Radix
Veröffentlicht: 15. Juli 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Ink&Wash, Pflanzen | Tags: Botanical Art, Gemüse Hinterlasse einen KommentarLetzte Woche habe ich den Garten von Freunden gehütet. Zwischen verholzten und z.T schon blühenden Radieschen fand ich eines, dem die Verkleinerungsform so gar nicht zu Gesicht stand; ich musste ordentlich daran ziehen wie einst die ganze Familie im Märchen, und was ich dann in der Hand hatte, konnte ich erst gar nicht benennen. Erst nachdem ich es gezeichnet hatte, schnitt ich es an – es war ein Rettich, der sich zwischen die Radieschen verirrt hatte wie das Schwanenküken zwischen die Enten, und zu meiner freudigen Überraschung konnte man ihn in Teilen sogar noch essen.
Da ich ungeübt im Schraffieren bin und meine Zeichenzeit begrenzt, legte ich die Schatten mit verdünnter schwarzer Tinte an, der gleichen wasserfesten von deAtramentis, mit der ich auch gezeichnet hatte. Darüber konnte ich dann großzügig mit Aquarellfarbe lasieren.

Ein Rettich aus dem Garten meiner Freunde, gezeichnet mit wasserfester schwarzer Tinte und Aquarellfarben auf Stillman&Birn Zeta.
Der Drache
Veröffentlicht: 12. Juli 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Theater, Wismar 2 KommentareEtwa elf Jahre alt muss ich gewesen sein, als ich im Ostberliner „Deutschen Theater“ mit Jewgenij Schwarz‘ „Drachen“ so ziemlich das beste sah, was auf einer Theaterbühne möglich ist – und für schlechtes Theater von nun an verloren war. Die Ostberliner Aufführung wurde von 1965 bis 1981 gespielt, auch auf Tourneen durch ganz Europa. Das Inselbändchen mit den Figurinen und Bühnenbildentwürfen sah ich mir immer wieder an, und auch die Moral von der Geschichte habe ich mit elf schon verstanden: dass die Menschen ihren Drachen in sich tragen.
Lanzelot, ein „berufsmäßiger Held“, kommt in die sprichwörtliche Kleine Stadt, die sich mit ihrem Drachen längst arrangiert hat. Auch die Jungfrau, die er sich dieses Jahr ausgesucht hat, begehrt nicht gegen ihr Schicksal auf, und bald muss der Drachentöter selbst um sein Leben fürchten …
Letztes Wochenende sah ich das Stück im Rahmen der „Klassikertage Wismar“ in der Wismarer Georgenkirche. Wie schon die Aufführungen der vergangenen Jahre („Faust“ und „Jedermann“) war es rundum gelungen; poetisch, ohne sentimental zu sein, werkgetreu, traurig und lustig, von hervorragenden Schauspielern getragen (deren ältere weitgehend noch jener DDR-Theaterkultur entstammen, die die damalige legendäre Inszenierung hervorgebracht hat) und von hohem Schauwert. (Nur einen bühnenfüllenden Theatermaschinendrachen gibt das Budget eines freien Sommerfestivals nicht mehr her.)
- Der Drache als böser Greis in einer seiner Menschengestalten.
- Lanzelot, der Held, ist nach dem Kampf schwer verwundet und wird vom Tod gerufen.
- Der Bürgermeister hat die Macht an sich gerissen und sich zum Präsidenten ausrufen lassen. nun will er Elsa, Lanzelots Geliebte, heiraten.
- „Seid Ihr denn Steine?“ Elsa, für die Zwangsheirat verpackt wie ein Stück Sahnetorte, appelliert an das Mitgefühl ihrer Nachbarn.
Und weil es ein Märchen ist, geht am Schluss natürlich alles doch noch gut aus.
Straßburg – Teil 3 und Schluss
Veröffentlicht: 6. Juli 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Architektur, Bewohntes Gelände 7, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Romanik, Straßburg Ein KommentarAn meinem letzten Straßburger Tag konnte ich dann doch noch Freundschaft mit dem Münster schließen. Wiederum am zeitigen Vormittag fand ich es dieses Mal geöffnet, Nonnen eilten zur Messe in einer Seitenkapelle und der Sicherheitsmensch am Eingang wies auch mich nicht ab.
Da saß ich dann endlich glücklich fast allein in der großen Kirche. Beim Anblick der hypergotischen Westfassade mag man nicht vermuten, dass der östliche Teil – Chor, Apsis und ein Teil der Querschiffe – in einem prächtigen romanischen Stil erbaut sind. Dorthin setzte ich mich und versuchte mich wieder einmal in Perspektive. Vor Ort zog ich nur Bleistiftlinien, Schattierungen und Farbe kamen erst zu Hause dazu. Für die Schatten blieb ich bei Graphit in Form von wasserlöslichen Graphitstiften und ganz zum Schluss noch etwas Aquarellfarbe mit Graphitpigment.

