Am Weg 2
Veröffentlicht: 20. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 7, Pflanzen, Reiseskizzen | Tags: Pflanzen, Pilgerweg, Schwaben 3 KommentareGestern, nach Morgenrast mit Weitblick, führte mein Weg den ganzen Vormittag durch den Wald, nur kurz von ein paar Häusern – hier Weiler genannt – unterbrochen. Ich kam schnell voran, so dass ich einige Kilometer vor dem Ziel an einer blühenden Wiese nach einer Pflanze zum Zeichnen Ausschau hielt. Am liebsten würde ich sie ja alle abbilden, die wunderbaren Wegrandbegleiter, gerade jetzt im Juni …
Neben dieser Wiese war wiederum ein Rastplatz mit Tisch eingerichtet, mitten im Nirgendwo, und dort setzte ich mich mit einer Flockenblume hin und begann konzentriert zu zeichnen. Bis ein Auto neben mir hielt, ein junger Mann ausstieg und dreimal fragte: „Hamsch a Hund gsähe?“ Was, wie? Ach einen Hund, nein hab ich nicht gesehen, leider. Ich habe mir später immer wieder vorgestellt, wie ich wohl aus der Sicht der jungen Burschen ausgesehen haben mag, so mit Wanderhut, Zeichenmaterial und Tablet an einem Tisch am Waldrand …

Am Weg
Veröffentlicht: 19. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Aquarell, Bewohntes Gelände 7, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Kochertal, Pilgerweg, Schwaben, Schwäbisch Hall Ein KommentarWann immer es geht, versuche ich bei einer Rast zu zeichnen, was ich sehe. Keine spektakulären Ansichten, keine lange gesuchten Blickwinkel – die Übung heißt in diesem Fall, das Besondere im Alltägliche zu sehen. Da das auch immer mal schiefgeht, greife ich in diesem Fall zur Postkarte.
Gern rastet die Pilgerin auf Friedhöfen, wenn sie an einer Kirche gelegen sind. Immer findet sich eine Bank, windgeschützt und im Schatten, auch wenn die Kirchentür verschlossen ist.
- Rast auf dem Friedhof in Geislingen am Kocher, nahe der Kochertalbrücke.
- Gegenüber der Tullauer Kirche, kurz hinter Schwäbisch Hall.
Auch in Tullau hatte ich das Kirchlein im Rücken, ohne Friedhof, dafür mir Blick auf ein unsaniertes Fachwerkhaus mit üppigem Garten und Backofen darin.

Manchmal allerdings ist der Blick vom Rastplatz nicht alltäglich, wie hier oberhalb von Westheim, wo ein perfekter Grillplatz mit Tisch und Bänken die Aussicht feierte – früh um acht war ich selbstverständlich allein an dem Ort. (Wie überhaupt weitgehend auf meinen Wegen. Andere Pilger habe ich keine getroffen, Wanderer sehr vereinzelt, eher Radfahrer.)
Im Kochertal
Veröffentlicht: 17. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 7, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Fachwerk, Kochertal, Pilgerweg, Schwaben, Schwäbisch Hall Hinterlasse einen KommentarVon Schwäbisch Hall hat sicher jeder schon einmal etwas gehört, wo es liegt, wissen vermutlich die wenigsten (es sei denn, sie leben hier irgendwo um die Ecke). Schwäbisch Hall (eigentlich nur „Hall“, der Zusatz kam erst spät) liegt am Kocher, einem gar nicht so kleinen Fluss, der sich ein bis zu 200m tiefes Tal in die umgebenden Kalksteinebenen gegraben hat.
Autofahrer kennen vielleicht die Kochertalbrücke, eine spektakuläre Stahlbetonbtücke, die das Tal in großer Höhe überspannt.

Kochertalbrücke im Regen.
Schwäbisch Hall ist eine schöne Stadt, der man den Reichtum einer alten Salzstadt noch heute ansieht. Fachwerk über Fachwerk, ich konnte mich gar nicht satt sehen, und habe mich dann für ein besonderes prächtig dekoriertes Haus entschieden, um dann feststellen zu müssen, dass weder meine Geduld noch die Feinheit meiner Zeichenmaterialien den vielen üppigen Schnitzereien, Dekoren, Masken und Zierleisten gewachsen waren.

