Winterliches II
Veröffentlicht: 15. Dezember 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Engel, Erzgebirge, Granatapfel, Moderne, Schwerin Hinterlasse einen KommentarEin Engel kommt selten allein – oder war die ganze Schar Leuchterengel vergangene Woche noch gar nicht angekommen? Ich war so verzaubert von dem großen Kranzengel, dass ich sie nicht bemerkt hatte; erst, als ich vor einigen Tagen ziemlich spät am Abend an dem Schaufenster vorbeikam, sah ich die Versammlung. Es wurde gerade kalt, der Wind zog scharf um die Ecken und ich beschränkte mich auf eine Bleistiftskizze. An den nächsten beiden Tagen kam dann, immer mal zwischendurch ein paar Pinsel voll, die Aquarellfarbe dazu.

Einige Tage vorher hatte ich endlich die beiden Granatäpfel abgebildet, die beim Warten darauf schon ganz trocken geworden waren. Als ich sie nach getaner Zeichnung endlich aufschnitt, waren sie innen noch erfreulich frisch und saftig.

Nebenbei
Veröffentlicht: 4. November 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Meißen, Schwerin, Theater, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen KommentarIm kleinen Hahnemühle-Buch sammeln sich die Bilder, die eher „nebenbei“ entstehen, im Konzert, im Theater oder im Restaurant; manchmal nur ein paar Tinten- oder Bleistiftstriche … Heute war Zeit, mir drei davon vorzunehmen, Farbe oder Schrift zu ergänzen und zu hoffen, dass die Atmosphäre erhalten bleibt.
Zuerst ein kleiner Nachtrag der Dresden-Reise, ein geistliches Chorkonzert im Meißener Dom – der Rücksicht auf die anderen Konzertbesucher geschuldet vor Ort nur mit Füller gezeichnet.

Geistliche Abendmusik im Meissener Dom.
Noch weniger geht im Theater, zumal im Ballett, wo die Tänzer selten still halten, es im Saal dunkel ist und der Nachbar sich womöglich schon räuspert – dennoch war der Bühneneindruck bei dem hinreißenenden Ballett „Andy Superstar“ über Andy Warhol so prägnant, dass ich ihn aus ein paar angedeuteten Linien rekonstruieren konnte.

Andy Warhol auf einem überdimensionierten Sofa in der „Factory“ – Szene aus dem Ballett „Andy Superstar“ am Schweriner Theater.
Zum Schluss, gestern, beim Mittagessen in einem kleineren Einkaufszentrum, bin ich mit meinem Bild fast fertig geworden; nur die Schrift habe ich zu Hause ergänzt. Von einem Logenplatz aus schaute ich auf einen überdachten Innenhof, in dem – so habe ich später nachgelesen – ein Modeflohmarkt aufgebaut wurde.

Irgendwas mit Mode – noch wird aufgebaut.
Vorher, nachher
Veröffentlicht: 26. Oktober 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen, visuelles Tagebuch | Tags: Dresden, Engel, Kuchen, Tee Hinterlasse einen KommentarVor dem Besuch im Albertinum hatte ich noch etwas Zeit, und in dem kleinen Museum im Untergeschoss der Frauenkirche sprach mich dieser hözerne Engel an. (Ehrlich gesagt: mehr als der Puderpastellbarock oben.) Der Engel wurde von dem britischen Künstler Robert H. Lee geschaffen, der als englischer Kriegsgefangener die Zerstörung der Stadt erlebt hatte.

„Der weinende Engel“, eine Holzplastik des britischen Künstlers Robert H. Lee in der Dresdener Frauenkirche.
Danach, zum Gespräch über die vielen Eindrücke, zum Ausruhen, Lesen, noch-mehr-Zeichnen, fand sich ein guter Platz bei „v-cake“, einem veganen Café in der Neustadt. Es war still dort, entspannt, entschleunigt … und neben dem wirklich schmackhaften Kuchen gab es reichlich Flohmarktgeschirr zu zeichnen.

