Im Kunstwasserwerk
Veröffentlicht: 10. März 2022 Abgelegt unter: #uskschwerin, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Schwerin, Urban Sketching Hinterlasse einen KommentarLetztes Wochenende haben die Schweriner Urban Sketches im Kunstwasserwerk die Saison eröffnet. Es sah freundlich aus draußen und fühlte sich auch ein klitzekleines bisschen frühlingshaft an, doch war es leider immer noch lausig kalt – drinnen wie draußen. Daher sind beide Zeichnungen erst zu Hause fertig geworden.

Nachdem ich vom Zeichnen der Druckpresse fast einen Knoten im Hirn bekommen hatte, stand mir der Sinn dringend nach etwas Lockerheit. So wählte ich für die Außenansicht statt allerfeinster Stiftchen den Fude Pen mit der breiten Spitze. Zu Hause habe ich noch ein paar Farbakzente mit den Inktense-Stiften gesetzt (nur der Himmel ist mit Gouache gemalt).

Das Bild ist auch ein Abschied vom naturfarbenen „Toned Watercolour Book“ der Firma Hahnemühle. Es war mir ordentlich ans Herz gewachsen, und ich mochte die bräunlichen Seiten deutlich mehr als die der grauen Variante, die ich im vergangenen Sommer ausprobiert hatte. Und manchmal gehen Wünsche in Erfüllung: seit gerade eben gibt es von Hahnemühle auch ein quadratisches Aquarellbuch in weiß. Das werde ich jetzt als Nächstes ausprobieren.
Amaryllis No.3
Veröffentlicht: 28. Februar 2022 Abgelegt unter: Pflanzen | Tags: Amaryllis, Pflanzen 3 KommentareVor fünf Wochen habe ich eine schlummernde Amarylliszwiebel gezeichnet – inzwischen ist Bewegung in die Gesellschaft auf dem Fensterbrett gekommen. Von acht übersommerten Zwiebeln haben stolze sechs Blütenknospen angesetzt, eine davon ist gerade abgeblüht, drei sind dabei, sich zu entfalten. Immer mal wieder habe ich kleine Skizzen gemacht, in der letzten habe ich die Pflanzen nummeriert, um den Überblick nicht zu verlieren.

Dieses ist die Nummer 3, im Abstand von zwei Tagen. Ich habe mich wiederum der vergleichsweise strengen Kreuzschraffurtechnik bedient, dieses Mal allerdings noch ein bisschen Farbe eingebracht. Das Format ist klein: 12×12 cm misst das Skizzenbuch, das ich in der letzten Zeit gern und viel genutzt habe.
An der See, drinnen
Veröffentlicht: 27. Februar 2022 Abgelegt unter: Reiseskizzen, visuelles Tagebuch | Tags: Café, Mecklenburg, Museum, Ostsee, Postmoderne, Rostock Hinterlasse einen KommentarLetzte Woche war ich für ein paar Tage an der Ostsee. Bei Regen und Sturm verstand es sich von selbst, dass auch das eine oder andere drinnen stattfand. Bevor ich noch in meinem Hotel ankam, besuchte ich die Ausstellung „Perspektivwechsel“ in der Rostocker Kunsthalle – gezeigt wurde deutsche Nachkriegskunst aus Rostocker und Lübecker Beständen.
Den tiefsten Eindruck hinterließ bei mir ein Bild, das nicht zu der Ausstellung gehörte: das Selbstporträt von Kate Diehn-Bitt von 1933. Die Malerin wird als Vertreterin der Neuen Sachlichkeit gerade wiederentdeckt, und so wurde das Gemälde an prominenter Stelle gezeigt, bevor es als Leihgabe zu zwei großen internationalen Ausstellungen reist.

Die Malerin hat sich selbst als Halbfigur in klassischer Malerpose dargestellt; beim Abzeichnen habe ich mich auf den Kopf beschränkt und dabei ein bisschen Schraffurtechnik geübt. (Das machte sich gut am Abend im Hotel, während draußen der Sturm tobte und die Brandung rauschte.)
Das Hotel war – wie vieles im Osten – ein klassisches Produkt der späten 90er Jahre. Während in den Zimmern Messing und Marmor den Ton angaben, waren es in der Lobby Korbmöbel, Fliesen und grün gestrichene Metallstreben, eine postmoderne Remineszenz an Kaiserbahnhöfe oder dergleichen. Es war ein schöner Ort zum Zeichnen, licht und freundlich und nicht zu voll, und dabei mangels rechter Winkel ziemlich knifflig. So sind auch außer der Rezeptionistin ganz hinten keine Menschen auf dem Bild – die waren immer schon wieder weg, wenn ich mit ihnen anfangen wollte.

