Nichtengeschichten Teil 2
Veröffentlicht: 22. August 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Artist Journal, Dinge, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag 2 KommentareSelbstverständlich ging es mit den beiden jungen Damen auch in den Zoo. In der Ferienzeit ist das immer eine etwas lärmige und unruhige Angelegenheit, ein lebendes Wimmelbild, und so blieb zum Zeichnen nur wenig Gelegenheit. Bei den Pinguinen konnte ich ein paar sehr zügige Skizzen machen, die ich dann zu Hause ergänzt habe.

Eine schnelle Pinguinskizze mit Derwent Finelinern, zu Hause mit Tinte und Farbe ergänzt.
Ganz anders die Schuhe. Nach dem Schuhkauf am nächsten Vormittag brachten die beiden genug Geduld auf, dass ich von den Früchten der Aktion eine recht genaue lineare Zeichnung anfertigen konnte. Bei der weiteren Ausgestaltung habe ich mich durch einen Blogbeitrag von Jutta Richter anregen lassen: zuerst werden mehrere Graustufen mit verdünnter wasserfester Tinte aufgebracht – ich habe die von Super5 verwendet. Danach kann mit lasierender Wasserfarbe koloriert werden. Der Prozess erinnerte mich an botanisches Arbeiten – wenn auch dort die Grautöne mit Wasserfarbe angelegt werden. Das Ergebnis ist etwas statisch – so ziemlich das Gegenteil der lockeren Pinguine.

Kinderschuhe. Die lineare Zeichnung habe ich später zuerst mit einer Untermalung aus wasserfester Tusche versehen und dann koloriert.
Nichtengeschichten – Teil 1
Veröffentlicht: 6. August 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Artist Journal, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Pferd, Schwerin, Scrapbook 2 KommentareIn der letzten Woche hatte ich meine beiden Großnichten (3 und 5 Jahre alt) zu Besuch. In einigen Ruhemomenten habe ich versucht, etwas von dem Zauber dieser Tage einzufangen und dabei viel tiefer als sonst in die Scrapbook-Kiste gegriffen. Hier die ersten beiden Tage.
- Am Schweriner Schweinemarkt steht eine Schweinefamilie aus Bronze.
- Als es warm wird, gibt es ein Bad im Springbrunnen.
- Frühstück.
- Bevor die beiden jungen Damen selig auf dem Pferd sitzen, dürfen sie noch beim Hufbeschlag zusehen.
Über die Wasserscheide
Veröffentlicht: 26. Juli 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Mittelfranken Hinterlasse einen KommentarVon Häslabronn ist es nicht mehr weit bis nach Colmberg, dem nächsten Etappenziel. Nur noch eine Anhöhe, und ich überschreite eine so unscheinbare wie wichtige Grenze: die Große Europäische Wasserscheide zwischen Nordwesten und Südosten, Rhein und Donau, Atlantik und Schwarzem Meer. (Donau! sagt mein Herz.)
Ihr deutscher Anteil mäandert entlang diverser süddeutscher Hügelzüge, seit ein paar Jahren erlaufbar gemacht durch einen eigenen Wanderweg. (Der einige Kapitel zuvor erwähnte Ludwigskanal war ein früher Versuch, sie zu überwinden.)
In Colmberg saß ich dann – unter Umgehung des hochherrschaftlichen Burgrestaurants – bald sehr angenehm bei gutem fränkischen Essen vor dem „Schwarzen Adler“, genoss den frischen Wind – am nächsten Tag sollte er sich, immer noch ohne Regen, fast zu einem Sturm auswachsen und mir den Staub von zwei trockenen Monaten ins Gesicht blasen – und schaute dem Ortsleben zu.

Eine sehr ländliche Tankstelle in Colmberg. Postkartenskizze am Mittag.