Besonders üppig dekoriertes Fachwerkhaus in Schwäbisch Hall.
Unterwegs
Veröffentlicht: 15. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände, Bewohntes Gelände 7, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Hohenlohe, Orchidee, Pflanzen, Pilgerweg, Rothenburg o.d.T 7 KommentareSeit vier Tagen bin ich wieder unterwegs, ein Tag Anreise und drei Gehtage, von Rothenburg o.d.T. südwestwärts über die Hohenloher Ebene, dem Jakobsweg folgend, der hier in der Gegend wiederum dem Schwäbischen Hauptweg Nr.8 folgt, eine für südwestdeutsche Verhältnisse dünn besiedelte Gegend mit ausgedehnten Waldgebieten.
Im Zug habe ich mir erst einmal damit die Zeit vertrieben, den Inhalt meiner Zeichentasche abzubilden.
- Meine aktuellen Reisebegleiter.
- Rotheburg, „Plönlein“, ein beliebtes Fotomotiv.
Die Überraschung des ersten Wandertages war die Pflanzenwelt. Am frühen Nachmittag saß ich selig in einer Wiese voller z.T. hüfthoher Orchideen, besonders prächtiger Exemplare des Knabenkrauts.

Bevor ich am nächsten Tag, gestern, aufbrach, trödelte ich noch ein bisschdn herum und versuchte dem Ort Schrozberg etwas liebenswertes abzugewinnen. Schließlich zeichnete ich, was ich sah – getreu dem Motto der Urban-Sketching-Bewegung – und das war in diesem Fall ein 70/80-Jahre Wohnblock mit tchibobrauner Ladenzeile gegenüber der geschlossenen Kirche.

Gegenüber dem Pilgerrastplatz in Schrozberg, sozusagen das Ortszentrum.
Heute staunte ich nicht schlecht, als ich, kaum war ich von meiner Übernachtung im Tal wieder auf die Hochebene gestiegen, hinter den Bäumen ein paar Rotorblätter sich bewegen sah. Und wirklich: der fürstlich-hohenlohische Wald steht voller Windräder! Sie drehten sich heute nur langsam und sahen ein bisschen aus wie Wesen aus einer anderen Welt.

Windräder im Wald, eine Überraschung.
Ein Versuch in Leichtigkeit
Veröffentlicht: 10. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Aquarell, visuelles Tagebuch | Tags: Marie Curie, Rose 3 KommentareMan kann es ja mal versuchen. Locker die Formen andeuten, sich gar nicht erst vornehmen, jedes Detail abzubilden, und vor allem: im richtigen Moment aufzuhören. Seit Tagen holte ich mir immer neue Sträuße Gartenrosen in die Wohnung (sie halten ja nicht lange), stellte sie vor mich auf den Tisch und hoffte auf den richtigen Moment für ein Bild – heute Abend war er endlich gekommen.
(Vor Jahren, als ich den Rosenbusch neu gepflanzt hatte, habe ich winters seine ersten Hagebutten gezeichnet, die Hagebutten der Physikerin.)

Ein Strauß Rosen der Sorte „Marie Curie“ aus meinem Garten.
Radieschen
Veröffentlicht: 9. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Aquarell, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Gemüse, Rot 4 KommentareErster Urlaubstag – mittags gibt es kalte Suppe mit Radieschen, Gurke und Rote-Bete-Saft; und ich nehme mir die Zeit, die Radieschen zu malen. Aquarell im Alltagsbuch, zügig soll es gehen, doch am Ende ist das Motiv doch wieder komplexer als gedacht. So lasse ich die Farbe erst einmal trocknen, mache ein Foto, esse die Suppe und widme mich dem Bild am Abend noch einmal.
Dieses Mal habe ich zum Schluss dann doch noch etwas Tinte eingesetzt – das komplizierte Geflecht der Mäuseschwänzchen wollte sich anders einfach nicht in Szene setzen lassen. Ich bin ganz glücklich mit der Auswahl an Rot, die mein kleiner Kasten nun zu bieten hat: vom hellen Kadmiumrot (hier nicht mit dabei) über Scharlach, Magenta, Opernrosa bis zu dunklem Krapp.

