Rückblick 2
Veröffentlicht: 3. Juli 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Gotik, Pilgerweg, Thüringen 4 KommentareHeute habe ich wieder ältere Skizzenbücher rin die Hand genommen, z.B. das von der 2.Etappe meiner Pilgerwanderung, einiges noch einmal neu gescannt und die alten Beiträge wieder gelesen – schon wieder zwei Jahre her …
Diese Etappe führte von Naumburg durch Saale- und Ilmtal über Weimar nach Erfurt.
Die Beschreibungen zu den Bildern finden sich in den einzelnen Blogbeiträgen.
- Marientor in Naumburg
- Westfassade der Zisterzienser-Kirche in Schulpforta.
- St. Mauritius in Bad Sulza
- Johannes der Täufer auf dem Altar der Eierstädter Kirche.
- Die Predigerkirche in Erfurt.
Ausblick, Rückblick
Veröffentlicht: 26. Juni 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 1, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Gotik, Harz, Pilgerweg, Romanik Ein KommentarZuerst der Ausblick: Vom 4.September 2016 an werde ich einige meiner Bilder in einer Ausstellung zeigen, und zwar in der Auferstehungskirche in Berlin Friedrichshain, Friedensstraße 83, 10249 Berlin. Eröffnung ist am 4.September, Sonntag, ab 11:00.
Es werden Reise- und Alltagsskizzen aus den letzten drei Jahren sowie einige botanische Arbeiten zu sehen (und auch zu erwerben) sein. Die Ausstellung wird bis in den Herbst hinein dauern. Zu besichtigen ist sie immer sonntags von 10 – 14 Uhr sowie Dienstag 16 – 18 und Donnerstag 14 – 17 Uhr.
Der Rückblick ergibt sich daraus: ich habe alle Skizzenbücher und -blätter der letzten Jahre noch mal in die Hand genommen, einiges neu gescannt, geordnet … So kann ich jetzt hier bereits einiges ältere „neu“ zeigen. Ich beginne mit der ersten Etappe meiner Pilgerwanderung.
Im April 2014 begann ich mir den lange gehegten Traum zu erfüllen, auf einen Pilgerweg zu gehen. Über viele Jahre hatte ich den Gedanken in meinem Herzen bewegt, hatte äußere Zwänge bedacht und innere Wünsche betrachtet, bis am Ende „mein Weg“ daraus wurde, der auch diesem Blog seinen Namen gab: ein Etappenweg über „Bewohntes Gelände, entlang der Spuren unserer Vorfahren, der Schnittstellen von Kultur und Natur, Geschichte und Gegenwart, menschlichem und göttlichem. Manchmal führte er auf klassischen Pilgerrouten, manchmal mäanderte er zwischen ihnen herum.
Gestartet bin ich in der Mitte Deutschlands, am nördlichen Harzrand, in der Gernröder Stiftskirche, in die ich mich schon bei früheren Besuchen „verguckt“ hatte und die mir ein guter Ort zu Beginnen schien. Neben dem Portal sind dort einige Sätze Wilhelm von Kügelgens anlässlich des Wiederaufbaus der Kirche im 19.Jahrhundert zu lesen:
Diese alten Kirchen sind versteinerte Psalmen. In solcher Kirche kann die Predigt zur Not wegfallen, weil die Steine predigen.
- Romanischer Taufstein in der Gernröder Kirche.
- Kirche und Pfarrhof in Pansfelde, einem Dorf im Unterharz.
- Irgendwo im Unterharz.
- Der Bahnhof Eisleben – einer der vielen „Geisterbahnhöfe“ in der strukturschwachen Region.
- Die Burgkapelle der Querfurter Burg. Hier lerne ich etwas über den Heiligen Brun von Querfurt und bin verblüfft über die zarte Rokoko-Ausmalung des so romanischen Baus.
- St.Ulrici in Sangerhausen, ein beeindruckender Bau, wuchtig und hoch aufragend zugleich.
- Wegrand.
- Das Etappenziel: der weltberühmte Naumburger Dom.
Heiligengrabe
Veröffentlicht: 15. Juni 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Urban Sketching | Tags: Brandenburg, Fachwerk, Gotik, Heiligengrabe, Zisterzienser 2 KommentareHeiligengrabe ist einer jener Plätze, die man, zumindest wenn man irgendwo zwischen Berlin und Hamburg lebt, als Schild an der Autobahn kennt. Dass sich dort eine bedeutende und gut erhaltene Klosteranlage mit zisterziensischen Wurzeln befindet, wusste ich zwar schon länger, hatte sogar schon einmal einen in einem Sturzregen ertränkten Versuch gemacht, sie mir anzusehen, doch erst in diesem Sommer bin ich mit vollen Sinnen dort gewesen.