Abends ist die Durchfahrtsstraße dann ruhig. Erst will ich nur Fachwerk zeichnen, dann wird es eine Übung in Perspektive und „nichts auslassen“ – Autos, Verkehrsschilder, Straßenlampen …
Häslabronn
Veröffentlicht: 23. Juli 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Artist Journal, Bewohntes Gelände 6, Mixed Media, Reiseskizzen, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Mittelfranken, Pilgerweg Hinterlasse einen KommentarFür Häslabronn macht der Mittelfränkische Pilgerweg einen Umweg, der sich lohnt. (Und auf dem mich passenderweise gleich ein hoppelnder Hase begrüßte.) Das Dorf hat 26 Einwohner in einer Handvoll vorbildlich renovierter Fachwerkhäuser, eine Schulbushaltestelle und – daher der Knick im Pilgerweg – eine Jakobskirche, die im Mittelalter einmal eine Wallfahrtskirche war. Das Kirchlein – und mit ihm das Dorf – wird von den Pilgern belebt und hat sich darauf eingestellt: eine freundliche Anwohnerin war, als ich ankam, gerade dabei, einen Kasten Mineralwasser hinzustellen, und ein paar hübsch kitschige Postkarten mit Pilgermotiven gibt es auch.
Gezeichnet habe ich am Ende, wie man sehen kann, die Bushaltestelle, nicht zuletzt, weil in passender Entfernung eine bequeme Bank stand. (Und es sich soweit abgekühlt hatte, dass ich nicht durch die Morgenkühle rasen musste.) Und, ach ja, als ich zu Hause nachlas, fand ich heraus, dass der Name Häslabronn von „Haselnuss“ kommt – wie gut, dass Hasen nicht lesen können.

Der Schulbus ist vermutlich er einzige Bus, der das 26-Seelen-Dorf Häslabronn anfährt. Auf der linken Seite ein Ausschnitt aus einer Postkarte, die im Kirchlein auslag.
Stilbruch
Veröffentlicht: 26. März 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Hommage, Ink&Wash, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Hommage, Tee 3 KommentareDie Idee hatte ich schon eine ganze Weile: mal ganz anders zu zeichnen. Und zwar nicht irgendwie anders, sondern im Stil von Künstlern, die ich schätze. Eine Zeichnung als Hommage an jemanden, von dem oder der ich viel gelernt habe (oder noch lernen will) und dessen oder deren Bilder ich mag. Keine Kopie, sondern eine eigene Zeichnung, nur eben in Ausführung, Ausdruck und Sujet angelehnt an das Werk von jemand anderem.
Letzte Woche habe ich, fast ein bisschen aufgeregt, angefangen. Ich hatte mir vorgenommen, eine Teetasse à la Liz Steel zu zeichnen. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich von Liz‘ Teetassen war, als ich mit dem regelmäßigen Zeichnen begann, und ihr Blog war einer der ersten, den ich abonniert hatte. Außerdem versprach dieser Anfang gute Bedingungen: Tee wird bei mir immer getrunken (und es gibt auch schon ein paar Tassen und Kannen in meinen älteren Büchern) und Liz hat hunderte Tassen gezeichnet und mehrere Tutorials dazu veröffentlicht.
Nun, diese Tasse ging erst einmal daneben. Sie war schon gelungen, doch kein bisschen Liz, obwohl ich exakt nach ihrer Anleitung gezeichnet hatte. Allerdings nicht während des Teetrinkens, sondern über anderthalb Zugfahrten verteilt – die Woche hatte es in sich und nur die allererste Vorzeichnung war am heimischen Frühstückstisch entstanden. „Exakt“ war hier jedoch das, was hier exakt nicht gefragt war: Liz‘ Bilder leben vom Tempo, von der Frische. Und da ich keine Lust auf die gleiche Tasse noch mal hatte, war beim nächsten Mal meine neue kleine Teekanne dran. Flott, mit einer bisschen unrunden Ellipse: bloß nicht zu perfekt. Das erstaunliche war: es fiel mir gar nicht schwer. (Ich kann beim Zeichnen von Stillleben sonst ganz schön haftend und perfektionistisch sein.) Eine Erfahrung, bei der mir, im übertragenen Sinne, fast ein bisschen schwindlig wurde – Identität ist eine „Sache“, von der wir uns anscheinend ungern trennen.
Und da war noch etwas: Jeder, der Liz‘ Blog kennt, weiß, dass sie häufig Bibeltexte neben ihre Zeichnungen schreibt. Ich hatte mich gerade mit dem 63.Psalm beschäftigt und fand es daher schön, ein paar Zeilen davon hinzuschreiben. (In der Fassung der „Bibel in gerechter Sprache“, zu der ich eine ambivalente Zuneigung hege.) Was aber, wenn mir das Biblische eher fremd gewesen wäre? Dann hätte ich wohl die Finger davon gelassen, um aus der Hommage keine Parodie zu machen. Denn auch das will bei einem solchen Unterfangen gut bedacht sein.

