Stadtwanderung
Veröffentlicht: 23. August 2020 Abgelegt unter: Allgemein, Urban Sketching | Tags: 20er Jahre, Architektur, Backstein, Freimaurer, Friedhof, Mecklenburg, Schwerin 2 KommentareEine Stadtwanderung hatte ich mir schon lange vorgenommen. Heute war es endlich so weit. Gegen zehn ging ich los, zuerst Richtung Innenstadt. Die erste Rast legte ich auf der Mecklenburgstraße ein, der Schweriner Fußgängerzone. Das „Puppenhaus“ mit seinen leuchtend blauen Terrakottafiguren lag im schönsten Vormittagslicht. Es ist ein Bau des Backsteinexpressionismus (wie das berühmte Hamburger Chilehaus).

Der Weg führte weiter zum Alten Friedhof. Versteckt an einem Seitenweg blickt dort das Grab des Schweriner Stadtbaumeisters Demmler von einem Hügel ins Land. Dieses Grabgebäude ist so bemerkenswert wie bizarr, ist es doch über und über mit Freimaurersymbolen bedeckt. Demmler hatte in Schwerin etwa die Position wie Schinkel in Preußen. Er muss eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen sein; sein Charisma ist auch aus zeitgenössischen Abbildungen noch zu ahnen. Er war ein Liberaler, später Gründungsmitglied der jungen Sozialdemokratie und eben Freimaurer. (Trotz seiner linken Ambitionen hatte er einen guten Draht zum Herzog, was den Hofschranzen überhaupt nicht passte.)
Die meisten der Symbole habe ich mit einem bisschen Googeln entziffern können; am bekanntesten sind, auf der oberen Stufe nur angeschnitten sichtbar, Zirkel und rechter Winkel, die so etwas wie „Liebe und Gerchtigkeit“ bedeuten.

Ich wanderte weiter über den Friedhof, fand einen schicken neuen Radweg mit Rastplätzen und Schautafeln, entschloss ich aber nach einem Blick in den Himmel zur Rückkehr Richtung Innenstadt, ohne Zeichnung; der Regen erwischte mich trotzdem.
Nachdem der abgezogen war, fand ich mich nicht ganz zufällig vor dem Logenhaus der Schweriner Freimaurer wieder. Wennschon, dennschon. Es steht in etwas versteckt einer Seitenstraße neben dem Dom.

Paulskirche
Veröffentlicht: 14. Juni 2020 Abgelegt unter: Architektur, Urban Sketching | Tags: Backstein, mixed media, Neugotik, Schwerin Hinterlasse einen KommentarDie Schweriner Paulskirche ist die dritte und jüngste der Schweriner Innenstadtkirchen, ein typisch neugotischer Bau, der vor allem durch seine Lage auf einem Hügel beeindruckt. Seine spitzen Märchentürme überragen die Wohn- und Geschäftsbauten der im 19.Jahrhundert entstandenen westlichen Stadterweiterung, die bahnhofsnahen Speicher und sogar die Bausünden der 1970er bis 90er Jahre.
Mit dieser Umgebung ist das Areal natürlich ein ideales Zeichengebiet. Im Kreis der Schweriner Urban Sketchers haben wir gestern dort gesessen, zum Glück kaum beeinträchtigt vom Regen. Ich habe mich für einen klassischen Blick und die „Langvariante“ entschieden: hügelauf gesehen von den Pfaffenteichtreppen, mit einer ausgiebigen und genauen linearen Zeichnung. Den großen Auftritt hat hier natürlich wieder einmal die Dachlinie. Koloriert habe ich heute vormittag zu Hause, in sonntäglicher Ruhe.

Doberan
Veröffentlicht: 3. Juni 2020 Abgelegt unter: Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Backsteingotik, Kloster, Mecklenburg Hinterlasse einen KommentarNachdem ich die beiden lebendig-toten Herzöge gezeichnet hatte, versuchte ich es mit der Klosterkirche von außen. Ich wählte einen Platz mit schönen Licht-Schatten-Kontrasten, mummelte mich in Wolljacke und Anorak und brachte die Thermoskanne in Positur. Von außen strahlte der Bau jene gesammelte Klarheit aus, die das überladene Innere hatte vermissen lassen. Leider sprang der Funke nur zögerlich vom Gebäude auf die Zeichnung über: ich maß und verwarf und maß wieder, verlor mich in Strebepfeilern und Fensterbögen hörte irgendwann durchgefroren auf.
Erst vorgestern, drei Wochen später, nahm ich die Zeichnung wieder zur Hand und beschloss, ihr mit Schraffur und starken Kontrasten noch eine Chance zu geben.