Die Heiligengrabkapelle. Sie enthält eine symbolische Nachbildung des Grabes Christi, ein im Mittelalter nicht seltenes ikonographisches Motiv.
Vermutlich ist es kein Zufall, dass der Ort, obschon vielfältig mit der Welt verbunden (z.B. durch ein breites Kursangebot), auf eine gewisse Weise vor ihr verborgen bleibt . Achthundert Jahre lang wurden hier die Töchter des brandenburgischem Adels in Kargheit und Strenge erzogen, achthundert Jahre lang wurden hier in aller Stille Verbindungen geknüpft, leise Fäden der Macht gezogen, Standesbewusstsein gepflegt. Zuerst, bis zur Reformation, in einem zisterziensischen Nonnenkloster, danach in einem adligen Damenstift, ab der Mitte des 19.Jahrhunderts in einer Internatsschule, die nach modernen pädagogischen Prinzipien unterrichtete und jungen Frauen ermöglichte, nach ihrem Abschluss einen Beruf zu ergreifen.
Nach 1945 fand eine aus Schlesien geflohene diakonische Einrichtung Zuflucht auf dem Gelände, und auch einige Stiftsdamen waren geblieben. Seit der Wende ist der Konvent wieder am Wachsen.

Am Damenplatz. In diesen barocken Fachwerk-Reihenhäusern lebten die Stiftsdamen ab dem 18.Jahrhundert.
Schweriner Bilder
Veröffentlicht: 14. Juni 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Urban Sketching | Tags: Mecklenburg, Schwerin 3 KommentareVor zwei Wochen hatte ich das Vergnügen, mit einigen Zeichenkollegen und -kolleginnen gemeinsam einen Tag lang in Schwerin zu zeichnen. Und wie das so ist: die meisten Plätze hatte ich auch allein noch nicht abgebildet. Meint man doch immer, das könnte man ja jederzeit (und ein andermal, wenn man nicht auf Reisen ist) tun.

Begonnen haben wir unseren Stadtrundgang an der barocken Schelfkirche. Sie steht an einem stillen baumumstandenen Platz voller schlichtem, fast ein wenig ländlich anmutendem Fachwerkbarock. Wie jüngere Forschungen vermuten lassen, war ihr Vorgängerbau vermutlich im Kern älter als der Schweriner Dom.

Der östliche Chorraum des Schweriner Doms, gesehen vom Hof eines kleinen Restaurants in der Nähe.
- Am Abend noch der Blick über den Burgsee zum Schloss, mit seinen Kuppeltürmchen und seinem historistischen Prunk ein Neuschwanstein des Nordens.
- An einem der nächsten Tage habe ich mich dann am frühen Morgen in den Burggarten gesetzt und diese Brunnenfigur in der Morgenfrische skizziert.
Vietlübbe
Veröffentlicht: 10. Juni 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Backstein, Mecklenburg, Romanik, Vietlübbe 2 KommentareDas Dorf Vietlübbe liegt knappe 20 km nordwestlich von Schwerin, und es ist auch darüber hinaus wegen seiner ungewöhnlichen romanischen Kirche bekannt. Die Kirche ist eines der ältesten in Mecklenburg erhaltenen Bauwerke überhaupt, architektonisch verwandt dem Ratzeburg Dom, mit einem Grundriss in Form eines gleichschenkligen, „griechischen“ Kreuzes. Diese Kreuzkonstruktion ergibt zusammen mit den wuchtigen Rundbögen einen archaischen, ganz und gar romanischen Eindruck. (Von außen ist der durch einen hohen spitzen Holzturm deutlich in die gotische Länge gezogen.)
1989 wurde die Kirche generalüberholt und „reromanisiert“, Einbauten des 19.Jahrhunderts und die Übermalung im Stil der Zeit wurden entfernt und durch schlichte rot-weiße Kalkmalerei ersetzt. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Auffassungen von Authentizität zu verschiedenen Zeiten waren und sind – hier im Vergleich der Zustand vor der Renovierung.
Auch wenn die Authentizität nur eine vermutete ist und ich mir die Lebensverhältnisse im Mecklenburg um 1250 nicht herbeiwünsche – der Raumeindruck war überwältigend. Eine freundliche Küsterin ließ mich eine ganze lange Stunde zum Zeichnen allein, eine Stunde, die mir vorkam wie ein ganz besonderes Stück Zeit, ein Stück geschenkte Ewigkeit.