Beim Frühstück hatte ich mehr Glück: nicht nur, dass draußen blauer Himmel über blauem Meer auf mich wartete – die Leute hielten auch so lange still, bis ich sie halbwegs auf dem Bild hatte.

Den Abfahrtstag verbrachte ich noch ein paar Stunden in Bad Doberan. Durchgefroren vom Münsterbesuch fand ich in einem ziemlich vollen Café einen guten Platz mit Blick aus dem Fenster und auf zwei Damen im Gegenlicht. Die beiden waren so in ihr Gespräch vertieft, dass sie mein intensives Zeichnen nicht bemerkten. Als ich fast fertig war, sprach mich die Kellnerin an: ob mich denn die Unruhe und die vielen Gespräche nicht in meiner Konzentration störten. Da merkte ich, dass ich eine glückliche Stunde lang ganz und gar in meinem Bild aufgegangen war …

Altmark III – Salzwedel
Veröffentlicht: 19. Februar 2022 Abgelegt unter: Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Altmark, Manga, Salzwedel Hinterlasse einen KommentarIm Gegensatz zu den anderen Altmarkstädten ist Salzwedel mir keine Unbekannte gewesen. Vom südwestlichen Mecklenburg aus, schon nahe der Elbe, lag die Stadt nur eine gute Autostunde entfernt. (Dass man auf diesem Weg nach Süden durch den Westen wieder in den Osten fuhr, löste in mir immer einen leichten Schwindel aus.) Vor drei Jahren habe ich auf einer Reise nach Thüringen dort auch schon mal zeichnend Station gemacht.
So legte ich meine Rückreise auch dieses Mal, einen kleinen Umweg in Kauf nehmend, über Salzwedel. Bevor ich noch das Stadtzentrum erreicht hatte, traf ich auf St. Georg. Diese Kirche kannte ich noch nicht, sie lag verlockend im schrägen Mittagslicht; auch fand sich ein Platz, sie bequem vom Auto aus zu zeichnen. (Trotz der Sonne wehte ein ungemütlicher Wind.)

Salzwedel ist nicht nur für seine mittelalterliche Bausubstanz bekannt, sondern auch für seine Baumkuchen. In einer auf dieses Gebäck spezialisierten Bäckerei trank ich vor der Weiterfahrt eine Tasse Kaffee, als ein junges Pärchen hereinkam. Die Frau hätte einem Manga entsprungen sein können und ich fragte mich, ob sie sich wohl immer in dieser Weise hübsch macht. Oder war es der Valentinstag? Auf jeden Fall erfreute mich ihr Anblick.

Altmark II – Tangermünde
Veröffentlicht: 15. Februar 2022 Abgelegt unter: Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Altmark, Gotik, Renaissance 2 KommentareVon allen schönen Altmarkstädten ist Tangermünde wahrscheinlich die schönste. Hoch ragen die Stadtmauern über die Flussniederung und schützen die Stadt wie eh und je vor Hochwasser. Auf der Landseite sind nur die Wallanlagen erhalten geblieben und bieten einen Blick auf die gewaltigen alten Tore.
Eines dieser Tore hatten wir uns als erstes zum Zeichnen ausgewählt. Zu unserer Freude schien wiederum die Sonne und der Zeichenplatz lag im Windschatten.

Trotzdem hatten wir danach das Bedürfnis, uns ins Warme zu setzen und fanden einen gemütlichen Platz im „Lehrerwohnzimmer“ der „Exempel-Gaststuben“.

Danach noch schnell in die Stephanskirche, denn die würde bald schließen. Zu einem Rundgang kam ich nicht mehr, denn als ich den kanzeltragenden Mose sah, war es um mich geschehen – den musste ich zeichnen! Wenigstens für eine lineare Skizze hat es noch gelangt, die Schatten kamen zu Hause.