Der romanische Chorraum des Straßburger Münsters am Morgen.
Abends dann der Gegenentwurf zur sorgfältig ausgemessenen Perspektive: ein kleiner Versuch, die Atmosphäre der Stadt einzufangen, natürlich wieder von einem Restauranttisch aus, der dieses Mal auf eine belebte Straßenkreuzung schaute.

Vor dem Restaurant „Chaîne d’or“ in Straßburg.
Straßburg 2
Veröffentlicht: 3. Juli 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Fachwerk, Gotik, Romanik, Straßburg Hinterlasse einen KommentarWohin morgens in Straßburg als Erstes, noch in der ersten Frische des Tages? Natürlich zum Münster! Leider trog das Schild, das eine Öffnung ab sieben Uhr versprach, und so machte ich mich auf den Weg nach erstens anderen Zeichenmotiven und zweitens Frühstück.
Nach einigem Umherwandern fand ich beides auf der Pláce Kléber mit Blick auf die Kirche „Saint-Pierre-le-Jeune protestant“ – („Jung-St.Peter protestantisch“) Der Namenszusatz „jung“ täuscht insofern, als hier schon in vorkarolingischer Zeit eine Kirche stand – und auch diese hier, auf meinem Bild sichtlich gotisch, hat einen romanischen Kern mit schönem und vom Stadtgewimmel abgeschirmten Kreuzgang.

Links der Blick von der Place Kléber zur Kirche St-Pierre-le-jeune protestant in Straßburg. Rechts der Sarkophag des Adelochus in der Kirche St.Thomas.
Am späten Vormittag versuchte ich es noch einmal mit dem Münster – es war völlig überfüllt mit Schulklassen und Rentnergruppen, nur auf vorgeschriebenen Wegen zu betreten und ohne die Andeutung eines ruhigen Platzes. Ich ergriff bald wieder die Flucht.
Nachmittags zeichnete ich in St.Thomas, die mir am Vortag schon ein willkommenes abendliches Motiv gewesen war, den Sarkophag des Adelochus. Nicht, dass ich wüsste, wer Adelochus gewesen war, doch sein Sarkophag ist eine wunderschöne romanische Bildhauerarbeit, klein und zierlich, keine anderthalb Meter lang steht er auf seinen Löwenfüßen mitten im Raum. Man kann ihn von allen Seiten betrachten und sich dann in aller Ruhe einen Stuhl nehmen, die Lesebrille aufsetzen und in Zwiesprache mit dem romanischen Stein treten – Berührung eingeschlossen – ohne dass eine Aufsichtsperson eingreift.
Nachdem ich den halben Tag mit alten Steinen zugebracht hatte, verspürte ich ein dringendes Bedürfnis danach, lebendige Menschen zu zeichnen! Das tat ich dann bei Kaffee und Macarons vor dem „Atelier 116“, einer belebten Biobäckerei.