Innenraum der Kirche von Vietlübbe in Nordwestmecklenburg.
Lavendel und Schokolade
Veröffentlicht: 2. März 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Ink&Wash, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Funchal, Madeira, Tee Ein KommentarMadeira hat neben seiner portugiesischen auch eine britische Vergangenheit, und in der Inselhauptstadt Funchal findet man deren Spuren vielerorten. So gibt es neben den allgegenwärtigen „Pastelarias“ – Bäckerei, Café, Imbiss in einem – auch einige sehr schöne Tea Houses. Ein besonders hübsches heißt „Alfazema e chocolate“ – „Lavendel und Schokolade“. Es ist eigentlich ein Teehäuschen – eine winzige Gaststube mit drei Tischen und zwei Sitzplätzen auf den Miniaturbalkonen im ersten Stock eines Altstadthauses, die Wände in zartgrün, nicht lavendelfarben, und das Geschirr ein liebenswertes Sammelsurium in altrosa.
Dort eine Stunde oder zwei zu sitzen war ein extra Urlaub im Urlaub.

Tee und (glutenfreier!) Kuchen im Teehaus „Alfazema e chocolate“ in Funchal, Madeira.
Churchill’s Place
Veröffentlicht: 28. Februar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Artist Journal, Ink&Wash, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Madeira Ein KommentarEinige Kilometer westlich der madeirischen Inselhauptstadt Funchal öffnet sich von einer felsigen Klippe ein unerwarteter Blick in die nächste Bucht und den engen Fischerhafen darin. Diese Klippe trägt den Namen „Churchill’s Place“ – der britische Premier erholte sich hier beim Malen der damals noch ruhigen Szenerie. Heute ist der Ort etwa so authentisch wie St-Tropez, und ich hatte nach meiner Küstenwanderung Mühe, einen halbwegs ruhigen Platz in einem der Restaurants an dem engen Kai zu ergattern.

„Churchill’s Place“ im Madeirischen Fischerort Câmara de Lobos.
Wer fürchtet sich vorm schwarzen Fisch?
Veröffentlicht: 22. Februar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Fisch, Funchal, Madeira Ein KommentarDie Markthalle in Funchal ist in jedem Reiseführer zu finden, und sie fehlt vermutlich bei keiner Stadtbesichtigung. Kein Wunder, dass da die Authentizität mit den Jahren etwas leidet. Das ändert sich morgens vor neun, und besonders am Wochenende, wenn zu den stationären Ständen noch ein Bauernmarkt kommt. Auch auf dem Fischmarkt nebenan ist dann mehr los.
Mit der Zeit – und zeichnend bringt man ja immer eine Menge davon zu – schärft sich auch der Blick für die Welt hinter den Obst- und Blumenkulissen, die auch und vor allem eine reine Männerwelt ist. (Die eine zeichnende und nicht mehr ganz junge Touristin zum Glück komplett ignoriert.) Da sind die Fischhändler, die mit riesigen Messern hantieren, die Zulieferer, die Kistenträger und Eckensteher; in der Gasse draußen hängen in den Schaufenstern der Fleischerläden halbe Schweine, und wenn man weiß wo, kann man zum Mittagessen Kuttelsuppe und Ziegeneintopf bekommen.
Nach mehreren vergeblichen Versuchen, die Fischhändler mit ihren furchterregenden Arbeitsgeräten zu zeichnen, habe ich mich dann an weniger bewegliche Fischköpfe gehalten. Der schwarze Degenfisch ist der Brotfisch Madeiras, so wie es bei uns mal der Hering gewesen ist, man bekommt ihn gebraten und gegrillt in jedem Restaurant und auch am Imbiss im Sandwich. Es ist ein milder, grätenarmer Filetfisch, das richtige zum Angewöhnen für Fischskeptiker, man darf ihn nur nicht sehen. Degenfische sind Tiefseefische, mindestens einen Meter lang, mit gewaltigen Mäulern und Augen sehen sie so recht zum Fürchten aus.

