Wieder unterwegs
Veröffentlicht: 1. September 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 10 | Tags: Fachwerk, Hohenzollern, Linzgau, Pilgerweg 2 KommentareSeit gestern bin ich wieder unterwegs. Ich fange da an, wo ich vor zwei Jahren geendet habe: in Beuron und Pfullendorf, zwei Tage zum Runterkommen und Akklimatisieren nach einigen eher schwierigen Wochen. Ich ging früh um fünf zur Morgenhore der Mönche – hier verbietet es sich leider zu zeichnen. Diese Wechselgesänge sind älter als unsere meisten Kirchengebäude, sie sind Tradition seit tausendfünhundert Jahren, ebenso wie die Ordensregel des Heiligen Benedikt.
Gezeichnet habe ich dann eine malerisch im Donautal gelegene Kapelle, die in einem seltsamen Architekturstil ausgeführt ist, der als „Beuroner Schule“ bekannt wurde und Elemente altägyptischer, christlich-orthodoxer und klassisch griechischer Kunst miteinander verbindet. Das Ergebnis erinnert an Art déco, ist aber schon im 19.Jahrhundert entstanden.

Heute hatte ich mir einen Zeichentag vorgenommen. Das Hoehnzollernschloss Sigmaringen steht spektakulär auf einem Felsen über der Donau; leider lag dieser Blick im grellen Gegenlicht, so ich mich für etwas verzwickte Dachlinie von der Rückseite her entschloss.

Pfullendorf schließlich, der Endpunkt meines Weges von vor zwei Jahre, ist gar kein Dorf, sondern eine ehemalige Freie Reichsstadt mit einer großen Zahl an sehr repräsentativen Fachwerkhäusern.

Gelb
Veröffentlicht: 26. August 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Pflanzen | Tags: Bellin, Mecklenburg, Pflanzen Ein KommentarGelb ist die Farbe des Spätsommers, und so ist es auch die Farbe meiner letzten Fingerübungen geworden.
Am vorigen Wochenende war ich wieder einmal in Bellin, auf den Tag genau sechs Jahre nach meinem ersten Besuch dort und wieder und immer noch verzaubert vom Geist des Ortes. Hüfthoch steht die Wiese an einigen Stellen, und natürlich ist der Rainfarn mit seinem tiefaromatischen Duft immer dabei.

Zu Hause angekommen, begann ich mit den Vorbereitungen für den nächsten Pilgerweg. Zu den schönsten Leiden im Vorfeld einer solchen Tour gehört der Entscheidungsschmerz, welches Malzeug mitgenommen werden soll. (Der Rücken und – wichtiger noch – die Füße – müssen es tragen, tagein, tagaus.) Beim Aufräumen fiel mir der kleine A5-Block des naturfarbenen PaintOn-Papiers in die Hände, den ich beim Sketchertreffen 2017 in Eutin bekommen hatte. (Ein erfolgreiches Werbegeschenk, ich bin seitdem ein Fan dieser Papiersorte.) Eine rucksacktaugliche Größe und eine Einladung zu kleinen weißgehöhten Studien.
Der Probelauf mit einer Sonnenblumenblüte war vielversprechend; also wird er mit auf die Reise gehen.

Apfelübung
Veröffentlicht: 8. August 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Obst, Pflanzen, Sommer, Stillleben Hinterlasse einen KommentarNach der Tomaten- die Apfelübung. Die wunderbar kantigen Klaräpfel verlangten nach allem, was zur Erfassung von Dreidimensionalität hilfreich sein kann, nach monochromen Werkzeugen wie Bleistiften und Füllern …, sie sehnten sich nach einem Tag am Zeichentisch (und sonst gar nichts.)
Natürlich kam es anders, was unter anderm daran lag, dass die Äpfel noch in einen Kuchen verbacken werden wollten – von der netten Kaffeerunde ganz zu schweigen.
Also fasste ich mich kurz. Ich hatte das Blatt am Abend vorher schon grundiert – die Äpfel waren sozusagen schon da und mussten nur noch mit ein paar Tintenstrichen und einem bisschen Blau und Gelb zum Leben erweckt werden.
Langsam folgt auch die Hand dem Auge wieder.

Tomatenübungen
Veröffentlicht: 7. August 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Ink&Wash, Pflanzen | Tags: Gemüse, Pflanzen, Rot Hinterlasse einen KommentarIn den letzten Wochen war ich von einigen Projekten eingenommen, so dass es mit dem Zeichnen knapp wurde. Nun heißt es, die Hand-Auge-Koordination wieder neu einzuüben. Die Balkontomaten mit ihren schönen Farben kommen gerade recht, und ich habe den Pinsel ganz tief in die Näpfchen mit dem Rot versenkt.