Die Kanzel ist ein Meisterwerk der Spätrenaissance, das uns ahnen lässt, was aus der Kultur Mitteleuropas hätte werden können, wenn nicht der Dreißigjährige Krieg darüberhin gewalzt wäre. Auch Moses seltsam verkrüppelte Hände sind eine Kriegsfolge – Soldaten, die in der Kirche untergebracht waren, haben daran ihre Kräfte ausgelassen.
Die Hörner haben sie dem Mose nicht abgeschlagen, und sie sind hier auch nur diskret dargestellt. Dass Moses in vielen Kirchen mit Hörnern dargestellt wird, beruht auf einem Übersetzungsfehler aus dem Hebräischen: ursprünglich waren es „Strahlen“, die von seinem Kopf ausgingen, als er nach seiner Gottesbegegnung vom Berg wieder herunter kam.
Und, ja, als ich wieder zu Hause war und das Bild anschaute, sah ich auf einmal einen E-Gitarristen sich in typischer Pose tief über sein Instrument beugen …
Altmark
Veröffentlicht: 14. Februar 2022 Abgelegt unter: Alltag, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Altmark, Gotik, Handarbeit, Renaissance, Urban Sketching, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen Kommentar„In the middle of nüscht“ sagen die Altmärker zärtlich, wenn sie gefragt werden, wo sie leben. Hand aufs Herz: von Stendal haben wir vielleicht mal gehört, wenn von umgeleiteten Zügen die Rede war, aber von den Hansestädten Salzwedel, Tangermünde, Osterburg, Werben … ? Von einer schier unglaublichen Dichte an romanischen Dorfkirchen, von hoch über der Elbe aufragenden Backsteinmauern, die besterhaltene mittelalterliche Stadtkerne einschließen?
Am letzten Wochenende habe ich eine Freundin besucht, die genau dort lebt. Wir haben in der ersten Vorfrühlingssonne zeichnend draußen gesessen, uns danach im Café aufgewärmt und natürlich ausgiebig geplaudert. (Hat hier einer „geschnattert“ gesagt?)


Das Bild vom Ratskeller wollte ich zuerst verwerfen, weil ich vor lauter Gespräch die Gewölberippen verwechselt hatte. Dann aber entschloss ich mich zu einer Reparatur, habe aber dann doch nicht alles perfekt fertig gestrichelt.

Fläschchen
Veröffentlicht: 12. Februar 2022 Abgelegt unter: Alltag, Mixed Media, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Medizin, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen KommentarNeben der handfesten Hausarztmedizin habe ich viele Jahre die Pflanzen- und Naturheilkunde als fachliches Hobby gepflegt. Mit der Übergabe meiner Praxis in jüngere Hände war, neben vielem anderen, auch ein großer Vorrat an pflanzlichen und homöopathischen Mitteln zu sortieren. Ein Teil blieb am alten Ort, wo ich noch in kleinem Umfang damit weiterarbeite. Vieles habe ich mit nach Hause genommen, gesichtet und neu geordnet.
Dabei kam mir die Idee zu diesem Bild. Es zeigt einen kleinen Ausschnitt aus der Fülle, die mich über viele Jahre erfreut hat. Die Auswahl habe ich vorwiegend unter ästhetischen Gesichtspunkten getroffen. Ein bisschen „Trauerarbeit“ ist natürlich auch dabei, Erinnerungen daran, wie ich mir diese Kenntnisse vor nunmehr zwanzig Jahren erarbeitet habe, Nachdenken darüber, wie sich die geistige Landschaft in dieser Zeit verändert hat.* (Was sich u.a. darin spiegelt, dass die Firma „Staufen“, von der auf meinem Bild gleich zwei Fläschchen auftauchen, eines Tages sang- und klanglos mitsamt ihrem Schatz an Substanzen und Erfahrungswissen von der Bildfläche verschwunden war.)

* Um dieser Veränderung Rechnung zu tragen, hier eine Schlussbemerkung, sozusagen ein Disclaimer: Ich bin – selbstverständlich, würde ich gern sagen – gegen das Coronavirus geimpft und habe diese Impfung natürlich auch in meiner Praxis angeboten.
Berlin
Veröffentlicht: 7. Februar 2022 Abgelegt unter: Alltag, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Berlin, Porträt, Urban Sketching, visuelles Tagebuch 2 KommentareAuf Karlsruhe folgte Berlin. Ich traf Freunde (einige Urban Sketcher darunter) und Verwandte; zwischendurch blieb noch Zeit, in meinem minimalistischen Hotel am Ostbahnhof den Leporello weiter zu füllen.