Abends setzte ich mich, inzwischen adaptiert, mitten ins Getümmel im alten Fachwerkviertel „Petit France“. Ich wählte das Restaurant mit dem schönsten Blick aus, so dass mein Zeichnung von Zwiebelsuppe und Sauerkraut begleitet wurde.

Im Fachwerk- und Touristenviertel „Petit France“ in Straßburg.
Straßburg
Veröffentlicht: 1. Juli 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Gotik, Löwe, Romanik, Straßburg Ein KommentarZum Abschluss meiner Reise habe ich mir noch einen lange gehegten Traum erfüllt und bin für drei Tage nach Straßburg im Elsass gefahren. Als ich ankam, musste ich mich erst einmal orientieren – nach elf Wandertagen, die ich weitgehend fern von Menschenansammlungen verbracht hatte, fand ich die Stadt bei aller Schönheit voll und anstrengend. Im Münster wurde ein großer Gottesdienst zelebriert – später erfuhr ich, eine Priesterweihe – die Menschen drängelten sich um den Eingang und alles war laut und viel … (Dem Münster mit dem Herzen nahe zu kommen sollte sich auch an den kommenden Tagen als nicht ganz einfach erweisen.)
Ich zog mich in das angrenzende Musée de l’Œuvre Notre-Dame zurück, in dem neben vielen anderen mittelalterlichen Stücken Teile des originalen Figurenschmucks der Münsterfassade zu betrachten sind. Nach einigem Abwägen entschloss ich mich, einige der Löwen zu zeichnen, die sich über dem Hauptportal auf einer Treppe befinden. Diese Treppe führt symbolisch zu den Thronen des König Salomon und der Gottesmutter Maria. Das wusste ich allerdings noch nicht, als ich den geradezu putzigen Löwen im Museum im wahrsten Sinne auf Augenhöhe begegnete. (Eine Treppenstufe ist ca. 50 cm hoch.) Wie spielende Kätzchen oder junge Hunde tollen sie auf ihrer Treppe herum, und je länger ich sie zeichnete, um so mehr wärmten sie mir das Herz. (Natürlich sieht man auch hier, wie bei vielen anderen mittelalterlichen Löwenskulpturen, dass der Bildhauer nie einen wirklichen Löwen gesehen hat.)

Skulpturen junger Löwen vom Portal des Straßburger Münsters.
Danach lief ich recht ziellos durch die Stadt und es war mir eigentlich immer noch viel zu voll. Auf dem Platz an der Thomaskirche kam ich dann zur Ruhe und ließ mich von ihrer romanischen Wuchtigkeit beeindrucken. Diesen Eindruck habe ich dann auch versucht zu Papier zu bringen – und es ganz bewusst etwas ruppig angehen lassen.

St.Thomas in Straßburg.
Von Schwäbisch Hall nach Winnenden
Veröffentlicht: 1. Juli 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 7, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Pilgerweg, Schwaben 3 KommentareHinter Schwäbisch Hall folgt der Pilgerweg noch ein wenig dem Kochertal, um dann zur ehemaligen Wallfahrtskirche in dem Dorf Rieden abzubiegen. Dort habe ich wohl an die zwei Stunden zugebracht, und einen der Altäre gezeichnet.
- Rast in Tullau kurz hinter Schwäbisch Hall, das Kirchlein im Rücken.
- Studie eines Altars in der Kirche von Rieden. Besonders beeindruckt hat mich der intensive, realistische Ausdruck des Schmerzensmanns, der in einem seltsamen Kontrast zum Goldgrund steht.
Am nächsten Tag bin ich etwas vom Pilgerweg abgewichen, weil es nicht immer einfach ist, Zwischenübernachtungen zu finden.
- Morgenblick auf Westheim.
- Flockenblume, gezeichnet am Feldrand.
Am einzigen sehr heißen Tag der Tour konnte ich ein bisschen Zug fahren und habe dann in Murrhardt Zeit, ausgiebig einen romanischen Wasserspeier zu studieren.

