Begijnhof
Veröffentlicht: 8. August 2019 Abgelegt unter: Amsterdam 2019, Hommage, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching | Tags: Amsterdam, Beginen, Madonna, Pat Southern-Pearce Ein KommentarIm Herzen des Amsterdamer Touristenrummels, zwischen Büchermarkt und Stadtmuseum, gibt es einen Ort der der Stille. Oder sagen wir mal: es gibt ihn vermutlich zwischen 17:00 und 09:00, wenn die Tore für Touristen verschlossen sind und der Platz denen gehört, die darin wohnen. Am Tage strömen die Menschen, zu denen auch ich zähle – immer sind wir selbst ein Teil des Problems – durch den für die Öffentlichkeit freigegebenen Teil und erdrücken durch ihre schiere Menge das, wonach sie suchen.
Ich nahm drei Anläufe, im Begijnhof zu zeichnen. Beim den ersten beiden wurde die Zeit knapp, weil anderes anlag oder die Tore schlossen; erst beim dritten, am Sonntagmorgen vor der Abfahrt, fand ich Zeit und Ruhe, etwas vom Zauber des Ortes einzufangen, in dem seit hunderten von Jahren fromme Frauen – Beginen – gelebt und gearbeitet hatten.

Das Bild ist nach Anregungen der britischen Künstlerin Pat Southern-Pearce, deren Workshop ich in Amsterdam besucht hatte, entstanden. Es ist das letzte Bild aus einer Serie, doch da ich auf der Heimfahrt im Zug daran arbeiten konnte, kam es – im Gegensatz zu den anderen – schon fast fertig in Schwerin an. Nur die Schrift und die Detailzeichnung der Madonna habe ich noch ergänzt. Dieses Madonna am Giebel sagt uns, dass wir uns am Ort eines lange Zeit sehr diskret, weil in eigentlich strikt calvinistischem Umfeld, praktizierten Katholizismus befinden.
Es geht los
Veröffentlicht: 31. Juli 2019 Abgelegt unter: Amsterdam 2019, Mixed Media, Reiseskizzen, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Amsterdam, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen KommentarAm Mittwoch, heute vor einer Woche, geht es richtig los. Jedenfalls mit der Hitze, über 35 Grad sind angesagt. Das Symposium beginnt erst am Nachmittag, genug Zeit für einen ausgedehnten Morgenspaziergang.

Gleich um die Ecke finde ich die Staalmeestersbrug, an der es früh am Morgen noch sehr ruhig ist.
Als ich nach einer kleinen Mittaggsruhe im Hof der Zuiderkerk, einer zum Vernastaltungszentrum umgebauten Kirche, ankomme, summt und brummt der Hof schon von den Zeichnern aus aller Welt, die sich dort versammelt haben.

Anstehen für die Registrierung. 
Kurz bevor die Türen aufgehen – die freiwilligen Helfer tragen rot.
Frisch eingecheckt stürme ich erst einmal zum da-Vinci-Stand, einer von Künstlerbedarfshändlern, die ihren Platz auf der Empore haben. Und wirklich, bei den Pinseln ist die längste Schlange, und als ich die absolviert habe, bin ich um drei neue Reisepinsel reicher.

Die ersten Striche mit einem der neuen Pinsel sagen mir: es hat sich gelohnt!
Belliner Bilderbogen
Veröffentlicht: 21. Juli 2019 Abgelegt unter: Botanische Malerei, Farbstifte, Mixed Media, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Bellin, Pflanzen, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen KommentarVergangenes Wochenende hatte ich, wie schon im vergangenen Jahr, das Vergnügen, im „Haus der Stille“ im mecklenburgischen Bellin einen kleinen Zeichenkurs zu geben. Passend zur Ausrichtung des Hauses ging es dabei weniger um technisches Können als darum, die Wahrnehmung zu schulen und im Hier und Jetzt genau hinzusehen.
So fingen wir auch nach dem Abendessen genau damit an: mit dem Hier und Jetzt und dem, was auf dem Tisch vor uns stand. In meinem Fall war das ein Glas voller Honig von den Bienen der evangelischen Schule in Parchim.

Am nächsten Morgen ging es weiter mit einem „Bilderbogen“ – kleinen schnellen Skizzen zur Motivfindung. Auf meinem habe ich gezeichnet, was ich sehe, wenn ich aus der Tür des Hauses trete – nachdem ich die Kästchen vorbereitet hatte, habe ich dafür kaum mehr als zwanzig Minuten benötigt.

