmen letzten Jahr, dass von fünf meiner übersommerten Amaryllis-Zwiebeln drei zum Blühen kamen – ohne professionelle Gärtnersteuerung alle auf einmal Mitte Februar. Da standen sie dann wie Tänzerinnen an einem etwas kühleren Fenster und waren leider trotzdem viel zu schnell verblüht. Zwei Wochen hatte ich immerhin Zeit, sie abzubilden.
Unter der Hand geriet mir die Zeichenaktion zu einem kleinen Materialtest. Die schiere Größe der Blüten ermunterte mich zu Formaten weit jenseits von Stillman&Birn’s ungewöhnlichen und von mir favorisierten 18×25 Zentimetern, ich holte lange nicht genutzte Zeichenbücher und Aquarellblöcke aus dem Schrank – und brauchte für die größeren Formate natürlich auch mehr Farbe, als die halben Näpfchen meines „Handtaschenkästchens“ von Schmincke hergeben.

Die Aquarellfarben der koreanischen Firma Miejello verwende ich selten. Sie verhalten sich anders als meine gewohnten Schmincke-Farben, deckender, weniger fließend; außerdem sind sie ziemlich bunt. (Was auch daran liegt, dass sich in meinem Satz nur Ein-Pigment-Töne befinden.) So ist auch die Blütenstudie ein bisschen schwer und massig geraten, fast wie ein Gouache.

Diese Kompositionsstudien sind auf einer Doppelseite des A4-Buches entstanden, mit wasserfester Tinte und Polychromos-Farbstiften.

Aus der Kompositionsstudie gingen zwei Aquarelle hervor. Das erste war noch wie Fahrradfahren mit Stützrädern – deren Rolle übernehmen hier die Tintenstriche.

Beim zweiten war ich mutiger und habe sogar auf eine Vorzeichnung mit Bleistift verzichtet. Das Papier ist ein Schwergewicht von Hahnemühle, Akademie Aquarell, durchgeleimte 425 Gramm.

Zug um Zug
Veröffentlicht: 9. Februar 2019 Abgelegt unter: Alltag, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Mecklenburg, Zug fahren 2 KommentareIm Winter fahre ich, entgegen allen guten Vorsätzen, selten mit dem Zug zur Arbeit – in der dunklen Zeit macht der sonst so geliebte Bahnhofsweg durch Schwerin und Ludwigslust einfach keinen Spaß. Dabei habe ich es gut: auf unserer Strecke sind die Züge sauber, leer und pünktlich und die halbe Stunde ist lang genug, um die Malsachen auszupacken.
Nun, wo die Tage wieder länger werden, nehme ich den Weg am Pfaffenteich entlang wieder auf und genieße die geschenkte Zeit.


Dreimal schwarze Kanne
Veröffentlicht: 26. Januar 2019 Abgelegt unter: Dinge, Mixed Media, visuelles Tagebuch | Tags: 60er Jahre, Bollhagen, Bulgarien, Tee Ein KommentarDie kleine schwarze Kanne fasst knapp vier Tassen Tee; sie hat als Alltagskanne schon meine Kindheit begleitet und ist, fast ein Wunder in über fünfzig Jahren, unbeschädigt geblieben. Heute benutze ich sie nur noch selten, doch wenn, hole ich dazu noch das andere, eben so vorsichtig verwendete schwarz-grüne oder dunkelrote Bollhagen-Geschirr raus. Dabei ist die Kanne selbst gar nicht von Bollhagen, jedenfalls trägt sie keine Marke, auch wenn sie perfekt den Geist – man kann es auch einfach die Mode nennen – der 50er, 60er Jahre verkörpert.
Zeichnen wollte ich sie schon lange mal; jetzt ist eine kleine Serie daraus geworden, mit unterschiedlichen Zeichenmaterialien.

Version 1 ist ein nur mit Aquarellfarbe gemalt und dabei etwas schief und krumm geworden.
Die Versionen 2 und 3 sind beide heute entstanden, und zwar auf mit etwas Wasserfarbe vorgrundiertem Papier.

Version 2 hat die Not zur Tugend gemacht. Mit dickem schwarzen Füller hatte ich die Formen anfangs gründlich verhauen, aber betont krakelige Schrift und knallige Farbe lassen es so aussehen, als wäre das von Anfang an so geplant gewesen.

Version 3 ist mit Bleistift auf eine schon recht kräftig vorgrundierte Fläche gezeichnet und danach noch ein bisschen koloriert, auch mit etwas Deckweiß.
Alpenveilchen
Veröffentlicht: 5. Januar 2019 Abgelegt unter: Alltag, Aquarell, Ink&Wash, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Aquarell, Pflanzen 2 Kommentare„Wie heißt die Blume dort?“ – – – Meine greise Mutter kann sich Begriffe nicht mehr gut merken, und so fragt sie bei jedem Besuch aufs Neue, sichtlich erfreut von den kräftig purpurn leuchtenden Blüten. Am Silvestertag war für mich endlich die Gelegenheit für eine Skizze gekommen.