Am nächsten Morgen breche ich früh auf und kraxle durch die Hörchbachschlucht – das Schild „Nur für geübte Wanderer“ finde ich erst beim Ausgang. Später eine schöne Rast am Wanderheim Eschelshof.
- Am Ende der Hörschbachschlucht.
- Wanderheim Eschelshof, ein besonders schöner Ort.
Am vorletzten und letzten Wandertag geht es von Backnang hügelauf, hügelab durch zersiedelte Dörfer und dazwischen unerwartet schöne Streuobstlandschaften nach Winnenden.

Irgendwo im Streuobstland.
- Dorfbrunnen in Unterweissach. Die Idylle trügt, das Drumherum ist ziemlich zersiedelt.
- Den Sonnenaufgangsblick über Winnenden verdanke ich einem angetrunkenen Hotelgast, der nachts auf dem Flur Lärm machte, weil er sein Zimmer nicht mehr fand.
Von Rothenburg bis Schwäbisch Hall
Veröffentlicht: 30. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 7, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Hohenlohe, Pilgerweg, Schwaben Ein KommentarWieder zu Hause habe ich die Bilder der letzten Wanderung gesichtet, einiges noch ein wenig überarbeitet und vor allem neu gescannt – die Qualität der Unterwegs-Fotos von den Bildern lässt leider oft zu wünschen übrig.
Hier noch mal ein kurzer, chronologisch geordneter Überblick über die ersten fünf Wandertage. Die Wegstrecke lässt sich auf der Seite der Deutschen Jakobswege nachlesen, an der ich mich auch orientiert habe.
- Zeitvertreib im Zug.
- Am Plönlein in Rothenburg.
Am ersten Wandertag waren gleich 20 km zu schaffen; früh aufgebrochen und voll guter Vorsätze habe ich dann doch einiges zu Papier gebracht.
- Von Rothenburg nach Schrozberg – Bilder eines Tages.
- Fachwerk in Obereichenrot
Eines meiner Lieblingsbilder dieser Reise entstand dann am Nachmittag, als das anfangs kühle Wetter sich erwärmte und ich eine selige Stunde in einer Wiese voller hüfthoher Knabenkräuter saß.

Orchidee im Wald vor Schrozberg.
Schrozberg auf der Hohenloher Ebene hat ein Schloss, in dem – vielleicht – mal Götz von Berlichingen für kurze Zeit gewohnt hat. Ansonsten überwiegt die Moderne, vor allem die aus den 70er Jahren. Am nächsten Tag, auf dem Weg nach Langenburg, war ich von den Windrädern im Wald fasziniert.
- Ortsmitte Schrozberg – von der Kirche aus gesehen.
- Windräder im fürstlich-hohenlohischen Wald.
Das Schloss in Braunsbach war dann das Gegenteil von hochherrschaftlich, sondern erfrischend unsaniert und schlichtweg in Wohnungen aufgeteilt. Am nächsten Tag lief ich unter der berühmten Kochertalbrücke hindurch, einer der größten Brücken ihrer Art weltweit.
- Schloss Braunsbach.
- Kochertalbrücke im Regen.
Von Braubach lief ich durch schöne Wälder bis nach Schwäbisch Hall. In der Kirche St.Michael war ich froh, die Perspektive ganz gut erfasst zu haben – dafür ist es bei der Bleistiftskizze geblieben. Und während die Public Viewer in den Kneipen ringsum immer stiller wurden, weil Deutschland gegen Mexiko verlor, friemelte ich an einem besonders aufwendigen Fachwerk herum.
- Das Innere der Kirche St.Michael in Schwäbisch Hall. Die Kirche hat innen für die Gotik ungewöhnliche Proportionen, die eher in die Breite gehen. Nur der Chor ist hoch und mit besonders aufwändigem, spätgotischem Netzgewölbe geschmückt.
- Fachwerk in Schwäbisch Hall.
Streuobstwiesen
Veröffentlicht: 23. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Aquarell, Bewohntes Gelände 7, Reiseskizzen | Tags: Pferd, Pilgerweg, Schwaben Ein KommentarDie letzten beiden Tage bin ich hügelauf hügelab durch schier endlose Streuobstwiesen gelaufen, einen kleinen Garten Eden von unerwarteter Schönheit. (Unerwartet, denn die Orte sind meist gesichtslose Eigenheimsiedlungen, die die alten Dorfgrenzen schon lange überschritten haben und aus den Tälern die Hügel hinaufwuchern.)
Immer wieder nehme ich mir vor, eine Zeichnung von dieser Landschaft zu machen, und immer wieder „passt es nicht“, ist zu windig, zu sonnig oder es fehlt ein geeigneter Sitzplatz. Bis dann kurz vor Winnenden doch noch eine Bank an genau der richtigen Stelle auftaucht, gegen den Wind die ungeliebte quietschgrüne Jacke aus dem Rucksack geholt wird und es losgehen kann …