Im Café „v-cake“, trotz Leuchtturm nicht an der Küste, sondern in der Dresdener Neustadt.
Kunstbetrachtung
Veröffentlicht: 24. Oktober 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen, visuelles Tagebuch | Tags: DDR, Dresden 2 KommentareIch zeichne gern in Museen und Ausstellungen. Nichtzeichnende Menschen haben es an meiner Seite nicht immer leicht – entweder ich stürme für den ersten Überblick durch alle Räume, oder ich sitze zeichnend vor dem einen oder andern Objekt – und das kann dauern. Ein Kunstwerk abzuzeichnen – mehr oder weniger genau, als flüchtige Skizze oder als vertiefte Studie – verändert meinen Blick auf das, was ich sehe, es wird schöner vor meinen Augen, tiefer, mehrdimensionaler …
Meist habe ich Farbstifte dabei – Wasserfarbe ist aus naheliegenden Gründen nicht so gern gesehen – , doch oft bleiben die in der Tasche; ich führe die farbliche Gestaltung dann zu Hause aus. So auch bei den beiden Bildern, die ich letztes Wochenende im Dresdener Albertinum gezeichnet habe. Es gab eine große Schau mit DDR-Kunst aus den eigenen Beständen des Museums. Die Auswahl fiel mir schwer, vieles erkannte ich wieder, manches vertraut, manches ganz neu gesehen, manches befremdend.
Da war zuerst Baldur Schönfelders „Nike“. Ich erinnerte mich genau an die DDR-Kunstausstellung, erinnerte mich, wie ich im kalten Februar 1983 gemeinsam mit einem Freund durch die Ausstellungsräume ging, wo die Skulpturen ausgestellt waren, und wie wir erschüttert vor der bandagierten, zu Tode verletzten Siegesgöttin standen.

Baldur Schönfelder, „Nike I“, Bronze, ausgestellt im Dresdener Albertinum
Und dann sah ich „Peter im Tierpark“. Ich behaupte mal, dass es niemanden, wirklich niemanden gibt, der in der DDR der 60er und 70er aufgewachsen ist und dieses Bild nicht kannte. Das Bild war der Star einer Kunstausstellung der 60er gewesen; vielfach reproduziert schmückte es Schulbücher und Schallplatten, erschien als Briefmarke und Kunstdruck. (Immer wieder erinnere ich daran, wie bilderarm diese Zeit im Vergleich zur heutigen war, ohne Hochglanzmagazine, für viele noch ohne Fernsehen, ohne Werbetafeln …)

„Peter im Tierpark“, Zeichnung in A6 nach einem Gemälde von Harald Hakenbeck
Nun sah ich das Bild zum ersten Mal im Original, und ich war überrascht, ja zutiefst erstaunt über seine malerische Qualität. (Die meine winzige Aquarellkopie natürlich nicht wiedergeben kann.) Die scheinbare Schlichtheit des Motivs täuscht: das Ganze ist wunderbar delikat gemalt, die blaue Jacke leuchtet und strahlt, der dekorative Hintergrund entfaltet sich wie ein Wandteppich, vor dem individuell und archetypisch zugleich das Kindergesicht strahlt …
Regen in Berlin
Veröffentlicht: 30. September 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Berlin, Jugenstil Hinterlasse einen KommentarAm Tag, als der Regen kam, war eigentlich ein Familienspaziergang in Berlin angesetzt. Den mussten wir dann etwas abkürzen und nach drinnen verlegen – leider hatte das Bröhan-Museum seine schöne Gemäldesammlung zugunsten einer Sonderausstellung ins Magazin verbannt. Immerhin gab es Jugendstilmöbel.

Ein Jugenstil-Spiegel im Berliner Bröhan-Museum.
In den Hackeschen Höfen war ich das erste Mal irgendwann Mitte der 80er; eine Entdeckung, ein verwunschenes Areal, menschenleer in meiner Erinnerung, still. Durchgang für Durchgang schlenderten wir durch das Labyrinth, bis wir irgendwann in der Sophienstraße ankamen wie am Grund des Brunnens im Märchen. Letztes Wochenende, an einem späten Sonntagnachmittag im Regen, erinnerte ich mich an die vielen Sonntage, die ich damals in Berlin verbracht hatte.

In den Hackeschen Höfen an einem regnerischen Nachmittag.
September
Veröffentlicht: 22. September 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Berlin, Katzen, Kuchen, Schwerin 2 KommentareNein, mit dem Zeichnen Tag für für Tag ist es dann wieder nichts geworden, doch stelle ich erstaunt fest, dass ich in den letzten anderthalb Monaten immerhin ein kleines Hahnemühle-Büchlein mit 30 Seiten (fast) gefüllt habe.
Stillleben gehen immer am besten.