Im weiteren Verlauf des Wochenendes habe ich es einigen Teilnehmer*innen gleich getan und mich mit neuen Materialen vertraut gemacht – in meinem Fall waren das getönte Papiere und deckende Farben.

Hier ein schnelles Porträt mit Gouachefarbe auf dem schönen Paint-On-Papier von Clairefontaine, entstanden beim abendlichen Gespräch im Garten.
Da ich eine Frühaufsteherin bin, konnte ich vor dem Frühstück noch eine Nachtkerze zeichnen – dieses Mal auf die graue Variante dieses Papiers. Die knalligen weißen Linien habe ich zu Hause mit einem Gelroller ergänzt. Ich weiß noch nicht so richtig, ob ich das Ergebnis mag.

Urban Sketching
Veröffentlicht: 1. Juni 2019 Abgelegt unter: Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Schwerin 4 KommentareZeichnen ist seiner Natur gemäß eine etwas einsame Angelegenheit: die Hände sind mit Stift und Papier beschäftigt und der Geist wendet sich möglichst ungeteilt dem Motiv zu. Um so lustiger wird es, wenn sich eine Handvoll Leute treffen, um genau das gemeinsam zu tun: Urban Sketching.
Heute gab es einen Zeichentag in Schwerin, und vom Schweriner Stadtrand bis nach Hamburg, Lübeck, Eutin und Kiel waren Gäste gekommen.



Bärlauchintermezzo
Veröffentlicht: 12. Mai 2019 Abgelegt unter: Botanische Malerei, Farbstifte, Mixed Media, Pflanzen | Tags: Pflanzen Hinterlasse einen KommentarJust an dem Tag, an dem ich aus dem Urlaub kam, steckte etwas besonders Schönes in meinem Briefkasten: ein Hahnemühle Grey Book, das von einer Hamburger Zeichnerin aus per Post seine Runde macht. Das Grey Book, ist wie der Name schon sagt, ein Buch mit grauen Seiten, ein neues Produkt aus dem Hause Hahnemühle, und vordergründiges Ziel der Reise ist das Ausprobieren verschiedener Materialien.
Da das Buch schon eine Weile unterwegs ist, wusste ich, dass sein relativ dünnes und saugfähiges Papier mit Wasser nicht besonders gut zurecht kommt. Materialien zum weitgehend trockenen Arbeiten auf getöntem Untergrund hatte ich mir kürzlich besorgt und machte mich damit ans Werk: wasserlösliche Wachskreiden und die bekannten Albrecht-Dürer-Stifte von Faber Castell, dazu noch etwas weißer PITT-Pen.

Und Urlaubserinnerungen konnte ich am Ende auch noch pflegen, hatte ich mir doch als Zeichenobjekt etwas Bärlauch aus meinem Garten gewählt – ein schwacher Abglanz der endlosen Bärlauchwälder, durch die ich vor zwei Wochen rund um Tübingen gewandert war. (Dieser Bärlauch, in Mecklenburg eher nicht heimisch, ist das Geschenk eines Freundes aus Süddeutschland; im Odenwald ausgegraben und kundig verpackt kamen die Knöllchen eines schönen Frühlingstages vor einigen Jahren per Post bei mir an und haben sich unter den Rosen prächtig vermehrt.)
Neuland
Veröffentlicht: 17. März 2019 Abgelegt unter: Alltag, Botanische Malerei, Mixed Media, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Pat Southern-Pearce, Tulpe 4 KommentareMit diesen gelben Tulpen habe ich Neuland betreten. Genauer gesagt: mit dem Bild, denn gelbe Tulpen gehören seit Jahren zum Spätwinter in meiner Wohnung. Mindestens so lange zeichne ich Bilder von meinem Alltag, von Blumen, Teetassen, Früchten – und fast immer tue ich das mit Füller oder Fineliner und Aquarellfarbe auf weißem Papier.
Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: zum einen ist weißes Papier in unserer Zeit und Kultur das natürliche Schreib- und Zeichenmaterial. Zum anderen habe ich mich, bald nachdem ich mit dem regelmäßigen Zeichnen begann, ganz bewusst zur Beschränkung entschieden. Meine Zeichenzeit ist begrenzt und in dieser Begrenzung scheint es mir nicht sinnvoll, mit immer anderen Materialien zu experimentieren.
Doch nun habe ich mich zu einem Kurs bei der kongenialen Zeichnerin Pat Southern-Pearce angemeldet, deren stark graphische, vom Jugenstil inspirierte Arbeiten ich schon lange bewundere. Sie arbeitet mit Füller, Markern und verschiedenen Kreiden und Buntstiften, und zwar fast immer auf getöntem Papier. In meinem Schrank fand ich noch einen Block naturbraunes Multimediapapier der Marke PaintOn von Clairefontaine und war beim ersten Versuch so begeistert, dass ich mir auch noch die graue Variante besorgt habe. Zusammen mit einem kleinen Satz wasserlöslicher Wachskreiden kam das Päckchen am Freitag an.