Ich habe das Bild ganz ohne Vorzeichnung mit dem Pinsel angelegt und die sparsamen Tintenstriche in rot und grün zu Hause ergänzt, dabei auch die Farbtöne noch einmal etwas vertieft. Mein dezeitiges Skizzenbuch ist ein Stillman&Birn Zeta mit glattem, kräftigem, wunderbar plan liegendem Papier, das sich mit Übergängen und Verläufen schwerer tut als mit feinen Linien.
Lemon Curd
Veröffentlicht: 28. Dezember 2018 Abgelegt unter: Artist Journal, Mixed Media, visuelles Tagebuch | Tags: Kochen, Weihnachten Hinterlasse einen KommentarAm Wochenende vor Weihnachten habe ich es dann doch noch geschafft, ein paar Plätzchen zu backen, und neben denen mit Nüssen und Mandelkern haben sich auch solche mit Lemon Curd in den Kreis der Familienrezepte geschlichen. Lemon Curd ist eine weiche Creme aus Butter, Eiern, Zucker und Zitronen; mein Rezept für diese very britische aromatherapeutische Süßigkeit stammt noch aus der DDR-Zeitschrift „Magazin“, in der Ursula Winnington, „die Biolek des Ostens“, ihr Küchenkolumne betrieb.
Bevor es mit dem Kochen losging, habe ich mir noch drei Zitronen auf den Frühstückstisch gelegt und schnell mit Kugelschreiber skizziert – Text und Farbe kamen erst heute dazu.

Die Zeichnung der drei Zitronen habe ich mit Kugelschreiber angefertigt – für mich ein ungewohntes Medium – und dann zügig und locker mit Aquarellfarbe koloriert. Nach den A6-Heften darf es jetzt wieder etwas größer sein: mein derzeitiges Zeichenbuch ist ein 18×23 cm ZETA-Ringbuch von Stillman&Birn, ein Format, das ich sehr schätze.
Laternenkinder
Veröffentlicht: 22. Dezember 2018 Abgelegt unter: Dinge, visuelles Tagebuch | Tags: 60er Jahre, Erzgebirge Ein KommentarBeim Zeichnen der Erzgebirgsengel erinnerte ich mich an die Weihnachtspyramide meines Jahrgangs – 1960 – die meine Kindheit und noch viele Jahre danach begleitet hatte und vor einiger Zeit anfing zu zerfallen. Die Laternenkinder, die viele Jahre lang um den Tannenbaum gelaufen waren, verloren Arme und Beine, die Farbe blätterte ab und das ganze, einmal so hübsch gewesene Stück löste sich auf eine Weise auf, die auch eine Restaurierung nicht mehr sinnvoll erscheinen ließ. Nachdem die Einzelteile ein paar Jahre in einer Tüte verbracht hatten, war nun die Zeit des Abschieds gekommen.

Winterliches II
Veröffentlicht: 15. Dezember 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Engel, Erzgebirge, Granatapfel, Moderne, Schwerin Hinterlasse einen KommentarEin Engel kommt selten allein – oder war die ganze Schar Leuchterengel vergangene Woche noch gar nicht angekommen? Ich war so verzaubert von dem großen Kranzengel, dass ich sie nicht bemerkt hatte; erst, als ich vor einigen Tagen ziemlich spät am Abend an dem Schaufenster vorbeikam, sah ich die Versammlung. Es wurde gerade kalt, der Wind zog scharf um die Ecken und ich beschränkte mich auf eine Bleistiftskizze. An den nächsten beiden Tagen kam dann, immer mal zwischendurch ein paar Pinsel voll, die Aquarellfarbe dazu.

Einige Tage vorher hatte ich endlich die beiden Granatäpfel abgebildet, die beim Warten darauf schon ganz trocken geworden waren. Als ich sie nach getaner Zeichnung endlich aufschnitt, waren sie innen noch erfreulich frisch und saftig.

Winterliches
Veröffentlicht: 5. Dezember 2018 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Engel, Moderne, Ostmoderne, Schwerin, Tee, Weihnachten 3 KommentareStatt Plätzchen zu backen, haben meine Tochter und ich dieses Jahr Quittenbrot fabriziert – war auch ordentlich aufwändig und hat mindestens so aromatisch geduftet. Nun liegt die klebrige Masse, mit Zucker bestreut und mit Tüchern abgedeckt, im Küchenregal und trocknet noch ein bisschen nach – einiges verschwindet auch auf nicht ganz so luftige Weise …

Auch Kräutertee am Abend ist bei mir eine ziemlich saisonale Angelegenheit.

Weihnachtsmärkte sind eher nicht mein Ding, doch nach dessen Durchquerung freute ich mich heute Nachmittag besonders auf das Schaufenster von „Formost“ in der Schweriner Puschkinstraße, einem wunderbaren Geschäft mit dem Schwerpunkt „Designklassiker mit ostdeutschen Wurzeln“. Diese Engel sind Unikate oder Kleinstserien aus dem Erzgebirge; jedes Jahr stehe ich mit großen Kinderaugen davor und heute habe ich es endlich geschafft, einen zu zeichnen.