Auf einer Wiese unterhalb von Bürg bei Winnenden.
Perspektive
Veröffentlicht: 22. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 7, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Pilgerweg, Schwaben Hinterlasse einen KommentarHeute habe ich ein bisschen Perspektive geübt. Bei meiner Rast in Unterweissach saß ich neben einem alten Dorfbrunnen, dahinter das obligatorische Fachwerk-Rathaus, und weil ich Zeit hatte – es gab schließlich keine Hitze mehr, vor der ich davonlaufen musste – machte ich mich daran, alles fein säuberlich auszumessen.
Am Ende war ich wieder einmal fasziniert davon, wie sich mein Auge auch nach jahrelangem Training immer wieder täuschen lässt. Da gibt es die Kirchtürme, die trotz sorgfältigsten Messens mal wieder nicht aufs Bild passen, und immer wieder Anfälle von Bedeutungsperspektive: was wichtig und auffällig ist, stellen wir größer dar. In diesem Fall war ich überrascht, wie klein das Rathaus im Gegensatz zu dem Brunnen war: seine auffällige Farbigkeit und Struktur hatte es größer erscheinen lassen. (Ganz zu schweigen von dem selbstverständlich zu groß geratenen Türmchen.)

Rathaus und alter Dorfbrunnen in Unterweissach.
Ein perfekter Tag
Veröffentlicht: 21. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 7, Reiseskizzen, visuelles Tagebuch | Tags: Fränkisch-Schwäbischer Wald, Pilgerweg, Schwaben 2 KommentareHeute bin ich wieder den ganzen Tag durch ein ausgedehntes Waldgebiet gelaufen. Der Wärme wegen war ich früh auf, kurz vor sechs auf dem Weg und um acht hatte ich schon eine ziemlich abenteuerliche Schlucht hinter mich gebracht. (Das Schild: „Nur für geübte Wanderer“ sah ich erst nach dem Ausgang.)
Dann ging es stetig bergauf, über Forststraßen und Pfade, bis zum „Wanderheim Eschelhof“. Der prosaische Name mit dem Anklang an Jugendherbergstee und Hausordnung täuschte: es war ein nachgerade märchenhafter Platz auf einer Wiese mitten im Wald, zwischen Obstbäumen und Hecken. Ein liebevoll restaurierter alter Hof mit Fachwerk und geschnitzten alten Holztüren, die Gartenpforte stand einladend offen, ein Rastplatz im Schatten eines Walnussbaums… ; und natürlich war ich dort wieder mal allein. (Irgendwann kam kurz eine junge Frau mit dem Auto, erledigte irgend etwas und verschwand wieder, ohne von mir Notiz genommen zu haben.)
Wenn ich einen perfekten Wandertag entwerfen sollte, sähe er so aus, mit einem Start am frühen Morgen, mit schattigen Waldwegen und einer Pause unter Bäumen, bei leichtem Wind …

Auf dem Eschelhof.
