Spargel am Abend
Veröffentlicht: 3. Juni 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Artist Journal, Ink&Wash, Pflanzen | Tags: Alltag, Füllfederhalter, Gemüse, visuelles Tagebuch 2 KommentareDer grüne Spargel sah so hinreißend aus, dass ich ihn unbedingt kaufen musste: Die Köpfe mit festen, leicht glänzenden Schuppen in unterschiedlichen Lilatönen, die Stiele in kräftigem Grün, zur Basis hin in ein Braunviolett übergehend. Essen würde man ihn natürlich auch können, aber vor allem erwarb ich ihn zum Zeichnen.
Ich wickelte die Stangen in ein feuchtes Tuch und versenkte sie im Gemüsefach des Kühlschranks. Es folgte ein gut gefülltes Wochenende voller Zeichnerei und Besuch; ich stellte endlich die Balkonbepflanzung fertig, grummelte ein bisschen am Schreibtisch herum und verschwendete nicht einen Gedanken an den Spargel. Der tauchte erst am Montagabend wieder auf, frischer als ich.

Also habe ich ihn gezeichnet (und danach natürlich noch geputzt und gekocht), bis es schon wieder viel zu spät geworden war. Mein neuer Füller mit der variablen Strichbreite half mir dabei, er glitt ganz von allein über das Papier. Auch Lila und Grün waren schnell zur Hand. Am nächsten Abend gab es Spargelsalat, der so hübsch aussah, dass ich ihn am liebsten gezeichnet hätte.
Das ist dann schon wieder eine andere Geschichte.
Einmal Mühlrad und zurück
Veröffentlicht: 2. Juni 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Architektur, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Mühle, Schloss, Schwerin Hinterlasse einen KommentarAm Wochenende trafen sich die Schweriner Urban Sketchers wieder unter fast „normalen“ Bedingungen: ohne drei Schichten Kleidung oder Feuerschale und mit der Aussicht auf einen „Kaffee danach“ in netter Gesellschaft. Das Zielobjekt, die „Schleifmühle“, lag ganz in der Nähe des „Franzosenwegs“, auf dem ich vergangenes Wochenende nach Adebors Näs gewandert war, und so hatte ich schon einmal Ausschau gehalten: das Mühlrad sollte es sein. Eine bequeme Bank mit unverstelltem Blick erleichterte die Entscheidung.
Es wurde, erwartungsgemäß, eine längere Übung: vorsichtiges Antasten mit Bleistift, Hilfslinien, Perspektive … am Ende, nach zwei Stunden, hatte ich eine ganz passable lineare Zeichnung fertig. (Und ausreichend in der Sonne gebraten. So ist das mit dem schönen Wetter.)

Und nun – Kolorieren oder nicht? Linear sah das Ganze zwar wie eine schicke Konstruktionszeichnung aus, aber auch irgendwie körperlos. Wenigstens Schatten mussten her. Zum Schraffieren war ich zu faul und vor Aquarell war mir ob der vielen Feinheiten etwas bang – also griff ich zu den Markern von Faber Castell. Den ziegelroten Hintergrund habe ich nur angedeutet, um mich nicht in noch mehr Details zu verlieren.
Am späteren Nachmittag saß ich – schließlich ist einiges nachzuholen – noch einmal im Café und wartete auf eine Freundin. Dabei hatte ich das Schloss vor Augen und blieb dieses Mal bei einer absichtlich reduzierten linearen Skizze.

Westberlin
Veröffentlicht: 15. Mai 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Architektur, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Berlin, Brunnen, Moderne 3 KommentareAls Ende 1989 die Mauer fiel, war dies nicht nur der Anfang für das schnelle Ende der DDR – auch das alte Westberlin begann sich zu verwandeln, auszubleichen, in der neuen Hauptstadt aufzugehen (nicht immer zur reinen Freude der immerhin zwei Millionen Westberliner). Tagestouristen und Neubürger blieben fortan weitgehend im Osten. Auch ich, in ferner Nähe aufgewachsen, machte da kaum eine Ausnahme.
Letzte Woche verbrachte ich einige Tage in Charlottenburg, und es blieb Zeit, einige der weißen Flecken meiner inneren Landkarte auch zeichnend zu füllen.

Ich war mit einigen Zeichnerinnen und Zeichnern am St.-Georg-Brunnen am Hindemithplatz verabredet. Der Brunnen fällt vor allem durch das Fehlen des namensgebenden Heiligen auf – der ist ihm 1945 abhanden gekommen. So stehen die vier Säulen auf seiner oberen Ebene etwas unmotiviert in der Gegend herum. Weiter unten herrscht ein wildes Getümmel von Fratzen, Masken und merkwürdigen Gestalten, die wohl einen Bezug zum Drachen des herstellen sollen.
Leider hatte der Brunnen nicht nur keinen Georg, sondern auch kein Wasser, was die seltsame pandemisch-stille Stimmung auf dem kleinen Platz noch verstärkte.

