Stilbruch

Die Idee hatte ich schon eine ganze Weile: mal ganz anders zu zeichnen. Und zwar nicht irgendwie anders, sondern im Stil von Künstlern, die ich schätze. Eine Zeichnung als Hommage an jemanden, von dem oder der ich viel gelernt habe (oder noch lernen will) und dessen oder deren Bilder ich mag. Keine Kopie, sondern eine eigene Zeichnung, nur eben in Ausführung, Ausdruck und Sujet angelehnt an das Werk von jemand anderem.

Letzte Woche habe ich, fast ein bisschen aufgeregt, angefangen. Ich hatte mir vorgenommen, eine Teetasse à la Liz Steel zu zeichnen. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich von Liz‘ Teetassen war, als ich mit dem regelmäßigen Zeichnen begann, und ihr Blog war einer der ersten, den ich abonniert hatte. Außerdem versprach dieser Anfang gute Bedingungen: Tee wird bei mir immer getrunken (und es gibt auch schon ein paar Tassen und Kannen in meinen älteren Büchern) und Liz hat hunderte Tassen gezeichnet und mehrere Tutorials dazu veröffentlicht.

Nun, diese Tasse ging erst einmal daneben. Sie war schon gelungen, doch kein bisschen Liz, obwohl ich exakt nach ihrer Anleitung gezeichnet hatte. Allerdings nicht während des Teetrinkens, sondern über anderthalb Zugfahrten verteilt – die Woche hatte es in sich und nur die allererste Vorzeichnung war am heimischen Frühstückstisch entstanden. „Exakt“ war hier jedoch das, was hier exakt nicht gefragt war: Liz‘ Bilder leben vom Tempo, von der Frische. Und da ich keine Lust auf die gleiche Tasse noch mal hatte, war beim nächsten Mal meine neue kleine Teekanne dran. Flott, mit einer bisschen unrunden Ellipse: bloß nicht zu perfekt. Das erstaunliche war: es fiel mir gar nicht schwer. (Ich kann beim Zeichnen von Stillleben sonst ganz schön haftend und perfektionistisch sein.) Eine Erfahrung, bei der mir, im übertragenen Sinne, fast ein bisschen schwindlig wurde – Identität ist eine „Sache“, von der wir uns anscheinend ungern trennen.

Und da war noch etwas: Jeder, der Liz‘ Blog kennt, weiß, dass sie häufig Bibeltexte neben ihre Zeichnungen schreibt. Ich hatte mich gerade mit dem 63.Psalm beschäftigt und fand es daher schön, ein paar Zeilen davon hinzuschreiben. (In der Fassung der „Bibel in gerechter Sprache“, zu der ich eine ambivalente Zuneigung hege.) Was aber, wenn mir das Biblische eher fremd gewesen wäre? Dann hätte ich wohl die Finger davon gelassen, um aus der Hommage keine Parodie zu machen. Denn auch das will bei einem solchen Unterfangen gut bedacht sein.

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Diese kleine Teekanne habe ich mir in Funchal gekauft, weil es und er Ferienwohnung keine gab. Sie ist in Hongkong hergestellt, von einem Hamburger Teegroßhandel vertrieben und nun mit mir nach Schwerin gereist. Gezeichnet habe ich sie als Hommage an die großartige Zeichnerin Liz Steel.


3 Kommentare on “Stilbruch”

  1. Antje sagt:

    Das ist ein gutes Unterfangen, das du da gestartet hast! Das kann einen ja nur voranbringen und den Strich frisch halten. Deine Bemerkung zu Identität ist wichtig; deswegen ist man ja häufig so verkrampft beim (Ab-)Zeichnen, oder, weil man denkt, es soll genau so aussehen wir das Original? Die kleine Kanne ist auf jeden Fall wirklich niedlich geworden. Die roten Striche am Rand und am Deckel sind ein toller HIngucker!

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    • Ich hab ja kein Original zum Abzeichnen, nur einen Stil, den ich möglichst weitgehend nachempfinden will. Wobei ich erstmal rauskriegem muss, worin der überhaupt besteht. Das ist schon der erste interessante Schritt … Ich habe schon die nächste Hommage in Arbeit, mal sehn. wo das noch hinführt …

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