Köpfe vom Schwarzen Degenfisch in der Fischmarkthalle in Funchal.
Herzreim mit Fußball
Veröffentlicht: 21. Februar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Ink&Wash, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Funchal, Madeira Hinterlasse einen KommentarIm Restaurant „Rima Coração“ in Funchal.

Im Restaurant „Rima Coração“ in Funchal. Super5 Tinte in Grau, mit einem Lamy Joy Kalligraphie-Füller.
Am fünften Tag kam der lange angekündigte Regen nach Funchal, was mir einen ruhigen Tag bescherte. Abends bin ich dann zum Einkaufen und Essen in die Stadt gelaufen (200 Höhenmeter runter, das will wohl überlegt sein). Zwischen Markthalle und Busbahnhof gibt es einige Restaurants und Cafés, die vorwiegend von Portugiesen besucht werden, und ins „Rima Coração“ lockte mich eine handgeschriebene Tafel mit Tagesgerichten wie Ziegeneintopf und geschmortem Tintenfisch – also nichts wie rein! Ich wurde nicht enttäuscht, das Essen war so köstlich wie preiswert.
Da im Fernseher – natürlich gibt es in dort einen – Fußball lief, konnte ich wunderbar Gäste beobachten und zeichnen. Der Kellner allerdings hing mit der Nase praktisch in seinem Handy, während er seine Suppe schlang.
„Rima Coração“muss auf deutsch so etwas wie „Herzreim“ bedeuten, auch wenn ich mir darauf keinen Reim machen kann. Ein orangefarbenes Herz findet sich jedenfalls im Logo. (Seltsamer Weise gibt es eins, wie auch eine Art corporate design in Orange und eine schöne bunte Touristenspeisekarte.)
Mensch, Kaktus und Ritterstern
Veröffentlicht: 19. Februar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Artist Journal, Pflanzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Amaryllis, Madeira Hinterlasse einen KommentarAm vierten Tag meiner Reise ging der Weg in den Botanischen Garten von Madeira. Das ist wörtlich zu nehmen, denn mein Hotel befindet sich in relativer Nähe dazu – es liegen nur zweihundert Höhenmeter dazwischen. Das ist in Funchal nicht viel. Also auf die Füße und los. Ich hatte den Ort in sehr schöner Erinnerung, leider wurde der Eindruck dieses Mal von Menschenscharen getrübt, die ein Bus nach dem anderen ausspieh. (Merke: Touristen sind immer die anderen.) Außerdem – der Park liegt schon 400 m über dem Meer – ging ein ordentlich kühler Wind.
Die weißen Lilien haben mich dann in ihren Bann gezogen. Ich erinnerte mich noch daran, im August weiße Amaryllen im Wald oberhalb von Funchal gesehen zu haben – sie hatten mich so fasziniert, dass sie mir später sogar im Traum erschienen sind!
Später habe ich mich dann zwischen den Mauern der Sukkulentenabteilung vor dem Wind verkrochen. Und da ich einen Größenvergleich für den Kaktus brauchte, kam mir der nächste mützentragende Rentner gerade recht. So hat sich dann alles noch gut gefügt (und fand seine krönende Fortsetzung in einem Orchideengewächshaus, doch das ist die nächste Geschichte.)
- Powells Hakenlilie, eine nahe Verwandte der Amaryllis.
- In der Sukkulentenabteilung.


















