Neo oder echt …
Veröffentlicht: 22. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Coburg, Gotik, Neugotik, Oberfranken, Pilgerweg, Tudorstil Ein Kommentar… gotisch, das ist im Coburger Land mehr noch als anderswo eine architektonische Rätselfrage. Coburg ist so etwas wie die Welthauptstadt der Neugotik, genauer gesagt: des Neu-Tudorstils. Der Prinzgemahl der englischen Königin Victoria, die einer ganzen Epoche ihren Namen gegeben hat, stammte aus dem Haus Sachsen-Coburg, und als Hommage an das englische Königshaus wurde hier im Tudorstil gebaut, was das Zeug hielt.
Das einige Kilometer von Coburg entfernte Schloss Rosenau hat einen original gotischen Kern, so dass es mir bei meiner Rast am vierten Wandertag schwer fiel, „echt“ und nachgemacht auseinander zu halten.
Hinterm Wald ist vor dem Wald
Veröffentlicht: 21. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Gotik, Maßwerk, Pilgerweg, Thüringen, Vor dem Wald Hinterlasse einen KommentarHinter Rauenstein öffnet sich das Land, der Thüringer Wald liegt hinter mir. Hinter mir? Bei meiner Gehrichtung schon, doch die Gegend hier heißt das „Land vor dem Wald“. Und ich komme von hinterm Wald. Ein Blickwechsel, der mich eine Weile begleitet auf meinem Weg.
Es ist eine schöne Gegend, kleinteilig, unzersiedelt, lieblich; Randlage sicher nicht erst seit 1945. Ich laufe entlang einer kleinen Bahnstrecke nach Schalkau und von dort entlang der Itz, am Rand von Buchen- und Auwäldern bis Oberwohlsbach.
Seltsam im Nebel zu wandern …
Veröffentlicht: 19. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Herrmann Hesse, Pilgerweg, Rennsteig, Thüringen Hinterlasse einen Kommentar„… einsam ist jeder Busch und Stein. Kein Baum kennt den andern.“ Hermann Hesse, wie man ihn kennt. Im Gegensatz zum Dichter habe ich die Einsamkeit auf meiner Nebelwanderung vom Rennsteig hinunter durchaus genossen. Es wäre auch ohne Nebel kein Mensch zu sehen gewesen.
Das anheimelnde Hüttchen steht schon unten im Tal, im Poppengrund kurz vor Rauenstein. Es erinnerte mich an die etwas verwunschene Waldhüterhütte, auf die Petterson und Findus auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum stoßen.
Am Rennsteig
Veröffentlicht: 18. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Neuhaus am Rennweg, Pilgerweg, Rennsteig, Thüringen Hinterlasse einen KommentarAm 15. Oktober bin ich zum vierten Teil meiner langen Wanderung aufgebrochen. Einmal längs durch Deutschland – vom nördlichen Harzrand bis, nun ja, mindestens bis zum Bodensee, vielleicht auch noch weiter. Mein ganz persönlicher Pilgerweg zu den guten Orten am Wegrand, zu Kirchen und Klöstern ebenso wie zu dem, was aus der Begegnung von Mensch und Landschaft, von Kultur und Natur über Jahrhunderte und Jahrtausende entstanden ist.
Ausgangspunkt war dieses Mal Neuhaus am Rennweg, wo ich Anfang März bei strahlendem Sonnenschein aufgehört hatte. Jetzt nieselte und grieselte es, und ich stapfte meine ersten Rennsteigkilometer durch den Schneematsch. An Zeichnen im Freien war nicht zu denken, sowohl das Aquarell als auch das Blatt über die Rennsteigsteine sind nach Foto im Hotel entstanden.
Die Neuhäuser Holzkirche mit ihrer Schieferverkleidung ist ein bekanntes Weihnachtsmotiv, steht in dem wenig ansprechenden Ort leider etwas verloren zwischen gesichtslosen Neubauten.
Fasziniert haben mich am Rennsteig die Grenzsteine. Es gibt insgesamt über tausend davon, die meisten stammen aus dem 16. oder 18. Jahrhundert. Auf dem Abschnitt zwischen Neustadt und Limbach stehen sie dicht an dicht, manchmal alle fünfzig Meter einer, begrenzten einst Sachsen-Meiningen gegen Sachsen-Rudolstadt und Schwarzburg. Gezeichnet habe ich einen, auf dem das sächsische Wappen noch gut zu erkennen ist.
Im Walde …
Veröffentlicht: 22. März 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Cursdorf, Pilgerweg, Rennsteig, Thüringen Hinterlasse einen Kommentar… zwischen Cursdorf und Neuhaus am Rennweg war es vor allem eins: still. Dort, auf 800 Thüringer Höhenmetern, lag Anfang März noch eine geschlossene Schneedecke – wenn auch vielleicht nicht so viel wie in anderen Jahren – , die Wege waren gut begehbar, doch nutzte das außer mir nur noch ein junger Wandergeselle, den ich kurz vor Neuhaus traf. Bei meiner Rast an der Schutzhütte „Drei Lärchen“ stand einer dieser typischen Wegweiser in meinem Blickfeld, vielleicht an der Stelle, wo einmal die Lärchen gewesen waren, denn die suchte ich vergeblich. Dafür gab es ein Pilgerschild.
Johannes der Täufer am Radweg
Veröffentlicht: 3. November 2014 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände, Bewohntes Gelände 2, Ink&Wash, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Pilgerweg, Radwegkirchen, Rokokko, Schnitzaltar, Thüringen 3 KommentareWer hätte gewusst, dass es Radwegkirchen gibt? Ich weiß es jedenfalls erst, seit ich im thüringischen Eberstedt in einer gerastet habe. Es war eine sehr angenehme Rast in einem hellen lichten Kirchenraum mit einer beeindruckenden Rokokko-Ausstattung und einer freundlichen und lebendigen Atmosphäre.
Die Stirnwand wird von einem großen Schnitzaltar eingenommen. Zum Zeichnen habe ich mir Johannes den Täufer gewählt. Er hält die Thora auf dem rechten Arm und weist damit gleichzeitig auf Jesus als den Kommenden, der das Gesetz transzendieren wird – ein ikonografisches Motiv, dem ich später in der Gegend in ganz ähnlicher Form noch einmal begegnete. Johannes trägt eine Art zotteligen Fellmantel, der ihn ein wenig in die Nähe eines „wilden Mannes“ rückt. Einen schönen Kontrast dazu bildet die Dekoration, die ich als Rosen, Ananas und Tabakblätter gedeutet habe.

