Tinas Tomaten

Tomaten sind um diese Jahreszeit  ja eine eher wäßrige Angelegenheit, selbst auf Madeira schmeckten sie deutlich nach wenig. Diese hier habe ich nach einem Marktgang  im September begonnen und nun wieder vorgeholt, als eine gute Freundin sich zu einem runden Geburtstag ein Bild wünschte. Ein Pflanzenbild, hatte sie gesagt, und dabei vermutlich an Blüten und Blätter gedacht. Ich machte auch ein paar Blumenstudien, doch am Ende entschied ich mich für die Früchte in ihren vielfältigen, lebensfrohen Farben.

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Bunte Tomaten vom Schweriner Markt. Farbstiftzeichnung auf Arches HP Aquarellpapier.

 


Lavendel und Schokolade

Madeira hat neben seiner portugiesischen auch eine britische Vergangenheit, und in der Inselhauptstadt Funchal findet man deren Spuren vielerorten. So gibt es neben den allgegenwärtigen „Pastelarias“ – Bäckerei, Café, Imbiss in einem – auch einige sehr schöne Tea Houses. Ein besonders hübsches heißt „Alfazema e chocolate“ – „Lavendel und Schokolade“. Es ist eigentlich ein Teehäuschen  – eine winzige Gaststube mit drei Tischen und zwei Sitzplätzen auf den Miniaturbalkonen im ersten Stock eines Altstadthauses, die Wände in zartgrün, nicht lavendelfarben, und das Geschirr ein liebenswertes Sammelsurium in altrosa.

Dort eine Stunde oder zwei zu sitzen war ein extra Urlaub im Urlaub.

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Tee und (glutenfreier!) Kuchen im Teehaus „Alfazema e chocolate“ in Funchal, Madeira.

 


Churchill’s Place

Einige Kilometer westlich der madeirischen Inselhauptstadt Funchal öffnet sich von einer felsigen Klippe ein unerwarteter Blick in die nächste Bucht und den engen Fischerhafen darin. Diese Klippe trägt den Namen „Churchill’s Place“ – der britische Premier erholte sich hier beim Malen der damals noch ruhigen Szenerie. Heute ist der Ort etwa so authentisch wie St-Tropez, und ich hatte nach meiner Küstenwanderung Mühe, einen halbwegs ruhigen Platz in einem der Restaurants an dem engen Kai zu ergattern.

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„Churchill’s Place“ im Madeirischen Fischerort Câmara de Lobos.

 


Wer fürchtet sich vorm schwarzen Fisch?

Die Markthalle in Funchal ist in jedem Reiseführer zu finden, und sie fehlt vermutlich bei keiner Stadtbesichtigung. Kein Wunder, dass da die Authentizität mit den Jahren etwas leidet. Das ändert sich morgens vor neun, und besonders am Wochenende, wenn zu den stationären Ständen noch ein Bauernmarkt kommt. Auch auf dem Fischmarkt nebenan ist dann mehr los.

Mit der Zeit – und zeichnend bringt man ja immer eine Menge davon zu – schärft sich auch der Blick für die Welt hinter den Obst- und Blumenkulissen, die auch und vor allem eine reine Männerwelt ist. (Die eine zeichnende und nicht mehr ganz junge Touristin zum Glück komplett ignoriert.) Da sind die Fischhändler, die mit riesigen Messern hantieren, die Zulieferer, die Kistenträger und Eckensteher; in der Gasse draußen hängen in den Schaufenstern der Fleischerläden halbe Schweine, und wenn man weiß wo, kann man zum Mittagessen Kuttelsuppe und Ziegeneintopf bekommen.

Nach mehreren vergeblichen Versuchen, die Fischhändler mit ihren furchterregenden Arbeitsgeräten zu zeichnen, habe ich mich dann an weniger bewegliche Fischköpfe gehalten. Der schwarze Degenfisch ist der Brotfisch Madeiras, so wie es bei uns mal der Hering gewesen ist, man bekommt ihn gebraten und gegrillt in jedem Restaurant und auch am Imbiss im Sandwich. Es ist ein milder, grätenarmer Filetfisch, das richtige zum Angewöhnen für Fischskeptiker, man darf ihn nur nicht sehen. Degenfische sind Tiefseefische, mindestens einen Meter lang, mit gewaltigen Mäulern und Augen sehen sie so recht zum Fürchten aus.

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Köpfe vom Schwarzen Degenfisch in der Fischmarkthalle in Funchal.

 


Herzreim mit Fußball

Im Restaurant „Rima Coração“ in Funchal.

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Im Restaurant „Rima Coração“ in Funchal. Super5 Tinte in Grau, mit einem Lamy Joy Kalligraphie-Füller.

Am fünften Tag kam der lange angekündigte Regen nach Funchal, was mir einen ruhigen Tag bescherte. Abends bin ich dann zum Einkaufen und Essen in die Stadt gelaufen (200 Höhenmeter runter, das will wohl überlegt sein). Zwischen Markthalle und Busbahnhof gibt es einige Restaurants und Cafés, die vorwiegend von Portugiesen besucht werden, und ins „Rima Coração“ lockte mich eine handgeschriebene Tafel mit Tagesgerichten wie Ziegeneintopf und geschmortem Tintenfisch – also nichts wie rein! Ich wurde nicht enttäuscht, das Essen war so köstlich wie preiswert.

Da im Fernseher – natürlich gibt es in dort einen – Fußball lief, konnte ich wunderbar Gäste beobachten und zeichnen. Der Kellner allerdings hing mit der Nase praktisch in seinem Handy, während er seine Suppe schlang.

