An der Trave
Veröffentlicht: 17. März 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Dinge, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Lübeck Hinterlasse einen KommentarAb und zu habe ich in Travemünde zu tun, und meist – ich weiß nicht warum – ist das Wetter schlecht und der einst vornehme Ferienort an der Ostsee sieht dann noch mehr nach alter Bundesrepublik als sonst. Da setzt man am besten noch eins drauf und geht ins Café Niederegger Marzipantorte essen.
Ich fand einen schönen Fensterplatz mit Blick auf die Trave, und nach ein paar sehr anstrengenden Tagen verbrachte ich dort eine wunderbare Zeichenstunde. Zuerst wollte ich das so schön altmodische Geschirr mit seinem roten Streifen zeichnen – wo gibt es sowas noch? – doch dann drängelte sich die Lampe mit ihrem Lichtschein in den Vordergrund. Die Kellnerin bestand darauf, mich schon einmal zeichnend gesehen zu haben – erst als wir beide gingen – ihre Schicht war zu Ende – fiel uns ein, dass das vor einigen Jahren in der Lübecker Innenstadt-Filiale gewesen war …

Blick aus dem Café Niederegger über die Trave. Die seltsamen Knollen vor dem Fenster sind beschnittene Promenadenbäume.
Zweimal Markt
Veröffentlicht: 26. Februar 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Madeira 2018, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Funchal, Madeira, Markt Hinterlasse einen Kommentar„Markt auf Madeira“ ist ein touristischer Topos, an dem niemand vorbeikommt, der sich hier aufhält, gehört doch das Angebot an exotischen Früchten zu dem sehenswertesten, das die Insel zu bieten hat. (Ich schreibe mit Absicht „Früchte“, denn beim Gemüse ist die Auswahl zwar groß, bewegt sich aber in deutlich vertrauteren Bahnen.)
Richtig lohnt sich der Besuch der zentralen Markthalle von Funchal eigentlich nur am Freitag und Samstag, wenn in dem architektonisch schönen Gebäude ein echter Bauernmarkt stattfindet – ansonsten bekommt man das Obst deutlich günstiger und mit mindestens ebenso großer Auswahl in den „Frutaria“ genannten Geschäften – eins ist gleich gegenüber.
So bin ich letzten Samstag, als ich aus den Bergen zurück war, auch gleich früh zum Markt gegangen – und habe mich, im schönsten Getümmel, ins Café VOR die Halle gesetzt, um endlich den Morgensonnenbblick auf die alte Zuckerfabrik einzufangen. (Das ist sozusagen der Blick auf die Stelle, von der aus ich an einem der ersten Tage die Markthalle gezeichnet hatte.) Nachher war ich dann noch kurz in der Fischhalle.

Blick auf die alte Zuckerfabrik in Funchal am Morgen – und angedeutet ein paar Fische in der Markthalle.
Dann war es schon fast Mittag. Zu meiner großen Freude saß heute auch wieder eine Schau-Stickerin vor einer der Stickereimanufakturen, so dass ich mich trotz Autos und Abgasen daran machte, sie zu zeichnen – Caféhausstühle zum Hinsetzen gibt es dort zum Glück genug. Die echte Madeira-Stickerei fasziniert mich immer wieder; sie ist keine Volkskunst, sondern ein Kunsthandwerk, das im 19.Jahrhundert als effektive Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eingeführt wurde.

Schau-Stickerin vor einer Stickereimanufaktur. (Gestickt wird normalerweise natürlich zu Hause, in der Manufaktur werden die Stücke vor- und nachbereitet.)
Der nächste Tag – gestern, mein vorletzter Tag auf Madeira – war ein Sonntag, und sonntags gibt es einige große Märkte in Kleinstädten; Märkte, die weitgehend von Einheimischen besucht werden. Entsprechend unromantisch geht es dort zu, eine nüchterne Halle, keine vordergründige Exotik. Da es draußen in Strömen groß und der Ort – Estreito de Câmara de Lobos – auf 500m Höhe liegt, war die Atmosphäre eher matschig-grau, alle Männer, die sonst mit ihrem Kaffee und ihrem Schnaps draußen gestanden hätten, drängten sich drin am Geländer.
Zurück in Funchal war es Mittag, und ich bin ins Selbstbedienungsrestaurant bei Pingo doce, einem großen Supermarkt, eingekehrt. Ich mag diesen Ort, erstens bekommt man dort preiswert beste portugiesische Hausmannskost zu essen, und zweitens kann man relativ ungestört Menschen aller Bevölkerungsgruppen zeichnen.