Erfurt
Veröffentlicht: 20. Oktober 2014 Abgelegt unter: Aquarell, Bewohntes Gelände, Bewohntes Gelände 2, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Erfurt, Kloster, Meister Eckhart, Pilgerweg, Thüringen Ein KommentarNach einer Woche thüringer Kloßküche hatte ich in Erfurt erst Mal das Bedürfnis nach etwas Asiatischem, vorzugsweise in Sichtweite einer ansprechenden Kirche. Am Wenigemarkt fündig geworden, fand ich das Teekännchen im Vordergrund anziehender als die (Aegidien-)Kirche im Hintergrund.
(Nein, es raucht nicht aus dem Deckelgriff, da habe ich nur zu dick aufgetragen.)
Und, natürlich, sind Kanne und Tasse eine Hommage an Liz Steel.

Später fand sich dann auch noch die passende Kirche, die Predigerkirche, in der Meister Eckhart sowohl als Novize in den Dominikanerorden eintrat und wohin er später als Prior zurückkehrte.
Diese Kirche im Nachmittagslicht zu zeichnen war eine schöne Übung im Eckhartschen Sinn. (Und ein Gegenpol zum allgegenwärtigen und bis zur Unkenntlichkeit zur Marke etablierten Luther.)
Interkultureller Kuchen in Weimar
Veröffentlicht: 18. Oktober 2014 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Bewohntes Gelände 2, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Pilgerweg, Thüringen, Weimar Hinterlasse einen KommentarVon Kromsdorf im Weimarer Norden ging gestern mein Weg durch die Stadt bis nach Possendorf im Süden. Doch statt zu Goethe oder Schiller führte mich mein Magen zu Koriats Kuchenmanufaktur, wo ich auf einem Gartenstühlchen mit einem schwedischen Möbelhaushocker als Tisch auf dem Gehweg saß und nicht mehr weg wollte. So kam es, dass ich mich statt an Klassik an israelisch inspiriertem Kuchen erfreute und dabei einen historistischen katholischen Kirchenbau zeichnete.
St.Mauritius in Bad Sulza
Veröffentlicht: 16. Oktober 2014 Abgelegt unter: Aquarell, Bewohntes Gelände, Bewohntes Gelände 2, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Luther, Pilgerweg, St.Mauritius, Thüringen Ein Kommentar
St. Mauritius in Bad Sulza
St.Mauritius in Bad Sulza im Abendlicht. Schon in Schulpforta gab es eine Mauritius-Kapelle, beim Nachlesen stelle ich fest, dass der heilige Mauritius u.a. der Schutzheilige der Salzsieder war. Das heiligenverrückte Mittelalter ist lange vorbei, und an Stelle der alten Kapelle steht nun schon seit fast 300 Jahren dieser typisch thüringisch-lutherische schlichte Barockbau, aber der Name ist geblieben.
Ich habe das Bild farblich bereits vor Ort angelegt und ganz mutig auf alle Tintenstriche verzichtet, sondern die Struktur aus Licht und Schatten kommen lassen. Das braucht etwas Zeit, um die Schichten zwischendurch trocknen zu lassen. Das Papier, von Daler-Rowney, ist ganz leicht grau getönt.
Naumburg – Schulpforta – Bad Kösen
Veröffentlicht: 14. Oktober 2014 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände 2, Urban Sketching | Tags: Aquarell, Gotik, Kloster, Naumburg, Pilgerweg, Schulpforta, Thüringen, Zisterzienser Hinterlasse einen Kommentar
Blick auf das Naumburger Marientor
Die zweite Etappe meiner Reise beginnt da, wo die erste aufgehört hat – in Naumburg, und soll über Weimar nach Erfurt führen.
Für den ersten Tag habe ich mir nur die kleine Strecke bis Bad Kösen vorgenommen.
Ich will zeitig aufbrechen, muss aber noch zur Post, überschüssiges Gepäck von der vorangegangenen Reise abschicken. Die Post öffnet erst um neun, ich bin kurz vorher da und setze mich auf die Treppe für eine kleine Skizze. Na, als ich damit fertig bin, ist es bald zehn, und so trödelt sich der Vormittag hin, als ich in Schulpforta ankomme, ist es schon deutlich über Mittag.

Westfassade der Zisterzienser-Kirche in Schulpforta.
Schulpforta ist eine typische Zisterzienser-Gründung im Sumpf, es muss früher dort unerträglich gewesen sein, und auch jetzt noch ist der Kreuzgang düster und modrig.
Die Kirche hingegen schimmert innen wie außen in sanftem Hellgrau. Die Westfassade ist eine Kuriosität, verwendeten doch die Zisterzienser sonst keinen Gebäudeschmuck. Sie wirkt seltsam deplatziert und auch nicht besonders harmonisch, vermutlich hat auch das 19.Jh. seine Vorstellungen von Gotik mit eingebracht.







