Altmark II – Tangermünde

Von allen schönen Altmarkstädten ist Tangermünde wahrscheinlich die schönste. Hoch ragen die Stadtmauern über die Flussniederung und schützen die Stadt wie eh und je vor Hochwasser. Auf der Landseite sind nur die Wallanlagen erhalten geblieben und bieten einen Blick auf die gewaltigen alten Tore.

Eines dieser Tore hatten wir uns als erstes zum Zeichnen ausgewählt. Zu unserer Freude schien wiederum die Sonne und der Zeichenplatz lag im Windschatten.

Das Neustädter Tor in Tangermünde.

Trotzdem hatten wir danach das Bedürfnis, uns ins Warme zu setzen und fanden einen gemütlichen Platz im „Lehrerwohnzimmer“ der „Exempel-Gaststuben“.

Danach noch schnell in die Stephanskirche, denn die würde bald schließen. Zu einem Rundgang kam ich nicht mehr, denn als ich den kanzeltragenden Mose sah, war es um mich geschehen – den musste ich zeichnen! Wenigstens für eine lineare Skizze hat es noch gelangt, die Schatten kamen zu Hause.

Die Kanzel ist ein Meisterwerk der Spätrenaissance, das uns ahnen lässt, was aus der Kultur Mitteleuropas hätte werden können, wenn nicht der Dreißigjährige Krieg darüberhin gewalzt wäre. Auch Moses seltsam verkrüppelte Hände sind eine Kriegsfolge – Soldaten, die in der Kirche untergebracht waren, haben daran ihre Kräfte ausgelassen.

Die Hörner haben sie dem Mose nicht abgeschlagen, und sie sind hier auch nur diskret dargestellt. Dass Moses in vielen Kirchen mit Hörnern dargestellt wird, beruht auf einem Übersetzungsfehler aus dem Hebräischen: ursprünglich waren es „Strahlen“, die von seinem Kopf ausgingen, als er nach seiner Gottesbegegnung vom Berg wieder herunter kam.

Und, ja, als ich wieder zu Hause war und das Bild anschaute, sah ich auf einmal einen E-Gitarristen sich in typischer Pose tief über sein Instrument beugen …


2 Kommentare on “Altmark II – Tangermünde”

  1. Catherine Henggeler sagt:

    liebe Annette

    nun wird es ernst!

    Ich bekomme all paar Tage ein Mail von Dir – und freue mich jedesmal.

    Du machst alle Angeschriebenen gluschtig, Deine Gegend zu bereisen. Hast Du schon mal dran gedacht, mit dem lokalen Touristenbüro zusammenzuarbeiten? Echt! Deine künstlerischen Arbeiten sind toll. Dazu all der kulturelle Hintergrund. Da wäre doch ein Link auf der lokalen Touristikwebsite eine Idee.

    Was meinst Du? Ich jedenfalls setze Schwerin u.U. auf meine Bucket List

    ganz herzliche Wünsche an weiterhin viele kreative Stunden

    Kathrin

    >

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    • Liebe Kathrin, im Moment übe ich gerade, mir nicht zu viel auf den Teller zu tun. Das mag sich ja irgendwann mal ändern. Es ist von Schwerin übrigens noch ein ordentliches Stück bis in die Altmark, 2 Stunden mit Zug oder Auto.

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