Dreimal schwarze Kanne
Veröffentlicht: 26. Januar 2019 Abgelegt unter: Dinge, Mixed Media, visuelles Tagebuch | Tags: 60er Jahre, Bollhagen, Bulgarien, Tee Ein KommentarDie kleine schwarze Kanne fasst knapp vier Tassen Tee; sie hat als Alltagskanne schon meine Kindheit begleitet und ist, fast ein Wunder in über fünfzig Jahren, unbeschädigt geblieben. Heute benutze ich sie nur noch selten, doch wenn, hole ich dazu noch das andere, eben so vorsichtig verwendete schwarz-grüne oder dunkelrote Bollhagen-Geschirr raus. Dabei ist die Kanne selbst gar nicht von Bollhagen, jedenfalls trägt sie keine Marke, auch wenn sie perfekt den Geist – man kann es auch einfach die Mode nennen – der 50er, 60er Jahre verkörpert.
Zeichnen wollte ich sie schon lange mal; jetzt ist eine kleine Serie daraus geworden, mit unterschiedlichen Zeichenmaterialien.

Version 1 ist ein nur mit Aquarellfarbe gemalt und dabei etwas schief und krumm geworden.
Die Versionen 2 und 3 sind beide heute entstanden, und zwar auf mit etwas Wasserfarbe vorgrundiertem Papier.

Version 2 hat die Not zur Tugend gemacht. Mit dickem schwarzen Füller hatte ich die Formen anfangs gründlich verhauen, aber betont krakelige Schrift und knallige Farbe lassen es so aussehen, als wäre das von Anfang an so geplant gewesen.

Version 3 ist mit Bleistift auf eine schon recht kräftig vorgrundierte Fläche gezeichnet und danach noch ein bisschen koloriert, auch mit etwas Deckweiß.
Lemon Curd
Veröffentlicht: 28. Dezember 2018 Abgelegt unter: Artist Journal, Mixed Media, visuelles Tagebuch | Tags: Kochen, Weihnachten Hinterlasse einen KommentarAm Wochenende vor Weihnachten habe ich es dann doch noch geschafft, ein paar Plätzchen zu backen, und neben denen mit Nüssen und Mandelkern haben sich auch solche mit Lemon Curd in den Kreis der Familienrezepte geschlichen. Lemon Curd ist eine weiche Creme aus Butter, Eiern, Zucker und Zitronen; mein Rezept für diese very britische aromatherapeutische Süßigkeit stammt noch aus der DDR-Zeitschrift „Magazin“, in der Ursula Winnington, „die Biolek des Ostens“, ihr Küchenkolumne betrieb.
Bevor es mit dem Kochen losging, habe ich mir noch drei Zitronen auf den Frühstückstisch gelegt und schnell mit Kugelschreiber skizziert – Text und Farbe kamen erst heute dazu.

Die Zeichnung der drei Zitronen habe ich mit Kugelschreiber angefertigt – für mich ein ungewohntes Medium – und dann zügig und locker mit Aquarellfarbe koloriert. Nach den A6-Heften darf es jetzt wieder etwas größer sein: mein derzeitiges Zeichenbuch ist ein 18×23 cm ZETA-Ringbuch von Stillman&Birn, ein Format, das ich sehr schätze.
Winterliches II
Veröffentlicht: 15. Dezember 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Engel, Erzgebirge, Granatapfel, Moderne, Schwerin Hinterlasse einen KommentarEin Engel kommt selten allein – oder war die ganze Schar Leuchterengel vergangene Woche noch gar nicht angekommen? Ich war so verzaubert von dem großen Kranzengel, dass ich sie nicht bemerkt hatte; erst, als ich vor einigen Tagen ziemlich spät am Abend an dem Schaufenster vorbeikam, sah ich die Versammlung. Es wurde gerade kalt, der Wind zog scharf um die Ecken und ich beschränkte mich auf eine Bleistiftskizze. An den nächsten beiden Tagen kam dann, immer mal zwischendurch ein paar Pinsel voll, die Aquarellfarbe dazu.

Einige Tage vorher hatte ich endlich die beiden Granatäpfel abgebildet, die beim Warten darauf schon ganz trocken geworden waren. Als ich sie nach getaner Zeichnung endlich aufschnitt, waren sie innen noch erfreulich frisch und saftig.