Am Nachmittag war ich mit zwei Urban Sketchern aus Berlin in der Markthalle Neun zum Zeichnen verabredet.

Markthallenzeichnen ist etwas, worum ich die Berliner jeden Winter beneide, es war allerdings relativ kühl, so dass wir im strömenden Regen noch weiter zum Oranienplatz in ein Café zogen. Hier entstand eine schnelle Skizze mit Blick in die Blaue Stunde.


Am nächsten Tag war ich noch mal mit zwei Zeichnern verabredet, dieses Mal im Technik-Museum. Das Hauptbild – den Dampfschlepper „Kurt-Heinz“ – habe ich schon gezeigt; beim Kaffee im ferienhalber leider recht vollen Imbiss blieb dann noch Zeit für ein kleines Porträt eines Mitzeichners. (Vor einigen Jahren hatte ich ihn schon mal gezeichnet.)

Leporello zum zweiten
Veröffentlicht: 6. Februar 2022 Abgelegt unter: Pflanzen, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Jugendstil, Karlsruhe, Kuchen 2 KommentareIm Oktober 20 war ich das letzte Mal in einem der wenigen Ladengeschäfte des Gerstäcker-Versandes, in den herrlich großzügigen Dresdner Verkaufsräumen, und nahm von dort spontan ein Hahnemühle Leporello-Büchlein mit. Es schien mir das richtige Format zu sein für eine Urlaubswoche in Gesellschaft, für etwas Zusammenhängendes, Abgeschlossenes, nicht zu Umfangreiches.
Letzte Woche stattete ich dem Karlsruher Geschäft einen Besuch ab. Es ist in einem engen Hofgebäude lange nicht so exklusiv untergebracht, und „eigentlich“ brauchte ich auch nichts außer ein paar feinen schwarzen Stiften, denn ich hatte gerade angefangen, mich mit Schaffurtechniken zu beschäftigen. Und – irgendwo drauf muss man damit schließlich zeichnen – vielleicht noch ein kleines Büchlein nach Moleskin-Art …
Wie so etwas endet, wissen alle, die gern in solche Läden gehen. Mein Sortiment Stifte hatte ich schnell zusammen, und bald fand ich mich mit einem Stapel Skizzenbücher in der Bücherecke wieder. Ich erwarb ein handschmeichlerisch quadratisches Büchlein mit glattem 140er Papier und abgerundeten Ecken, einen potentiellen Begleiter für alle monochromen Tage; und als ich schon am Gehen war, fiel mir wiederum ein Leporello ins Auge – das solide 300er Aquarellpapier ließ alles guten Vorsätze zu graphischem Arbeiten dahinschmelzen. (Ein Kasten Inktense-Stifte musste auch noch mit, von denen wird später die Rede sein.)

Damit ging ich als erstes in die Konditorei Lasch gleich um die Ecke.

In den nächsten Tagen war ich mit meiner Tochter unterwegs; wir spazierten durch den Schlossgarten, erfreuten uns an den ersten Winterblühern – es war sonnig geworden nach langem Grau – und gingen in die vor einigen Jahren restaurierten Schaugewächshäuser.

Unser Tagesziel war die Ausstellung „Göttinnen des Jugendstils“ im Badischen Landesmuseum. Zwischen Femme fatale und meditierender Nonne, zwischen romantisiertem Mittelalter und Radfahrkostüm wurde nach dem Bild von Frauen in der Zeit um 1900 gesucht.

Diese „Sphinx“ des Belgiers Charles van der Stannen – ein lebensgroßer Kopf aus bemaltem Gips – strahlt eine geheimnisvolle Traumverlorenheit aus. Das überraschend individuelle Gesicht der Figur (was wiederzugeben mit leider nicht gelang) verstärkt noch die surreale Wirkung.

Gleich um die Ecke der Ausstellungsräume, in der Majolika-Manufaktur, entstand dieser Wandteller mit dem Medusenhaupt. In deutlich weniger subtiler Weise als die „Sphinx“ wird hier von (männlichen) Ängsten vor der zerstörerischen Kraft einer Frau erzählt – keine Spur von „edler Einfalt und stiller Größe“.