Kaktusfeigen.
Auch im Café zu zeichnen, ist eine unendliche Geschichte und wird mir nicht über.

Ein Freund ist zu Besuch und wir gehen ins Bio-Café Müllers, wo es den besten Kuchen von Schwerin gibt.
Ach ja, vor zwei Jahren war hier noch eine Suppenstube, und wir haben beim allersten Schweriner Zeichnertreffen in dem schönen Hof mit Domblick gesessen.
Das nun folgende Bild fällt aus dem Rahmen – ich habe es nach einem Foto gezeichnet, das meine Tochter von ihrer Katze gemacht hat. Mich hatte darauf das tiefe Schwarz beeindruckt, das ich dann mit dem legendären schwarzen Kalligraphiestift von Pentel umgesetzt habe.

Die Katze Krümel auf dem Fensterbrett.
Bei einem Zeichnertreffen im Berliner Gleisdreieckpark hatte ich die Gelegenheit, mich mit dem kanadischen Zeichner Bob Altwein zu unterhalten – und ihn zu zeichnen.

A Portait of Bob.
Natürlich war ich auch mal wieder japanisch essen – und konnte dabei ganz ungestört den jungen asiatisch aussehenden Mann zeichnen, der hingebungsvoll und sichtlich hungrig mit seiner Nudelsuppe beschäftigt war. Der Kaktus stammt noch von den Vormietern des Lokals.

Nudelsuppe mit Stäbchen.
Einmal nirgends und zurück – Teil 2
Veröffentlicht: 29. August 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Dom, Fachwerk, Harz, Romanik 2 KommentareVon Salzwedel aus bin ich am Abend noch über schnurgerade leere Straßen bis Königslutter gefahren und habe dort übernachtet, um mir am nächsten Tag den Kaiserdom anzusehen. Königslutter kannte ich bisher nur aus den Verkehrsnachrichten, und erst vor kurzem hatte ich erfahren, dass das Städtchen eine bedeutende romanische Kirche beherbergt. Gestiftet wurde sie vom mittelalterlichen Kaiser Lothar III. als Grablege und Klosterkirche, ein Dom im Sinne eines Bischofssitzes ist sie nie gewesen.
Das Kircheninnere ist kurz vor 1900 bis auf den letzten Quadratzentimeter in neoromanischem Stil ausgemalt worden. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich es reizvoll gefunden, mich auch diesem Malereien skizzierend zu nähern; so konzentrierte ich mich auf das, was meiner Vorstellung von Romanik näher kam: den Kreuzgang und die Außenansicht.
- Kreuzgang im Königslutter Dom – mal wieder eine Übung in Perspektive.
- Außenansicht, erkauft mit einem ungenießbaren Stück Kuchen und einem Draußen-nur-Kännchen-Kaffee im Domcafé.
Dann musste ich leider doch auf die verstopfte Autobahn, um noch rechtzeitig in Mühlhausen einzutreffen. Auf dem Fest habe ich, anders als sonst manchmal, kaum gezeichnet; nur die Hündin einer alten Bekannten konnte mir eine Skizze entlocken.

Die Hündin Amani.
Auf der Rückfahrt wählte ich entlang des Westharzes die Landstraße und rastete in Osterode. Was einmal das Westberlin nächstgelegene Gebirge war, ist unübersehbar von Überalterung und Leerstand geprägt; für die Dauer einer Mittagsrast habe ich dann aber doch ein „hübsches“ Motiv gewählt.

Frühbarocker „Ritter“ als Zierde an einem Fachwerkhaus in Osterode.
Sommerbilder II
Veröffentlicht: 22. August 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Aquarell, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, DDR, Fisch, Museum, Obst, Schwerin, Sushi, Tee 2 KommentareTäglich zeichnen – was im Urlaub zu den Grundbedürfnissen gehört, will mit dem Alltag immer wieder neu ausdiskutiert werden, streitet sich mit Meditations- , Bewegungs- und Lesezeit um freie Plätze und Prioritäten ……..
Im Restaurant, im kleinen Freitagsnachmittagsurlaub, geht es leicht von der Hand und muss sich nur mit dem Hunger unterhalten. Und dann sind die Sushi – oh Schreck! – doch schon fast aufgegessen, als mir einfällt, dass ich kein Foto gemacht habe. Weshalb der Tee die Hauptrolle bekommt.