Männern an Geländern – in einem bergigen Land ein vertrauter Anblick. Auf der rechten Seite zwei Porträts aus dem Selbstbedienungsrestaurant in Funchal.
Januar
Veröffentlicht: 16. Januar 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Moderne, Oper, Porträt Hinterlasse einen KommentarMein schönes Dezemberbüchlein ist, ungedenk aller guten Vorsätze, doch nicht ganz voll geworden und hat noch für mehr als den halben Januar gereicht. Kaum hat sich der Vorsatz des Täglichzeichnens verdünnt, steigt auch der Aufwand für das einzelne Blatt: alle drei hier gezeigten sind zu Hause oder im Zug koloriert, wenn auch in sehr unterschiedlichem Umfang.
Zuerst ein Porträt eines Schweriner Pastors i.R., schnell mit brauner Feder gezeichnet bei einem anregenden Sonntagsnachmittagsgespräch und später nach Foto noch ausgiebig koloriert.

Porträt P.V., Pfarrer im (Un)Ruhestand.
Im Theater zu zeichnen hat immer mehrere Tücken: meist ist es dunkel im Saal, und wenn man zu sehr raschelt und kratzt, fühlt sich die Nachbarschaft belästigt. Also auch hier nur ein paar Striche mit Bleistift, quasi Blindzeichnen. Umso schöner, wenn die Betrachtung bei Licht authentischer geworden ist als erwartet und die nachträglich aufgetragene Farbe die Stimmung bewahrt. Hier der aktuelle Schweriner Otello: Desdemona im magentafarbenen Kleid und Otello als überangepasster Mohr in deutscher Offiziersuniform.

Verdis Oper Otello in der aktuellen Schweriner Aufführung.
Den unbestreitbaren Farbenhöhepunkt bildete die aktuelle Ausstellung des Schweriner Staatlichen Museums, das große Teile der Sammlung Frank Brabant zeigt, mit dem Schwerpunkt auf Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Nicht nur, dass die Bilder selbst z.T. sehr farbkräftig waren, man hat sie, angelehnt an die Hängung in der Brabantschen Wohnung, auch vor kräftig farbige Wände gehängt. Im Vergleich zu meiner sonstigen Neigung zu eher verhaltenen Tönen ist mein Skizzenblatt geradezu eine Primärfarbenorgie geworden.
Auf der linken Seite habe ich das Bild „Der Pope“ von Josef Scharl abgebildet, einem jener Künstler, deren künstlerische Laufbahn durch Krieg und Emigration gebrochen war. Das Bild hat mich durch die starke Präsenz des Abgebildeten tief beeindruckt. Wieder einmal habe ich festgestellt, wie sehr viel mehr ich mich einem Kunstwerk nähere, wenn ich es zeichne als wenn ich es nur betrachte. Rechts hinter den beiden Besucherinnen angedeutet ist ein in Rot, Orange und verschiedenen Blautönen geradezu explodierendes Porträt des Sammlers Brabant zu angedeutet.

Eindrücke aus der Ausstellung der Sammlung Brabant in Schwerin. Mehr Gouache als Aquarell.
Dezemberbilder 3
Veröffentlicht: 26. Dezember 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Freiberg/Sa., Katzen 2 KommentareVorweihnachtszeit- und Weihnachtstage, gefüllt mit Familie. Für eine kleine Skizze findet sich fast immer der Raum, und ein bisschen Collage stellt den Bezug zum Erlebten auf einer weiteren Ebene her.

Nach dem Einkaufen für meine Mutter raten wir noch ein bisschen Kreuzworträtsel.
Am Heiligen Abend bin ich bei meiner Mutter, deren Welt sehr klein geworden ist. Der Duft der Räucherkerze ist ein wunderbarer Anker in die Kinderweihnachtszeit. Zum Zeichnen hatte ich einige Seiten mit verschiedenen Papieren vorbereitet, entschieden habe ich mich für eine mit einem Stück handgefertigtem Einwickelpapier.

Ein Räuchermann aus Freiberg/Sa., wo ich geboren bin.
Den zweiten Weihnachtstag verbringe ich mit meinen erwachsenen Kindern zu Hause. Sohn und Kater liegen einträchtig auf dem neuen grünen Sofa.

Dezemberbilder 2
Veröffentlicht: 17. Dezember 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Ink&Wash, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Pflanzen Hinterlasse einen KommentarHier kommen die nächsten beiden Bilder aus dem kleinen Hahnemühle-Buch.

