Nichtengeschichten – Teil 1

In der letzten Woche hatte ich meine beiden Großnichten (3 und 5 Jahre alt) zu Besuch. In einigen Ruhemomenten habe ich versucht, etwas von dem Zauber dieser Tage einzufangen und dabei viel tiefer als sonst in die Scrapbook-Kiste gegriffen. Hier die ersten beiden Tage.


Häslabronn

Für Häslabronn macht der Mittelfränkische Pilgerweg einen Umweg, der sich lohnt. (Und auf dem mich passenderweise gleich ein hoppelnder Hase begrüßte.) Das Dorf hat 26 Einwohner in einer Handvoll vorbildlich renovierter Fachwerkhäuser, eine Schulbushaltestelle und – daher der Knick im Pilgerweg – eine Jakobskirche, die im Mittelalter einmal eine Wallfahrtskirche war. Das Kirchlein – und mit ihm das Dorf – wird von den Pilgern belebt und hat sich darauf eingestellt: eine freundliche Anwohnerin war, als ich ankam, gerade dabei, einen Kasten Mineralwasser hinzustellen, und ein paar hübsch kitschige Postkarten mit Pilgermotiven gibt es auch.

Gezeichnet habe ich am Ende, wie man sehen kann, die Bushaltestelle, nicht zuletzt, weil in passender Entfernung eine bequeme Bank stand. (Und es sich soweit abgekühlt hatte, dass ich nicht durch die Morgenkühle rasen musste.) Und, ach ja, als ich zu Hause nachlas, fand ich heraus, dass der Name Häslabronn von „Haselnuss“ kommt – wie gut, dass Hasen nicht lesen können.

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Der Schulbus ist vermutlich er einzige Bus, der das 26-Seelen-Dorf Häslabronn anfährt. Auf der linken Seite ein Ausschnitt aus einer Postkarte, die im Kirchlein auslag.


Japonismus, morgens

Es gibt einen schönen kleinen Film über den Zeichner Danny Gregory, der ihn dabei zeigt, wie er sein Frühstück zeichnet: natürlich werden Tee und Toast kalt, doch das Ergebnis ist hinreißend. Nun ist Gregory ein Profi, den neben vielem anderen auch eins von uns Laien unterscheidet: er ist schnell. Bei mir kommt in der gleichen Zeit allenfalls eine Bleistiftskizze heraus. Daher sind Morgenbilder, obschon ich diese Zeit liebe, bei mir knapp und im Zug nachkoloriert. Was zwar die Striche manchmal etwas wacklig macht, aber doch mehr Spaß als immer nur Rucksäcke und halb angeschnittene Mitreisende abzubilden.

Die Butter, in konventionellem Stil, entstand irgendwann im Winter, wenn das Bedürfnis nach kräftigen Farben bei mir am stärksten ist, der  japanisch inspirierte Milchtopf (passender Weise mit Sojamilch) in den letzten Tagen nach meinem Besuch in der großen Japan-Ausstellung des MKG Hamburg.

 


Hokusai und Manga

„Die große Welle“ des japanischen Holzschnittkünstlers Hokusai gehört zu den Kunstwerken, die im medialen Zeitalter Teil der Populärkultur geworden sind. Doch wer weiß schon, dass das Bild auch zur Zeit seiner Entstehung bereits „Pop“ war? Farbholzschnitte waren – da aufwändig in der Herstellung – eher gehobene Massenartikel; sie wurden begleitet von unzähligen Schwarzweißarbeiten, Einzelblättern, Büchern mit Fortsetzungsgeschichten – Mangas.

Die Ausstellung Hokusai x Manga im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe bietet einen opulenten Blick auf das Genre von seinen Anfängen im 17.Jahrhundert bis in die Gegenwart, seinen zahlreichen Längs- und Querbezügen. Neben zahlreichen Blättern von Hokusai, Hiroshige und vielen anderen gibt es auch Originalzeichnungen moderner Manga-KünstlerInnen zu sehen – neben vielem anderen, Cosplay-Kostümen, Videos, Spielzeug …

Das MKG konnte auf eine umfangreiche Dauerausstellung ostasiatischer Kunst zurückgreifen – die Räume sind gleich nebenan, und wer noch Seh- und Stehvermögen hat, kann hier noch weiter in Japonismus schwelgen.

Ich habe meine beiden modernen Favoriten gezeichnet und, klar, noch eine Katze aus der Dauerausstellung.

 


Fast jeder Tag im Mai, dritter und letzter Teil

Geschafft! 25 Tage lang habe ich täglich eine Skizze abgeschlossen, mal mehr, mal weniger aufwändig, meist am Abend. Hatte ich vorher schon Hochachtung vor den Täglichzeichnern, ist sie in dieser Zeit noch einmal gestiegen.

Gelernt habe ich eine Menge in diesem Monat, zeichentechnisch, klar, doch darüber hinaus etwas über meine Art, die Welt zu sehen und abzubilden. Mehr noch als früher weiß ich nun, wie sehr ich die kleine Form liebe, das Detail, für das ich gern auch etwas länger brauche. Weshalb sich in dieser Serie auch keine Bilder von Menschen finden, für deren Abbildung Tempo nötig ist und etwas Nonchalance. (Zumal wenn sie, wie es so ihre Art ist, sich auch noch bewegen.)


Fast jeder Tag im Mai, zweiter Teil

Ja, ich habe es geschafft – jedenfalls fast, wie die Überschrift verheißt. Einen Tag habe ich ausgelassen, nun reichen die Seiten genau bis zum Monatsende. (Zur Erinnerung – hier geht es zu Teil 1.)


Ein Fest zum Leben

In den ersten Maitagen, die von fast unwirklichem Sommerwetter gesegnet waren, hatte ich dieses Jahr schon zum zweiten Mal die Freude, auf einen runden Geburtstag eingeladen zu sein. Das Geschenk, ein Kartoffelporträt, war gerade noch rechtzeitig fertig geworden, so dass ich ganz entspannt die vielen Gespräche, Wiedersehen mit alten Freunden und nicht zuletzt die ungezählten künstlerischen Darbietungen (sämtlichst auf hohem Niveau) genießen konnte. Sogar zum Zeichnen bin ich noch gekommen. Zwei Bilder – die Steinmühle in Carpin und Martin Herrmanns Kormoran – habe ich schon im ersten Teil des Maitagebuchs gezeigt, heute möchte ich noch ein paar Momentaufnahmen von Gästen und Gastgebern folgen lassen.

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Eine herrlich komische Aufführung nach Karl Valentins „Ritter Unkenstein“. Leider fehlt die Hauptperson des Spektakels auf meiner Abbildung.