Kaum war ich im warmen Auto angekommen, stieg mein Schaffensmut wieder und ich zeichnete den vorderen Teil der Kirche, den Chor, wie ich ihn durch die Windschutzscheibe sah mit seinen schräg angebauten Kapellen, dem komplizierten Über- und Nebeneinander von Verstrebungen und polygonalen Dächern. Auch dies wurde vor Ort nur eine lineare Zeichnung.
Der Himmel hatte sich mittlerweile ganz zugezogen und es herrschte ein diffuses Licht und eine seltsame Farbstimmung zwischen Frühlingsgrün und Backsteinrot. Die habe ich heute versucht, herauszuholen und dabei auf mehrere Lasurschichten noch verschiedene Marker und Buntstifte gelegt.

Kleines Glück im Eis
Veröffentlicht: 30. Mai 2020 Abgelegt unter: Allgemein, Artist Journal, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Backsteingotik, Café, Gotik, Kuchen, Mecklenburg, Renaissance, Wismar Ein KommentarAls ich am 11.Mai nach Wismar fuhr, hatten über Nacht die Eisheiligen begonnen. Ein eisiger Wind fegte den Himmel blau und bog die Bäume, an Zeichnen im Freien war kaum zu denken. Ich hatte mir dieses Mal St.Nikolai mit ihren zahlreichen Seitenkapellen, Altären und anderen Ausstattungsstücken vorgenommen. Am Ende entschied ich mich für ein Detail des riesigen Triumphkreuzes, das nach seiner Sicherung aus der einsturzgefährdeten Wismarer Georgenkirche hierher gekommen war.
Das Medaillon, etwa einen halben Meter hoch, bildet den unteren Abschluss des Kreuzes und symbolisiert den Evanglisten Matthäus. Beim Nachlesen habe ich erfahren, dass dies kein Engel, sondern ein „geflügelter Mensch“ ist – in Analogie zu den geflügelten Tieren der anderen drei Evangelisten (der bekannteste dürfte der geflügelte Markuslöwe sein, der später zum Wahrzeichen von Venedig wurde.)

Nachdem ich noch zwei Runden im Wind um die Kirche gedreht hatte, verabschiedete ich mich endgültig von der Idee, draußen zu zeichnen. Schon auf dem Hinweg hatte ich das „Café Glücklich“ ins Auge gefasst, und glücklich fand ich dort einen Platz am Fenster, einen heißen Kaffee und ein Stück luftig-leichter Torte.

Der Blick aus dem Fenster fiel auf das „Schabbellhaus“, das Wismarer Stadtmuseum, und ich versuchte mein bestes, mich bei der üppigen Renaissance-Fassade nicht mit Details aufzuhalten.

Am Abend war ich dann so gut „eingezeichnet“, dass ich am Rande einer Plauderei bei Freunden noch den Fleiderstrauß auf dem Tisch einfangen konnte.

Storchenwiese
Veröffentlicht: 18. Mai 2020 Abgelegt unter: Alltag, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Greifswald Hinterlasse einen KommentarIn Greifswald war ich auf Familienbesuch, also bekamen Dom und Marienkirche nur ein paar kurze Blicke. Stattdessen zeichnete ich im Tierpark – erst mit schnellen Strichen Alpakas und Erdmännchen und schließlich mit wachsendem Vergnügen die Störche auf der Storchenwiese. Dort brüten flugunfähige Vögel in bodennahen Nestern – eine einmalige Gelegenheit zur Beobachtung der Tiere.

Nördliches Arkadien
Veröffentlicht: 17. Mai 2020 Abgelegt unter: Urban Sketching | Tags: Mecklenburg, Park, Schloss, Schwerin 2 KommentareAufgewachsen bin ich in Potsdam, so wundert es nicht, dass Sanssouci in Sachen Park für mich das Maß aller Dinge geblieben ist. Mit einer Ausnahme: Den Schweriner Gartenanlagen in Schlossnähe, und ganz besonders der Schlossrückseite unter den Türmchen und Kuppeln, mit Rosenterassen, Pavillons und und dem Kolonnadenhof der Orangerie. Hier kann der Blick über den See schweifen, als sei er ein südliches Meer.
Gestern war mal wieder Gelegenheit, dort zu zeichnen, gemeinsam im kleinen – und zeitgemäß ordentlich auseinander gezogenen – Kreis der Schweriner Urban Sketchers. Bei mir waren zuerst mal wieder die goldenen Kuppeln dran, der rückseitige Blick auf den neugotischen Schlosskirchenanbau.

Die zweite Runde verbrachte ich in der unteren Etage, im Orangeriehof mit seinen gußeisernen Säulchen und Gittern. Den vielen unterschiedlichen Strukturen versuchte ich mit einer Extraportion Lockerheit beizukommen. Die Farbe kam hier, wie bei dem obigen Bild auch, zu Hause.