„Rima Coração“muss auf deutsch so etwas wie „Herzreim“ bedeuten, auch wenn ich mir darauf keinen Reim machen kann. Ein orangefarbenes Herz findet sich jedenfalls im Logo. (Seltsamer Weise gibt es eins, wie auch eine Art corporate design in Orange und eine schöne bunte Touristenspeisekarte.)

 

 

 


Mensch, Kaktus und Ritterstern

Am vierten Tag meiner Reise ging der Weg in den Botanischen Garten von Madeira. Das ist wörtlich zu nehmen, denn mein Hotel befindet sich in relativer Nähe dazu – es liegen nur zweihundert Höhenmeter dazwischen. Das ist in Funchal nicht viel. Also auf die Füße und los. Ich hatte den Ort in sehr schöner Erinnerung, leider wurde der Eindruck dieses Mal von Menschenscharen getrübt, die ein Bus nach dem anderen ausspieh. (Merke: Touristen sind immer die anderen.) Außerdem – der Park liegt schon 400 m über dem Meer – ging ein ordentlich kühler Wind.

Die weißen Lilien haben mich dann in ihren Bann gezogen. Ich erinnerte mich noch daran, im August weiße Amaryllen im Wald oberhalb von Funchal gesehen zu haben – sie hatten mich so fasziniert, dass sie mir später sogar im Traum erschienen sind!

Später habe ich mich dann zwischen den Mauern der Sukkulentenabteilung vor dem Wind verkrochen. Und da ich einen Größenvergleich für den Kaktus brauchte, kam mir der nächste mützentragende Rentner gerade recht. So hat sich dann alles noch gut gefügt (und fand seine krönende Fortsetzung in einem Orchideengewächshaus, doch das ist die nächste Geschichte.)


Madeira

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal ausprobiert, wie es sich anfühlt, im dem deutschen Winter in den Süden zu entfliehen. Auf Madeira war ich vor anderthalb Jahren schon mal im Sommer gewesen, und in seiner Mischung aus Urbanität und grandioser Natur, aus Ursprünglichkeit und europäisch geprägter Weltläufigkeit sucht es vermutlich seinesgleichen.

Ich hatte die Vorstellung gehabt, einfach nur im Café zu sitzen und zu zeichnen, das habe ich auch getan, und dann hat das frische und freundliche Wetter natürlich auch zum Wandern animiert. (Da hier alles recht klein ist und die Berge steil, kommt man mit einer dreiviertelstündigen Bus- oder Taxifahrt schon von null auf tausend Meter Höhe.)

Hier ein paar Eindrücke von den ersten Tagen.

 


Lübeck 2016

Nach meinem Ausstellungsbesuch in Lübeck hatte ich einige Zeit später noch einmal in der Stadt zu tun. Ich freute mich schon darauf, wieder ins St.Annen-Museum zu gehen und mir die Exponate, die dort zum stationären Bestand gehören, noch einmal anzusehen. Doch leider – montags hat Lübeck geschlossen. Kirchen, Museen, Cafés – alle brauchen anscheinend eine Pause vom anstrengenden Wochenende.

Schließlich fand ich aber doch noch zwei schönen Plätze zum Zeichnen. Das Arkadencafé des Hauses Niederegger besticht nicht nur durch wunderbare (und gehaltvolle) Marzipantorten, sondern auch durch ein besonders schönes Ambiente in den verglasten gotischen Rathausarkaden. Und auf dem Weg zum Bahnhof fand ich dann noch das Bistro in der Stadtinformation, wo man aus den großen Fenstern direkt auf das Holstentor blickt. (Wenn ab Dienstag wieder Vollbetrieb in der Stadt ist, sind beide Orte vermutlich überfüllt, an diesem Montagnachmittag war es sehr angenehm.)


Lübeck 1500

Anfang Januar war ich in Lübeck in der Ausstellung „Lübeck 1500“, einer spektakulären Sammlung sakraler Kunst aus dem Ostseeraum. Zeichnend konnte ich nur einen Bruchteil erfassen, habe mir auch leider keine genauen Notizen zu Herkunft und Entstehung der Bildwerke gemacht, und mittlerweile hat sie leider geschlossen.

Ich habe mich auch an zwei Madonnen versucht, aber am schönsten sind dann am Ende die etwas dynamischeren Motive geworden. Der grünbraune warzige Teufel zu Füßen des heiligen Antonius hatte es mir besonders angetan. Im Original ist er vielleicht 60 cm hoch, also nicht ganz klein. (Das war überhaupt das Schönste an der Ausstellung, dass man diese sakralen Kunstwerke, die sonst in Kirchen irgendwo hoch oben oder weit weg stehen, von Angesicht und auf Blickhöhe sehen konnte.)

Der seelenwägende Michael ist überlebensgroß und dürfte für einen mittelalterlichen Menschen recht beeindruckend gewesen sein. In der linken Waagschale bemüht sich ebenfalls ein Teufel. Mit einem Mühlstein versucht er, dem Gewicht der guten Werke der armen Seele etwas entgegen zu setzen – vergeblich.

 


Tulpen am Nachtfenster

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Tulpenstrauß in gestreifter Vase. Super5- und Pentel-Tinte mit Wasserfarbe in S&B Alpha.

Gestern Abend konnte ich nach ein paar vergrippten Tagen zum ersten Mal wieder ein bisschen aus den Augen gucken, da leuchteten mich diese Tulpen an. Die Vase, mit ihrer Form für Tulpen gerade richtig, sieht aus wie Bollhagen, ist aber einfach nur schwarz-gelb gestreift und auf eine unnachahmliche Weise der Mitte des 20.Jahrhunderts zugehörig.