Gestern war ein Freund mit seinem kleinen Sohn zu Besuch. Während wir uns unterhielten, lag der Knabe ganz versunken auf dem Fußboden und spielte mit der Brio-Bahn (die ich von meinen Kindern aufbewahrt habe.)

Ein Bild aus der Serie „Auf dem Tisch unter der Lampe“. Dieses Mal eine letzte Gartenrose in einer seltsam messingfarben glasierten Vase aus den 60ern.
Dezemberbilder
Veröffentlicht: 11. Dezember 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Artist Journal, Dinge, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Krankenhaus, Ludwigslust, Stift Bethlehem Hinterlasse einen KommentarManchmal gelingt es mir trotz aller guten Vorsätze nicht, mich zum Zeichnen aufzuraffen, und – wer kennt das nicht! – das aufkommende schlechte Gewissen macht den Neuanfang von Tag zu Tag schwerer. Für solche Zeiten habe ich ein Skizzenbuch, aus dem nichts veröffentlicht wird. Es liegt auf dem Esstisch, Stifte und Pinsel daneben. Meistens klappt es, und nach ein paar Tagen ist die Blockade überwunden.
So auch dieses Mal. Und, nein, ich zeige jetzt auch nichts aus diesem Buch, sondern das, wozu es mich angeregt hat. Bei meinem Gerstäcker-Besuch in Dresden hatte ich mir ein kleines Hahnemühle-Aquarellbuch mitgebracht, 30 Seiten, gerade passend für einen Monat. Hier ein paar Seiten daraus.
- Eine winzige Tasse, ich fand sie zwischen anderen Erinnerungsstücken, ohne noch zu wissen, wen sie woran erinnern wollte.
- Ein Walnuss-Puzzle.
- Der Stern von Bethlehem. Er hängt vor dem Hauptgebäude des Stift Bethlehem Ludwigslust, einer diakonischen Einrichtung mit langer Tradition.
- Weiße, rosa und gelbe Bete; zum Zeichnen gekauft, fing sie schon an, runzlig zu werden.
- Auf dem Flur der Notaufnahme, in einem der seltenen stillen Momente dort.
- Granatapfel.
Dresden
Veröffentlicht: 5. November 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Architektur, Artist Journal, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Architektur, Dresden, Moderne Hinterlasse einen KommentarLetzte Woche war ich für ein paar Tage in Dresden. Gelegenheit für ausgedehnte Studien boten weder Wetter noch Umstände: wie gut, dass ich das kleine „Report-&-Art“-Buch von Hahnemühle in der Tasche hatte. Das Büchlein war Teil des Gabenbeutels beim Eutiner Treffen; ich wusste erst so recht nichts damit anzufangen – extremes Landschaftsformat ist eher nicht mein Ding, und A6 finde ich eigentlich zu klein – , doch nach der Reise habe ich es richtig lieb gewonnen mit seinen stoßfesten runden Ecken, seiner Stiftschlaufe und der schönen planliegenden Heftung. (Und das Wetter ermöglicht dazu die passende Kleidung mit großen Jackentaschen.)
Meine Wege führten mich auf das Gelände der Technischen Universität, wo ich eine freie Stunde in der Bibliothek verbrachte. Diese Bibliothek ist ein ungewöhnlicher Bau, der sich vorwiegend unterirdisch erstreckt, „ein Ort für Leser, nicht für User“, wie der Architekt es beschreibt, mit einem altmodischen Lesesaal in der Tiefe, umgeben von Galerien; ein Ort voll zeitloser Stille, von fast magischer Intensität.

In der Dresdener Universitätsbibliothek, gezeichnet mit brauner Tinte von deAtramentis in Hahnemühle „Report & Art“
Vor der Abfahrt hatte ich gerade noch genug Zeit für die Jacob-Böhme-Ausstellung im Residenzschloss. In der rekonstruierten Schlosskapelle ist der Versuch unternommen worden, das Gedankengebäude dieses fast vergessenen Mystikers zu visualisieren. Leider erforderten die zahlreichen ausgestellten Originalmanuskripte eine sehr gedämpfte Beleuchtung, die die Betrachtung mancher Exponate mühsam machte. Am Ende widmete ich mich beim Zeichnen der Architektur: das Deckengewölbe ist, wie fast alles am Dresdner Residenzschloss, eine Rekonstruktion, und zwar eine höchst kunstvolle: das Gegenteil von Kulissenbarock.

