Basilika mit Lukas
Veröffentlicht: 6. November 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Evangelist, Fränkische Schweiz, Gößweinstein, Oberfranken, Pilgerweg, Wallfahrtskirche Ein KommentarIn der Mitte meiner Tour durch die Fränkische Schweiz habe ich einen Tag in Gößweinstein Station gemacht. Neben Fachwerk und Burg hat der Marktflecken auch eine Wallfahrtskirche zu bieten, die sich sogar mit dem päpstlichen Dienstgrad „basilica minor“ schmücken darf. Der Ort hat eine lange Wallfahrtstradition. Die heutige Kirche ist in jenem typischen süddeutschen Barockstil erbaut, der mir mit meiner norddeutsch-protestantischen Sozialisation in seiner verspielten Leichtigkeit manchmal etwas unverständlich ist. Im vergangenen Jahr bekam ich in der recht ähnlichen Kirche in Vierzehnheiligen dazu jedenfalls nur wenig Zugang.
In Gößweinstein kam ich damit besser zurecht und hatte meine Freude an den wirklich sehr kunstvoll gestalteten Plastiken in ihrer Lebendigkeit. Der auf dem Kanzelrand die Beine baumelnde Evangelist Lukas hatte es mir besonders angetan; abends in der Messe erfuhr ich dann, dass ich ihn auch noch an seinem Namenstag gezeichnet hatte!

Evangelist Lukas auf der Kanzel der Wallfahrtskirche in Gößweinstein. Die Aquarellskizze habe ich komplett vor Ort gezeichnet, die Bleistiftstudie, die zwei Tage später entstanden ist, zu Hause noch vertieft, ebenso den Engel.
Schloss Greifenstein
Veröffentlicht: 1. November 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Burg, Fränkische Schweiz, Löwe, Oberfranken, Schenk von Stauffenberg Ein KommentarAm dritten Tag meiner Wanderung bin ich von Königsfeld ziemlich gerade Richtung Süden gegangen, über den Fränkischen Jura, diese karge und trockene, daher dünn besiedelte Hochfläche. Waldstücke wechseln mit Wiesen und kleinen, steinigen Äckern, erst nach etlichen Kilometern wieder ein Dorf. Dann ist schon der Albrand nicht weit, und bevor es hinunter geht ins Tal, steht ein prächtiges, von unten weithin sichtbares Schloss. Oder doch eher eine Burg? Wenn man sich von oben nähert, kann man das vermuten, man sieht eine Zugbrücke, bewacht von zwei steinernen wappentragenden Löwen und dahinter ein abweisend verschlossenes Tor.
Weit und breit kein Mensch. Da ich schon recht müde war, als ich dort ankam, beschloss ich das Schild „Führung Samstag 15:00“ zu ignorieren und nur einen der beiden Wappenlöwen zu zeichnen. Kaum hatte ich mich mit meinem Zeichenbuch an den Rand der Zugbrücke gestellt, kamen die ersten Besucher, schauten mich scheu an, ob sie wohl meinen Zeichenweg kreuzen dürften und huschten über die Brücke zum Tor. So ging es weiter und weiter, alle mussten an mir vorbei, bis schließlich eine große Menschentraube vor dem Tor stand und ich mir mittlerweile vorkam wie die dritte Torlöwin.
Vermutlich bot das wackere fränkische Netz mal wieder eins von seinen zahlreichen Funklöchern, sonst hätte ich vielleicht mal nachgeschaut und wäre doch zur Führung mitgegangen. Schloss Greifenstein hat nämlich eine interessante Geschichte, wurde in Renaissance und Barock von einer Ritterburg zu einem imposanten Schloss umgebaut und wo jetzt verwilderter Mischwald die Hügelkuppe bedeckt, lag einst ein akribisch gepflegter Landschaftspark. Das Schloss ist seit Jahrhunderten und bis heute im Besitz einer Familie des Fränkischen Uradels, der Schenks von Stauffenberg, eben jener Stauffenbergs, die beim Attentat auf Hitler so eine große Rolle gespielt hatten.