Sonnenaufgang II
Veröffentlicht: 20. April 2020 Abgelegt unter: Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Pat Southern-Pearce, Schwerin Hinterlasse einen KommentarWenn der Ostwind zu scharf über den See weht, kann man natürlich auch in die andere Richtung zeichnen. Zumal, wenn da etwas so hinreißendes steht wie das Schweriner Schloss. Zwar gab es auch hier nur einen Stehplatz, aber immerhin einen mit einer Steinbalustrade in richtiger Zeichenhöhe.
Die Sonne glitzert und gleißt auf den Türmen und Türmchen mit ihren üppigen Vergoldungen – dazu See und Wasservögel und immer blauer werdender Himmel … Kalt ist es trotzdem, vor Ort zeichne ich nur die Dachlinie, den Rest zu Hause im Warmen.

Stilistisch habe ich mich wieder einmal an den Workshop von Pat Southern-Pearce erinnert: Dachlinie, Himmel, Negativraum und ein paar extra Kästchen für Bemerkungen und zeichnerische Notizen.
Sonnenaufgang
Veröffentlicht: 19. April 2020 Abgelegt unter: Farbstifte, Urban Sketching | Tags: Schwerin Hinterlasse einen KommentarIch liebe den frühen Morgen. Wenn es still ist und frisch, drehe ich gern eine Runde um Pfaffenteich oder Ziegelsee; an Wochenende auch bis zum Schloss und darüber hinaus am Schweriner See entlang. Wenn ich den Aufbruch nicht zu sehr hinauszögere, schaffe ich es bis zum Sonnenaufgang. Werktags bleibt meist nur Zeit für ein Foto, am Wochenende kann ich ein Bild einplanen.
Das liest sich zwar ziemlich romantisch (und sieht, wenn gelungen, auch so aus), hat allerdings einige Tücken. Bei der kontinentalen Wetterlage, wie wir sie dieser Tage haben, weht der Wind gern mit knapp über null Grad aus Sonnenaufgangsrichtung über den jeweiligen See. Aquarellfarbe trocknet selbst dann nicht, wenn man das heiße Wasser aus der Thermoskanne nimmt. Sollte man vorhaben, sich warmzulaufen, (was sich empfiehlt) kann man keinen Hocker mitnehmen, muss also an Sitzplätzen nehmen, was so da ist. Und die stehen selten am schönsten Blick. Oder sind trotz Isomatte kalt. Oder oder.
Dennoch ist in den letzten Wochen ein bisschen was zusammengekommen.


Das Kleid der Marschallin
Veröffentlicht: 9. Februar 2020 Abgelegt unter: Allgemein, Urban Sketching | Tags: Kleidung, Oper, Schwerin, Theater Hinterlasse einen KommentarIm Oktober sah ich am Schweriner Theater den „Rosenkavalier“. Ich kannte vorher weder Handlung noch Melodie und war angerührt von der heiter-melancholischen Geschichte zwischen Romanze und Klamauk, an deren Ende die Hauptperson, die Marschallin, eine „reife Frau“, ihren jungen Geliebten an eine andere verliert und dennoch alle Fäden in der Hand behält.

Mit leichten Händen halten und nehmen, halten und lassen …
Ich hatte in der Vorstellung ein paar Striche aufs Papier gebracht und später nach Fotos zu einem Blatt ergänzt.
Gestern nun gab es für uns Schweriner Zeichnerinnen die Möglichkeit, in der Schneiderwerkstatt des Theaters zu zeichnen. Mit großer Freude sah ich dort das Kleid der Marschallin wieder und machte mich daran, es zu zeichnen.

In einem ersten Versuch nähere ich mich dem Kleid von allen Seiten.
Das Kleid gibt der Trägerin Schutz, betont Würde und gesellschaftliche Position, ohne ihre weibliche Reife auszusparen. Und es hat einen komplizierten Schnitt, der der Zeichnerin einiges abverlangt.

Endlich gelingt es mir, die Form zu erfassen. Die Farbe kommt zu Hause.
Männer
Veröffentlicht: 19. Januar 2020 Abgelegt unter: Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Grüner Mann, Schwerin Hinterlasse einen KommentarGestern war der Tag der seltsamen Männer. Also zum Zeichnen. Die Schweriner Urban Sketchers hatten sich im Kaufhaus Kressmann versammelt, um im Warmen und unter Dach sitzen zu können. Vom „Café Honig“ aus hat man einen schönen Blick nach draußen, auf den Dom und die (immer noch leerstehende) alte Post, drinnen kann man die Gäste im Café zeichnen oder es sich im Kaufhaus in einer der Sitzecken gemütlich machen.
Magisch angezogen wurden wir von zwei ganz besonderen Schaufensterpuppen. Die beiden Herren, deutlich lebensnäher als in ihrer Branche sonst üblich, tragen ihre Unterwäsche mit Würde.

Eine schnelle Markerskizze der beiden.

Für die Gesichter habe ich die vor Ort angefangene Bleistiftskizze noch zu Hause mit Gouache ergänzt.
Der dritte seltsame Mann bewacht das Haus gegenüber. Eine Blattmaske, auch als Grüner Mann bekannt – dieser hier ist allerdings aus rotem Stein.

Roter „Grüner Mann“ am Haus gegenüber des Schweriner Kaufhauses Kressmann.