In der rekonstruierten Dresdner Schlosskapelle.
Bunte Stube und bunte Mischung
Veröffentlicht: 24. Oktober 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Ink&Wash, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Mecklenburg, Schwerin Hinterlasse einen KommentarAls Nachtrag meines Greifswald-Besuchs traf ich mich zwei Tage später noch einmal mit Freunden, die in Ahrenshoop Urlaub machten. Während die beiden in der „Bunten Stube“ nach Geschenken suchten, versuchte ich so schnell wie möglich das künstlerkoloniemäßige Äußere des Baus einzufangen (Bäderstil x Bauhaus). „So schnell wie möglich“ hieß in diesem Fall, dass die kleinen Kritzeleien noch kritzliger wurden und das größere Bild beim Aufbruch noch recht im Rohbau war; ausgebaut habe ich ihn dann zu Hause.

Die „Bunte Stube“, ein traditioneller Andenken- und Buchladen in Ahrenshoop.
Zu Hause habe ich ein bisschen „Reportage“ geübt und dabei die kleinen Bilder etwas größer gemacht und mit Farbe versehen. Links der Schweriner Hauptbahnhof mit dem „Seenotbrunnen“ auf dem Bahnhofsvorplatz, dessen erotisch aufgeladene Szenerie zur Zeit der Aufstellung die Schweriner Gemüter erhitzte. Rechts zwei Blitzlichter meines heutigen Abendessens im Einkaufszentrum.

Schweriner Stadtszenen, schnell und ohne Vorzeichnung mit Füller gezeichnet und zu Hause koloriert.
Reportage
Veröffentlicht: 24. September 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Artist Journal, Markt, mixed media, Schwerin Hinterlasse einen KommentarIn der letzten Zeit habe ich mich ein bisschen intensiver damit beschäftigt, wie es mit dem derzeitig ziemlich populären „urban sketching“ eigentlich angefangen hat. Visueller Journalismus durch Zeichnen, das war das Motto der ersten Gruppe um den spanisch-amerikanischen Zeichner Gabriel Campanario.
So eine gezeichnete Reportage ist nicht einfach: Menschen bewegen sich, die Szene wechselt, das Wetter auch, ein Logenplatz zum Sitzen ist eher die Ausnahme und nachträgliches Überarbeiten ist nicht jedermanns Sache. Heute habe ich es mal mit einem Ereignis versucht, das in in gewisser Weise ebenso spontan, authentisch und unperfekt war – und ebenso meint unter einer englischen Überschrift daherkommen zu müssen: der Symphonic Mob auf dem Schweriner Marktplatz, einem Mitmach- und Mitsingkonzert.
Ich habe das Bild komplett vor Ort gezeichnet, einschließlich Farbe, Schrift und ungeplantem lila Farbklecks. Überragt werden die Musiker von Peter Lenks garstig-schönem Löwendenkmal.

Beim Symphonic Mob auf dem Schweriner Markt; Graphit und Wasserfarbe in einem Hahnemühle Aquarellbuch.
Nichtengeschichten – Teil 3 und Schluss
Veröffentlicht: 27. August 2017 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Ink&Wash, Pflanzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Schwerin Hinterlasse einen KommentarNach dem Schuhkauf ging es ins Hüpfburgenland – das die beiden schon am Vortag beim Vorbeifahren mit großen Augen angestaunt hatten: primärfarbenbunte Scheußlichkeiten aus Plastik, weithin über den Schweriner Burgsee leuchtend. Mein Onkel, der Opa der beiden, pflegte die Definition von Kitsch daran festzumachen, ob etwas Kindern gefiele … Nun, die beiden waren begeistert.
- Im Hüpfburgenland. Primärbuntes Plastik, die Mädchen mögen es.
- Immerhin – das Wetter bessert sich im Lauf des Nachmittags, und ich lasse mich vom Himmel über Schwerin faszinieren.
Der nächste war der letzten Nichtentag, und wir verbrachten ihn zusammen mit Freunden entspannt im Schweriner Volkskundemuseum. Zwischen alten Bauernhäusern – die für meinen Geschmack leider etwas unvermittelt im Gelände stehen – ist ein idealer Platz für Familien mit Kindern: Spielmöglichkeiten, Picknickplätze, Seeufer (und wenig Publikum, schön für uns und schade für das Museum.)
- Freund Kai hält Ausschau nach dem Wetter.
- Es herbstet schon.