Torlöwe mit Wappenschild am Schloss Greifenstein oberhalb von Heiligenstadt/Oberfranken.
Nachtrag, Rückblick
Veröffentlicht: 31. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Aquarell, Bewohntes Gelände 5, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Fachwerk, Fränkische Schweiz, Kloster, Oberfranken, Pilgerweg Hinterlasse einen KommentarJede Reise, so liest es sich bisweilen, begänne mit dem ersten Schritt. Das ist wahr, in gewisser Weise, denn ohne diesen Schritt bliebe sie eine Reise im Konjunktiv. Wenn der Schritt dann aber gegangen wurde, so stellen wir fest, dass sie lange vorher begann, mit den ersten Träumen davon, der Verdinglichung der Pläne in Notizen, Mindmaps, Land- und Fahrkarten, in Stapeln von Dingen auf dem Zimmertisch, im endlich gepackten Rucksack. Für zeichnende Menschen kommt noch die Auswahl der Werkzeuge dazu, der Besuch beim Künstlerbedarf …
Und ebenso endet die Reise nicht mit dem Schlüssel in der heimatlichen Wohnungstür. Ein paar Tage liegt alles kreuz und quer, die Waschmaschine rödelt, langsam schrumpfen die Stapel. Wie jedes Mal überlege ich, was mit den unfertigen Skizzen im Reisetagebuch geschehen soll. (Kann eine Skizze unfertig sein? Eine der vielen Fragen nach dem Selbstverständnis der Art von Zeichnerei, wie ich sie treibe. Und dabei eine, die weit ins Philosophische führt.) Für dieses Jahr habe ich beschlossen, sie, so lange der innere Zugang noch da ist, zu einer Art Abschluss zu führen, Schrift zu ergänzen, Farbe, Schatten, alles was mir nötig scheint, um zu der vollständigen Unvollständigkeit zu kommen, die in Reisebüchern mein Ideal ist. Und dabei die Reise noch ein bisschen zu verlängern …
Ich fange an mit zwei Bildern vom ersten Tag, die bei ähnlichen Motiven sehr unterschiedlich geworden sind. Noch bin ich nah genug dran, um zu ahnen, was ich vor meinem inneren Auge sah, als ich ein paar Bleistiftstriche zog, vielleicht ein paar Tintenakzente setzte. Im ersten, bunten Fall die Pilgerherberge des Klosters Kirchschletten – dass der Pilgerstempel nicht wasserfest ist, hatte mir auch keiner gesagt – weich im herbstlichen Morgenlicht, Rosen an der Pforte … Im zweiten ein anfangs minimalistischer Versuch, ein paar Charakteristika der Gegend eher grafisch aufs Blatt zu bringen: Fachwerk, Nussbaum, frommer Spruch. (Letzterer im Original aus gesägten Holzbuchstaben, ein Fach füllend.)
- Pilgerherberge „Haus Edeltraud“ des Klosters Kirchschletten bei bei Bamberg.
- Fachwerk, Nussbaum, frommer Spruch … (in Schlappenreuth, bevor ich das erste mal auf den Jura steige.)
Fachwerk
Veröffentlicht: 30. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Architektur, Bewohntes Gelände 5, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Fachwerk, Mittelfranken, Nürnberg Hinterlasse einen KommentarIch mag Fachwerk. Es ist für mich ein Inbegriff für eine schöne Form, die der Funktion folgt, es ist rhythmische Flächenfüllung, gebautes Mandala. So habe ich auf meiner Reise durch die Fränkische Schweiz keine Gelegenheit ausgelassen, schöne Fachwerkhäuser zu zeichnen.
Dieses hier steht in Kirchröttenbach neben der Kirche. Kirchröttenbach war meine vorletzte Station, es liegt schon im Nürnberger Land. Ich hatte eine wunderbare Wegetappe hinter mir, von Gräfenberg immer am Albrand entlang, die letzten Kilometer durch die Obstwiesen hinunter in das wellige Tal, das im Abendlicht vor mir lag. Es war schon dämmrig, als ich ankam, so dass ich das Zeichnen auf den nächsten Morgen verlegen musste, an dem es dann leider zu nieseln anfing. Da es an dem Tag noch öfter regnete, konnte ich eine Einkehr in einem Dorfladen mit Imbiss nutzen, die Zeichnung dort fertigzustellen.