Diese kleine Teekanne habe ich mir in Funchal gekauft, weil es und er Ferienwohnung keine gab. Sie ist in Hongkong hergestellt, von einem Hamburger Teegroßhandel vertrieben und nun mit mir nach Schwerin gereist. Gezeichnet habe ich sie als Hommage an die großartige Zeichnerin Liz Steel.
Madeira im Februar – Teil 1
Veröffentlicht: 12. März 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Madeira 2017, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Fisch, Funchal, Madeira, Markt, Tee, Wallfahrtskirche Ein KommentarNun bin ich schon wieder eine Woche zu Hause. Höchste Zeit, das Reisetagebuch zu scannen und mich dem deutschen (Vor)Frühling zuzuwenden. Hier ist nun Teil 1 der Nachlese.
- Gemüse …
- Blumen …
- und Fisch auf dem Markt
- Südafrikanischer Korallenbaum
- In einem der Tea Houses.
- Süßes aus Madeira
- Gottesdienst gehört zum Alltag.
- Eine moderne Stadteilkirche.
- Die Stufen zur Wallfahrtskirche in Monte.
Wie bei Albert Ebert
Veröffentlicht: 24. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Farbstifte, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Fränkische Schweiz, Oberfranken Ein KommentarImmer mal wieder hat der Hallenser Maler Albert Ebert Witwen in Schwarz gemalt, Friedhofsbesucher am Totensonntag oder gleich ganze Beerdigungen mit Blaskapelle. Diese Bilder verströmen, wie fast alles von Albert Ebert, eine heitere Melancholie.
Als ich vor einigen Tagen auf meiner Reise im Gasthof zur Post in Egloffstein eine Trauergesellschaft sah, musste ich an diese Bilder denken. Die Gaststube mit ihren Ölschinken und Geweihen, der dunklen Deckenverkleidung und den dem schmiedeeisernen Leuchter, alles überzogen mit der Patina eines Ortes, der einmal bessere Tage gesehen hat, gaben dem Anlass den passenden Rahmen.

Trauergesellschaft im Gasthof zur Post in Egloffstein. PITT-Pens und etwas Wasserfarbe.
A Email hammer net
Veröffentlicht: 21. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Mai 2016, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Burg, Fränkische Schweiz, Oberfranken 2 Kommentare„A Email hammer net, schicken’s a Kartn“. Das hatte ich getan und mich auf diese Weise im Gasthof von Wohlmannsgesees auf dem Fränkischen Jura angemeldet. Als ich bei sanfter Nachmittagssonne dort ankam, hing ein Zettel an der Tür: „Bin in einer Stunde wieder da. Anna!“ Ich setzte mich auf die Bank vor dem Haus und wartete, doch die Stunde verging, die Sonne verschwand, es wurde kühl und wer nicht kam, war Anna. Bis sie schließlich auf einem Balkon auftauchte, Wäsche aufhängend und mir versichernd, sie wäre hinten im Haus gewesen und hätte immer gehorcht, ob ein Auto kommt …
Zu meiner Überraschung ist Anna Heid, obschon Witwe, keine alte Frau, sie mag jünger sein als ich und bewirtschaftet Gasthof samt Obst- und Gemüsegarten mit gelegentlicher Unterstützung ihrer Brüder allein. Sie kochte mir erst einmal eine große Kanne Kräutertee aus dem Garten, natürlich war auch das Essen hervorragend. Das meiste im Haus ist Original 70er Jahre, Fototapete, Badfliesen, Lampen und eben auch das Geschirr; doch im Gegensatz zu anderen Unterkünften ist alles picobello, wie neu und blitzsauber.
Ich habe mich dort sehr wohlgefühlt und kann jedem, der die Fränkische Schweiz besucht, empfehlen, Anna Heid eine Karte zu schreiben und wenigstens eine Nacht in ihrem Gasthaus zu verbringen.
Am nächsten Tag bin ich weiter gewandert, durch Wälder voller Schopftintlinge und anderer interessanter Pilze, über hügelige Weiden mit Felsblöcken wie in einem japanischen Garten und selbstverständlich auch an der obligatorischen Burg vorbei.