Doch Westberlin besteht nicht nur aus Schnörkeln. Der Bombenkrieg hatte hier nicht weniger gewütet als im Ostteil der Stadt, und dem Wiederaufbau fiel im Rausch der Moderne manches zum Opfer, was man hätte erhalten können. Nur wenige Straßenzüge entfernt von der Gründerzeit-Idylle türmen sich am Richard-Wagner-Platz ein paar 70er-Jahre-Plattenbauten in den Himmel – ein bisschen gegliederter die Fassade als die ihrer Brüder und Schwestern im Osten, ein bisschen bunter, ein bisschen brutalistischer der U-Bahn-Eingang … doch kaum wohnlicher anmutend an der Kreuzung zweier großer lauter Straßen …

Am Waldrand
Veröffentlicht: 1. Mai 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Ink&Wash, visuelles Tagebuch | Tags: Frühling, Mecklenburg, Sternberger Seenland 2 KommentareVor ein paar Tagen sind wir wieder einmal den Hügelgräberweg im Sternberger Seenland gewandert. Der Rundweg führt an Biberburgen vorbei, an von Weißdorn und Schlehen umgebenen hügeligen Wiesen, an blühenden Wildobstbäumen, er führt durch Alleen uralter Buchen und Hainbuchen – und natürlich an einigen namensgebenden Hügelgräbern vorbei.
Nichts von alledem habe ich gezeichnet, jedenfalls dieses Mal nicht. Denn über der lieblichen Landschaft wehte im grellen Aprillicht ein scharfer Nordwind, der uns im Windschatten einiger frisch gerodeter Stubben rasten ließ. Der Blick fiel auf eine Wiese, die sich mit einer zügig den Hügel hinab weidenden Schafherde überzog – die sich, kaum hatte ich Papier und Stift herausgeholt, wie von Geisterhand hinter eine Bodenwelle zurückzog.

So blieb mir nichts anderes übrig, als mich umzudrehen und mich dem geschlagenen Holz zuzuwenden. Wenn ich das Bild jetzt sehe, vermeine ich wieder den Duft der noch frischen Sägespäne zu riechen, die nur kurz von einigen Windböen unterbrochene Stille zu hören …
Im Garten
Veröffentlicht: 25. April 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Farbstifte, Mixed Media, Pflanzen, Urban Sketching | Tags: Garten, Pflanzen, Tulpe Hinterlasse einen KommentarDie Schweriner Schelfstadt bewahrt hinter den Mauern ihrer Gründerzeit- und Barockhäuser viele schöne Gärten. In einem davon haben wir heute gezeichnet. Ab Mittag kam die Sonne über die Dächer; vorher begnügten wir uns mit einer Feuerschale, die uns leidlich gewärmt und gründlich geräuchert hat.

Zuerst zeichnete ich, ausführlich und in Ruhe, einen der schönen Hochstamm-Apfelbäume mit Bleistift. Leider sah die Zeichnung am Ende ziemlich winterlich aus, so dass ich dann doch noch mit etwas Farbe für den nötigen Frühlingseindruck gesorgt habe.

Bei den leuchtenden Tulpen war die Farbe natürlich eingeplant. Ich grundierte die Blütenköpfe mit einem weißen PITT-Pen. Die Partien nehmen danach allerdings Wasserfarben nur sehr bedingt an und es brauchte einige Schichten mit Wachsstiften und -kreiden, bis ich eine Lasur aufbringen konnte. Ansonsten habe ich mit allen möglichen Stiften und Markern durcheinander gezeichnet.
Stinte
Veröffentlicht: 13. März 2021 Abgelegt unter: Allgemein, visuelles Tagebuch | Tags: Fisch, Gouache, Hamburg Hinterlasse einen KommentarIn der Welt meiner Kindheit gehörten selbst geangelte Fische zum Alltag, Opa und Onkel brachten welche vorbei und als Heranwachsende zog ich selbst mit meinen Freunden zum Angeln los. Meist waren es die buchstäblichen kleinen Fische, die wir nach Hause brachten – Plötzen, Barsche, Ukelei … Von Stinten allerdings, die noch ein bisschen kleiner sind, hatten wir noch nie etwas gehört. Es sind Fische der Küstengewässer, die zum Laichen die Flussmündungen hochwandern, besonders die von Elbe und Weser. Und die lagen bekanntlich in einem anderen und den märkischen Seen sehr fernen Land.

So lernte ich die Stinte erst viel später kennen. Saison ist von Februar bis April; auch in dieser Zeit bekommt man sie außerhalb Hamburgs nur sporadisch. Heute hatte ich auf dem Freitagsmarkt Gelegenheit, mich in die Schlange am Fischauto einzureihen und welche zu ergattern. Es sind etwas durchsichtige Fischchen von der Länge einer Handspanne, die merkwürdigerweise nach frischen Gurken riechen. Man kauft sie ausgenommen und ohne Kopf. So werden sie gesalzen und in Mehl gewälzt, bevor man sie kurz in heißem Öl brät. Ein echtes Fast- und Fingerfood! (Der Gurkengeruch allerdings wandelt sich in klassischen Bratfischgeruch, der zuverlässig bis zum nächsten Tag in der Wohnung hängt.)