Fachwerkhaus neben der Kirche von Kirchröttenbach im Nürnberger Land.
Postkarten
Veröffentlicht: 28. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Aquarell, Bewohntes Gelände 5, Ink&Wash, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Burg, Fränkische Schweiz, Oberfranken Hinterlasse einen KommentarDieses Jahr hatte ich auf meiner Wanderung neben meinem gebundenen Skizzenbuch auch ein Kästchen mit Aquarellpostkarten dabei. Das erwies sich als Glücksfall: auf Reisen bin ich mit meinen Zeichnungen im Reisetagebuch nicht so locker wie zu Hause, ist es weniger Skizzenbuch, habe ich eine gewisse Scheu vor dem Vorläufigen. Außerdem hatte ich dieses Jahr ein Exemplar mit sehr glattem Papier dabei – Stillman&Birn Zeta – das sich für exakte Studien am heimischen Zeichentisch gut eignet – für Aquarell unterwegs nur bedingt. Dazu noch die Kälte, in der die Farben langsam trocknen.
Also habe ich mich auf den Karten locker gemalt: Füller oder Tintenstift raus, schnelle Skizze ohne Vorzeichnung und großzügige und nicht zu sehr an den Originaltönen klebende Kolorierung abends im Gasthof. Das strukturierte Papier hat mir dabei ebenso geholfen wie das Wissen, auch mal eine Karte verwerfen zu dürfen.
- Die Kirche von Königsfeld – Ort einer karolingischen Pfalz.
- Burg Gößweinstein an einem stürmischen Abend.
- Der Regen ist da – Obertrubach.
- Abschiedsblick auf die Johanniskirche in Lauf a.d.Pegnitz.
Wie bei Albert Ebert
Veröffentlicht: 24. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Farbstifte, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Fränkische Schweiz, Oberfranken Ein KommentarImmer mal wieder hat der Hallenser Maler Albert Ebert Witwen in Schwarz gemalt, Friedhofsbesucher am Totensonntag oder gleich ganze Beerdigungen mit Blaskapelle. Diese Bilder verströmen, wie fast alles von Albert Ebert, eine heitere Melancholie.
Als ich vor einigen Tagen auf meiner Reise im Gasthof zur Post in Egloffstein eine Trauergesellschaft sah, musste ich an diese Bilder denken. Die Gaststube mit ihren Ölschinken und Geweihen, der dunklen Deckenverkleidung und den dem schmiedeeisernen Leuchter, alles überzogen mit der Patina eines Ortes, der einmal bessere Tage gesehen hat, gaben dem Anlass den passenden Rahmen.

Trauergesellschaft im Gasthof zur Post in Egloffstein. PITT-Pens und etwas Wasserfarbe.
A Email hammer net
Veröffentlicht: 21. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Mai 2016, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Burg, Fränkische Schweiz, Oberfranken 2 Kommentare„A Email hammer net, schicken’s a Kartn“. Das hatte ich getan und mich auf diese Weise im Gasthof von Wohlmannsgesees auf dem Fränkischen Jura angemeldet. Als ich bei sanfter Nachmittagssonne dort ankam, hing ein Zettel an der Tür: „Bin in einer Stunde wieder da. Anna!“ Ich setzte mich auf die Bank vor dem Haus und wartete, doch die Stunde verging, die Sonne verschwand, es wurde kühl und wer nicht kam, war Anna. Bis sie schließlich auf einem Balkon auftauchte, Wäsche aufhängend und mir versichernd, sie wäre hinten im Haus gewesen und hätte immer gehorcht, ob ein Auto kommt …
Zu meiner Überraschung ist Anna Heid, obschon Witwe, keine alte Frau, sie mag jünger sein als ich und bewirtschaftet Gasthof samt Obst- und Gemüsegarten mit gelegentlicher Unterstützung ihrer Brüder allein. Sie kochte mir erst einmal eine große Kanne Kräutertee aus dem Garten, natürlich war auch das Essen hervorragend. Das meiste im Haus ist Original 70er Jahre, Fototapete, Badfliesen, Lampen und eben auch das Geschirr; doch im Gegensatz zu anderen Unterkünften ist alles picobello, wie neu und blitzsauber.
Ich habe mich dort sehr wohlgefühlt und kann jedem, der die Fränkische Schweiz besucht, empfehlen, Anna Heid eine Karte zu schreiben und wenigstens eine Nacht in ihrem Gasthaus zu verbringen.
Am nächsten Tag bin ich weiter gewandert, durch Wälder voller Schopftintlinge und anderer interessanter Pilze, über hügelige Weiden mit Felsblöcken wie in einem japanischen Garten und selbstverständlich auch an der obligatorischen Burg vorbei.