Die 70er Jahre und das Mittelalter sind in der Fränkischen Schweiz sehr präsent. PITT-Pens, Super5-Tinte in grau und etwas Wasserfarbe.
Japonismus, morgens
Veröffentlicht: 17. Juli 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Artist Journal, Dinge, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Japan, visuelles Tagebuch Ein KommentarEs gibt einen schönen kleinen Film über den Zeichner Danny Gregory, der ihn dabei zeigt, wie er sein Frühstück zeichnet: natürlich werden Tee und Toast kalt, doch das Ergebnis ist hinreißend. Nun ist Gregory ein Profi, den neben vielem anderen auch eins von uns Laien unterscheidet: er ist schnell. Bei mir kommt in der gleichen Zeit allenfalls eine Bleistiftskizze heraus. Daher sind Morgenbilder, obschon ich diese Zeit liebe, bei mir knapp und im Zug nachkoloriert. Was zwar die Striche manchmal etwas wacklig macht, aber doch mehr Spaß als immer nur Rucksäcke und halb angeschnittene Mitreisende abzubilden.
Die Butter, in konventionellem Stil, entstand irgendwann im Winter, wenn das Bedürfnis nach kräftigen Farben bei mir am stärksten ist, der japanisch inspirierte Milchtopf (passender Weise mit Sojamilch) in den letzten Tagen nach meinem Besuch in der großen Japan-Ausstellung des MKG Hamburg.
Fast jeder Tag im Mai, dritter und letzter Teil
Veröffentlicht: 31. Mai 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Artist Journal, Dinge, Mai 2016, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, visuelles Tagebuch 2 KommentareGeschafft! 25 Tage lang habe ich täglich eine Skizze abgeschlossen, mal mehr, mal weniger aufwändig, meist am Abend. Hatte ich vorher schon Hochachtung vor den Täglichzeichnern, ist sie in dieser Zeit noch einmal gestiegen.
Gelernt habe ich eine Menge in diesem Monat, zeichentechnisch, klar, doch darüber hinaus etwas über meine Art, die Welt zu sehen und abzubilden. Mehr noch als früher weiß ich nun, wie sehr ich die kleine Form liebe, das Detail, für das ich gern auch etwas länger brauche. Weshalb sich in dieser Serie auch keine Bilder von Menschen finden, für deren Abbildung Tempo nötig ist und etwas Nonchalance. (Zumal wenn sie, wie es so ihre Art ist, sich auch noch bewegen.)
- Ein Kupfertablett aus Bulgarien, ca. 1980, vermutlich aus einer Schauwerkstatt, die ich besucht habe.
- Gebrauchsgegenstand? Haustier? Mitbewohner? Jedenfalls gut erholt und beschleunigt von der Reparatur zurück.
- Die Abstellkammer musste zwischendurch auch aufgeräumt werden.
- „Weil Du so gut/ mein süßes Leben/ so will ich Dir/ dies Tässchen geben. Aus dieser vergoldeten hasse trinken zu dürfen war für mich Höhepunkt jeder Familienfeier meiner Kindheit.
- Die letzten Akeleien stehen zwischen den ersten Rosen.
- Erste Radieschen aus dem Stadtgarten von Freunden.
- Abstellkammer II. Und Schluss.






