Radieschen. Aquarell mit etwas Tinte und Marker im Kunst&Papier Skizzenbuch.
Schildkröten
Veröffentlicht: 5. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Dresden, Sachsen, Schildkröte Hinterlasse einen KommentarNoch vor dem großen Fliegenmodell habe in einem der Tropenhäuser des Botanischen Gartens der Dresdener Universität einige Schildkröten gezeichnet. Schildkröten sind dankbare Objekte, denn sie bewegen sich bekanntlich nur wenig – wobei diese Art, die Amerikanische Gelbwangen-Schmuckschildkröte, unter Haltern als „lebhaft“ gilt. Den Namen habe ich erst durch Recherche herausgefunden – sie waren, anders als alle Pflanzen, nicht bezeichnet. Dabei habe ich erstaunt erfahren, dass die Tiere fast schon als invasive Art gelten. Immer mal wieder werden welche in der Elbe oder anderswo ausgesetzt und landen dann in mittlerweile schon ziemlich überfüllten Auffangstationen. Vielleicht ist das Tropengewächshaus ja auch so ein Schildkrötenasyl.

Gelbwangen-Schmuckschildkröten im Botanischen Garten Dresden. Gezeichnet mit blaugrauer Tinte von deAtramentis auf vorgrundiertem Stillman&Birn Beta.
Ziemlich große Fliege
Veröffentlicht: 3. Juni 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Dresden, Museum 2 KommentareAm Wochenende war ich in Dresden, zwei angefüllte Tage zwischen verschiedenen Museen, dem Botanischen Garten und langen Gesprächen. Fast überraschend war auch noch Raum zum Zeichnen, und ein besonders geeigneter Ort dafür ist das Hygienemuseum . Neben der Sonderausstellung über Haustiere – „Tierisch beste Freunde“, daher die Anregung für den Titel – bietet die ständige Schau eine unübersehbare Menge an Modellen, Präparaten und Mitmachobjekten – weshalb auch ein Mensch mit kleinem Farbkasten überhaupt nicht auffällt und ich alles schön vor Ort fertig kolorieren konnte.
Dieses Modell der Lieblingsfliege aller Genetiker ist etwa zwei Meter groß; erst wollte ich noch einen Besucher daneben stellen, so als ganz korrekten Urban Sketch, aber die Fliege war gezeichnet so raumgreifend, dass ich es bei der Beschriftung belassen habe.

Etwa zwei Meter hohes Modell einer Fruchtfliege im Hygienemuseum Dresden. Das Papier hatte ich etwas vorgrundiert, daher hat die Fliege nun rote Punkte an ungewöhnlicher Stelle. Gezeichnet mit brauner Tinte von deAtramentis, etwas grauem und weißem Marker und Wasserfarbe von Schmincke.
Westwerk
Veröffentlicht: 26. Mai 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Architektur, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Architektur, Drübeck, Kloster, Romanik Ein KommentarKirchen sind in den meisten Fällen in Ost-West-Richtung gebaut, unser Ausdruck „Orientierung“ stammt daher, sie sind nach Osten, Richtung Orient, ausgerichtet. Zum Lichten, Hellen, zum Sonnenaufgang hin stand in mittelalterlichen Kirchen der Hauptaltar; nach Westen, von wo die Nacht mit ihren Dämonen heraufzog, baute man Bollwerke, Türme, manchmal symbolisch, manchmal durchaus von realem Verteidigungswert. „Westwerk“ nennen Kunsthistoriker diese westlichen Querriegel.
In Drübeck habe ich mich am letzten Abend vor die Westseite der Kirche gesetzt und im sinkenden Licht erst einmal eine schnelle Vorzeichnung in einer Linie gemacht, immer wieder hilfreich, um herauszufinden, was mich an einem Motiv am meisten interessiert. Dann ging es los mit Perspektive, schön ordentlich mit Abmessen und Hilfslinien. Den Moment, auf einen etwas kräftigeren Stift umzusteigen, habe ich verpasst, und irgendwann wurde es auch am schönsten Frühlingsabend dunkel.
Zu Hause, heute, habe ich der Zeichnung erst ordentlich Farbe verpasst – und dann doch noch ein paar kräftige Linien eingefügt, weil das Ganze mir ansonsten zu vage war.
- Erste schnelle Vorzeichnung, weitgehend in einer Linie.
- Zarter grauer Marker (Derwent) auf vorgetöntem Grund (Stilmann&Birn Zeta)

Erst Farbe, dann kräftigere Linien mit Füller – die Westfassade der Drübecker Kirche im Abendlicht.