Die 70er Jahre und das Mittelalter sind in der Fränkischen Schweiz sehr präsent. PITT-Pens, Super5-Tinte in grau und etwas Wasserfarbe.
Inspiration Burgruine
Veröffentlicht: 20. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Ink&Wash, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Burg, Fränkische Schweiz, Oberfranken Hinterlasse einen KommentarIn der Fränkischen Schweiz gibt es fast so viele Burgen (in verschiedensten Erhaltungszuständen) wie Felsen, auf die man eine stellen kann. Eine der bekanntesten ist die Ruine Neudeck gegenüber von Streitberg. (Das wiedrum bekrönt wird, wen wundert es, von den Resten der Streitburg. Vermutlich war das seinerzeit keine sehr friedliche Gegend.)
Nach meiner Übernachtung im Alten Kurhaus bin ich in schönstem sanften Herbstblau nach Neideck hochgestiegen und wollte es mir schon zum Zeichnen gemütlich machen, als ich ein Stück weiter noch jemanden den mit Block und Stift sah. Noch ein Zeichner, dachte ich erfreut und ging hin, um „Guten Tag“ zu sagen. Beim Näherkommen sah ich, dass der Mann mitnichten zeichnete, sondern schrieb, ja, dass überall auf Mäuerchen und Bänken schreibende Menschen saßen! Ein Schreibseminar war auf Inspirationstour hier oben, bei näherer Betrachtung noch ergänzt durch zwei ebenso eifrig werkelnde Fotografen.
Später kamen auch noch ein paar Leute, die nur die Aussicht genießen oder ihren Hund ausführen wollten. Für das ungeschulte Auge ist von der Burg nur die Ruine des Wohnturms zu sehen, es war aber einmal eine große und bedeutende Anlage, über die man auf den (sehr zahlreichen!) Infotafeln eine Menge erfährt.

Ruine der Burg Neideck in der Fränkischen Schweiz.
Altes Kurhaus
Veröffentlicht: 17. Oktober 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände 5, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Fachwerk, Fränkische Schweiz, Oberfranken Ein KommentarManche Stadtzentren erzählen dort besonders eindringlich ihre Geschichte, wo eine Generation die Bausünden der nächsten verschlimmbessert hat. Mit Häusern kann es ähnlich sein, besonders dann, wenn sie bereits ein paar Hundert Jahre alt sind, wie das „Alte Kurhaus“ in Streitberg. Mit heutigen Augen besonders schmerzlich anzusehen sind die Umbauten der letzten fünfzig Jahre, hässliche Veranden mit Sperrholztüren, billige Pseudosprossenfenster und falsche Butzenscheiben.
Zum Glück – so stellte ich beim Zeichnen fest – waren Maßstab und Ausschnitt meiner Abbildung dann doch recht versöhnlich gewählt … (Der Name „Kurhaus“ bezieht sich auf die im 19.Jahrhundert populäre „Molkenkur“, eine spezielle Art des Fastens.)

Das Hotel „Altes Kurhaus“ in Streitberg in der Fränkischen Schweiz. Füller und PITT-Pens.