Endlich ein gutes Sushi-Restaurant in Schwerin.
Abends bei Freunden, während die Kinder ins Bett gebracht werden, ist auch eine gute Zeit.

Auch der Sonntag bietet eine Gelegenheit, zu der das Zeichnen dazugehört: einen Museumsbesuch. „Hinter dem Horizont“ ist eine kleine und feine Schau von DDR-Kunst aus der Sammlung des Schweriner Museums, klug präsentiert und kommentiert. Zum Skizzieren entscheide ich mich für ein Bild von Clemens Gröszer, „Bildnis Andrea P. II“. Wie immer, wenn ich ein Bild abzeichne, bin ich mit jedem Blick, mit jedem Strich faszinierter davon. Hier kommt zur Kunstfertigkeit des Malers (allein der raffinierte Ausschnitt mit den ganz leicht angeschnittenen Füßen!) noch ein Wiederkennen dazu: die Abgebildete muss Ende der Achtziger etwa so alt gewesen sein wie ich damals, und sie trug die gleiche Kleidung (von den weißen Lederhandschuhen abgesehen), den gleichen graugrünen Pullover mit überschnittenen Schultern und sich beulenden Nähten, die gleichen Till-Eulenspiegel-Schuhe; der Frisur jener Jahre bin ich bis heute treu geblieben.

Museumsbesuch in Schwerin
Das Montagsbild lasse ich aus, und das von gestern – habe ich heute morgen gemalt. (Was nur funktioniert hat, weil ich den Vorsatz schon gestern Abend gefasst hatte.) Obst aus dem Garten, vom frisch geschüttelten Baum aufgelesen und auf den Frühstückstisch gelegt. Die dekorativen blauen Schatten verdankt es dem Lampenlicht, was um diese Morgenstunde zum Frühstück schon wieder nötig ist.

Morgenobst. Dieses Mal bin ich konzentriert genug, die Lichter freizulassen und muss sie nicht nachträglich mit Marker einfügen.
Sommerbilder
Veröffentlicht: 17. August 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Gemüse, Katzen, Maria Hinterlasse einen KommentarVom dem Belliner Kurs war ein kleines Hahnemühle-Aquarellbuch übrig geblieben, das kam mir gerade recht, um auf überschaubarem Format mal wieder das tägliche Zeichnen zu versuchen. Ab&zu fällt dann doch mal ein Tag aus, aber mit der Zeit stellt sich eine gewisse Routine ein.
Das erste Bild ist vom letzten Freitag, als ich mich im Schweriner Dom an das wunderbare Wochenende in Bellin erinnerte, wo ich zur Gottesdienstvorbereitung ein ähnliches Kreuz gezeichnet hatte. Was man auf den Zeichnungen nicht sieht: dieses hier, aus dem Schweriner Dom, ist ungleich größer, ein riesiges Triumphkreuz. Ich habe es absichtlich so abgebildet, dass sein floraler Charakter in den Vordergrund tritt.

Das Triumphkreuz im Schweriner Dom – ein Nachklang des Wochenendes in Bellin.
Am Samstagabend dann bei Freunden gesessen und das neue Katerchen in einem seiner seltenen Ruhemomente gezeichnet.

Der kleine Kater meiner Freunde hält selten still.
Der 15.August ist ein katholischer Feiertag – Mariä Himmelfahrt. Zum Brauchtum dieses Tages gehört die Kräuterweihe, ein uraltes Ritual. Ich habe mir wenigstens ein meinem Garten einen Kräuterstrauß gepflückt.

Zu Mariä Himmelfahrt pflücke ich abends einen Kräuterstrauß in meinem Garten.
Paprikaschoten! Jedes Jahr kaufe ich welche aus regionalem Anbau, weil sie so schön krumm und bunt sind. Witzigerweise sind sie nachgereift: was gestern Abend noch in vielen Farben schimmerte, ist heute durchgehend langweilig rot.

Alle Jahre wieder: Paprikaschoten vom Markt. (Aquarell ohne Tintenlinien will immer wieder neu geübt werden. Die Lichter habe ich allerdings ganz unorthodox mit Marker gesetzt.)





